Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (1.8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Jü dische S c h u 1 z e i t u n g Nummer;8. meiner Anwesenheit mit dem zuständigen Oberregierungsrat und Ministerial-Dirigenten eine. Besprechung verabredet, die nach vier Tagen stattfinden sollte. Aber schon nach drei Tagen wurde ich in meinem Büro angerufen, und es wurde mir mitgeteilt, daß das Ministerium die Gründung ie einer Knaben- und Mädchenvolksschule als Privatschulen der Jüdischen Ge-. meinde genehmigt habe, und daß binnen kurzem auch die schriftliche Genehmigung eintreffen würde. Wir konnten nun an die Vorarbeiten gehen und zum Beginn des Schuljahres 1927/28 wurden in den Räumen der Knabenmittelschule Große Hamburger Straße je zwei Parallelklassen der unteren Stufen und der Knabenvolksschule und in den Räumen der Mädchenmittelschule, die damals noch Kaiserstraße 29 war, ebensoviele Klassen der Mädchenvolksschule eröffnet. Der Andrang der Schüler und Schülerinnen zu den neuen Schulen entsprach durchaus den Erwartungen, die die Freunde der jüdischen Volksschule gehegt hatten. In späteren Jahren konnte ich wiederholt feststellen, daß mehr, als Ys aller in Berlin vorhandenen jüdischen Schulanfänger sich für die jüdischen Volksschulen meldeten. Es mußten daher mit Genehmigung der Behörden in manchen Jahren drei Parallelklassen eingerichtet werden. Dabei wurde die Frage des Raumes immer mehr akut, da in den Mittelschulen nicht genügend Platz war. Wir versuchten, uns eine Zeitlang durch Errichtung einer Baracke auf dem Schulhof der Mädchenmittelschule zu helfen, aber das half nicht viel. Und so mußte man daran denken, eigene Schulgebäude zu errichten. Ich schlug vor, einen freien Platz neben dem alten Krankenhause inder Auguststraße, der Gemeindeeigentum war, mit einem Schulgebäude zu bebauen und nach dessen Fertigstellung das Vorderhaus des . ehemaligen Krankenhauses abzureißen und auf diesem Platze ein zweites Schulgebäude zu bauen. Der erste Vorschlag wurde durchgeführt, während die Mädchenvolksschulklasse im Jahre 1929 teilweise in den Räumen einer privaten Schule in der Linienstraße untergebracht wurde. Am 30. August 1930 zog sie in ihr neues Haus in der Auguststraße. Dieses Haus ist in seiner einfachen, schmucklosen und doch so praktischen Gestaltung eine Zierde unter den Gebäuden der Jüdischen Gemeinde. Die Kna-~ benvolksschule, die in den Räumen der Knabenmittelschule nicht mehr Platz hatte, wurde zunächst in einem Stockwerk der M'ädchenvolksschule zum Teil untergebracht, aber das war nur eine vorübergehende Lösung. Da die Gemeindebehörden infolge der Verschlechterung der Finanzen nicht mehr zur Ausführung meines oben erwähnten Planes zu bewegen waren, so schlug ich vor, die beiden Mittelschulen in den Räumen der Großen Hamburger Straße zu vereinigen und die Knabenvoiksrschule in dem dadurch frei werdenden Hause der Mädchenmittelschule in der Kaiserstraße unterzubringen. Heftiger Widerstand erhob sich gegen diesen Plan, aber {da der Widerspruch nur aus gefühlsmäßigen Erwägungen hervorging, war die Praxis stärker, und so konnte Oktober 1931 die Knaben-. Volksschule ihr eigenes Haus beziehen. Es sei nebenbeibemerkt, daß alle- Befürchtungen, die an die Zusammenlegung der beiden Mittelschulen geknüpft wurden, sich nichtbewahrheitet haben. Aelter-als diese beiden Volksschulen war eine vom Jüdischen