Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 6 (1.6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schülzeitung Nummer 6 Versessen Sie nicht Ihre Bestellung auf die vom Jüd. Lehrerverband in Preußen, Ortsgr. Berlin, herausgegebenen Lesebogen. Bestellkarte liegt der heutigen Auflage bei. Verlag der Jüdischen Schülzeitung Ludwigshafen a.Rh., Schulstraße 14. ' ■' Es mag scheinen, als habe sich hier die Kritik auf Gering^ Jügigkeiten gestürzt, weil am Großen nichts zu kritisieren sei. So ist es nicht; es sollen sich alle Menschen, die verantwortr lieh sind für das, was -an Gedrucktem in die Hände der Kinder kommt, bemühen, nach jeder Seite hin strenge Maßstäbe anzulegen. Gerade weil der Referent in dem hier begonnenen Werk einer jüdischen Kulturkunde einen yielverheißenden Anfang erblickt, und weil er die vorliegenden riefte als ein sehr wichtiges Unterrichtsmittel schätzt, ^glaubte er ins Einzelne gehen zu müssen. S. Bräun. . Fortsetzung folgt. tisch so geschickt angelegt wurden wie die Ehrmannsche. Sobald aber die. Beurteilung von der Quantität zur Qualität fortschreitet, muß festgestellt werden, daß die ausgewählten Stücke, soweit es sich um freie Darstellungen handelt, nicht durchweg einer strengen Kritik Stand halten. Das gilt sowohl für Beiträge aus dem deutschen Sprachbezirk, als auch für die aus dem Hebräischen und Jiddischen übertragenen Stücke. Man lese etwa die ad hoc zusammengestellte Darstellung „Die Landwirtschaft im heutigen Palästina" in Nr. 22 S. 46 in ihrer trockenen wenig besagenden Art; man lasse auf sich wirken das sprachlich völlig unzulängliche „Purim in Tel Awiw" (richtig: Tel-Aviv, der Referent) in Nr. 20 S. 32 ff, oder das nicht nur in seinem Sprachgewande unsympatische „Beim König Achaschwerosch" von Scholem Alejchem, übertragen von Dr. Fritz Amholz und Josef Jakobsohn u. a. m„ und man wird den Unwert derartiger Stücke spüren. Vieles dürfte auch über die Köpfe der Schüler hinweggehen. Ich glaube kaum, daß ihnen ein Stück wie das chassidische „Kaddisch des Rabbi Lewi Jizchak aus Berditschew" nebst dem Kommentar von Ludwig Strauß in Nr. 22 S. 59 f eingehen wird. Es fällt auf, daß eine Anzahl von Stücken in der Originalsprache und dann in der Uebertragung gebracht werden, während zuweilen entweder die Originalsprache oder die Uebertragung fehlt Eine reiche Zahl von Anmerkungen als Fußnoten sollen den Leser über Schwierigkeiten hinwegführen. In den meisten Fällen sind die Erklärungen trotz der notwendigen Kürze wirkliche Erklärungen, zuweilen jedoch besagen sie nichts. Mit der Anmerkung;,Sohar: Glanz. Titel eines Hauptwerkes der kabalistischen Literatur" in Nr. 22 S. 16 werden die Schüler nichts anzufangen wissen. Ein Wort zu dem Prinzip der Umschrift. Im Schocken Verlag gibt es Bestimmungen, nach denen sich die Autoren richten. Darauf hat Ehrmann hingewiesen. Es ist zuzugeben, daß es sich hier um eine besonders schwierige Frage handelt; ich glaube aber, in gewissem Umfang das Richtige zu treffen, wenn ich folgendes sage: Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn in eigenen Darstellungen durchgehend die sefardische Form eines Wortes gebracht wird, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben mögen. Der Leser hat sich dann abzufinden mit ungewohnten -Wörtern wie Bar Kochwa, Akiwa u. a., mit ungeläufiger Konsonantenverdoppelung wie in den Festbezeichnungen Ssimchat Tora und Ssukkot Fordern darf die Kritik aber dann auch letzte Konsequenz und Vermeidung jeden Schwankens. Es muß also Ssiriai und nicht Sinai stehen; es darf nicht einmal kabalistisch und dann kabbalistisch