Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 5 (5.5.1937)
- Date
- 1937-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer 5; keiten in der Praxis bewältigt. Er verstand, die. Hörer so in Bann zu schlagen, daß sie sich in seine Schule versetzt fühlten. , Es ist sicher eine sehr schwere, aber auch sehr dankbare Aufgabe, die Schüler zu einer Schulgemeinde zusammenzuführen, wo einer dem andern hilft und der Große sich für den Kleinen verantwortlich fühlt. Bei. Hammersteins Ausführungen wurde klar, daß nur bei Einsatz einer , ganzen Lehrerpersönlichkeit eine solch© Aufgabe gelingen könne. Ein wissenschaftlicher Vortrag über Moses Heß führte die Teilnehmer in die „Geschichte des Zionismus" hinein. Ruth Fenchel vom Wohlfahrtsbund und Dr. Wertheimer vom Jugendamt gaben durch Kurzberichte Gelegenheit zur Aussprache über die einschlägigen Fragen. Erwähnt sei noch ein zwangloses Zusammensein! auf Einladung des badischen Oberrates. Die achte Klasse der jüdischen Schule Karlsruhe zeigte dabei, daß auch das Laienspiel gepflegt wird. » . Bei dem gemeinsamen Mittagessen der israelitischen Gemeinde Karlsruhe konnten sich die Lehrkräfte von Baden und Württemberg persönlich näher treten, und manches Gespräch wurde bei Tisch weitergeführt und manche Erfahrung ausgetauscht. Wohl jeder Teilnehmer hatte nach den drei Arbeitstagen das Gefühl, daß dem jungen jüdischen Schulwesen in Baden und Württemberg durch diese Tagung ein großer Dienst erwiesen worden ist. Der Reichsvertretung, dem badischen Oberrat, den Organisatoren und den Referenten der Tagung gebührt herzlicher Dank. 'Kln. Die Lesebogen sind da Die von der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Lehrerverbandes in Preußen bearbeiteten und vom Verlag der Jüdischen Schulzeitung in der letzten Nummer u. Bl. angekündigten Lesebogen für jüdische Schulen sind erschienen. Sie enthalten zusätzlichen Lesestoff aus dem jüdischen Kulturkreise für Schüler vom 9. bis 15. Lebensjahr einschließlich. Im einzelnen bringen sie: * Lesebogen 1 (ab 4. Schuljahr): Gedichte von Börries Freiherrn v. Münchhausen, Jakob Loewenberg, Hugo Salus; Prosa von Schneur, Agnon, Frischmann und Perez, sowie Anekdoten des Hersch Ostropoler. Lesebogen 2 (Mittelstufe — Kl. 4 und 3): Prosa von Perez, Else Schubert-Christaller, M. J. bin Gorion und Martin Buber. Lesebogen 3 (Oberstufe — Kl. 3 und 2): Gedichte von J. Auerbach, Frug, Barber, Rosenfeld, Zuckermann, B. v. Münchhausen, Prosa von J. Herzberg, Albert Katz. Lesebogen 4 (Oberstufe — Kl. 1 und 2): Prosa von Goitein, Ehrenpreis, Aron Isaks und ein Kriegsbrief. Lesebogen 5 (Oberstufe — Kl. 1 und 9. Schuljahr): Gedichte von Goldschlag, Brod; Chassidische Geschichten von Buber; Kulturgeschichtliches von K. E. Franzos und Elias Auerbach. Die Uebertragungen aus dem Hebräischen und Jiddischen stammen, soweit es sich um weniger volkstümlich gewordene' Stücke handelt, von B. und S. Schiratzki, die Bearbeitungen einer Reihe Prosadarstellungen von H. Stern. Eine eingehende Würdigung der Lesebogen, die wohl von allen Schulen mit Freude begrüßt werden, soll in der Juniausgabe u. Bl. ihren Platz finden. Das kommende Lesebuch Die Schulabteilung der Reichsvertretüng versendet an die Landesverbände, Gemeinden, Schulen und Schulträger folgendes Rundschreiben: Unter Bezugnahme auf den Ihnen mit Rundschreiben Nr. 13/36 am 28. April 1936 übersandten Ministerialerlaß vom 24. April 1936 betreffend das Lesebuch für das 5. und 6. Schuljahr machen wir Sie auf folgendes aufmerksam: Das Lesebuch-für das 5. und 6. Schuljahr wird voraussichtlich nach Pfingsten erscheinen. Wir empfehlen den Schulen, für die entsprechenden Klassen mit der Neuanschaffung von Lesebüchern bis dahin zu warten und sich inzwischen mit Ganzschriften und Leseheften zu beliehen. Wir verweisen auf das beiliegende Verzeichnis der bisher im Schocken-Verlag erschienenen Jüdischen Lesehefte und auf die jetzt herauskommenden Lesebogen des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine, Ortsgruppe Berlin.' Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland: Schulabteilung '■Dr. Leschnitzer. Ein Pädagoge der Tat In Wort und Schrift ist die Persönlichkeit des in den Ruhestand versetzten Leiters des Frankfurter- Philanthrbpins, Dr. Otto Driesen, gewürdigt worden. Mit den äußeren Daten seines Lebens- und Bildungsganges ist die wissenschaftliche jüdische Welt ebenso bekannt gemacht worden wie mit den Stufen seines ungewöhnlichen Wirkens, der Schilderung seiner organisatorischen Fähigkeit, seiner Redekraft, seiner innerlichen Beteiligung an allen Fragen des Judentums. Seinen nächsten Fachgenossen mag statt einer Wiederholung all dieser Dinge eine kurze Skizze des Pädagogen Driesen erwünscht sein. Es versteht sich, daß er selbst in allem landläufig Pädagogischen ein Meister war, entsprechend seiner Anlage und einer ausgereiften, vielseitigen Vorbildung — die Zahl seiner Lehrbefähigungen betrug ein halbes^ Dutzend. Das Technische des Unterrichts, die Abschattungen des Tons, den Wechsel des Tempos beherrschte er virtuos, so wie es ihm gegeben war, die Fülle des Stoffs zu meistern. Das war aber erst ein geringer Teil seines Wirkens. Darüber stand das Künstlerische in seinem Fach, und dieses Fach hieß: Menschenformen. Ein solcher Pädagoge kann es sich leisten, die Schranken des Schulisch-Unterrichtlichen zu durchbrechen. So sah er die Gesamtheit der Pädagogik im Lebendigen. Sicher hatte er sich viele Bücher zu eigen gemacht. Aberim Grunde hielt er wenig von Büchern. So war ihm ' im Sprachunterricht die Hauptsache das gesprochene und gehörte Wort. Schon ganz früh kam er auf den Gedanken der Wiedergabe von Originaltexten und originaler Sprache durch das Grammophon und wurde damit einer der frühesten und bedeutendsten Vertreter der % auditiven Methode. Sein Werk „Das Grammophon im Dienst des Unterrichts und der Wissenschaft" legt davon Zeugnis ab, Aber nach einer anderen Seite noch kann das Buch lebendig werden. Ein fremdsprachliches Lesestück mag in jeder Hinsicht methodisch verarbeitet sein, es bleibt dem jungen Menschen so lange ein Fremdkörper, als er es sich nicht selbst verlebendigt hat. Man lese in der Festschrift „Bausteine praktischer Pädagogik. Zum 125jährigen Bestehen des Philanthropihs", wie in einer Charlottenburger Quinta, die Driesen unterrichtete, die kleine Erzählung vom „Ei des Columbus" dramatisches Leben gewinnt. Das Theater liebte Driesen, der mimisch und musikalisch leidenschaftlich Begabte und Empfindende, über alles: daher als weitere pädagogische Tat die Schöpfung einer Spiel schar, die, aus der Bewußtseins- und Gefühlslage der jeweiligen Altersstufe, sich ihre Stücke selbst schreibt und deren Darstellung selbständig verwirklicht. Die erziehende Aufgabe ist ungeheuer: vom ersten Augenblick an, wo eine Gemeinschaft ungezwungen einen Stoff verarbeitet über die Diskussion der Charakterisierung der Personen, über die Besprechung der Wirkungsmöglichkeit bis zur Darstellung, wo sich die verschiedenen Begabungen überraschend, offenbaren, ergeben alle' Phasen beim Werden eines Stückes unendlich viel Pädagogisches : sprachliche Schulung, Menschenerkenntriis, - Menschenzeichnung, Abgrenzung von Wirklichkeit und Illusion, Bedeutung des Worts, der Gebärde, ,des Minenspiels, Einsatz jeder Begabung an der rechten Stelle.