Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (1.8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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?*'Nümmer -8 - Jüdische Seh ul zeit ung Seite, ff Hüs den Änfärigen der Volksschulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin von Robert Hirschfeld, Schulreferent i. R. 'Heute werden von der jüdischen Gemeinde zu Berlin vier % Volksschulen verwaltet, die an sechs bzw. sieben Stellen der Stadt ihren Sitzüiaben. Eine andere Volksschule existiert ebenfalls, wenn auch nicht unter der Verwaltung der Gemeinde. Das war nicht immer so. Es hat Zeiten gegeben, in denen um die Errichtung einer einzigen Volksschule heftige Kämpfe geführt wurden, und von dieser Zeit will ich im Folgenden erzählen, als einer von denen, die schon früh für die jüdische - Volksschule eingetreten sind und als derjenige, der die Errichtung der drei ersten jüdischen Volksschulen der Gemeinde mit durchgeführt hat. Als ich im Jahre 1925 in die Verwaltung des Schulwesens der Jüdischen Gemeinde kam, war Moritz Rosenthal Vörsitzen- - der des Schulvorstandes. Mit bewundernswürdiger Einfühlung fand er sich in den vielverschlungenen Wegen der Akten sehr . schnell zurecht, und mit noch größerer Bewunderung muß man feststellen, wie schnell er die Bedürfnisse der jüdischen Jugend in Berlin erkannt hat und bemüht war, ihnen zu entsprechen. Als ich anfing mit ihm zu arbeiten, setzte ich ihm auseinander, daß dreierlei vor allem nötig sei: 1. die Schaffung guten Religionsunterrichts, 2. die Schaffung eines tüchtigen Lehrerstammes und 3. die Schaffung jüdischer Volksschulen. Die beiden ersten Wünsche waren auch seine Wünsche, und wir haben gemeinsam, so gut es möglich war, an ihrer Erfüllung gearbeitet. Von der Notwendigkeit jüdischer Volksschulen hat er sich erst nach einigem Zögern überzeugen lassen, dann aber alles getan, um sie wirklich ins Leben zu rufen. Die jüdische Lehrerschaft in Berlin hatte schon lange vorher immer wieder nach jüdischen Volksschulen gerufen, und im Jahre 1909 bei der Jüdischen Gemeinde den Antrag gestellt, die Begründung städtischer jüdischer Volksschulen in Angriff zu nehmen. Dieser Antrag war ohne Begründung abgelehnt worden. Seine Erfüllung widersprach den alten liberalen Anschauungen, wonach es unstatthaft war, die jüdischen Kinder in gesonderten Schulen unterzubringen. Heute lächeln wir über •solche Anschauungen, damals aber waren sie so fest, daß sie unerschütterlich zu sein schienen. Leider beging die Lehrerschaft damals, einen grundsätzlichen Fehler, indem sie nämlich ihrem Wortführer glaubte, es bedürfe nach den Gesetzen nur des Antrages des Gemeihdevorstandes bei der Stadt. Diese müsse jüdische Volksschulen errichten, wenn 60 bzw. 120 jüdische Hausväter den Antrag beim Gemeindevorstand gestellt hätten. Dies war ein Irrtum, der darauf beruhte, daß die entsprechende Gesetzesvorschrift eine sogenannte „Kann1-Vorschrift"" und keine „Muß-Vorschrift" ist. Ich habe das erst festgestellt, als ich den ersten Rückschlag erlebt habe. Im Jahre 1925 stellte ich Herrn Rosenthal vor, daß die Zahl der jüdischen Schüler in den städtischen Volksschulen in der. Hirten-, Keibel-, Zehdenicker- und .Gipsstraße ausreichte, um zwei große jüdische Volksschulen im Zentrum der Stadt, etwa im Gebäude der Gipsstraßen-Schule, zu errichten. Wir haben daraufhin an die Eltern der jüdischen Schüler der oben genannten Schulen die Anfrage gerichtet, ob sie bereit wären, ihre schulpflichtigen Kinder in städtische jüdische Schulen zu geben. Leider kamen nur wenige Antworten, und von den Antwortenden waren die überwiegende Zahl Ausländer. Eine wiederholte Umfrage brachte zwar ein etwas besseres Resultat, aber es reichte nicht aus, um den Schul vorstand und danach den Gemeindevorstand zu Verhandlungen mit der Stadt zu veranlassen. Trotzdem versuchte Herr Rosenthal in einer Besprechung mit den damaligen maßgebenden städtischen Behörden, deren Bereitwilligkeit zur Errichtung jüdischer Schulen festzustellen. "Aber sowohl.der. Oberbürgermeister rwie der Stadtr schulrat lehnten es ab, überhaupt