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Jüdische Schulzeitung · 1937-06-01 · 6 (1.6.1937) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite .6 . Jüdische S chüiisei t ü n g Nümm6ri6 weit auch dann, , wenn wir glauben, däß unsere Kinder sich richtig ausdrücken und richtig sprechen. Richtiges Schreiben muß gelernt und immer wieder geübt werden. Ich bin der Ansicht, daß die Kinder, die in der Grundschule nicht richtig schreiben gelernt haben, es später kaum oder nur mit viel Mühe erlernen. In der Grundschule muß das Fundament gelegt werden zu dem Bau, der sich deutsche Sprache nennt. Schon im ersten Schuljahr muß man anfangen, leichte Wörter zunächst nach Silben getrennt schreiben zu lassen. Wenn möglich sollte man jeden Tag im Anschluß an die Lautierübungen einige Diktatübungen machen. Am Ende des ersten Schuljahres müssen die Schüler in der Lage sein, kurze, leichte Sätzcheri. nach Diktat zu schreiben. Vom zweiten Schuljahr an heißt es, den Schülern die eigentlichen Schwierigkeiten des Rechtschreibens zu zeigen. Zunächst steht die lauttreue Schreibung im Vordergrund; auf den vermehrten An- und Auslaut ist besonders zu achten. Dann folgen die ersten Uebungen zum Groß- und Kleinschreiben, die Unterscheidung von langen und kurzen Selbstlauten, das runde und länge s. Vom dritten Schuljahr an sollen, wie der. Lehrplan vorschreibt, alle 14 Tage mindestens Diktate und Schreibübungen ins Heft geschrieben werden. Dehnung und. Schärfung, schwierigere Fälle von Wörtern mit Umlaut, Silbentrennung, ss ünd sz, das Komma bei Aufzählungen und das Fragezeichen sind.zu üben. Das vierte Schuljahr verlangt eine Wiederholung und Befestigung des bis jetzt Erlernten, Gebrauch des Anredefürwortes der zweiten Person im Briefe, das Komma und Ausrufezeichen. Der Lehrstoff für Sprachlehre soll folgendermaßen verteilt werden: Zweites Schuljahr der Satz, der Fragesatz, Dingwort, Tätigkeitswort, Eigenschaftswort, Einzahl- und Mehrzahl, Gegenwart, und Vergangenheit, das beigefügte Eigenschaftswort, Uebungen im Silbentrennen, Selbstlaute und. Mitlaute, A—B—C. Drittes und viertes Schuljahr: Der einfache Satz, der erweiterte Satz, Satzgegenstand, Satzaussage, Bestimmung des Ortes und der Zeit, Beifügung, Zeichensetzung. Das Dingwort mit bestimmtem und unbestimmtem Geschlechtswort in den vier Fällen der Einzahl und Mehrzahl, das Tätigkeitswort in den drei Hauptzeiten, das Eigenschaftswort, das persönliche Fürwort, einige Wortfamilien. Schwierigere Fälle der Silbentrennung, die Laute. Diese Aufzählung des Lehrstoffes für Rechtschreib- und Sprachlehre läßt uns nicht im Ungewissen über den Inhalt unserer Arbeit Schwieriger ist es schon, den Weg zu finden, auf dem wir zu unserem Ziel gelangen. Gerade wir mit unseren kombinierten Klassen können uns keine Experimente leisten. Wenn wir das vorgeschriebene Ziel erreichen wollen, müssen wir, besonders wenn erstes und zweites Schuljahr kombiniert sind, haushälterisch mit unserer Zeit umgehen. Ein gutes sprachliches Lehrbuch ist uns dabei eine unentbehrliche Hilfe. Jede schriftliche Arbeit soll anknüpfen an das im mündlichen Unterricht Erarbeitete. Wollen wir. Dingwort, Tätigkeitswort oder irgend etwas Orthographisches durchnehmen, so gehen, wir von den im Sachunterricht gewonnenen Begriffen aus. Wir schreiben sie an die Tafel, lassen die Kinder neue Wörter bilden und geben dann als schriftliche Aufgabe die entsprechende Uebung aus dem Sprachlehrbuch. In einer der nächsten Stunden können wir dann die zu Hause geschriebenen Wörter auswendig niederschreiben lassen. Die Kinder werden nicht restlos, alle Wörter mehr wissen, aber dafür bilden sie selbständig.neue. Man kann auch das Lesebuch benutzen, .um Sprachförmen und Rechtschreibung zu üben,, aber für die Unterstufe ist es doch besser, sich an das Sprachbuch zu. halten. Enthält das Sprachbuch. ein Sachgebiet, das wir auch im mündlichen Unterricht besprechen wollen, so ist die Einheitlichkeit zwischen mündlicher und schriftlicher Uebung vöri selbst gegeben. Neben . Sprächlehre und: Rechtschreibung erfordert der Aufsatzunterricht eine besondere Pflege. Im ersten Schuljahr kann, vom Schreiben eines Aufsatzes noch keine, Rede sein. Man kann höchstens am Ende