Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2825247-2825381-2825388--1209-2826886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Jirdische Schulzeitung Nummer :7- Zur Frage der Umschrift In der Besprechung der Ehrmannschen Lesehefte in der Juniausgabe u. Bl. ist die Frage der Umschrift des Hebräischen err örtert worden. Daß sie den Schreibenden vor besondre Schwierigkeiten hinstellt, erfährt jeder, der ihr in seiner Arbeit begegnet. Er weiß auch, daß sich die Schwierigkeiten nicht bis ins Letzte hinein meistern lassen. Dennoch dürfte die Auffassung zu Recht bestehen, es müsse ein Weg gefunden werden, der Anarchie auf diesem Gebiet des kulturellen Lebens zu steuern.. Man verfolge einmal die Gepflogenheiten der jüdischen Zeitungen in Deutschland, soweit es sich um die Schreibung etwa hebräischer Namen von Menschen und Städten handelt, und man wird zugeben müssen, daß dieser Wirrwarr nicht zu herrschen brauchte, wenn nur der Wille da wäre, zu einer einheitlichen Auffassung zu kommen. Als Musterbeispiel dieses Wirrwarrs ist uns immer der Stadtname Tel-Aviv erschienen, den kaum ein Blatt so schreibt, wie es nach unserer Meinung richtig wäre. Wir haben festgestellt, daß eine Zeitung, die auf Korrektheit im Satz großen Wert legt, innerhalb weniger Wochen den Namen Tel-Aviv in drei Varianten gebracht hat; sie druckt jetzt richtig bis auf den Bindestrich, den sie aus uns unbekannten Gründen wegläßt^ obgleich der amtliche Poststempel ihn zeigt. Es ist unsere Absicht, die Frage der Umschiifi in unserem Blatt zur Diskussion zu stellen. Als Grundlage der Aussprache. mag der Beilrag dienen, den uns der Bearbeiter der Lesehefte, Herr Di. Ehrmann, Berlin, als Erwiderung zu unseren Ausführungen in Nr. 6 zugestellt hat. Wir bringen den Aufsatz hier ohne wesentliche Kürzungen, weil wir wünschen, daß die Problematik, um die es geht, von möglichst allen Seiten her beleuchtet werde. Wir behalten uns vor, in einer der kommenden Nummern u. Bl. ein die Aussprache abschließendes Wort zu sagen. Die Schriftleitung. Nr. 6 der „Schulzeitung" enthält eine Rezension meiner Quellenhefte „Ssukkot und Ssimchat Tora", „Purim" und „Omer-Zeit und Schawuot" (Jüdische Lesehefte Nr. 16, 20, 22). Soweit es sich nicht um Urteile des Rezensenten über den Wert einzelner Quellenstücke handelt, sondern um sachliche Mißverständnisse-in grundsätzlichen Fragen, schien uns eine Erwiderung und Klarstellung notwendig. 1. Zum Prinzip der Umschrift. Wir gehen bei der Umschrift von dem hebräischen Wortbild aus, und zwar in seiner sefardischen Lautung. Wir schreiben daher: Awraham, Akiwa und nicht Abraham, Akiba mit dem Beta der Septuaginta, Das Ungewohnte w wäre auch bei der Wiedergabe der aschkenasischen Aussprache zu hören, wenn man nur von dem Klang: ausgeht, den die Namen im Hebräischen haben und nicht von den geläufigen Gräzisierungen und Latinisierungen.-Die sefardische Aussprache wurde als die Aussprache gewählt, in der sich heute Juden "aller Länder über Dialektunterschiede hinweg gemeinsam verständigen, sobald sie miteinander hebräisch sprechen. Eine Bewertung der Aussprachen des Hebräischen ist damit noch keinesfalls gegeben. Dieses Prinzip unserer Umschrift — die Wiedergabe des hebräischen Wortklangs — wurde im Einklang mit vielen Publikationen, die sich heute dasselbe Prinzip zu eigen gemacht haben, nur auf Personennamen beschränkt, während Ortsnamen unverändert blieben. Hier fand unsere Auffassung von der Treue gegenüber dem hebräischen Text ihre Grenze: „Man darf allgemein bekannte geographische Namen nicht zu unbekannten machen . . ., weil die Erde nämlich noch da ist und die Menschen gestorben sind" (Buber, Die Schrift und ihre Verdeutschung, Seite 306). Wir schreiben also: Jerusalem und nicht Jeruschalajim, Safed und nicht Z'fat. Es heißt daher zu Recht bei uns: Sinai und nicht Ssinai, wie der Rezensent fordert, um nach unserer Gepflogenheit das stimmlose S des Hebräischen wiederzugeben. Was das Nebeneinander von „kabalistisch", das nur einmal in einei Anmerkung vorkommt, neben dem häufiger vorkommenden „kabbalistisch" betrifft, so