Schulverem begründete Schule, die im Norden Berlins im Gebäude der Synagoge Rykestraße untergebracht war. Ich hielt es für eine selbstverständliche Pflicht der Gemeinde, diese Schule in ihre eigene Verwaltung zu übernehmen, und es gelang mir auch, besonders mit Unterstützung-dies^damaligen Vorsitzenden des Schulvorstandes, Dr. Kollenscher, diesen Plan durchzusetzen. Anfang 1929 wurde die Schule auf den Etat der Gemeinde übernommen. Ihre Unterbringung in anderen Räumen ist mir leider nicht gelungen, da die'finanziellen Kräfte der Gemeinde in der folgenden Zeit dazu nicht ausreichten. So muß sich diese Schule in den sehr beengten Räumen mit ^llerhand Hilfsräumen behelfen, was nicht zur Erleichterung der pädagogischen Aufgaben beiträgt. Die zahlenmäßige Entwicklung der Volksschulen-der Jüdischen Gemeinde hat bewiesen, daß die Freunde der jüdischen Volksschule recht hatten. Sie sind von Anfang an nicht nur Anstalten gewesen, die den Mittelschulen, das nötige Schülermaterial lieferten, sondern sie haben ihre eigenen Aufgaben mit großem Geschick, mit gutem Erfolg gelöst. Die Lehrerkollegien haben unter der Führung von Max Reschke, Johanna Kaphan und Selma Schiratzki ihre Aufgaben aufs Beste erfüllt und die Volksschulen auf eine hohe Stufe gestellt. Knaben-Volksschule Oktober 1932 11 Kl. mit 445 Schül Schuljahr Schülerzahl Ostern 1933 14 Kl. mit 530 . 1927—28 122 Oktober 1933 16 Kl. mit 571 , 1928—29 211 Ostern 1934 20 KI. mit 743 , 1929-30 300 Oktober 1934 20 Kl. mit 757 . 1930-31 388 Ostern 1935 22 Kl. mit 867 , 1931—32 468 Oktober 1935 22 Kl. mit 868 . 1932—33 504 Ostern 1936 23 Kl. mit 881 , 1933-34 596 Oktober 1936 23 Kl. mit 876 , 1934-35 855 Sand am 14. März 1937: 1935-36 890 883 Schülerinnen. 1936-37 . 892 - Bestellschein Unfrankiert i In den Post- ■ kästen werfen Mädchen - Volksschule Zahl der Klassen und der Schüler: Ostern 1927 2 Kl. mit 74 Schül. Oktober 1927 2 Kl. mit 74 „ - Ostern 1928 4 Kl. mit 154 , Oktober 1928 4 Kl. mit i54 , Ostern 1929 6 Kl. mit 218 . Oktober 1929 . 6 Kl. mit 222 t Ostern 1930 9 Kl. mit 332 , Oktober 1930 9 Kl. mit 339 , Ostern 1931 10 Kl. mit 428 „ Oktober 1931 10 Kl. mit 430 , Ostern 1932 11 Kl. mit 441 ' Volksschule Rykestraße 53. Zahl der Klassen und der Schüler: Ostern 1927 8 Kl. mit 229 Schül. . 1928 10 Kl. mit 330 „ „ 1929 10 Kl. mit 434 . . . ,-• 1930 10 Kl. mit 470 , , 1931 10 Kl. mit 523^ , , 1932 10 Kl. mit 530^ . , 1933 10 Kl. mit 410 „ - . 1934 10 Kl. mit 625 . , 1935 10 Kl. mit 700 „ . 1936 10 Kl. mit 734 , Än das Postamt (Zeitungsstelle) Hier Jüdische Schulkinder in Preußen Wir entnehmen der Jüdischen Rundschau die folgende von Max Birnbaum, Berlin, bearbeitete Uebersicht. Nach den jetzt vorliegenden "Zahlen über den Stand des Schulwesens in Preußen am 15. Mai 1936 waren von insgesamt 32 720 öffentlichen Volksschulen 22 791 evangelisch, 8678 katholisch, 1208 paritätisch und 43 jüdisch. Von den hauptamtlich an diesen Schulen beschäftigten 78 716 Lehrern und 28 202 Lehrerinnen waren 80jüdische Lehrer und 25 jüdische Lehrerinnen.. — Von. insgesamt 2 444 696 Knaben, und 2 375 719 Mädchen an den öffentlichen Volksschulen in Preußen waren nach der Religionszugehörigkeit 6034 jüdische Knaben und 6062" jüdische Mädchen. Im Jahre 1935 betrug die Zahl der jüdischen Schüler an den öffentlichen Volksschulen 14 537. Es ist also ein Rückgang um fast 2500 Schüler zu verzeichnen.