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Jüdische Schulzeitung · 1937-06-01 · 6 (1.6.1937) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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gebnis^e bei manchen derart, daß man von einem Versagen Sßrechen 'kann. Man stößt auf schlechte Leistungen im Gebrauch" der einfachen Mittel. des geistigen Verkehrs im schriftlichen' Ausdruck, im bürgerlichen Rechnen; selbst bei einfachster Problemstellung zeigt sich allgemein ein Versagen. Diese Knaben und Mädchen haben recht oft kein zutreffendes Bild der '"einfachsten Zusammenhänge in der geschichtlichen Entwicklung. Manche sind im allgemeinen und im jüdischen Geschichtsstoff nicht über das 17. Jahrhundert hinausgekommen. Auch die wirtschaftlichen und geographischen Gegebenheiten, in denen wir stehen, werden nicht erkannt. Die naturwissenschaftlichen 'Kenntnisse sind zum Teil recht lückenhaft. Es steht also fest, daß das Schulwissen bei einem erheblichen Teil unserer Jugend nach verhältnismäßig kurzer Zeit in bedenklichem Maße abgenommen hat. . ' Solange man die Schule täglich besuchte, wurden Kenntnisse und Fertigkeiten ständig frischgehalten. Das haftet noch eine gewisse Zeit, bröckelt dann aber bis auf manchmal recht kümmerliche Reste ab. Auch in früheren Jahren konnte man solche Klagen aus den Kreisen der Berufsschullehrerschaft hören. Zahlreiche Prüfungen, die man bei Berufsschülern vornahm, zeigten immer; wieder, wie lückenhaft der geistige Besitz vieler Schulentlassenen ist. Dieser Mangel vergrößert-sich bei Jugendlichen, die mit abgebrochener Schulbildung ins Leben treten. Immer wieder muß man mit Bedauern feststellen, daß nur ein Bruchteil von dem bleibt, was die Schule mit heißem Bemühen zum geistigen Besitz zu machen sucht. Man denkt da unwillkürlich an ein nettes Paradoxon aus Schülermund: „Bildung ist, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat." Es ist hier nicht der Ort, den verschiedensten Ursachen der hier erwähnten Mängel im Schulwissen nachzugehen. Sie sind leider da. Wir brauchen aber auf allen Gebieten, auch im Handwerk'und in der Landwirtschaft leistungsstarke Menschen. Da, wo Mängel in der Schulbildung vorhanden sind, muß der Versuch gemacht werden, sie zu beseitigen, so wie es beispielsweise die Leitung des jüdischen Lehrhauses in Frankfurt am Main versucht hat. Ich möchte noch einen andern Weg -zur Beseitigung der vorhandenen Bildungsmängel vorschlagen; Meiner Meinung nach sprechen doch sehr starke Gründe gegen das Verlassen der Schule mit dem 14. Lebensjahre. Dieser Zeitpunkt erscheint mir für viele Jugendlichen für die Berufswahl stark'verfrüht. Die Forderung, ein 9. oder gar 10. Schuljahr auf die Volksschule aufzusetzen, ist ja nicht neu. Unserer jüdischen Jugend, soweit sie nicht in der Lage ist, eine höhere oder Mittelschule zu besuchen, sollte es ermöglicht werden, freiwillig solche Aufbauklassen zu besuchen. Da, wo vollausgebäute jüdische Volksschulen bestehen, wäre es doch ein Bildungsweg, der ohne erhebliche finanzielle Opfer von einigen jüdischen Großstadtgemeinden begangen werden könnte. Die Verlängerung der Volksschulzeit stützt sich auf pädagogische, psychologische und auch gesundheitliche Gründe. Sie wird die angeführten Mängel in der Allgemeinbildung beseitigen, und da die manuelle Betätigung einen wesentlichen Teil des Unterrichtsstoffes in diesen Klassen ausmacht, wird unserer Jugend auch der Uebergang ins Berufsleben erleichtert. Zudem wird durch Einrichtung solcher Aufbauklassen auch der Andrang zu den bestehenden jüdischen Berufsbildungsänstalten gemildert, denn bekanntlich muß vorläufig wegen Platzmangels eine beträchtliche Zahl von Anmeldungen alljährlich zurückgewiesen werden. Die Einrichtung von hausmütterlichen Klassen, die sich in der preußischen Mittelschule schon seit Jahren bewährt haben, wäre durchaus geeignet, unserer weiblichen Jugend Gelegenheit zu geben, sich die notwendigen Grundlagen für den Hausfrauenberuf anzueignen. Meine Ausführungen sollen nur eine Anregung