Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (1.8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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-Seite -4- M.d i s cfi e ~Sciiul z e;i t 'iri g Nummef 8; Es handelt sich hier um recht komplizierte Sachverhalte, deren genaue Behandlung über den Rahmen dessen weit hinausreicht, was in der Schule mit Aussicht auf Erfolg erarbeitet werden kann. Es muß sein Bewenden dabei haben, die großen Linien aufzuzeigen, denen die "-Palästinapolitik des Völkerbun-' des und*" Englands gefolgt sindL Geklärt werden müssen vor. allem die Begriffe Völkerbund, Völkerbundrat, Mandatar und Mandat, sowie das Verhältnis der britischen Regierung zu den einzelnen Instanzen. Der Völkerbund ist eine Vereinigung von mehr als einem halben Hundert Staaten, gegründet 1919 zur Erhaltung des Weltfriedens. Die Organe des Völkerbundes sind 1. die Völkerbundsversammlung, die jedes Jahr einmal zusammentritt (das „Plenum"); 2. der Völkerbundsrat, aus 11 Mitgliedern bestehend; 3. das Völkerbundssekretariat (die Geschäftsführung). Jetziger Völkerbundssekretär ist Avenol. 4. Völkerbunds-Kommissionen; dazu gehört die Ständige Mandatskommission, bestehend aus zehn vom .Völkerbundsrat ernannten Mitgliedern. Der Ausgangspunkt der Mandatspolitik ist, soweit Palästina in Frage steht, die sogenannte BalfOurdeklaration, von der oben die Rede war. Sie besagt, daß England sich für die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina einsetzen wolle. Der Beschluß, Palästina England als Mandatsgebiet zu unterstellen, wurde vom Völkerbundrat 1920 in San Remo gefaßt und 1922 in London von der gleichen Instanz als verbindlich wirksam erklärt (ratifiziert)? Seit dieser Zeit läßt England durch einen Hochkommissar in Jerusalem das Mandatsgebiet verwalten. Es ist gehalten, der Mandatskommission des Völkerbundes jedes Jahr einen ausführlichen Palästinabericht zu erstatten. Diese Kommission hat ihrerseits dem Völkerbundsrat Bericht zu geben, der auf Grund der Beurteilung der Situation Anregungen an den Mandatar geben darf. (Die Völkerbundsversammlpng wird mit Fragen der Mandatspolitik nicht befaßt.) Die englische Mandatspolitik ist im letzten. Grunde von den Interessen des. britischen Imperiums bestimmt; sichtbar indes im wesentlichen von dem Verhältnis zwischen Juden und Arabern. Die Spannungen zwischen beiden Gruppen führten mehrere Male zu Unruhen (1921, 1928/29, 1936/37). England reagierte auf diese blutigen Störungen des Palästinäaufbaus nicht mit dem erforderlichen Nachdruck, d. h. nicht mit Einsatz seiner vollen militärischen und polizeilichen Machtmittel. Es entsandte Untersuchungskommissionen nach Palästina, die die Ergebnisse ihrer Arbeit in z. T. ausführlichen Berichten niederlegten, und die dann viele Wochen hindurch Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen in der jüdischen und riiehtjüdischen Oeffentlichkeit gewesen sind. 1921 wurde das Weißbuch dreier vom Hochkommissar ernannter hoher palästinensischer Beamten herausgegeben; 1922 veröffentlichte die englische Regierung das Weißbuch des damaligen Kolonialsekretärs Churchill, eine Interpretation der Balfourdeklaration, die als Richtlinienangabe für die weitere englische Palästinapolitik gelten darf. 1930 erschien als weiteres Weißbuch der Bericht einer vom Kolonialsekretär Lord Passfield ernannten Untersuchungskommission im Anschluß an die Unruhen. Der Führer dieser Kommission war ein hoher Kolonialbeamter Sir Walter Shaw, weshalb der Bericht kurz Shaw-Bericht genannt wird. Er hat wegen seiner Darlegungen, die geeignet. waren,- die zionistische Aufbaupolitik in ihren Erfolgen zu schmälern, große Unruhe in der jüdischen, aber auch in der britischen Welt hervorgerufen, so daß der Premierminister MacDonald beruhigende Erklärungen abgab. Die Regierung ließ sich aber von Sir John Hope Simpson einen eingehenden Bericht über das Verhältnis von Bodenfläche und Einwanderung in Palästinaerstatten. Er wurde gleichzeitig mit dem Passfield-Weißbuch, einer Regierungserklärung, veröffentlicht. Das vorläufige Schlußglied in der Kette der „Weißbücher" ist der Peel-Bericht nebst der dazugehörigen Regierungserklärung. Mit diesen Dokumenten soll eine radikale Lösung der Palästinafrage eingeleitet werden, und mitten in dem. Prozeß dieser Aktion stehen wir in diesen Wochen. 