auf die Idee einzugehen, da sie keine neuen konfessionellen Schulen gründen, helfen wollten. Sie begingen damit denselben Fehler, der in jüdischen Kreisen üblich war. Sie dachten nämlich nicht daran* daß nach den -damaligen geltenden Gesetzen, besonders nach dem Volksschul- Unterhaltungsgesetz von 1906, es in Preußen im Grunde genommen nur konfessionelle Schulen gab, und daß sogenannte Simultan-Schulen nur in ganz geringer Zahl vorhanden waren. Nach dieser Ablehnung hielt ich es für nötig, erst einmal die maßgebenden Stellen unserer Gemeinde für die Begründung der jüdischen Volksschulen günstig zu stimmen. Es gelang mir auch, besonders durch den Hinweis darauf, daß ohne Volksschulen unsere Mittelschulen zum Absterben verurteilt seien. Kurz vorher hatten nämlich die Grundschulklassen dieser Mittelschulen aufgelöst werden müssen, und es war nur noch eine einzige solche Klasse vorhanden, die mit Genehmigung der staatlichen Behörde als Privatschulklasse unter der Leitung von Herrn Reschke weiter bestehen durfte. Es gelang mir, selbst den schärfsten Gegner der jüdischen Volksschule, den damaligen Führer der liberalen Fraktion, Moritz Türk, davon zu überzeugen, daß unsere Mittelschulen eingehen würden, wenn wir nicht durch die Begründung von Volksschulen ihnen neues Schülermaterial zuführen würden. So gelang es, die Repräsentantenversammlung zur Annahme eines Antrages zubewegen: Der Gemeindevorstand solle bei, den staatlichen Behörden die Gründung zweier jüdischer Privatvolksschulen beantragen. Dieser Beschluß des Gemeindevorstaindes wurde auch bald gefaßt, und nun hatten wir in der Schulverwaltung freie Hand. Moritz Rosenthal war damals leider wegen einer schweren Erkrankung aus dem Vorstande geschieden, aber sein Nachfolger, Felix, Makower, nahm sich der Sache mit großem Interesse an. Aber die zuständigen Stellen, besonders die städtischen, waren so säumig, daß wir die Schulen am 1. April 1926 nicht eröffnen konnten. Durch viele Besprechungen gelang es mir endlich, die Angelegenheit so zu fördern, daß die ablehnende Aeußerung der städtischen Verwaltung Anfang Juli 1926 an das Provinzial-Schulkollegium kam. Hier war man aber anderer Meinung als die Stadt und wollte die Begründung jüdischer Volksschulen fördern. Deshalb unterbreitete man Anfang Oktober die Angelegenheit dem Ministerium. Als wir bis Ende November von dort keinerlei Antwort erhalten hatten, veranlaßte ich Herrn Dr. Baeck, am 1. Dezember 1926 mit mir ins Ministerium zu gehen. Ich hatte uns bei dem Sachbearbeiter angemeldet, fand aber, daß er sich nur wenig mit der Angelegenheit, beschäftigt hatte. Nach längeren Auseinandersetzungen bat;, er uns um ein*e Ergänzung unseres Antrages nach verschiedenen Richtungen. Diesem Wunsche wurde sofort entsprochen, und wieder war es still um die Angelegenheit Mitte Januar 1927 unternahm ich es dann, mit dem sachbearbeitenden Regierungsrat noch einmal persönlich Fühlung zu nehmen und stellte bei dieser Gelegenheit fest, daß die nächsthöhere Stelle von unserem Antrage überhaupt noch nichts wußte. Auf meine dringenden Vorstellungen wurde in Ausfüllen und Ihrem Brielträger mitgeben oder unfrankiert in den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten fln das postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir —' bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich 1 mal erscheinende Jüdische Schulzeitung Verlagsort Mannheim 2 zum Preise von RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Voru. Zuname:---------:------------_--------------------------....„■.-------------------............................... Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort:.*............................._....................................................................................... Straße:______ ........................................................... Nr..................Stock_____________ *> Dieser Bestellschein darf nur am Wohnort des Bestellers in den Postbriefkasten geworfen oder dem Briefträger abgegeben werden. Nicht an den. 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