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Jüdische Schulzeitung · 1937-05-05 · 5 (5.5.1937) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
5 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jiidi;sche Schn 1 zeitung : Nummer^ ist im Rechenunterricht auch die Behandlung von Themen, die den Lebensbedingungen und Lebensformen der jüdischen Gemeinschaft entnommen sind, von selbst gegeben. Gerade heute," wo das jüdische Kind die Judenfrage als eine Realität erlebt, die auch sein eigenes Leben bestimmt, ist sein Interesse an Fragen, die die jüdische Gemeinschaft betreffen, besonders rege. "'So steht der Rechenunterricht, in dem der Schüler die Zahlen als Zeugen der jüdischen Situation begreifen lernt, mit im Dienste der jüdischen Erziehung. . Im Rahmen des „jüdischen Rechnens" in der 1936/37 von mir geführten Oberklasse der Jüdischen Volksschule Essen : waren die Themen in vier räumlich gegliederten Aufgabenkreiseri beschlossen. Ausgehend von der engeren Heimat bearbeitete die Klasse die Bevölkerungsbewegung innerhalb der Essener jüdischen Gemeinde von 1930—1936. Auf die Feststellung des dauernden Wachsens der Essener Gesamtbevölkerung und des dauernden Rückgangs der jüdischen Bevölkerung Essens folgte die Berechnung des jeweiligen Prozentsatzes der jüdischen von der Gesamtbevölkerung und des Prozentsatzes des jährlichen Abganges von der jeweiligen jüdischen Bevölkerung Essens. Viele Rechenmöglichkeiten ergaben sich bei der Uebersicht über die Ursachen der Bevölkerungsbewegung innerhalb der Essener jüdischen Gemeinde im Laufe der Jahre 1933—1936. Den zweiten Kreis bildeten die Verhältnisse der Juden in Deutschland. Folgende Themen lieferten das Arbeitsmaterial: Die Bevölkerungsbewegung unter den Juden des Reiches 1925 bis 1936 und ihr Verhältnis zur gesamten Reichsbevölkepmg. — Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Deutschland 1925 bis 1933 und 1933—1936. — Der Altersaufbau der gesamten und der jüdischen Reichsbevölkerung. — Die berufliche Gliederung der gesamten und der jüdischen Reichsbevölkerung. — Die Erwerbslosigkeit innerhalb der gesamten und der jüdischen Reichsbevölkerung. — Der gesellschaftliche Aufbau der gesamten und der jüdischen Reichsbevölkerung. — Die Verteilung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland auf Länder, auf preußische Provinzen, auf die Großstädte. — Die Entwicklung der größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Dieser Aufgabenkreis vermittelte den Schülern die Einsicht in die geschichtlich bedingte soziale Struktur der Juden in Deutschland. Von hier aus ergab sich die Möglichkeit einer Verbindung von Rechen- und Geschichtsunterricht, in dem gleichzeitig u. a. die Ursachen des Rückgangs der Zahl der Juden in Deutschland in den letzten zwölf Jahren erarbeitet wurden. Dies führte zu dem deutschen Aufsatz: Was lehrt uns die Statistik der Juden in Deutschland? An Hand der beruflichen Gliederung konnte im Erdkundeunterricht auf die verschiedenen Wirtschaftszweige im allgemeinen eingegangen werden. Der dritte Aufgabenkreis war den Juden in der Welt nach Ländern und Erdteilen gewidmet. Berechnet wurden der Anteil der Juden einiger wichtiger Länder an der dortigen Gesamtbevölkerung, der Anfeil einiger wichtiger Judenzentren am Weltjudentum und der Anteil der -Juden einiger Länder an der Judenheit des betreffenden Erdteils. Hier bot sich Gelegenheit, im Erdkundenunterricht gleichzeitig die betreffenden Länder unter dem Gesichtspunkt ihrer •Judentumsbezogenheit zu betrachten. Den vierten Kreis bildete die Stoffgruppe „Palästina in Zahlen". Die Themen: Bevölkerung, Bodenfläche, der jüdische Bodenbesitz, die jüdische Einwanderung 1923 bis 1936 und ihre Herkunftsländer, die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Palästina, die Entwicklung der Städte und der landwirtschaftlichen Siedlungen, die Verteilung auf Stadt und Land, Import und Export — gaben eine zahlenmäßige Illustration zur Geschichte des Palästinaaufbaues ab. Die Arbeit stand stets unter den drei Leitfragen': 1. Was können wir rechnen? 