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Jüdische Schulzeitung · 1937-07-01 · 7 (1.7.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
7 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer- 7 Jüdische Schulzeitung Seite 3 aber schon die Aussprache e i n e s jiddischen Dialekts ein besonderes Glossar nötig machen und methodische Schwierigkeiten bereiten, wie sich gleich herausstellen wird. So versuchten wir unsere einheitliche Aussprache und Umschrift auch auf die Erzählungen aus dem Jiddischen zu übertragen. Aber was in der einen Erzählung ging, stellte sich bei der nächsten als unmöglich heraus. Die Verkleinerungsformen bei den Namen zwangen zur Aufgabe der einheitlichen Aussprache. Denn es konnte z. B. nicht „Ssara" heißen, wenn einige Zeilen später die Form „Ssorele" begegnete. Also mußte um des sprachlichen Zusammenhanges willen „Ssore" statt „Ssara" geschrieben werden, d. h. wir wählten notgedrungen die Namen der jiddischen Aussprache und zwar die des litauischen Dialekts, der sich immer mehr als literarische Aussprache des Jiddischen durchsetzt (vergl. Vorbemerkung zu Heft 20). Ueber die Namen wollten wir aber nicht hinausgehen. Der Rezensent meint nun: „Uebertragungen aus dem ostjüdischen Schrifttum mit Sfardit zu durchmischen scheint stilwidrig. „Ich esse nur einmal in der Woche Fleisch, am Schabbat" — so spricht kein Jude in Polen oder in Rußland." Die uns geläufige aschkenasische Aussprache wäre ebensowenig „stilecht", sollten wir dann wirklich die jiddische auch für alle Termini' wählen? Denn mit „Schabbes" statt „Schabbat" ist es noch nicht getan; sollte es nun konsequent heißen: Beßmeddresch, Channeke, Eßreg, Kiddesch, Slieches, weil „kein Jude in Polen und Rußland" Bet ha-Midrasch, Chanukka, Etrog, Kiddusch, Sslichot sagt? W.-r wollen an einem Beispiel verdeutlichen, welche Aussprachen und Umschriften sich für ein und dasselbe Wort ergeben, sobald man den Anweisungen des Rezensenten folgt: In der eigenen Uebersetzung: Tora, in fremden Uebersetzungen oder deutschen Originalen, in denen „die Schreibung des Autors respektiert werden" soll: Torah, Thora, Täuro, Tauroh, Thauro; in eigenen oder fremden Uebersetzungen aus dem Jiddischen schließlich: Tejre, Toire oder Toiri; ähnlich: Schawtiot, Schawuoth, Schabuoth, Schewuot, Schwuot(h), Schebuotli, Schowuauss, Schwuauss, Schwuess, Schwiiss. Aus meinem Material ließen sich unzählige Beispiele dieser Art anführen. Welcher Lehrer würde nun so viele Aussprachen und Schreibungen in ein und demselben Quellenheft dulden und nicht konsequente Vereinheitlichung fordern? ■■■■■■■ Die Frage der Aussprache und Umschrift ist viel schwieriger zu lösen, als ich zu Anfang meiner Arbeiten geglaubt habe. Mit jedem Quellenstück ergaben sich neue Fragen, die zunächst gar nicht vermutet wurden. In Zusammenarbeit mit dem Verlag haben wir dieser Frage viel Zeit und besondere Aufmerksamkeit gewidmet, weil Wir eine sorgsame Arbeit auf einem Gebiete liefern wollten, in dem vielfach Willkür herrscht. ,Für Schulausgaben mit ihrem notwendigen Zwang zur Vereinheitlichung wird kein System, sofern es konsequent durchgeführt wird, alle Fragen in gleicher Weise glücklich lösen. Wir sind für jeden konstruktiven Verbesserungsvorschlag der Kritik dankbar, wenn nur zu merken ist, daß auch der Kritiker vor denselben Schwierigkeiten gestanden hat 2. Die Frage der.hebräischen Texte. Unverständlich bleibt die Bemerkung des Rezensenten: „Es fällt auf, daß eine Anzahl von Stücken in der Originalsprache und dann in der Uebertragung gebracht werden, während zuweilen entweder die Originalsprache oder die Uebertragung fehlt." Die Quellenhefte haben zunächst die Aufgabe, Material in deutscher Sprache für den Unterricht bereitzustellen. Im Einklang mit dem Konzentrationsgedanken, der unseren Arbeiten zugrunde liegt, schien es wünschenswert, auch hebräische Quellen, die für„ den Unterricht nur schwer oder überhaupt nicht zu beschaffen sind, in das Heft mit aufzunehmen. Für die Auswahl ergaben sich aus den Notwendigkeiten eines kulturkundlich betonten hebräischen Unterrichts die Grundsätze von selbst: auf die biblischen Quellen, die ja im Urtext leicht