Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 5 (5.5.1937)
- Date
- 1937-05-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer'5 Jüdische Schu 12eitung Seiten .Wenig mehr als ein Viertel des gesamten jüdischen Bodens gehört dem Kv K. L. v Vergleichszahlen: Totes Meer: 915 qkm Tiberiassee: 170 qkm Hulesee: 30 qkm Darstellung der Verteilung des jüdischen Bodens durch Kreisausschnitte. 2. Die Entwicklung der jüdischen Siedlungen in Palästina. . 1908 _1935 Anzahl 25 173 qkm 322 1300 Einwohner 8 000 70000 Die Anzahl der Siedlungen hat sich also versiebenfacht, die Bodenfläche der Siedlungen hat sich vervierfacht, die Einwohner der Siedlungen haben sich verneunfacht! Im Jahre 1908 hatte jede Siedlung durchschnittlich 13 qkm Boden und 320 Menschen. Im Jahre 1935 hatte jede Siedlung durchschnittlich 7,5 qkm Boden und 405 Menschen. Auf 1 qkm kamen 1908 25 Menschen, 1935 54 Menschen. Bilddarstellung! Wir sehen also, daß die Vermehrung des jüdischen Bodenbesitzes nicht Schritt gehalten hat mit der Vermehrung der jüdischen Siedlungsbevölkerung. Lehrerfortbildung 1. Bad Nauheim Vom 7. bis 9. Februar fand in den Räumen der neueröffneten Bezirksschule Bad Nauheim ein Fortbildiungslehrgang der jüdischen Lehrer Hessens und Nassaus statt. Herr Jakob Strauß, Offenbach a. M., begrüßte die Anwesenden, die sich nach einer unfreiwilligen Pause von fast zwei Jahren wieder einmal, zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden konnten. Er gab einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft während der verflossenen i3/4 Jahre. Die alte Leitung wurde ,wieder gewählt und durch Herrn Jonas, Mainz, und Fräulein Oberndoerfer, Darmstadt, als Vertreterin der Junglehrerschaft, erweitert. Die pädagogische Arbeit begann mit einem Referat von Fräulein Selma Nathan, Offenbach a. M., über den Deutsch- Unterricht in der Grundschule. Die anschließende Aussprache, die sich vor allem um den Ausgleich hinsichtlich der Forderungen „Beruf und Bildung", „europäisches und jüdisches Kulturgut" drehte, bewies, wieviele Probleme des Deutsch-Unterrichtes noch zu lösen sind und wie gut es die Rednerin verstanden hatte, diese aufzuzeigen. — Großes "Interesse brachte man dem. Referat des Herrn Bick, Darmstadt, entgegen, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Zuhörer in Stoff und Literatur des Iwrith-Unterrichtes einzuführen. Herr Bick bewies durch zahlreiche Aufzeichnungen an der Wandtafel in meisterhafter Weise, wie verhältnismäßig gering die „Schwierigkeiten" sind, da sich infolge der Klarheit und Logik der hebräischen Sprache alle Unregelmäßigkeiten auf wenige einfache Grundregeln zurückführen lassen. — Der Montag war den Naturwissenschaften gewidmet. Herr Dr. C h a m b r e , Offenbach a. M., zeigte an Hand seiner zum Teil selbst gefertigten physikalischen Apparate, die er mit großer Geschicklichkeit aufgebaut hatte, wie es der jüdischen Schule trotz der geringen Mittel möglich sei, ausreichendes Anschauungsmaterial und einen erfolgreichen Physikunterricht zu schaffen. Herr Dr. Mannheimer, Mainz, führte uns durch den' ganzen Lehrstoff der Chemie, den zu erarbeiten für die Volksschule Möglichkeit und praktische Notwendigkeit bestehen. Sein auf großer Erfahrung und Sachkenntnis aufgebauter Vortrag veranschaulichte besser als jede Lehrprobe es vermocht hätte, wieviel gerade die Chemie dem Schüler für Bildung und Leben mitgeben kann. Der Dienstag führte uns in die Praxis der Volksschule. Herr Dr. Strauß und Herr Dr.Chambre, Offenbach a.M., zeigten an Rechnen und