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Jüdische Schulzeitung · 1937-04-07 · 4 (7.4.1937) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (7.4.1937)
Date
1937-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung: Nummer 4 mit der Einführung der Druckschrift beginnen, ausgehend von bekannten Wörtern und vom g a n z e n Wort, analytisch, nicht synthetisch. Das Lesenlernen bildet dann den Uebergang zum Gebrauch einer Fibel. Wir sind gerade in diesem Jahre in der Grundschule damit beschäftigt, den sprachlichen Stoff eines solchen buchlosen Vorkurses zu fixieren und ein Wörterverzeichnis der in ihm erarbeiteten Vokabeln anzulegen als Vorbereitung zu der Fibel tat yj von Neier. Ich möchte abschließend einiges, mir besonders wichtig Erscheinende ganz kurz zusammenfassen: Der hebräische Anfangsunterricht ist keine Deutschstunde mit eingelagerten hebräischen Brocken —■ er vermittelt keine Sammlung von Substantiven, z. B. deutscher Befehl und ein hebräisches Wort: Gib mir <las nso, geh an den ]n^', - man stelle sich etwas Aehnliches im französischen oder englischen Anfangsunterricht vor! Die Schüler hören.viel mehr, als sie selbst anwenden können, sie hören manches, dessen Sinn sie im Anfang nicht unbedingt zu verstehen brauchen — aber sie nehmen den Klang auf. Leicht, lustig, kindertümlich und lebendig soll der hebräische Anfangsunterricht sein. 2. Ich komme zum zweiten Teilgebiet: Sprechübung mit anschließender Behandlung eines grammatischen Stoffes — etwa bei zehnjährigen Schülern. Hebräische Grammatik ist von jeher ein trauriges Kapitel gewesen, das Sorgenkind aller Hebräischlehrenden und -lernenden; denn wir wissen es alle selbst, hebräische Grammatik ist schwer. Die Schüler können den Unterricht nicht leiden, er ist ihnen langweilig und verdirbt ihnen auch die Lust für alles andere. Grammatik um der Grammatik willen bleibt in den meisten Fällen erfolglos. Man kann immer wieder Zeiten und Konjugationsformen des Verbs der Reihe nach hersagen lassen, manche kommen über die Zeiten des bpj die meisten über die Formen des regelmäßiden Verbes, nie Grinaus. Uebungssätze, die auf Grund eines bestimmten Grammatikpensums zusammengestellt sind, unter einander also nicht zusammenhängen, sind ebenfalls langweilig und lassen die Schüler teilnahmslos. Deshalb muß der umgekehrte Weg/ eingeschlagen werden: nicht sprachlichen Uebungsstoff angehängt an ein bestimmtes Grammatikgebiet, sondern Grammatik im Anschluß an einen zusammenhängenden, interessanten Stoff. Im neusprachlichen Unterricht ist diese Forderung schon längst zur Selbstverständlichkeit geworden, nur im Hebräischen zögert man immer noch mit der Anwendung moderner Sprachmethodik. Nachstehend ein Beispiel für den angedeuteten Weg: Die Schüler haben sich selbst ein hebräisches Geschichtenheft angelegt," sie besitzen kein Buch. Das im Stiebelverlag in Tel-Aviv erschienene Buch: 'ö*Ti •»•ya von Ariel und Kipnis liegt dem Unterricht zugrunde, es enthält eine fortlaufende Erzählung von zwei Kindern, Miri und Rami. Ein neues Stück soll eingeführt werden, der Lehrer erzählt, die Schüler h ö r e n zuerst nur. Entweder muß versucht werden, die neue Geschichte mit Hilfe des schon vorhandenen Vokabelschatzes zu bringen—was aber nur in Ausnahmefällen möglich sein wird — oder der Lehrer muß neue Wörter durch ähnliche, schon bekannte ersetzen oder umschreiben. Führt das auch nicht zum Ziel, so muß natürlich die Uebersetzung gegeben werden; die neuen Vokabeln können, wenn es sehr viele sind, auch mit Uebersetzung an die Tafel geschrieben werden, das aber nur im Ausnahmefall und bei akustisch schlecht geschulten Klassen.. Die neue Geschichte wird in Abschnitten erzählt; auch vom Lehrer ohne Buch, selbst wenn er sie einem Buch entnommen hat — Sätze werden im Chor und einzeln wiederholt, in Frage und Antwort aufgelöst, umgeändert und schließlich im Zusammenhang nacherzählt. Die Geschichte hieß: Die erste Klasse macht einen Ausflug nach dem Orangengarten. ».OTien n^on 7K. nr»3« Die Geschichte enthält drei Pielformen: »n 16 — nV;»oa's mra nTO n'Yian — nsnri Durch Fragen und Verändern werden die fehlenden Formen gewonnen : ^öa-'a-i.— ri^üa nnsn —?^>ö» •'ö -?Dvjb»n ns *HO,?a und nf??