zugänglich sind, konnten wir verzichten. Es verblieben somit: die klassischen Festschilderungen der Mischna, wie das" Wasserschöpffest oder das Darbringen der Erstlinge, die Festvor- Schriften aus den Kodices Schulchan Aruch oder Mischne Tora (alle Texte punktiert!) und wertvolle Dichtungen aus der neuhebräischen Literatur (Kindergedichte Bialiks, Erzählungen Agnons u. ä.), deren sprachliche Erarbeitung in der Schule noch möglich ist. Wir glaubten hiermit, eine wichtige Brücke zürn lebendigen Hebräisch zu schlagen und dem über die Bibellektüre hinausgehenden hebräischen Unterricht zu einer sowohl sprachlich wie inhaltlich unentbehrlichen Grundlage zu verhelfen, wenn er nicht zum bloßen „Iwrit"-Unterrichi; herabsinken will. Die deutsche Uebersetzung wurde beibehalten, um auch den Schulen, deren hebräischer Unterricht sich noch im Uebergangsstadium befindet (von einer Einheitlichkeit auf diesem Gebiet kann ja seit den letzten Jahren nicht mehr die Rede sein), die Möglichkeit zu geben, diese kulturkundlich wichtigen Quellen kennen zu lernen. Auf die deutsche Uebersetzung wurde nur da verzichtet, wo die Einfachheit des hebräischen Textes die Lektüre allen Schulen möglich macht (z. B. Nr. 16, S. 42; Nr. 22, S. 12) oder wo Anspielungen u. ä. nur im hebräischen Originaltext verständlich bleiben (z. B. Nr. 20, S. 57) und durch eine deutsche Uebersetzung viel verloren gehen würde. Der Verlag hat den für die punktierten Texte besonders kostspieligen Satz nicht gescheut und den Preis des Heftes trotzdem so niedrig gehalten, daß es noch billiger ist als jedes deutsche Quellenheft desselben Umfangs. Die hebräischen Lehrer werden diese Hilfe um so dankbarer anerkennen, als infolge der Devisenbestimmungen die hebräischen Publikationen des Auslandes uns nicht mehr zugänglich sind und der hebräische Unterricht daher an einem Mangel an geeigneten Lesestoffen leidet. 3. Zum Schluß noch eine Richtigstellung: Die besprochenen drei Hefte haben nicht zwei, sondern je vier Bogen Umfang. E. L. Ehrmann. Wir wälzen das Lexikon Hier soll keine gelehrte Abhandlung über die Bedeutung des Lexikons für die Erziehung und den Unterricht geschrieben werden, ob es gleich wicht fruchtlos sein möchte, sie zu schreiben. Was hier und heute geschehen soll, ist weiter nichts als dies: darzustellen, in welcher Weise ich in meiner Oberstufe zuweilen versuche, ein Stoffgebiet mit den Jungens gemeinsam zu erarbeiten, und zwar unter Zuhilfenahme der kleinen Lexika, die uns die letzten Jahre beschert haben. Es liegen auf dem Pult meines Klassenzimmers zu dauerndem Gebrauch bereit das Knaursehe Konversationslexikon (Ausgabe 1932), das „P h i 1 o - L e x i k o n , dessen vierte Auflage jüngst erschienen ist1), dazu der „D u d e n" als Wegweiser zu richtiger Schreibung. Diese Führer ins Reich des Wissens werden oft — nicht immer — zu Rate gezogen, wenn im Ablauf des Unterrichts ein unbekanntes Etwas auftaucht, ein Name etwa oder die Umschreibung eines Sachverhaltes. Es treten dann ein paar Schüler nach vorn, suchen die entsprechenden „Stichwörter" auf und lesen die kurzen Abhandlungen vor. Ich selber beschränke mich darauf, die Suchenden zu beraten, notwendige Ergänzungen und Erklärungen zu geben und im übrigen dafür zu sorgen, daß der Zusammenhang im Gefüge der Daten nicht verloren gehe, daß er immer wieder von der Klasse gespürt werde; denn es ist nicht gut, die Lehrstunde zerflattern zu lassen, verlöre sie doch an innrem Gehalt und damit an Kraft, die Jugend zu ergreifen. — Zuweilen aber — es geschieht in Stunden, in denen wirs mit dem Innehalten des Stundenplanes nicht so genau nehmen, an Halbfeiertagen etwa, — da stehen die Lexiken auch einmal mehrere Stunden im Mittelpunkt unserer Arbeit, wobei dennoch ein bestimmtes Thema im Auge behalten wird. So war es jüngst, als wir die Zeit Alexanders des Großen im Bereich der jüdischen Geschichte zu betrachten hatten. Mir war die neue Auflage des Philo-Lexikons eben zugegangen; ein Junge hatte sie auch zur Barmizwah geschenkt bekommen und das Büchlein mitgebracht Ich forderte alle Knaben, die 0 Philo Verlag, Berlin, Preis 4.80 RM.

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