Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (7.4.1937)
- Date
- 1937-04-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 J ü disch e Schulzeitung Nummer 4 durch Leistung des Pflichtbeitrages, sondern auch durch Zuwendung von freiwilligen Spenden. In diesem Zusammenhang sei auch ein Wort gesagt zur Schulzeitung. Es gibt eine nicht kleine Zahl von Kollegen, die das Verbandsorgaii nicht lialten. Zuweilen wird es aus Bequemlichkeit unterlassen. Man bestellt nicht gern bei der Post oder beim Verlag das Blatt, weil es ein wenig umständlich ist. Zuweilen aber liest man es nicht, weil einem dieser oder jener Beitrag nicht gefallen, oder weil der Schriftleiter einen Aufsatz zurückgewiesen hat. Zuweilen weiß man nicht einmal von der Existenz der Schulzeitung. Wir wollen nicht im einzelnen diese Gründe untersuchen. Wir wollen nur eines sagen: die Leser unseres Blattes mögen beurteilen, ob und inwieweit es sich bemüht den Aufgaben gerecht zu werden, die heute an ein pädagogisches Blatt gestellt werden müssen. Sie mögen dann aber, wenn sie der Meinung sind, es lasse nach dieser Seite hin zu wünschen übrig, an die eigne Brust klopfen und sich eingestehen, daß sie selber Schuld daran mittragen, wenn manches ungesagt geblieben ist. Kein Schriftleiter kann allein eine Zeitung gestalten; und selbst wenn er es könnte, wäre es nicht gut. wenn es geschähe. Nur in einer Vielfalt von Stimmen geht Leben von einem Organ aus, das die Mannigfalt der Fragen einfangen möchte, die heute um Erziehung und Unterricht kreisen. Aber auch abgesehen von dieser wichtigen Seite der hier erörterten Angelegenheit darf die Bitte an alle Leser wiederholt werden, bei jeder sich bietenden Gelegenheit neue. Bezieher unseres Verbandsorgans zu werben, nicht nur in Kreisen der Volksschullehrer, sondern auch innerhalb der Kuntorenschaft sowie unter Rabbinern und Lehrern an Höhern Schulen. Die Unterscheidungen, die einmal früher vielleicht einen Sinn hatten, sind heute nicht mehr am Platze. Wer immer im Dienste der jüdischen Schule steht, gehört in die Reihen der Leser und Gestalter der einzigen Zeitschrift für Unterricht und Erziehung, die es für die Judenheit in Deutschland gibt. Es ist einmal vor längerer Zeit im Kreise von Schulmännern der Gedanke erwogen worden, ein Organ für die Höheren jüdischen Schulen zu schaffen. Nichts wäre weniger vonnöten als eine derartige Neugründung: nichts auch aussichtsloser. Die Jüdische Schulzeitung steht keineswegs nur den Lehrenden au Volksschulen zur Verfügung, sondern gleicherweise denen der Höhern Schule. Es gibt kaum eine pädagogische Untersuchung, die nicht so erfolgen könnte, daß ihre Ergebnisse für alle jüdischen Schulen ausgewertet werden •könnten. Wenn alle Kräfte sich regen, dann kann unser Organ sehr wohl der schwierigen aber dankbaren Aufgabe gerecht werden, Sammlerin und Verbreiterin aller werthaltigen pädagogischen Erkenntnisse zu sein, sowie aller Anregungen im Hinblick auf Lehrerbildung und -Fortbildung und Schulpolitik. Aus der Praxis des hebr. Unterrichtes Von Betty Schleifer, Frankfurt a. M. Weitesie jüdische Kreise haben sich in der letzten Zeit immer wieder mit Ziel und Methode des hebräischen Unterrichts und vor allem mit der Frage „sephardisch oder aschkenasisch?" beschäftigt. In Lehrervereinen und Jugendbünden, in Gemeindegremien und Synagogenvorständen sind diese Probleme von der methodischen, wissenschaftlichen und parteipolitischen Seite aus diskutiert worden. Das heutige Referat soll in die Praxis der Schularbeit hineinführen und ohne Berücksichtigimg wissenschaftlicher und parteipolitischer Gesichtspunkte die Fragen n u r vom methodischen Standpunkt aus betrachten. Ich möchte in den folgenden Ausführungen den Weg aufzeigen, den wir in den letzten Jahren im hebräischen Unterricht eingeschlagen haben — und gerade diese Jahre brachten ja eine einschneidende Umgestaltung. — Docli zuvor ein paar kurze prinzipielle Feststellungen. Wenn man sich über einen Weg, d. h. über eine Methode, die man im Unterricht verfolgt, unterhalten will, so muß man sich vor allen Dingen über das Ziel klar sein — nur diejenigen, die das gleiche Ziel haben, können sich über die Wege