Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 6 (1.6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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würdigt gemä'cht hatten.' Sühheriten mußten dem Tempel und den Altären ihren heiligen Charakter immer wieder von neuem wahre». Die linnen'en. Gewänder, die der Priester beim .Opferdienst trug, mußte er vor seiner Berührung mit dem Volke ablegen, damit das Heilige nicht profaniert wurde. ..; So sollte der Tempel mit allen seinen Einrichtungen und Bräuchen den Blick des Volkes auf Gott lenken und ihm zum Bewüßtseih bringen, daß er der Heilige sei, dem man nur in Scheu und Ehrfurcht nähen, der nur unter bestimmten Formen verehrt werden dürfe, die seinem heiligen, über alles Profane erhabenen Wesen angemessen und geeignet waren, alle kanaanitischen und sonstigen fremden Elemente vom Dienste des einen Gottes fem zu halten. Wenn aber das Volk Gott in so würdiger Weise dienen wird, dann wird der Ewige Jerusalem zu seinem dauernden Wohnsitz machen. Unterhalb der Schwelle des Tempels wird eine Quelle entspringen, die in ihrem weiteren Laufe, zu einem mächtigen Strome wird. Er wird dem Lande Fruchtbarkeit geben, und selbst das Wasser des Toten Meeres gesund machen; seine Ufer werden zu einem Fruchtgärten werden, und seine Fluten sich mit einer Fülle von Fischen bevölkern. Jerusalem aber wird den Namen bekommen: „Der Ewige daselbst." Im Gegensatz zu den früheren Propheten Arnos und Hoseä, Jesäja und.Jeremia, wird in diesem Abschnitt von Ezechiel das Kultische, die rechte Art der äußeren Gottesverehrung, einseitig betont. Nur in 45, 9—10, wird dem Fürsten des Volkes gerechtes Regiment zur Pflicht gemacht. Daß Ezechiel dem Kultus einen größeren Wert beimaß als seine Vorgänger, wird zum Teil darin seinen Grund haben, daß er selbst >aus priesterlichem Geschlecht war, doch werden wir darum nicht annehmen dürfen, daß er sittliches Verhalten, das die früheren Propheten als die Forderung der Religion angesehen haben, der gegenüber der Kultus von geringer oder gar keiner Bedeutung war, für gleichgültig oder auch nur für minderwertig gehalten hätte. Dafür liefert vor allem' Kap. 18 einen vollgültigen Beweis. Aber wir verstehen den Propheten vielleicht recht, wenn wir annehmen, daß er mehr als seine Vorgänger den Wert des Kultischen in seiner Bedeutung für die Erziehung zur religiösen Gesinnung erkannt habe. Die sittlichen Forderungen aber hier noch einmal ins rechte Licht zu stellen, lag für ihn keine Veranlassung vor, nachdem er seine Ansicht darüber oft genug und deutlich geäußert hatte. Im übrigen geht es nicht an, Ezechiels Forderungen bezüglich des Tempels und des Opferdienstes vom modernen Standpunkt aus zu beurteilen/Einen anderen Kultus als den durch Opfer kannte Ezechiel nicht, und es wäre ein Anachronismus, von ihm Vorschläge für einen Gottesdienst zu erwarten, wie er sich seit seinen Tagen in mehr 'als lOOOjähriger Entwicklung gestaltet hat. Daß wahre Religion auch ohne Kultus bestehen kann, scheinen zwar die älteren Propheten geglaubt zu haben. Doch muß bei aller Ehrfurcht vor ihnen gesagt werden, daß sie damit dem Bedürfnis des Volkes nicht Rechnung getragen haben. Ezechiel erweist sich als praktischer als sie, da er auch den Kultus in den Dienst der religiösen Erziehung stellte. „Die früheren Propheten haben sich mehr mit den sittlichen Bedingungen . . . der idealen künftigen Theokratie beschäftigt. Dieser (Ezechiel), hat es hier zumeist mit der materiellen Ordnung, mit der Verfassung der Kirche der neuen Zeit zu tun, und man darf wohl sagen, daß er damit für die Erhaltung .des Judentums mehr getan hat als irgendein Prophet vor ihm", so urteilt der protestantische Theologe Eduard Reuß .