Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 7 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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13. jahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 7 üdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, KaiserstraQe 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. Juli 1937 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.SiegfriedBraun K ö 1 n-S ü 1 z, Unkelerstraße 17 Die umkämpfte Reichsvertretung Die Presse-Abteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Rat und Präsidialausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland sind am 15. Juni ds. Js. zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Verlauf bestätigte, daß der Reichsvertretung und ihren führenden Persönlichkeiten in folgender Resolution das Vertrauen ausgesprochen wird: „Der Rat der Reichsvertretung spricht Herrn Dr. Baeck und dem Präsidialausschuß, an seiner Spitze Herrn Dr. Otto Hirsch und seinen Mitarbeitern, das uneingeschränkte Vertrauen aus und wünscht, daß die Reichsvertretung die von ihr übernommene Arbeit weiterführt." Zur .Bereinigung einiger Streitpunkte zwischen der Berliner Gemeindeverwaltung und der Reichsvertretung wurde eine Kommission eingesetzt mit dem Auftrag, in kurzer Zeit dem Plenum des Rates Vorschläge zu - machen. Nach dem Verlauf der Tagung besteht die Hoffnung, daß die Kommissionsberatung eine weitere Stärkung der Autorität der Reichsvertretung im Sinne der im Rat nachdrücklich vorgebrachten Wünsche bringen wird. * Die Reichsvertretung ist in den hinter uns liegenden Wochen Objekt ernster Angriffe gewesen. Sowohl der Preußische Landesverband als auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin haben geglaubt, sich für eine Umbildung dieser Spitzenorganisation einsetzen zu sollen. Sie vertraten dabei die Meinung, die Reichsvertretung stelle deshalb nicht die zweckmäßige Form einer obersten. Instanz der Juden in Deutschland dar, weil bei ihrem Entstehen im wesentlichen die auf Grund eines freiwilligen Zusammenschlusses gewordenen jüdischen Organisationen mitgewirkt hätten, nicht aber die als öffentlich rechtliche Körperschaften geltenden Gemeinden und Gemeindeverbände. Sie wünschten weiterhin, die Reichs Vertretung solle sich auf die Bearbeitung bestimmter Gebiete beschränken und andre den Gemeinden und den Gemeindeverbänden überlassen. Auf Grund der Angriffe sah sich die Reichsvertretung zu dem Versuch veranlaßt, klare Verhältnisse herbeizuführen. Sie berief deshalb den Rat zu einer Sitzung zusammen, die am 15. Juni stattfand. Es nahmen in der Sitzung das Wort die Herren Dr. Baeck als Präsident der Reichsvertretung. Dr. Seligs 0 h n für die Reichsvertretung, Direktor Ka r e s k i für den '. Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu-' Berlin und Dr. Hans Klee für den Preußischen Landesverband. Die sehr umfangreiche Aussprache, an der sich eine große Anzahl der anwesenden Herren beteiligten, endete mit der Annahme der oben mitgeteilten Vertrauenserklärung und mit dem Beschluß, den wir im Wortlaut ebenfalls oben mitgeteilt haben. Die Frist für den Abschluß der weiteren Beratungen ist jetzt abgelaufen, und es darf erwartet werden, daß sehr bald die unerquickliche Auseinandersetzung ihren Abschluß gefunden haben und eine stetige Arbeit gewährleistet sein wird. Dem Draußenstehenden ist es sehr schwer, ein klares Bild von den Vorgängen zu gewinnen, die seit Wochen eine starke Beunruhigung in die jüdische Oeffentlichkeit gebracht haben, und sich ein zutreffendes Urteil zu bilden. Soviel darf indes wohl gesagt werden, daß es — rebus sie stantibus — ziemlich gleichgültig ist, ob die Reichsvertretung von der einen oder der andern Seite ins Leben gerufen worden ist. Es sind am Ende die gleichen Persönlichkeiten, die,.vom Vertrauen weiter Kreise getragen, herausgestellt werden konnten, ob das nun von den Gemeinden oder von den privaten Organisationen geschah. In dieser Zeit gibt es innerhalb der Judenheit in Deutschland nur noch eine große umfassende Aufgabe, von der mit Recht gesagt worden ist, daß sie einen Liquidationsprozeß in sich begreift, den es mit Umsicht und mit Anstand zu bewältigen gilt. Da verschlägt es wenig, in welche Kategorie von Gremien man die Vollzugsinstanz einordnen kann. Daß die Mittel, die dieser Liquidationsprozeß, der keineswegs ins Nichts, sondern zu Neuem hinführen soll, erfordert, möglichst sparsam und produktiv verwendet werden müssen, versteht sich von selbst. Direktor Kareski hat, wie wir einem Zeitungsbericht entnehmen, erklärt, es ließen sich die Kosten für den Personal- und Sachaufwand der Reichsvertretung von 400 000 auf 80 000 RM. verringern, wenn die hauptsächlichsten Arbeitsgebiete auf die Gemeinden und Gemeindeverbände übertragen werden. Wir dürfen annehmen, daß die verantwortlichen Persönlichkeiten in der Reichsvertretung diese Auffassung in Vergleich gesetzt haben mit ihrer eigenen, und daß entsprechende Aufklärungen an die Oeffentlichkeit erfolgen werden. Im übrigen aber möchten wir wünschen, daß unsere immer kleiner werdende Gemeinschaft in all der Not und Bedrängnis der Zukunft entgegengehen könne in dem Gefühl, von den rechten Männern in der rechten Weise geführt und betreut zu werden. S. B.