ist die erste Form von vielen Lesern ohne weiteres als Druckfehler erkannt worden, da die Schreibung „kabalistisch" weder dem hebräischen Klang des zugrundeliegenden Wortes, noch der im Deutschen üblichen Schreibung dieses Wortes entspricht. So bleibt als letzte der. gerügten Schwankungen: „Scholem Alejchem" wie es in Heft Nr. 20 heißt; hingegen „Scholem Alechem" in Nr. 22. Die Aenderung wurde auf Anraten aus Kollegenkreisen vorgenommen, .um ohne Schaden für die Aussprache eine Unebenheit im deutschen Schriftbild zu; glätten. Von einem Schwanken in der Umschrift dürfte daraufhin hoch kaum gesprochen werden. Meiner Schreibung „Tel Awiw" Mit der Rezensent „Tel- Aviv" als richtig entgegen. Während man für denselben Namen in der Bibel (Ez. 3, 45) bei Luther und in anderen Uebersetzungen die Umschrift „Abib" findet, wird jedoch der Name der Stadt im heutigen Palästina auch von Nichtjuden so ausgesprochen, wie er im Munde ihrer jüdischen Einwohner klingt. Um dieses undageschierte Bet (dasselbe wie in Awraham und Akiwa) wiederzugeben, schreiben die Engländer folgerichtig „Aviv", da ihr W einen anderen Lautwert hat (veigl. water). Betrachtet jemand die englische Schreibweise als verpflichtend, so ist hiergegen nichts einzuwenden. Von dem Herausgeber einer Schriftreihe erwartet jedoch der Rezensent bei der Festsetzung der Grundsätze für die Umschrift und ihrer Durchführung mit Recht „letzte Konsequenz- und Vermeidung jeden Schwankens". Wird also „Tel Aviv" geschrieben, so muß bei Uebernahme dieser englischen Schreibweise für heutige palästinensische Städte und Siedlungen auch beispielsweise geschrieben werden: Ben Shemen, Kfar Hasidim, Yarkon u. ä. Diese englische Schreibweise würde aber in unseren Leseheften mit Recht abgelehnt werden. So wurden diese Namen mit den deutschen Lautwerten wiedergegeben: Awiw (ähnlich schreiben die Deutschen: Tokio, die Engländer wiederum: Tokyo). Ein Bindestrich in „Tel-Aviv", wie ihn der Rezensent schreibt, hat ebensoviel oder ebensowenig Sinn wie in den Worten: Erez-Jissrael, Rosch-Pina u. ä., wo dasselbe grammatische Abhängigkeitsverhältnis vorliegt und wo ein Bindestrich nicht üblich ist. Es würde wiederum nur auf einen Verstoß gegen die Konsequenz in der Umschrift hinauslaufen. ... Aus Gründen der Einheitlichkeit, die bei Leseheften für die Schule geböten ist, wurde in allen Texten einheitliche Aussprache und Umschrift hebräischer Personennamen durch--. , geführt: in eigenen und übernommenen Uebersetzungen sowie deutschen Originalen (zumindest soweit Prosastücke betroffen sind). Es war dies eine Notmaßnahme, um nicht durch die vielen voneinander abweichenden Aussprachen und Umschriften der verschiedenen Autoren ein völliges Durcheinander einreißen zu lassen. Moritz Heimann konnte hiervon nicht ausgenommen werden. Martin Buber, der in seiner Bibelübersetzung eine von der unsrigen etwas abweichende Umschrift durchführt (z. B. Jaakob statt Jaakow) hat uns in großzügigem Verständnis für unsere Schwierigkeiten erlaubt, bei Uebernahme seiner Uebersetzung die entsprechenden Angleichungen in der Umschrift vorzunehmen. Die Bubersche Bibelübersetzung ist in besonderem Maße auf lautes Lesen zugeschnitten, und jeder Laut ist von dem Uebersetzer mit besonderem Bedacht gewählt. Trotz unseres Eingreifens bei der Vereinheitlichung der Umschrift vermochte Buber hierin noch; keinerlei Fehler zu sehen. Neue Schwierigkeiten bereitete die Umschrift in den Uebersetzungen aus dem Jiddischen. Für Uebersetzer, die nicht durch Schulausgaben gebunden sind, müßten folgende Grundsätze, bindend sein, die noch immer nicht beachtet werden: Namen und hebräische Terminü werden in der jiddischen Aussprache wiedergegeben, und zwar nach der jeweiligen Aussprache des betreffenden Dichters, da es keine über den Dialekten stehende allgemeine Aussprache des Jiddischen gibt: z. B. bei Schneur die Aussprache des litauischen,Dialekts, bei' Perez die des polnischen und bei Scholem Alechem die des uk-; rainischen (diese.Regel hat bis jetzt nur der Uebersetzer Salomo Birnbaum beachtet). In unseren Schulausgaben würdet