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Jüdische Schulzeitung · 1937-06-01 · 6 (1.6.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schvclzeitü n g. rjj-i.^umme£ 6. kung ihres jüdischen Seins stattgehabt. Dennoch bleibt hier wie bei jeder Einwirkung auf Geistiges die Aufgabe unverkürzt bestehen, und es hieße nicht glücklich zu Werke gehen, wollte man irgendeiner Institution neue Aufgaben auferlegen und andre, die vielleicht weniger anlocken, in den Hintergrund treten lassen. Das Jüdische Lehrhaus hat eine ganz scharf umgrenzte Aufgabe zu leisten übernommen, die sich — bisher wenigstens — in enger Anlehnung an die Lebensnotwendigkeiten vollzog. Und es muß von den maßgeblichen Instanzen sehr wohl überlegt werden, ob ohne Schaden für die Institution des Lehrhauses auch Bildungsarbeit übernommen werden darf, die im Bereich zweckfreier Umfassung der profanen Wissenschaft liegt. Damit wird nichts ausgesagt über die Notwendigkeit, Ersatz für die verlorengegangenen Bildungsmöglichkeiten allgemeiner Natür zu schaffen. Die Lehrerschaft hat es immer als einen Mangel empfunden, wenn sie ausgeschlossen war von der Welt, in der andre an den" Quellen des Wissens trinken durften. Auch die jüdische Lehrerschaft. So sind denn in den letzten Jahren aus ihrer Mitte her immer wieder Anregungen erfolgt zu Einrichtungen, die den Zugang zur profanen Wissenschaft öffnen sollten. Zweimal ist in diesen -Blättern zu einer Studienreise aufgerufen worden, die es fachlich interessierten Kollegen ermöglichen sollte, bestimmte Gebiete der Biologie zu bearbeiten. Sind die Reisen auch noch nicht zur Ausführung gelangt, so zeigt doch die Absicht, sie zu unternehmen, wie sehr Bildungsmängel empfunden und Bildungsmöglichkeiten entbehrt werden. Aber auch dann, wenn sie zustande gekommen wären, hätten sie ihren Zweck nur mangelhaft erfüllen können, weil hinter den Plänen keine Institution stand. So fehlte von vornherein die Möglichkeit, die Lehrerschaft als Ganzes zu umfassen. ■■ ■' Auf der andern Seite — und hier kommen wir zur Erörterung eines der Motive, die auf der Frankfurter Tagung wohl eine besondre Rolle spielten — gibt es in Deutschland eine Reihe von jüdischen Universitätsprofessoren, darunter anerkannte Größen, die auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen in den Ruhestand versetzt wurden, und deren Kraft nun brach liegt. Man möchte sie im Rahmen des Lehrhauses in irgendeiner Form nutzbar machen, und man glaubt das am besten zu können, wenn man sie der Lehrerfortbildung dienstbar macht Wir übersehen-es nicht, um wieviel jüdische Gelehrte es sich da handelt, und auf welchen Gebieten, sofern von der medizinischen und juristischen Wissenschaft abgesehen wird, die Herren gearbeitet haben und noch arbeiten. Es wili uns aber scheinen, als sei die Zahl der Dozenten, die hier in Frage kommen, nicht sehr groß. Aber das festzustellen bleibe andern vorbehalten. Uns interessiert lediglich die Frage, ob die Lehrerschaft mit ihnen zusammenarbeiten könne. Soweit es sich darum handelt, in die Methoden der wissenschaftlichen Arbeit einzuführen, wüßten wir keinen Grund anzugeben, warum die Lehrenden es ablehnen sollten, sich den Gelehrten anzuvertrauen. Im Gegenteil: es gibt eine nicht kleine Anzahl von jüdischen Lehrern, die trotz der Ueberfülle andrängender praktischer Schul- und Gemeindearbeit sich mit diesem oder jenem Wissensgebiet befassen möchten. Sie werden es gewiß begrüßen, wenn ihnen endlich wieder Gelegenheit geboten wird, die erforderlichen Materialien aus erster Hand zu empfangen. Soweit dagegen die Weiterbildung sich auf das Gebiet der Didaktik und Methodik der jüdischen Schule erstrecken soll, wird die Lehrerschaft aus ihren eigenen Reihen die Persönlichkeiten zu stellen in der Lage sein, die Meister der Schulpraxis sind. Herrscht hierüber allseitige Uebereinstimmung, so bleibt nur noch zu überlegen übrig, in welcher Weise die Zusammenarbeit von Lehrern und Dozenten erfolgen müsse. Wir wollen heute und hier der Entscheidung unsererVerbandsleitung nicht vorgreifen. Sie wird sich wohl, sobald die Frage an sie herantreten wird, eingehend