2. Was können wir zeichnen? 3. Was lehren uns die Zahlen? l.-Die Möglichkeit der Anwendung fast aller erlernten Rechnungsarten ergab sich von selbst. Besonders wichtig war das beziehende Rechnen in .Form der Verteilung auf Einheits-, räume und Einheitszeiten und das Beziehen auf die Verhältniszahl 100 oder 1000 (unter Abrundung der großen Zahlen) in Verbindung mit dem Bilden von Verhältnissen. 2. Die im Rechenunterricht sich ergebenden zeichnerischen Aufgaben wurden im Raumlehreunterricht bewältigt.- Graphische Darstellung entwicklungsstatistischen Materials in Lauflinien (Kurven), Flächenaufteilung eines Quadrats oder eines Kreises durch Bildung von Kreisausschnitten, letzteres unter Anwendung der Prozentrechnung bei 'der Berechnung der jeweiligen Winkelgrade, und Streckendarstellung dienten der Veranschaulichung des im Rechenunterricht gebotenen 'bzw. erarbeiteten Materials. 3. Vergleiche, etwa zwischen den Verhältnissen innerhalb der gesamten Reichsbevölkerung und der jüdischen Bevölkerung, Besinnung auf die wirkenden Ursachen und Ueberlegungen über den mutmaßlichen Fortgang etwa der jüdischen Be-, Völkerimgsbewegung in Deutschland oder des Palästinaaufbaues dienten der Vertiefung der an Hand des Zahlenmaterials gewonnenen Erkenntnisse. : Auf Grund des Vorhergegangenen können wir nur kurz die Ergebnisse solcher Arbeit aufzählen:.Der Rechenunterricht wird versachlicht. Die Beziehung zu anderen Fächern (Erdkunde, Geschichte, Deutsch) und die enge Verbindung mit dem Raumlehreunterricht werden hergestellt. Unter Anwendung aller Rechnungsarten und dauernder Uebung der Rechenfähigkeit schlechthin erarbeiten die Schüler sich eine jüdische Gegenwartskunde in Zahlen. Neben dem rein Erkenntnismäßigen wird ein jüdisches Fühlen erzeugt, das den Rechenunterricht zugleich zu einem Gesinnungsunterricht macht. Selbstverständlich bildete die hier beschriebene Arbeit nur einen Teil'der Jahresarbeit im Rechnen, die sich im übrigen .mit den in Volksschuloberklassen üblichen Arbeitsstoffen befaßte. Hier sollte nur gezeigt werden, wie unsere Forderung eines Unterrichtes nach jüdischen Unterrichtsprinzipien auch im Rechenunterrichte verwirklicht werden kann. Materialquellen: Die vom Stadtamt veröffentlichten Ergebnisse der Personenstandsaufnahme. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. Almanach des Schockenverlages, 1935/36 und 1936/37 und die dort angegebenen Material quellen. Die jüdischen Zeitungen. Die folgenden zwei Beispiele sollen veranschaulichen, welche Aufgaben sich aus dem gegebenen Zahlenmaterial entwickeln lassen. 1. Palästina: Boden und Bevölkerung. Westpalästina: Bodenfläche 26158 qkm Bevölkerung 1300000 Einwohner Auf 1 qkm 13000:262 49,6 Transjordanien: Bodenfläche 38 000 qkm Bevölkerung 3 25 000 Einwohner Auf 1 qkm 325:38 8,6) Jüdische Bevölkerung: ca. 400 000. Das ist ca. 30,8% von der Gesamtbevölkerung. Kultivierbare Bodenfläche: 11023 qkm. Das ist 42,1%. von der Gesamtfläche. Die Besiedlung der kultivierbaren Fläche: Von Arabern besiedelt: ca. 5 500 qkm 50 % Von Juden besiedelt: ca. 1 200 qkm 10,9% Unbesiedelt: ca. 4 300 qkm 39,1% ca. 11000 qkm 100 % Stellen wir uns den jüdischen Bodenbesitz (l 200 qkm) als ein Quadrat vor, dann, ist jede Seite dieses Quadrates ca. 35 km lang, was etwa der Strecke Essen-Dortmund entspricht Wem gehört der jüdische Boden? Privathand 750 qkm .= 62,5% - ■ K. K: L. ' 352 qkm 27,5% PICA ' 120 qkm 10,0% 1 222 qkm 100 %

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