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Jüdische Schulzeitung · 1937-05-05 · 5 (5.5.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
5 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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13.lahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 5 Jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine ' - (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, KaiseYstraße 19) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den 5. Mai 1937 Druck und Verlag: Gebröder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr. Siegfried Braun Kö 1 n-S ö tz, Unkelerstraße 17 Zu alt? S. B. Ein besonderer Fall gibt uns Veranlassung, wieder einmal mit allem Nachdruck auf die Gepflogenheit vieler Gemeinden und Schulvorstände hinzuweisen, Bewerber um eine Lehrerstelle deshalb abzulehnen, weil sie „zu alt" sind. Es handelt sich um einen tüchtigen Kollegen, der 35 Jahre alt ist, noch ein paar Wochen an einer öffentlichen Schule arbeiten darf und sich nun schon dutzende Male um eine andre Stelle im Reich beworben hat, zumeist mit dem Ergebnis, daß seine Bewerbung wegen seines Alters zurückgereicht wurde. Im Gefühl, einer nicht gerechtfertigten Haltung ohnmächtig gegenüberzustellen, wendet sich der Kollege an die Schriftleitung dieses Blattes. Sie weiß von den Fähigkeiten, des Briefschreibers und von dessen Schaffensfreude und Erfolgen in seiner Klasse und in seiner Gemeinde, und sie erachtet es als' ihre Pflicht, sich nicht nur für das Schicksal eines Einzelnen einzusetzen, sondern darüber hinaus mitzuhelfen an der Beseitigung eines Mißstandes, der schon viel Unheil angerichtet hat, das bei einsichtsvollerer Beurteilung der Dinge hätte vermieden werden können. Niemand wird es denen, die die Schule zu betreuen haben, verargen, wenn sie sich sträuben1, altgewordene Greise in Dienst zu nehmen. Mehr als sonst zu Zeiten gehören heute Menschen mit unverbrauchter Kraft in die Schulen; denn niemals sind größere Anforderungen an die Lehrerschaft gestellt worden als in diesen Jahren; niemals auch bedurften die Gemeinden der Hilfe wendiger, umsichtiger und frischer Männer dringender als heute, wo namentlich in den mittleren Gemeinden der Lehrer die Bürde der gesamten Arbeit zu tragen hat. Indes, darum handelt es sich hier nicht. Es handelt sich um die Frage, ob es den Instanzen, die liier zuständig sind, freigestellt solle werden dürfen, ein „Zu alt" auszusprechen, wenn ein Bewerber nicht einmal das dritte Jahrzehnt seines Lebens beendet hat. Wir sind der Meinung/ daß derartiges unter keinen Umständen geduldet werden dürfe, sofern im übrigen die Voraussetzungen dafür gegeben . sind, daß der Bewerber sein Amt ordentlich versehen könnte. Keiner Gemeinde darf es zugemutet werden, einen Lehrer anzustellen, der nicht den Anforderungen genügt, die billigerweise an ihn gestellt werden dürfen. Zur Wehr aber müssen wir uns setzen dagegen, daß man dem Begriff „alt" eine Interpretation gibt, die geradezu grotesk ist. Denn mit dieser Methode der Auswahl werden Kräfte auf die Straße verwiesen, die brachliegen zu lassen eine Sünde bedeutet. — Wir wissen es aus früheren Kundmachungen, daß auch die Landesverbände und insbesondere die Reichsvertretung eine, derartig© Personalpolitik nicht wünschen. Sie haben es weithin in der Hand, maßgeblichen JEinfluß auf die Stellenbesetzung zu nehmen. Sie haben geradezu das-entscheidende Wort zu sprechen, wenni Beamte in den Gemeindedienst übernommen werden sollen. Es liegt unsern Spitzenorganisationen aber auch das Material vor, aus dessen Kenntnis sich die Verteilung der Arbeitskräfte am zweckmäßigsten regeln läßt. In der Kantstraße besitzt man nicht nur eine genaue Uebersicht über die .Stellen und ihre Beschaffenheit, sondern auch eine über die zur Verfügung stehenden Menschen. Es sollte, so möchten wir meinen, nicht allzuschwer sein, heute ordnend einzugreifen in das Gefüge des Gesamtorganismus der Schulen, auf daß Notrufe, wie sie immer wieder zu uns dringen, verstummen. Der Rechenunterricht in der Oberklasse der jü& Volksschule Ein Arbeitsbericht von Salo Weindling, Essen Schüler des obersten Jahrganges streben über das Vielerlei der Einzelheiten hinaus nach großen Zusammenhängen. Also Gesamtunterricht? Eigenart und Methode der einzelnen Wissensgebiete sind zu verschieden, als daß man sie ihrer strukturellen Geschlossenheit entkleiden und für Unterrichtszwecke in ein neues, letzten Endes willkürliches System bringen könnte. Wie aber in der Vielheit die Einheit herstellen? Alle dahinzielenden Bestrebungen lassen sich auf zwei Grundformen zurückführen: die Stoff- und Ideenkonzentration. Die erstere ist eine Frage der Stoffauswahl und Stoffanordnung und sucht zwischen den einzelnen Fächern sachliche Verbindungen zu erreichen, die letztere begnügt sich damit, den gesamten Unterricht von einem einheitlihen Geiste getragen sein zu lassen. Wir meinen, daß es hier kein Entweder — Oder, sondern nur ein Sowohl —■ Als auch geben dürfte. Ist Bildungskonzentration aber, wie der Name schon sagt, nicht möglich ohn© ein „Zentrum", ohne einen Mittelpunkt, auf den hin die Bildungsarbeit bezogen wird, so ist in der jüdischen Schule der gegebene Mittelpunkt das „Jüdische" in Geist und Leben, nach dem sich, da wo es möglich ist, auch der außerjüdische Unterricht ausrichtet. Dieses Unterrichtsprinzip ist Stoff- und Ideenkonzentration zugleich. Im folgenden sei dargestellt, wie ich den Rechenunterriclit im achten Schuljahr in diesem Sinne gestaltet habe. Nach den „Richtlinien" ist es Aufgabe des Rechenunterrichtes, die Schüler anzuleiten, „die Verhältnisse des Lebens zahlenmäßig zu erfassen", und sie zu befähigen, „rechnerische •Aufgaben, die sich daraus ergeben, selbständig und sicher zu lösen." Die Rechenfertigkeit soll auf „Rechenfälle des Lebens" angewandt werden. In Anlehnung an diese Vorschrift hat sich im achten Schuljahr das volkswirtschaftliche Rechnen längst Heinratrecht erworben. Finden sich doch jene Rechenfälle im besonderen im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Gemeinschaften, in die der einzelne Mensch hineingestellt ist. Es wird von den Methodikern immer wieder betont, wie stark ein solches Rechnen die Bildung gesunder Anschauungen und Urteile über Wirtschaftsleben und soziale Zustände der Volksgemeinschaft zu fördern und so in den Dienst der Gemeinschaftserziehung gestellt zu werden vermag, wie anderseits von einer Verfrühung nicht die Rede sein kann, da das Interesse an Gemeinschaftsfragen bei Kindern des letzten Schuljahres bereits sehr stark ist. Nach unserer Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer jüdischen Ausrichtung des Unterrichtes in der jüdischen Schule

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