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Jüdische Schulzeitung · 1937-07-01 · 7 (1.7.1937) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
7 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7. Jüdische Schulzeitung Seite 5 Welchen Sinn hat diese immerhin zeitraubende und nicht bequeme Uebung? Nicht den, den lebendigen Vortrag des Lehrers irgendwie zu ersetzen. Wir wollen uns davor hüten, zu glauben, es vermittle das Lexikon wohlabgerundete und in voller Plastik hervortretende Bilder aus eigener Kraft Dazu fehlt denn doch der stete Fluß der Gedanken und die Kleinmalerei. Unentbehrlich ist (Jäher das Dazwischentreten des frisch Berichtenden. Und so bleiben Uebungen wie die hier geschilderte selten zu gewährende Geschenke, erholsame Intermezzi im strengen Fortgang des Unterrichts, Intermezzi freilich, die einen pädagogischen Wert in sich tragen. Sie helfen zu ihrem Teil mit, die Kinder zu selbständigem Handeln zu erziehen, sie geistig beweglich werden zu lassen, eroberungslustig, sofern es gilt, die wirre Vielfalt von Möglichkeiten zu bewältigen. Die je nach Bedarf sich bietende Gelegenheit, so ganz spontan täglich das Lexikon um Rat zu fragen, wenn ein Wort, ein Begriff der Erhellung bedarf, sie gibt dem vorn Kinde selber Eruierten einen bessern Halt im Gedächtnis als dem bloß rezeptiv Aufgenommenen; es wird nicht so leicht vergessen, was man selbst aus dem Wust von Wissensmaterialien hervorgeholt hat. Und so ergibt es sich wohl, daß derartige Bücher bald zu wahren Freunden der Schüler werden. , Fr. Sch . . . 1. Von Leseheften und Lesebogen (Schluß) ' n. Es ist ein löbliches Unterfangen, den jüdischen Lesestoff in die jüdische Schule zu bringen und damit eine dringende Forderung zu erfüllen, die im Rahmen der Wandlung innerhalb des Aufgabenkreises des jüdischen Erziehungswerkes nottut. Daß es sich bei der vorliegenden Arbeit1) für fünf Schuljahre nur. hm fünf Hefte, je einen Druckbogen umfassend, handelt, daß also der Versuch, einen Zusatzstoff zu liefern, nur unvollkommen sein kann, braucht im Hinblick auf die bald erscheinenden jüdischen Lesebücher im Licht der Kritik nicht als wesentlich betont zu werden. Daß durch die Ortsgruppe Berlin des Lehrerverbandes ein Versuch unternommen worden ist, ist an sich schon begrüßenswert, und man soll bei aller Nützlichkeit einer sachlichen Kritik nicht vergessen, daß vor ihr die Leistung war. Diese Leistung darf deshalb nicht unterschätzt werden, weil innerhalb des jüdischen Literaturschatzes die Stoffe nur spärlich gesät sind, die für den Unterricht in Frage kommen können. Lesebogen können keine Anthologien sein, in die man das jüdische Gedankengut nach ihrem literarischen Wert aufnimmt. Hier fordert nicht der erwachsene reife Mensch, sondern das Kind. Pädagogische Grundsätze müssen erfüllt, und inhaltlich Wertvolles muß in einer Form dargeboten werden, die der Auffassungskraft der Schuljugend Rechnung trägt. Das sind für die jüdische Schule Forderungen, deren Schwierigkeiten nicht unterschätzt werden dürfen; denn wir haben keinen Peter Hebel oder Ludwig Uhland aufzuweisen, die aus dem deutschen Lesebuch niemals fortgedacht werden können. Volkstümlich-; keit und Kindertümlichkeit im jüdischen Lesestoff sind Forderungen, die erst an die Zukunft gestellt werden können, und wenn die Lesebogen bereits eine Anzahl von Beiträgen aufweisen, die eine besondere Bearbeitung erfahren haben, so ist aus dieser Erkenntnis heraus hier schon der erste Versuch gemacht worden. Man darf schon an dieser Stelle auf die Bearbeitungen . durch Rektor Stern-Berlin ' hinweisen. - Wenn hier auf bestehende Schwierigkeiten, wie sie bei der Stoffauswahl zu überwinden waren, einleitend hingewiesen wird, so soll damit jedoch keineswegs über Unzulänglichkeiten hinweggesehen werden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Herausgeber bei der Gesamtauswahl des Stof- 9 Lesebogen für jüdische Schulen. Herausgegeben von der Ortsgruppe des Jüdischen Lehrerverbandes in Preußen. Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. fes und der Zuweisung an die einzelnen Schuljahre nicht immer eine glückliche Hand gehabt haben, sofern es sich darum handelt, den Grad des Verständnisses und des natürlichen Interesses der Kinder als Gradmesser walten zu lassen. Da bringt das 1. Heft zwei Gedichte von Börries von Münchhausen: „Mose" und „Die Hexe von Endor". Anschließend folgen drei Gedichte aus dem jüdischen Almanach mit der Gesamtüberschrift „Mein Junge". Alles literarisch wertvolle Gedichte, keines aber für das 4. Schuljahr, dem sie zugewiesen sind, geeignet. Ebenso gehen die Gedichte im 3. Heft „Aber die Sterne?", „Junge Harfen", „Das Volk des Herrn" über das Verständnis der Schüler im 5. und 6. Schuljahr hinaus. Und warum immer nur dieses Wühlen in der Schwere des jahrtausendalten jüdischen Schicksals, warum immer nur die matte Resignation? Gewiß, die jüdische Jugend soll die Geschichte ihres Volkes kennen. Diese Kenntnis aber soll sie zur Willensenergie und froher Lebenskraft führen. Wenn es möglich gewesen wäre, die Gedichtauswahl nach dieser Richtung zu erweitern, so deshalb, weil gerade die Sprache der Poesie in besonderem Maße diese Forderung erfüllen kann. Die einleitenden Gedichte des 5. Bogens — ich meine „Stimme Gottes" und „Prophet" sind für reife Menschen mit literarischem Geschmack, nicht aber für Schüler bestimmt. Sie wollen mehr empfunden als verstanden werden. Die Auswahl zeugt von einem feinen künstlerischen Gefühl, aber um die einzelnen Gedichte in den zugewiesenen Jahrgängen den Kindern erfolgreich nahezubringen, dazu fehlen bei den Altersstufen die notwendigen Voraussetzungen. Was die Auswahl der Prosastoffe anbelangt, so darf auf manches Wertvolle hingewiesen werden. Ich nenne hier „Ehre Vater und Mutter", ein hohes Lied auf die Elternehrung, „Der Traum Alexanders", „Die Sabbathfeier im Garten Eden", in welchem die Heiligkeit des Sabbaths verherrlicht wird. Hier handelt es sich um wirklich jüdische Inhalte. Das ist deshalb hervorzuheben, weil ein Lesestoff in seinem Gehalt dadurch nicht jüdisch wird, weil vielleicht ein jüdischer Name darin vorkommt, wie das z. B. in dem Beitrag „Der Schatz" der Fall ist. Der jüdische Mensch als Träger jüdischen Gedankengutes und jüdischer Ethik in seiner Beziehung zum Leben sind Voraussetzungen, die an den Lesestoff für eine nutzbringende Verwendung in der Schule gestellt werden müssen. Was soll man nun, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, zu dem Beitrag „Bonze Schweig" von Perez sagen? Sieht so der jüdische Mensch aus, der der Jugend als Vorbild hingestellt werden kann? Diese saft- und kraftlose Figur! Was sollen frische Jungen mit einem solchen Schwächling anfangen? Oder soll hier am Negativen gelernt werden? Nein, diese Erzählung gehört nicht in die Schule, am wenigsten aber in das 4. Schuljahr. Ausfüllen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert in den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten Hndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die - monatlich lmal erscheinende Jüdische Schulzeitung Verlagsort Mannheim 2 zum Preise von RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpi. Postzustellgebühren. 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