des-ersten. Schuljahres ein paar Satzchen niederschreiben lassen. Im zweiten Schuljahr begibt -man sich daran, die Kinder etwas zusammenhängend darstellen zu lassen. Auch jetzt noch gewinnt .man den Aufsatz Satz für Satz in Form "einer gemeinsamen Klassenarbeit. Solangev die Kinder noch unsicher im schriftlichen Gebrauch der Sprache sind, ist es zweckmäßig, zu verlarigen, daß sie sich an das Erarbeitete halten. In dem Maße, wie sie sicherer werden, werden sie auch selbständiger, und ihr Aufsatz bekommt ein persönliches Gesicht. Aufsatzstoffe zu finden ist nicht schwerTDer Lehrplan sagt: ,;Neben die Darstellung inner- und außerhalb der Schule gemachter Erfahrungen "und Erlebnisse tritt der Erinnerungsaufsatz und zu der vorwiegend gedächt- ' nismäßigen Arbeit des Nacherzählens gesellt sich die. schöpferische des freien Gestaltens". Es ist gut, wenn wir uns an diese Anweisung, halten. Alle Kinder werden dann zu ihrem Recht kommen; Die Phantasiebegabten ziehen den Erlebnisaufsatz vor, die Ausdrucksarmen schätzen mehr das Nacherzählen. Für den Lehrer aber heißt es, vor allem darauf zu achten, daß die Schüler ein gutes Deutsch schreiben. Was sie sägen wollen, sollen sie kurz, aber klar und deutlich sagen: Sie sollen auf der untersten Stufe so schreiben, wie sie spre^ chen^ Wir sollen sie keine 'geschraubten Redensäften lehren; sondern sie anleiten, sich natürlich und anschaulich auszudrucken. Für .den Aufsätzstil des Schülers ist der Lehrer verantwortlich, irrt guten wie im schlechten Sinne: An den Aufsätzen des Schülers erkennt man den Lehrer, unter dessen Führung sie entstanden sind. Mit diesem Hinweis auf die Persönlichkeit des Lehrers möchte ich schließen. Ich wollte nicht den methodischen Lehrgang des Unterrichts in der deutschen Sprache schildern oder Belehrungen über Fragen der Praxis erteilen. Ich habe nur versucht, zu zeigen, welche Schwierigkeiten der Lehrer zu überwinden hat, der deutschen .Unterricht an der jüdischen Schule erteilt. Von der Persönlichkeit des Lehrers hängt es ab, wie er seinen Unterricht gestaltet. Es muß ihn nur die Liebe zu unseren Kindern leiten.. Neben dem technischen Können, der sprachlichen Sicherheit und Gewandtheit darf er nicht das große Ziel unserer Schule aus den Augen verlieren, die Erziehung zur jüdischen Persönlichkeit. „Abgebrochene Schulbildung" Von J. Flörsheim -Frankfurt a. Main r Ein großer Teil unsrer Jugendlichen verläßt die höhere Schule ohne abgeschlossene Schulbildung. Es mag sein, daß manchmal die Notwendigkeit besteht, in einer unteren Klasse der höheren Schule abzugehen, aber auch da, wo die Verhältnisse günstiger liegen, halten oft jüdische Eltern und ihre Kinder es für richtig, nach erfüllter Schulpflicht den Bildungsgang abzubrechen. Als Begründüng für diesen Vorgang kann man immer wieder die wenig befriedigende Antwort hören: „ES hat ja doch keinen Zweck, die Schule weiter zu besuchen." Es herrscht zur Zeit eine allgemeine Abneigung gegen das, was der Begriff „Bildung" meint, und doch ist es dringend notwendig, unsere Jugend, die heute zahlreich einem manuellen Berufe zustrebt, mit einem gediegenen Schulwissen auszurüsten, denn sonst ist der volle Erfolg in der Berufsbildung auch in Frage gestellt. Gewisse Mindestleistungen, sowohl in materialer als auch formaler Hinsicht müssen vorausgesetzt werden. . In den.Jahren vor dem Umbruch blieb der größte Teil der jüdischen Schuljugend bis zu einem reiferen Alter in den Höheren Schulen, zumal das reichlich umkämpfte Berechtigungswesen viele Eltern veränlaßte, ihre Kinder, auch wenn sie zum. Teil die notwendige Eignung nicht besaßen, bis .zur Obersekunda oder gar bis zum Abitur die höhere Schule besuchen zu lassen. Erst'dann dachte man daran, an die Berufswahl .zu gehen. An Ausbildungsmöglichkeiteh fehlte es nicht, so daß der Weg ins Leben geebnet erschien. Unsere Jugendr liehen, welche aus der Unter- und Obertertia, manchmal aüch aus der. Quarta, ins Leben treten, sind gegen die gutveranlagten- Volksschulabsolvehten, die ein abgerundetes praktisches Allgemeinwissen mit ins Leben nehmen, im* Nachteil. Prüft man den geistigen Besitz dieser jungen Menschen, so sind die Erj"„ ^BCB'jedi\^1i^Sii^

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