heißen, und Scholem Alechem darf nicht in. Scholem Alejchem hinüberwechseln. Werden Stücke nachgedruckt, die im Original in-deutscher Sprache abgefaßt sind, so muß die Schreibweise des Autors respektiert werden. Auch eine nachträgliche Salvierung macht hier Fehler nicht gut. Ein so feiner Sprachmeister wie Moritz Heymann hätte es sich gewiß nachdrücklich verbeten, seinen Akiba in Akiwa umzuwandeln. Uebertragungen aus dem ostjüdischen Schrifttum mit Sfärdit zu durchmischen scheint stilwidrig. „Ich esse nur einmal in der Woche Fleisch, am Schabbat" — so spricht kein Jude in Polen oder in Rußland. ..... I Hbraham Reinhardt | unser lieber Kollege und Freund ist am 3. Mai von uns gegangen. Von einer Palästinareise zurückgekehrt, die ihm Erfüllung seines großen und einzigen Lebenswunsches bedeutete, legte er sich nieder, um nach kurzem Krankenlager friedlich zu entschlummern. Wer mit ihm in enger Zusammenarbeit stand, der vermag es noch nicht zu fassen, daß er nicht mehr unter uns weilen soll; denn die Lücke, die sein Tod gerissen hat, wird nur schwer — vielleicht gar nicht.— auszufüllen sein. Aus seiner heißen Liebe zum Judentum heraus hat er sich im ber sondern dem hebräischen Unterricht gewidmet und sich auf diesem Gebiet, immer neue Wege suchend, zu einem anerkann-. ten Spezialisten entwickelt. Als Lehrer war er von einem tiefen Ernst, einem ruhigen Gleichmaß und einer unbedingten Pflichttreue erfüllt, die über die oft notwendige eigene Schonung hinausging. Treu war er in seinem ganzen Sein, schlicht in seiner Art, ein Symbol der Kollegialität und hilfsbereit stets allen, die zu ihm kamen. Der Verein jüdischer Lehrer Rheinlands und Westfalens hat ihn als Vorstandsmitglied verloren. Er gehörte zu seinen Besten. Aus der Lehrergeneration der Jahrhundertwende hervorgegangen, war ihm die Mitarbeit am Ganzen, wie sie in der Vereinsarbeit zum Ausdruck kam, zur Tradition geworden. In seiner Eigenschaft als Lehrer gehörte er als vertretendes Ratsmitglied dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden an. So steht Abraham Reinhardt vor uns als eine Lehrerpersönlichkeit von ernstem Wollen und hohem Können, als ein Mensch reinster Wesensart und als ein liebenswerter Freund. Er bleibt bei uns lebendig, auch da ihn die kühle Erde deckt. Eugen Jacobi, Köln. Der Verein jüdischer Lehrer Rheinlands und Westfalens betrauert aufs tiefste den Heimgang des Vorstandsmitglieds Abraham Reinhardt. Was er dem Verein und jedem einzelnen Mitglied gewesen, das kommt in beredter Weise zum Ausdruck in den vorstehenden Gedenkworten. Wir machen sie uns s mit dem Gelöbnis zu eigen, des Heimgegangenen Bild treu in unserm Gedächtnis zu bewahren. Buchheim, Dortmund. Am 24. Juni vollendet Kollege Hauptlehrer i. R. Willi Bachrach, früher in Altona, jetzt in Hamburg, Husumer Straße 1, lebend, seinen 70. Geburtstag. Dieser bekannte Schulmann kam frühzeitig mit dem Kreis um Jakob Loewenberg und Meier Spanier in Berührung, in dem ihm Gelegenheit gegeben war, seinen schöngeistigen Neigungen entsprechend zu arbeiten. In geistiger Nähe zu. Feiner und Wolgast stellte sich Bachrach in die Reihen der Männer, die eine Reform der Jugendschriftenliteratur anstrebten, und im. Kampfe gegen die Schundbücher führte er oft eine starke scharfe Klinge. Wir wünschen dem trefflichen Kollegen noch viele Jahre ungetrübter Lebensfreude im Kreise seiner Lieben! Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun. Hauptschriftleiter, Köln-Sülz, Unkelerstraße 17; Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. l.Vj. 795 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.