ö» niTö^nn - w^on ■D'Tö^fift .vn.o'tPT»fcin-- TO anan - hto rnten Die angeführten Formen stehen alle noch im Zusammenhang mit der Geschichte. In der folgenden Stunde; wenn die Geschichte nacherzählt wird, werden diese Sätze besonders herausgehoben, an die Tafel geschrieben und jeweils die erste und -zweite Person Singular und Plural ergänzt: Piel, Gegenwart und Vergangenheit ist so-: gewonnen. Wir erinnern uns an bekannte ähnliche Formen: n»3 (er malte), n??1 (er sprach), alle Formen-werden verglichen, den bp_formen gegenübergestellt und endlich die Merkmale des Piel herausgearbeitet. Dann bilden die Schüler eigne Sätze mit Pielformen, — das vom Satz losgelöste Aufsagen der Formenreiheri ist langweilig und mechanisch. Es geschah nicht willkürlich, daß gerade in dieser Geschichte - Pielformen betrachtet wurden; der Lehrer muß ein festes System haben, nach dem er Schritt für Schritt die wichtigsten grammatikalischen Erscheinungen an die Schüler heranbringt; die einzelnen-Formgruppen müssen in Beziehung zueinander gebracht werden, so daß allmählich ein Gerüst entsteht,,aus dem die Schüler das Wesen des sprachlichen Aufbaus ersehen. 3. Wenn die Kinder in der Grammatik so weit gefördert sind, daß sie aus zusammengesetzten Formen bei allen Wortarten die Grundform herausfinden können, kann man mit der Benützung des Wörterbuchs beginnen. Dazu sind gründliche Vorübungen nötig, vor allem genaue Kenntnis des 2"X, hau-' fige Auf Schlagübungen, Analysieren von Verbformen. Zuerst muß gemeinsam während des Unterrichts präpariert werden. Beim Lektüreunterricht sind verschiedene Möglichkeiten gegeben. Hat man z. B. eine Sammlung kleinerer Geschichten — wie nw1?:* von Berggrün, so kann man die. einzelne Geschichte zuerst ohne Buch frei erzählen, mit bereits bekannten Vokabeln, und dann erst auf den Buchtext eingehen, die neuen Vokabeln an die Tafel bzw. in ein Vokabelheft schreiben und gemeinsam im Wörterbuch aufsuchen. Oder man kann gleich mit dem Text beginnen, lesen lassen — sogar oft lesen lassen, denn es wird im «Allgemeinen sehr schlecht hebräisch gelesen — das Bekannte erklären und erfragen rvnnya rmas? ohne Uebersetzung, dann die unbekannten Vokabeln anschreiben und gemeinsam aufsuchen. Nehmen wir an, es wäre ein Stück Lektüre zu Hause mit Wörterbuch präpariert. Im Anfang wird man wohl jedesmal die gefundene Uebersetzung zuerst feststellen müssen. Dann kann man die neu gelernten Vokabeln in Sätzen anwenden lassen, und so allmählich hinführen zum Buchtext, der dann gelesen und interpretiert wird. Oder man kann gleich mit der Lektüre beginnen, den Inhalt erfragen und .umändern. Beim Lektüreunterricht ist es von besonderer Wichtigkeit, daß die gewählte Lektüre nicht zu viel Schwierigkeiten enthält, sonst verlieren die Schüler die Lust — der Inhalt muß interessant und dem Alter entsprechend sein. Ziel des Lektüreunterrichts ist: freie Beherrschung des gelesenen Stoffes — los vom Buch! — den Wortschatz und die Wendungen, die der Schüler lesend erlernt hat, muß er jederzeit ohne Buch zur Verfügung haben und an anderer Stelle selbständig verwenden können, sei es bei neuer Lektüre, sei es im Zusammenschieben bekannter Satzteile bei eigenen Sprechversuchen. 4. Chumaschunterricht ist Lektüreunterricht. Chumaschist die erste Quelle im Urtext, die unsere Schüler in die-Hand bekommen, und das ist wesentlich. Sie müssen sie mit Interesse und Liebe lesen, nicht mit Langweile und Unlust. Des- ' halb sollte man nicht allzu früh damit beginnen, sondern erst an einer Lektüre, der eine mühevolle „Durchnahme" und „Behandlung" weniger schadet die Voraussetzungen dazu schaffen. Wir lernen ja auch nicht mehr deutsch lesen an der Bibel wie vor Jahrhunderten und beginnen Französisch und Englisch nicht mit der Lektüre ihrer Klassiker. Ich weiß, daß die Verhältnisse bei den Knaben anders liegen; hier muß Chumasch vor der Barmizwah gelernt worden sein. Dem haben wir bei Aufstellung eines neuen Lehrplanes an unserer Schule Rechnung getragen und den Beginn des Chumaschunterrichtes bei Knaben früher angesetzt als bei Mädchen. Lange Zeit war der Chumaschunterricht Lesebestenfalls Uebersetzungsunterricht. Der Lehrer sprach Wort für Wort hebräisch und deutsch vor, unddie Schüler wiederholten: H*i0K**ji im Anfang, *oa: erschuf'. . . usw. Das muß nicht seih! Dazu ist für mein

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