(Die Geschichte der heiligen Schriften Alten Testaments, S. 438). Die meisten protestantischen Theologen allerdings, sehen in seiner Vision vom Neuen Jerusalem einen Abfall von der Höhe des Prophetismus. Sehr zu Unrecht, wie hier gezeigt .zu, werden versucht wurde. Die ganze Entwicklung des späteren Judentums über Esra, die Schriftgelehrten, die Tannaiten, die Amoräer und die Dezisoren des Mittelalters hat mit Ezechiel ihren Anfang genommen. Wir müßten diese ganze Entwicklung als einen Abstieg von der Höhe des Prophetismus bezeichnen!, wenn wir Ezechiels Auffassung von der Bedeutung des Kultischen für einen Irrtum hielten. Unser jüdischer Kalender im Rechenunterricht Von Prol. i. R. Ludwig Basnizki-Heidelberg In der Nummer 5 der Jüdischen Schulzeitung hat Herr Weindling-Essen einen Arbeitsbericht gegeben, der die Durchdringung des Rechenunterrichts mit jüdischen Stoffgebieten darlegte. Es wurden vier statistische Aufgabenkreise erörtert, nämlich die Bevölkerungsbewegung der Juden in der Heimatstadt, in Deutschland, in der übrigen Welt und insbesondere die Besiedelung und der Landanteil der Juden in Palästina. Es sei mir gestattet, diesen vier Gebieten, die wohl von jedem Lehrer mehr oder weniger beackert werden, ein fünftes hinzuzufügen, das wie kein anderes geeignet sein dürfte, die Querverbindung zwischen Judentum und Rechenunterricht herzustellen. Ja es ist nicht nur der Rechenunterricht, der daraus mit Vorteil Beispiele schöpfen kann, sondern auch der naturkundliche, der geschichtliche und der hebräische Unterricht. An zwei Beispielen, die aber stark vermehrt werden können, soll dies zum Ausdruck gebracht werden. I. Der jüdische Monat. Unser jüdisches Jahr ist ein Mondjahr. Dies gibt dem Lehrer Veranlassung, die Bewegung des Mondes und seine vier Phasen — 1. Viertel, Vollmond, letztes Viertel, Neumond — zu behandeln. Die Dauer eines solchen synodischen Monats Wird im jüdischen Kalender. seit uralten Zeiten mit 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten, 3V3 Sekunden angegeben, ein Wert, der von dem heutigen wissenschaftlichen Wert 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten, 3 Sekunden nur um Vb Sekunde abweicht. Allerdings wurde im jüdischen Zeitmaß nicht mit Minuten und Sekunden, sondern mit Chaiakim und Regaim gerechnet. Hierbei enthält i Stunde 1080 Chalakim - X Chelek 76 Regaim. Schon werden wir dazu angeregt, die Zahl 1080 in ihre Primfaktoren zu zerlegen 1080 2:2:2:3:3:3:5 und wir erkennen, daß wir viele Bruchteile einer Stunde oder Minute ohne Benutzung von Brüchen anschreiben können. Zum Beispiel: Vo Stunde 120 Chal. Veo Stunde 1 Minute 18 Chal. Vis Stunde 60 Chal. Vis Minute 1 Chel. V27 Stunde 40 Chal. V9 Minute 3 Chal. Vios Stunde* ,=r 10 Chal. ,Va Minute 6 Chal; usw. usw. Der rechnerische Vorteil, der mit der Zahl 1080 verbunden ist, liegt auf der Hand; auch verstehen wir jetzt, warum im Luach bei Neiimondsangaben nicht selten V9 oder Vis Minute vorkommt. Rechnen wir jetzt die obige Angabe des synodischen Monats um, so erhalten wir 29 Tage, 12 Stunden, 793 Chalakim. Diese Zeitspanne ist für den jüdischen Chronologen von großer Bedeutung, denn mit ihrer Hilfe kann er jeden zukünftigen oder vergangenen Neumond durch Addition oder Subtraktion leicht ermitteln. Dabei bedient er sich noch einer kleinen List. Er zerlegt den Monat in 4 Wochen plus 1 Tag, 12 Stunden, 793 Chalakim, und weiß, daß die 4 Wochen keine Wochentagsverschiebung hervorbringen können; vielmehr hängt der Anfang des nächsten Monats nur von 1 Tag, 12 Stunden, 793 Chalakim ab. Ist zum Beispiel der Neumond Tarrimus am Mittwoch früh 2 Uhr 2113/is Minuten; so erhalten wir für den Monat Ab durch Addition von1 Tag, 12 Stunden, 793 Chalakim als Neumond den Donnerstag Mittag 15 .Uhr 57/a Minuten, genau wie €s im Luach 5697 geschrieben steht. Sollte es für unsere .Schüler nicht von besonderem Reiz sein, auf solche Weise die Angaben im Luach nachzuprüfen und dabei die nicht seltenen Druckfehler zu entdecken! Nun machen wir aber noch einen kleinen Seitensprung: ins hebräische Gebiet. Der Kalenderkundige hat sich den