Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2825247-2825381-2825391--1239-2826919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wie "aber soll die Wiedergabe von Wet' und Chaf erfolgen? Das führt uns zur Erörterung einer neuen Gruppe. .}&^9.--. G1 e i c h u n d ä h n 1 ich klinge nde,La ute: Wet und Waw, Chaf und Chet, Kaf und Kof, Taw und Tet, Ssamech urid-Ssin,• Sajivi und Zade.?t a) Die jetzt wohl am öftesten hervortretenden Beispiele zwiespältiger Umschreibung des 3 sind der berühmte Ortsnamen in der offiziellen postalischen Form Tel Aviv neben der mehr oder .minder privaten Tel Awiw und der dem jüdischen Gefühl jetzt so nahe gerückte Begriff Jischuw. V im Klange von w ist nichts Ungewöhnliches und wird ja auch vielfach im Deutschen angewendet, allerdings meist in Wörtern, die aus dem Fremdsprachigen und besonders dem Lateinischen stammen: Valuta, Devisen, Vegetarier, Volontär, Vulkan. Am Wörteride klingt v aber i wie f: Vesuv, ^massiv, neben massives ~ mässiwes Haus, brav, neben braver "brawer Mann. So könnte wohl v für 3 eintreten, wenn wir uns dazu bequemen würden, es auch am Silben- und Wortende als w zu sprechen und zu lesen: leväv lewäw.. Avrahäm Awrahäm, was immerhin neuartig wirken würde. . j Für Waw würde sich dann von selbst w anbieten. Wirklich? Oder geraten wir nicht in ein Dilemma? Denn niemals schreibt man Eva, deren Urmutter im biblischen ein Waw hat, riiit'w; auch die geläufigen Umschreibungen Jehova und Jahve für das hebräische Tetragrammaton, das gleichfalls ein Waw enthält, zeigen kein w. Allerdings präsentieren sich David und Levi (Dawid und Lewi), hebräisch mit Waw geschrieben, in der-Umschrift ebenso oft mit w wie mit v. Was folgt daraus? Für die klangliche Wiedergabe von Wet und Waw sind v und Ay;gleich gut zu gebrauchen. Wir sind für w in beiden Fällen, wollen aber zur Unterscheidung unter das w für Waw einen Punkt setzen. Innerhalb eines Wortes kommt das Waw verhältnismäßig selten vor und so wird das w fast durchgängig die charakteristische Konjunktion Waw anzeigen: whu (und;er),' wajömer ([und] er sprach), w'ahawtä ([und] du sollst lieben). b) Es ist.schon gesagt, daß Chaf eigentlich mit kh wiedergegeben werden müßte. Man darf iaber das Mißtrauen hegen, daß z. B, von den meisten „melekh" nicht, wie wir wünschen, melech, sondern melek gelesen werden dürfte. Damm ist das eindeutigere ch vorzuziehen.- Das bedingt wieder, daß das Chet anders ausgedrückt werden muß. Das kann wohl, wie schon vielfach, durch h mit einem darunter gesetzten Punkt geschehen, der die Emphase,, den starken und scharfen Hauch andeuten soll, h muß dann wie ch in „Dach, Buch" gesprochen werden. Wird das aber der schlichte Leser tun? Wir glauben es nicht. Darum empfehlen wir auch für das pi ein ch, aber mit einem darunter gesetzten unterscheidenden Punkt: lechem (Brot), cheder (Zimmer).' Der berühmte und tüchtige Sportverein sollte sich nicht „Hakoah" schreiben, das Hakoa gelesen und gesprochen wird, sondern wenigstens Hakoah oder noch klarer und eindeutiger: Haköach. " - c) Umschreiben wir Kaf mit k, so könnte wohl für Kof q eintreten, wie wir es schon lange in wissenschaftlichen Büchern finden. Aber auch in diesem Falle sollten wir Heber bei k.bleiben und nur den,Unterscheidungspunkt darunter setzen: karä (er hat sich gebeugt), karä3 (er hat gerufen), kol (Stimme), kol (alles). d) Daß Täw mit und ohne Dagesch gleichmäßig durch t 'darzustellen sei, ist schon erwähnt, also: torä, torät (Lehre), tif oeret (Pracht). Das Tet klingt für unsere Ohren nicht anders .als das Taw, aber es mag gleichfalls durch einen Punkt unterschieden werden: ten tal umatär (gib Tau und. Regen). e) Wenn wir schließlich für die Zischlaute nur die beiden Systematiker Goldmann (G.) und Kohn-Asulay (K.