7 r Während diese Zeilen in Druck gehen, hat der Peelbericht^ dessen Vorgeschichte hier ajs bekannt vorausgesetzt wird; dem Weg zu seiner weiteren Behandlung bereits angetreten; Es ist Gegenstand einer Aussprache sowohl im^Oberhaus als auch im Unterhaus gewesen. Lord. Peel hat als Vorsitzender der Königlichen Kommission vor dem Hause der Lords auch mündlich die Gründe' dargelegt, die. ihn und seihe Mitarbeiter veranlaßt haben,. den Plan zur Teilung . Palästinas vorzulegen: Aus der Art* wie die Regierung den Plan allen Instanzen gegenüber als den einzig diskütabeln bezeichnet, geht hervor, daß sie ihn auch durchzuführen gewillt ist. Der Kolonialminister hofft so, mit den Zustimmungserklärungen beider Häuser vor die Tagung der Mandatskommission .in*Genf hintreten zu können. Es wird auch die Zustimmung Nordamerikas herbeigeführt werden, und dann muß es sich zeigen, wie der zionistische Kongreß, die Jewish Agency und die arabische Führung ihren Einfluß auf eine Aenderung der Peelpläne geltend .machen können.. In jedem Falle wird noch eine lange Zeit ver-; gehen, bis der Plan zur Durchführung gelangt sein wird. Ueber das Erdkundliche, das wir in der Schule zu erörr tern haben," unterrichtet die diesem Aufsatz beigegebene Skizze. Die Kinder kennen die jetzige Größe und Grenze Palästinas aus früheren Betrachtungen. Wie groß das jüdische Gebiet sein würde, wenn der Peelplan durchgeführt wird,, ist noch nicht genau festgestellt. Man spricht von 3000 qkm, aber man nennt auch Zahlen bis 6000 (gegenwärtiger Inhalt Palästinas etwa 26 000 qkm). Es bliebe den Juden demnach nur ein kleiner Teil. Es wäre freilich der.von jüdischen Pionieren aus einer Wüstenei zu fruchtbarem Gefilde gewandelte Teil, also Galiläa, das Emek. der Scharon und die Schefela. Beim Nachziehen der geplanten Grenze stoßen die Schüler auf Deganja, und es fällt ihnen auf, daß diese Siedelung außerhalb des jüdischen. Staates liegen soll. Wir erinnern an die Geschichte gerade dieser hervorragenden Kolonien, von der übrigens viele nicht wissen, daß sie „jenseits des Jordans" liegt. (Gründungsjahr 1909; A. D. Gordon!) Reichen Stoff zur Be-. sprechung bietet der in der Skizze wie ein Tennisschläger in die Karte hineinreichende Korridor nach Jerusalem. Hier werden wir geschichtliche Gedankengänge entwickeln und die öntragbarkeit der Abschnürüng Jerusalems von jüdischem Gebiet aufweisen. Aber auch wirtschaftspolitische ErörterunT gen lassen sich anschließen. Ohne weiteres in die Augen dürfte- .die Größe des den Juden entzogenen Negev-Gebiets.fallen. Es ist — gemessen an den andern — ein gewaltiges Stück Land, von Beduinenstammen schwach bewohnt, und es war deshalb die Hoffnung der jüdischen Menschen, die es ebenso zu fruchtbaren Gefilden zu machen beabsichtigten wie die andern Gebiete. Da der Negev das Tote Meer mit seinen Mineralschätzen auf seine ganze Nordsüdlänge, hin bewährt, und da ferner Oel im Negev gewonnen werden kann, so ergibt es sich, daß gerade dieses Gebiet zur Schaffung einer Industrie " geeignet wäre. — Nicht übersehen werden darf auch die Frage, inwiefern der den Juden zugeteilte Landstrich als ein Zwerggebilde, hineingeklemmt wäre in große Nachbarstaaten, die es mit Leichtigkeit erdrücken könnten. Es versteht sich von selbst, daß nicht nur das negativ zu Wertende an dem Peel-Plan zu erörtern ist, sondern auch das Positive. Sollte der jüdische Staat kommen, wenn auch nur in der geplanten Form und Größe, so wäre dem jüdischen Volk eine Chance zu einer weitern beachtlichen Leistung als nationale Gemeinschaft gegeben. Sie umfaßte die Arbeit auf kulturellem Gebiet ebenso,: wie die auf wirtschaftlichem,■-,und es könnte sehr wohl geschehen, daß mit der Wiedererrichtung eines jüdischen Staatswesens in üriSern Tagen ein neuer bedeutungsvoller Abschnitt in der Geschichte der Juden begänne. Den Schülern zu Bewußtsein zu bringen;'-daß sie gerade in dieser Zeit leben, und daß sie voraussichtlich Mithelfer sein müssen, bei der Neugestaltung des jüdischen Schicksals, das ist der Sinn und die Aufgäbe der Unterrichtsstunden, zu denen hier Material geboten werden sollte. Siegfried Bräun..;