mit ihr befassen und nach reiflicher" Ueberlegung Maßnahmen in die Wege leiten. Wir glauben heute schön zu wissen, daß sie nicht geneigt sein wird, ein Uebereinkommen mit den Lehrhausleitungen zu treffen, wenn nicht zugleich' auch * der Landesverband und die Reichs-" Vertretung Mitträgerder* Fortbildungsarbeit; sein würden.1 Neben der Spitze unseres Verbandes haben aber auch die Unterglieder und hat jeder einzelne unter den Lehrern das Wort zu dieser Angelegenheit. Wir möchten wünschen,-daß alle das Wort von der Notwendigkeit der Auflockerung amV griffen, seinen Sinn überdächten und-abwögen, in welcher Weise dieser Notwendigkeit am besten entsprochen werden könnte. Bedeutet Ezechiels Vision vom neuen Jerusalem einen Abstieg von der Höhe des Prophetismus? (Zu Ez 40 — 48) Von Dr. Joseph Gutmann-Berlin So sicher ist der Prophet, wie die Heilsweissägungen aus Kap. 33—37 seines Buches zeigen, daß Israel aus der Verbannung befreit und wieder in seine alte Heimat-zurückkehren wird, daß. er in den letzten Kapiteln einen Plan entwirft, nach dem alle Verhältnisse des wiederhergestellten Volkes geordnet werden sollen. Dieser -Entwurf beschreibt besonders ausführlich den Tempel und seine Einrichtungen, enthält weiter die Vorschriften für die Priester und Leviten, die fest- und Opfergesetze, bestimmt die Obliegenheiten des Fürsten und ordnet die künftige Verteilung des Landes unter die einzelnen Stämme. ' : " :' All das wird als eine Vision des Propheten dargestellt. Doch ist anzunehmen, daß Ezechiel das, was er zunächst in einer inneren Schau gesehen, später als Schriftsteller im einzelnen ausgeführt hat. . Von welchen Ideen hat der Prophet sich bei der Aufstel- - lung seines Planes leiten lassen? Aus allen Anordnungen geht hervor, daß ihm darum zu tun war, eine durchgehende Scheidung zwischen dem Heiligen, dem Bezirk, den Gott sich und den von ihm auserwählten.Dienern vorbehalten hatte, und dem; Profanen vorzunehmen. Der frühere Tempel hatte diese Scheidung vermissen lassen und war geradezu zu einer BrinV statte heidnischen Wesens geworden, von dem aus sich dieses über das ganze Land verbreitet hatte. „Im alten Jerusalem bildete der Tempel einen Teil der königlichen Burg; im nördlichsten der drei Höfe lag er. In diesem Hofe, dicht am Tempel, und in den die Mauer dieses Hof es umgebenden Hallen drängte sich das von den Propheten so oft als unheilig gescholtene und verurteilte Treiben der opfernden und schmausenden Menge zusammen. Hier schlachtete und wusch man die Opfer, hier betete und sang man, hier, predigten die Propheten, nur zu oft umtost von der ihnen widersprechenden und sie höhnenden Menge, hier wohnten die Priester und Diener am Heiligtume mit ihren Angehörigen, ja, hier hatten noch zu Ezechiels Zeiten) Vornehme wie Geringe für den Staat wie für Einzelne fremde Götter angerufen; hier hatten die Hierodulen ihr£ Häuser gehabt und ihr unzüchtiges Wesen getrieben. Ein unheiliges und den Ort, an welchem Gott thronte, verunreinigendes Treiben war es, auf welches Ezechiel zurückschaute, wenn er sich des Tempels erinnerte." (Stade, Geschichte des Volkes Israel, II, 46). Wegen der Sünden des Hauses Israel hatte Gott — so lesen wir bei Ezechiel selbst, 43, 7—9, — sein: Heiligtum verlassen und das Volk der Vernichtung preisgegeben. Sollte er für immer wieder in seiner Mitte wohnen, so mußte alles vermieden werden, was die göttliche Heiligkeit verletzen konnte. Darum mußte selbst die Stadt Jerusalem weiter nach Süden verlegt werden, damit der neue Tempel, der genau auf der Stelle des alten aufgebaut werden sollte, nicht in unmittelbare Berührung mit ihr trat; das um den Tempel liegende Gebiet erhielten die Priester als Besitz, ein Rechteck nfolrdlich vom Tempel wurde . den Leviten zugewiesen. Ein leerer Räum trennt« den Tempelbezirk von Jerusalem. Den eigentlichen Priesterdienst durften nur die Nachkommen Zadoks versehen* den Leviten wurden die niederen Tempeldienste übertragen, doch wurde ihnen das Opferreeht entzogen, weil sie sich nach Ezechiels Auffassung durch den Kult auf den Höhen dessen uii

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