-A.) befragen, so erhalten wir folgende Tabelle: T ü D W V G. z c s i s V. s K.-A.^ . s(z) Z(c) SS s sch(sh) Neben Anlehnung an christliche Grammatiker scheint hierbei Beeinflussung durch lokale Sprech- und Hörweise mitbestimmend zu sein. Von der letzteren Bindung ist natürlich auch der Schreiber dieses Aufsatzes nicht ganz frei, aber doch nicht so beherrscht wie etwa der Süddeutsche. Ihm klingt z vor Vokalen immer wie das weiche s in sagen und Reise, niemals wie das z in zagen und Reize. Wohl kann entgegengehalten werden: es ist ja gar nicht das deutsche z gemeint, sondern das französische. Nun gut. Wir müssen aber hier in Deutschland möglichst nur deutschen Sprachklang in Betracht ziehen und der Durchschnittsleser wird schwerlich an das französische z denken. Wir können für Salin bei s und für Zade bei z verbleiben. Verdoppeltes Sajin ist s mit untergesetztem Strich: s^ Was für ein c soll es übrigens sein, das für Zade vorgeschlagen wird, das lateinische oder das französische? Im Lateinischen, wie es nach neuerer Meinung richtig zu sprechen ist, ist c überall, auch vor e und i, k gleichzusetzen., im französischen wenigstens vor den anderen Vokalen und den Konsonanten. Wo dies nicht geschieht, klingt es sehr weich, gewiß aber viel weicher, als wir das Zade sprechen und es wahrscheinlich je in alter Zeit gesprochen wurde. Das Ssamech durch s wiederzugeben, wie Goldmann es will, scheint gar nicht angängig. Das Ssamech ist nicht weich, sondern stets scharf zu sprechen. Ebensowenig wird Ssin durch s gedeckt, wie Kohn-Asulay es will. Wohl kann man aus dem Munde von Männern, denen Hebräisch-Kenntnis unbedingt zugetraut werden darf, I-srael (mit weichem s) vernehmen, doch ist dies wohl kaum maßgebend und mustergültig. Sse (Lamm) dürften auch unsere Vorfahren anders ausgesprochen haben als se (dieser). Allerdings: Der hebräische Name unserer ersten Stammutter wird in der seit alters her überkommenen Umschrift mit weichem s gesprochen: „Sara" und so viele Namen, aber dias kann für uns nicht bestimmend sein. Wir schlagen vor, Ssamech durch ss und Ssin durch ß anzudeuten. Schließlich noch das Schin. Sh dafür einzusetzen,'nach dem Beispiel des Englischen, liegt kein zwingender Grund vor. Auch davon kann abgesehen werden, das von manchen angewandte V s zu gebrauchen, zugunsten des gewissermaßen „natürlichen" sch. ■ - ösen (Ohr), sman (Zeit), «usus (mächtig). — zarä (Not), jezer (Trieb), erez (Larid). — Ssiddür (Reihenfolge), assür (verboten). — Baßär (Fleisch), cheres (Scherbe). — schemesch (Sonne), baßer (verkünden). . 10. Zusammengefaßt ergibt sich: 1. Vokale und Betonung: kurzes a a, langes a a, betontes kurzes a ä, betontes langes a ä, Halbvokal a —a 2. N 3,y c 3. Schwa: vor Vokal 4. Gleich- und ähnlichklingende Konsonanten: n w>1 w; D cb, n ch; 3 k, p k; n *> I £ t;D ssl;fr ß; T s, z;n h. 5. Verdoppelung: Doppel - Q ss, doppel -^=-0^ doppel-yj sch, doppel-f=s. 11. Eine biblische Textprobe mag ein Gesamtbild geben: Wajjomer elohim: na>sse adäm bzalmenu kidmutenu, wjirdü widgät hajäm u-w'öf haschamäjim, uwabbhemä u-wchol haärez u-wchol haremeß haromeß al haärez. Waj-