aussprechen, die zu ihm hinführen. Ziel des hebräischen Unterrichtes war seither: Befähigung zur Teilnahme am Gottesdienst und Verständnis der hebräischen Quellen. Dieses Ziel bleibt auch heute noch bestehen, aber es ist nicht mehr das alleinige. Denn während wir uns in den Schulen um seine Verwirklichung mühten, stand im Osten und vor allem in Palästina Hebräisch als Sprache wieder auf, während wir das Bild hebräischer Buchstaben aus einem Buche durch das Auge vermittelten, war dort wieder gesprochenes Wort hörbar aus dem Munde moderner Menschen. Diese Wiederbelebung der hebräischen Sprache ist eine Tatsache, die die jüdische Schule und der einzelne jüdische Lehrer nicht mehr negieren können, selbst wenn sie es aus irgendwelchen persönlichen oder parteilichen Gründen möchten. Daß Hebräisch sich befreit hat von der pergamentnen Unterlage und den Bezirken des Heiligen, daß es wieder jüdische Kinder gibt, die Hebräisch sprechen, bevor sie es lesen und schreiben lernen, ist wohl für jeden, der es im Lande selbst gehört hat, das stärkste Erlebnis gewesen. Seither lehrten wir Hebräisch aus Büchern wie jede andere klassische, tote Sprache; heute können wir.wieder in ein Land gehen und hören und Hebräisch dann lehren als lebende Sprache und nach den Methoden anderer lebender Sprachen. Deshalb muß das Ziel des hebräischen Unterrichts erweitert werden und lauten: Hebräisch als lebendige Sprache*), als Sprache des Gebets, als Sprache der Quellen. Die angeführte Reihenfolge ist beliebig — unabhängig von Wertigkeit oder Wichtigkeit —• ob man von der gesprochenen Sprache zur geschriebenen Quelle kommt oder umgekehrt, ist lediglich eine Frage der Methodik. Ich habe diese prinzipiellen Erörterungen mit Absicht an den Anfang meiner Ausführungen gesetzt, um Klarheit zu schaffen und unnötige Diskussionen zu vermeiden — wer das gesteckte Ziel nicht anerkennt, muß andere Wege gehen; entweder die alten, seither beschrittenen noch immer weiter — mag sich auch draußen ändern, was will — oder neue Wege zum alten Ziel. Für alle aber, die mit dem aufgestellten Ziele einverstanden sind, gibt es selbstverständlich auch mehr als einen Weg; hier wird man sich über Länge und Tempo, direkte Richtung oder Umweg auseinanderzusetzen haben — entscheidend für die Richtigkeit der Methode sind nur: Erfolg der Arbeit, Freudigkeit und Anteilnahme der Schüler. Im Rahmen dieses Referates kann natürlich nicht der hebräische Unterricht in seiner ganzen Vielgestaltigkeit betrachtet werden, man wird sich vielmehr auf einzelne, besonders wichtige Teilgebiete beschränken müssen. Ich möchte fünf solcher Teilgebiete herausgreifen und zwar: 1. Anfangsunterricht in der Grundschule,?. Sprechübungen mit anschließender Behandlung eines grammatischen Stoffes, 3. Lektüre mit Wörterbuch. 4. Quellenlesen, 5. Gebetbehandlung. 1. Hebräischer Anfangsunterricht! Die Erfahrungen sind in einem 2. Volksschuljahre in einer durchschnittlich begabten Klasse gemacht. Aber auch mit einem 1. Schuljahr wäre der Stoff zu bewältigen, wenn man das Pensum der einzelnen Stunde und das Gesamttempo etwas reduziert. — Wir beginnen ohne Buch mit einem rein sprachlichen Vorkursus von V-2—3/-i Jahren. Die Methode des hebräischen Anfangsunterrichts ist die gleiche wie bei jedem anderen sprachlichen Anfangsunterricht, d. h. die auditive: Vorsprechen und Nachsprechen, Fragen und Antworten, Ausführen von Tätigkeiten mit begleitenden Erklärungen in der neuen Sprache. Nur ein wesentlicher Unterschied besteht bei der Erlernung des Hebräischen: die Kinder, die Französisch oder Englisch als erste Fremdsprache beginnen, sind 10—11 Jahre alt, das Hebräischlernen dagegen beginnt in einem Alter von 6—7 Jahren. Deshalb müssen die Methoden des modernen sprachlichen Anfangsunterrichtes mit den Methoden des Gesamtunterrichts in den ersten Schuljahren aufs engste verbunden werden. Erste Forderung muß sein, daß der Unterricht dem Anschauungskreis und der Auffassungsgabe dieser Kleinsten entspricht, nichts Theoretisches, Schematisch.es oder gar Grammatikalisches —• alles verlebendigt, aktiviert, in Handlung umgesetzt, *) Ich vermeide mit Absicht die fälschlichen Bezeichnungen Iwrith oder Neuhebräisch.)