sein. Ich möchte mit dem Pestalozziworte schließen: „Die Sache der Erziehung Ist in jedem Fall die Sache der Gesamtheit und der Gesamtkraft unseres Geschlechts." > Von Leseheften und Lesebogen Auf der Suche nach geeignetem Lesestoff für jüdische Schulen aus dem jüdischen Kulturkreise gewinnt man die Einsicht, daß die Ausbeute — sofern literarisch belangreiche Darstellungen in Frage kommen — überaus gering ist. Originalschöpfurigen in deutscher Sprache —• wohlgemerkt für die Schuljugend geeignete — gibt es sehr wenig; die Ue^ertragungen aus dem Jiddischen und Hebräischen sind durchweg mangelhaft, ganz abgesehen davon, daß auch die Welt, die da ihre Darstellung findet, nicht ohne Weiteres mit innrer Neigung und Hingabe betreten zu werden pflegt. Das werden die Lehrer bestätigt finden, wenn sie in der Klasse etwa ein Stück von Scholem Alejchem lesen lassen. Immerhin bahnt sich in neuerer Zeit ein Weg zum Bessern an, und wir dürfen erwarten, daß einmal die Schule über eine an Umfang zwar bescheidene, doch an innrem Wert zulängliche . Auswahl jüdischen Lesestoffes verfügen wird. Der Kritik erwächst hier eine ernste Aufgabe. In den letzten Jahren sind unter der Gunst einer plötzlich heraufkommenden Konjunktur Dutzende von Jugendschriften auf den Markt geworfen worden, die sowohl in der Form als auch im Gehalt minderwertig gewesen sind. In normalen Zeitläuften würden ihre Hersteller gewiß keinen Verleger gefunden haben; nun aber winkte der „Erfolg", und die Bücher wurden gedruckt. Unbegreiflicherweise fanden viele von ihnen eine wohlwollende Kritik, und es muß gesagt werden, daß selbst Blätter, die sonst strenge Maßstäbe anzulegen gewohnt sind, nicht immer mit der erforderlichen Sorgfalt zu Werke gingen, wenn es sich um die Anzeige einer Jugendschrift handelte. So darf es nicht sein: es müssen gerade heute hohe Anforderungen an die Publikationen aus der Feder jüdischer Menschen gestellt werden, namentlich aber dann, wenn sie für Kinder bestimmt sind. Aus dieser Auffassung im Hinblick auf die Buchkritik heraus seien heute zwei Schriftenreihen angezeigt, die in der Absicht geschaffen wurden, der jüdischen Schule wichtige Hilfsmittel zu liefern, den jüdischen Unterricht — das Wort hier im weitesten Sinne genommen — zu beleben und zu vertiefen, die eine der Reihen vorwiegend im Bereich des Religiösen, die andre in dem der Deutschkunde. I. In der Reihe der im Auftrag der Reichsvertretung von Adolf Leschnitzer herausgegebenen „Jüdischen Lesehefte" sind im Schocken Verlag jüngst drei, je zwei Bogen starke Qu eilenhefte erschienen: Nr. 16 für Ssukkot und Ssimchat Tora, Nr. 20 für Purim und Nr. 22 für die Omer-Zeit und für Schawuot. Der Bearbeiter der Hefte ist Dr. Elieser L. Ehrmann, Berlin. Es ist in diesen drei gut ausgestatteten Heften mit vielem Fleiß und mit guter Quellenkenntnis eine Fülle des einschlägigen Materials zusammengestellt und in eine übersichtliche Ordnung gebracht worden. Ausgehend von den die Festzeiten begründenden Bibelstellen in der Uebertragung verschiedener Uebersetzer durchwandert Ehrmann mit den Lesern die midraschische und talmudische Literatur bis hin zu den Werken unserer jiddisch, deutsch oder hebräisch schreibenden modernen Autoren der neueren Zeit. Es erscheint in diesen Zusammenstellungen eine Menge Stoffes, der in diesem Umfange wohl von keiner Schule ganz bewältigt werden dürfte, der aber dem Lehrer die Arbeit des mühseligen Sammeins abnimmt und ihm die Möglichkeit gibt, die Auswahl zu treffen, die jeweils für eine Schule zweckentsprechend erscheint. Ein sorgfältig zusammengestelltes Quellenverzeichnis am Ende der Hefte bietet die Handhabe zu weitereindringenden Studien. Wenn es sich hier um die Bereitstellung einer großen Fülle von Material gehandelt hat, so sind von dem Bearbeiter auch weitgehende Ansprüche befriedigt worden; man wird nicht noch einmal Zusammenstellungen von Quellen für die Hand der Lehrer und der Schüler finden, die methodisch und systema-

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