Raumlehre, welche Schwierigkeiten dieser Unterricht besonders in der Nauheimer Schule hat, deren erste Aufgabe es ist, Kinder aus den verschiedensten Orten auf einen Wissensstand zu bringen. Herr Gabriel, Offenbach a. M., führte die Kinder auf anschauliche Weise in die Anfänge der Rißlehre ein und sprach dann über Aufgabe und Bedeutung des „technischen Schauens" im Zeichenunterricht, der jetzt mehr als je eine Vorbereitung für das Handwerk sein muß. Für Wohnung und Verpflegung, während der drei Tage hatte in ausgezeichneter Weise das Israelitische Frauenheim Sorge getragen. Die herzlichen Dankesworte und der Wunsch, sich recht bald wieder dort zu gemeinsamer Arbeit zu treffen, sind wohl der beste Beweis für Gelingen und Erfolg der Tagung. R. Oberndoerfer, Darrnstadt, Schriftführerin. 2. Karlsruhe Die jüdischen Schukbteilungen in Baden verfügen noch über keine lange Tradition. Vor knapp einem Jahre mußten sie ins Leben gerufen werden. Es war kein kleines Stück Arbeit, das hier geleistet worden ist. Daß man sich aber mit der technischen Lösung der Schulfrage nicht zufrieden gibt, zeigte ein Fortbildungskurs in Karlsruhe vom 21. bis 23. März 1937, an dem ca. 80 Lehrer und Lehrerinnen aus Württemberg und Baden teilnahmen. Es war ein großes Pensum, das in dendrei Tagen bewältigt werden sollte; daher waren iauch die Anforderungen, die an die Arbeitskraft jedes einzelnen Teilnehmers gestellt wurden, nicht klein. Hugo Rosenthal vom jüdischen Landschulheim Herrlingen sprach über die geistigen Voraussetzungen für die Arbeit in der jüdischen Schule. Er legte dar, wie ein Schaffen in der jüdischen Schule nur möglich ist, wenn der Lehrer die geistigen Grundlagen jüdischer Bildüngsarbeit kennt und beachtet und sich nicht durch den „augenblicklichen Zweck" vom „ewigen Ziel" jüdischer Erziehungsarbeit abdrängen läßt. Er verlangte, daß die alte Trennung von allgemeiner und jüdischer Bildung aufgegeben werden müsse. Jede Arbeit in der jüdischen Schule müsse jüdisch sein. Dr. Ernst Loewenberg, Hamburg, zeigte, wie der Deutsch-Unterricht gestaltet werden solle. Mit Interesse hörte man die Ausführungen eines erfahrenen Schulmannes auf einem Unterrichtsgebiet, das viele Schwierigkeiten bietet. Eine kritische Aussprache gab weitere wertvolle Anregungen. Für das schwierigste Thema, das die jüdische Schule kennt, -r- Geschichtsunterricht, —• war Dr. Heinemann Stern, Berlin, ausersehen. Er zeigte den Weg, den er zu gehen empfiehlt, verlangte die Anlehnung der jüdischen Geschichte an die allgemeine, so weit dies im Rahmen des Lehrplans möglich sei. In der Aussprache wurde der Mangel eines geeigneten Geschichtsbuches beklagt Rabbiner Dr. Grünewald, Mannheim, hielt ein Referat über den biblischen Stil. Er wies neue und eigenartige Wege für den T'nachu-niterricht, die allerdings gründliche hebräische Kenntnisse voraussetzen,. Ein Thema, das ganz besonders interessierte, waren die Fragen der Methodik des hebräischen Unterrichtes. Leider war es Dr. Jak ob sonn, Berlin, infolge der für dieses Thema zu kurz bemessenen Zeit nur möglich, ganz allgemein über die Grundfragen zu sprechen. Die praktische Seite dieses Themas, mußte natürlich dabei zu kurz kommen. In der Aussprache wurden manche Fragen angeschnitten, konnten aber infolge Zeitmangels dicht zu Ende geführt werden. Die Behandlung der Probleme der ein- und zweiklassigen Schule sind heute von keiner Tagung wegzudenken, da die Mehrzahl der jüdischen Schulen dieser Gruppe angehört. Hans Hammerstein, Bonn, zeigte, wie er die Schwierig-