Mannheim
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Jüdische Schulzeitung · 1937-06-01 · 6 (1.6.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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-43.-Jahrgang Yerlagsort: Mannheim 2 Nummer 6 zeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der, jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin Cf 25, Kaiserstraße 29) - Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den 1. Juni 1937 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.Siegfried Braun K ö 1 n-S ü l z , UnkelerstraBe 17 „Huflockerung" S. B. Di© Klagen über den Hörerschwund, innerhalb der Jüdischen Lehrhäuser sind so alt wie diese Einrichtung selber. Man mag in Franz Rosenzweigs Briefen hierüber nachlesen, und man wird finden, daß seit jeher sowohl die t Leiter als auch die Dozenten bitter enttäuscht gewesen sind über den allzugeringen Erfolg ihrer Anstrengungen. Kein Wunder daher, daß man auf Mittel und Wege sinnt, den notleidenden Lehrhäusern neue Möglichkeiten des Erfolges zu erschließen. Auf der Frankfurter Tagung der Lehrhausleiter hat man im Verfolg dieser Bemühungen auch die Frage erwogen, ob nicht die Lehrhäuser der Lehrerfortbildung dienstbar gemacht werden sollten. Der Antrieb zu einer bejahenden Antwort ging wohl von den Darlegungen Martin Bubers aus, die ihre gedankliche Zuspitzung in dem eigentümlich einprägsamen und bildkräftigen Satz erhielten: „Der Lehrer muß auf gelockert-werden!" Man kam denn auch zu der einhelligen Auffassung, es sollten die Lehrhäuser sich mit den Lehrerorganisationen ins Benehmen setzen, um gemeinsam zu überlegen, in welcher Weise die fachwissenschaftliche und pädagogisch-methodische Weiterbildung der Lehrer im Rahmen der Lehrhausarbeit vor sich gehen könne. Einigkeit herrschte darüber, daß die Dozenten sowohl von den Lehrhäusern als . auch von den Lehrervereinen zu stellen seien; umstritten blieb die Frage, ob auf Kurse und Vorträge weltanschaulicher Thematik verzichtet werden dürfe. Soweit das Tatsächliche der Verhandlungen, die leider wieder einmal über die Köpfe derjenigen hinweg gepflogen worden sind, die es angeht. Unseres Wissens hatte weder der Lehrerverband noch eines seiner Unterglieder — in diesem Falle wohl der Frankfurter Lehrerverein — eine Einladung zu der Lehrhaustagung'erhalten. Ganz abgesehen von allem andern bedeutet diese Unterlassung eine Hinauszögerung der Angelegenheit, die auch den Herren nicht unerwünscht sein kann, von denen die Pläne, um die es hier geht, empfohlen und gefördert werden. Es dürfte weithin bekannt sein, wie sehr die Lehrerschaft sich seit Jahren müht, von sich aus jene Prozedur zu vollziehen, die Martin Buber mit einem Terminus aus der Landwirtschaftslehre umschrieben hat, über dessen Treffsicherheit auch wir Lehrer uns freuen, obgleich wir nicht dabei saßen, als man uns als auflockerungsbedürftig bezeichnete. Wir.sind beileibe.nicht der Meinung, wir bedürften eines derartigen Eingriffs in unsere seelische und geistige Substanz nicht; aber wir sind ebensosehr davon überzeugt, daß Menschen, jedes Standes und. jedes Berufes innerlich beweglich gehalten werden müssen in einer Zeit, da das Dasein uns tagtäglich vor neue, unvorherberechenbare Situationen hinstellt. Wir wissen.es auch aus andern Aeußerungen Martin Bubers, daß gerade er mit.besonderm Nachdruck sich diese Auffassung zu eigen gemacht hat, und es scheint uns, als ob er der ständig auf. ihn einstürmendea Anliegen hilfebedürftiger Menschen — junger und alter — mit dieser Anweisung begegnen wolle, sich aufzulockern, . wie weiche Tonerde zu sein. Man findet das bestätigt bei;"der Lektüre etwa des Aufsatzes „Bildung und Weltanschauung" in dem letzten Rundbrief der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung. Wie dem aber auch sei, wir dieses Mal besonders angesprochenen jüdischen Lehrer wollen nieht leichthin zur Tagesordnung übergehen über einen Anruf, der von einem* Manne wie Martin Buber zu uns dringt; wir wollen ihm antworten in unserer Weise und aus der Sicht heraus, wie sie sich aus der Vielfalt unserer Tagesarbeit ergibt. Es ist in diesen Blättern schon des öfteren darauf hingewiesen worden, daß seit dem Jahre des politischen Umbruchs in Deutschland auch im Hinblick auf Fortbildungsmöglichkeiten für jüdische Lehrer ein, wenn auch nicht ganz vollkommenes, Vakuum entstanden ist. Nicht etwa auf dem Gebiet der jüdischen Disziplinen, sondern auf dem des sogenannten Profanwissens. Die amtlichen Konferenzen gewähren zwar den jüdischen Lehrern noch wie früher Zugang. Indes ist die Themenstellung und -behandlung durchaus auf die neuen Aufgaben der deutschen Schule zugeschnitten, und es steht uns an, Zurückhaltung zu üben. Das Gleiche gilt im großen und ganzen auch für die Fortbildungskurse an den verschiedenen wissenschaftlichen Instituten, ob sie nun von den Lehrervereinen oder von den Behörden unterhalten werden. So bleibt dem jüdischen Lehrer nichts andres zu tun übrig, als entweder zu versuchen, sich autodidaktisch fortzubilden, oder aber Kurse zu besuchen, die innerhalb unserer jüdischen Gemeinschaft ins Leben gerufen werden. Wir wollen über den Wert - autodidaktischer Arbeit nicht sprechen: es hat sie immer gegeben und wird sie auch weiterhin geben; sie wird auch weiterhin von diesem oder jenem mit Erfolg geleistet werden. So wertvoll sie aber auch im einzelnen Falle sein mag, so wenig wird sie in der Lage sein, eine planvoll in eine Institution eingefügte wissenschaftliche Arbeit zu ersetzen. Daher sind denn auch schon bald nach dem Umbruch sowohl die Lehrerorganisationen als auch die Landesverbände, die Reichsvertretung und die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung dazu übergegangen, Fortbildungstagungen einzurichten, allerdings fast ausschließlich für die jüdischen Wissensgebiete und für methodische Fragen, soweit sie für die jüdische Schule von Belang sind. Spricht man von Auflockerung, so meint man ohne Zweifel nicht eine Aufschließung für die profane reine Wissenschaft, sondern eine Auseinanderfaltung der Seele, auf daß sie bereit sei, dem Schicksal standzuhalten. So gesehen war es eine vordringliche Arbeit, zunächst einmal dafür zu sorgen, daß das Jüdische in den Lehrenden stark gemacht werde. Nur aus einer Fülle an Gewußtemund aus einer Erfüllung der Seele mit jüdischem Gehalt heraus konnten sie Führer der Jugend werden. Man darf mit Recht die Frage aufwerfen, ob die Lösung dieser Aufgabe geglückt sei. Sicherlich sind starke Impulse von den zahlreichen Arbeitsgemeinschaf teni insbesondere auch von den Bibelkursen Martin Bubers, ausgegangen, und ganz gewiß auch hat bei vielen unter den jüdischen Lehrern eine wertvolle Vertiefung und Erweiterung ihres jüdischen Wissensbestandes und eine Stär-

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