Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (7.4.1937)
- Date
- 1937-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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13. lahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 4 Jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaisersrraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den 7. April 1937 Druck und Verlag*. Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: D r. Siegfried Braun K ö l n-S ü 1 z, Unkelerstraße 17 Rechenschaft S, B. Vor mir liegen zwei Dokumente unseres Lehrerverbandes: eine Rechnungsaufstellung der Geschäftsstelle für das Jahr 1936 und eine Uebersicht über die Leistungen des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen. In beiden Statistiken spiegelt sich die Zeit, in der wir leben, deutlich wieder; man liest sie mit gemischten Gefühlen. 1 . - Die Geschäftsstelle weist die Beiträge aus, die von den siebzehn Bezirksvereinen im Reich nach Berlin abgeführt worden sind. Während einige wenige der Vereine die Beiträge in gewohntem Umfang geleistet haben, sind die meisten in der Höhe der Beiträge zurückgegangen; zwei haben überhaupt nichts gezahlt. Es bedarf kaum einer Untersuchung über die Ursachen dieses Substanzschwundes. Es ist uns allen wohl > bekannt, wie stark der Schrumpfungsprozeß der Mittel- und! Kleingemeinden ist und wie sehr die finanzielle Kraft der i dort verbliebenen Steuerzahler im Schwinden begriffen ist. Wir wissen, es auch, daß derlei Entwicklungen der Entwick- , lung der Schule und der Stellung des Lehrers abträglich sind. Dennoch drängt sich uns die Empfindung auf, es fehle hier und da an der Bereitschaft, Verpflichtungen nachzukommen, die ein Opfer bedeuten mögen, die aber dennoch übernommen werden müssen,. weil sie einem Ganzen dienen, das jeden I einzelnen mit umschließt. In einer andern Zeit hat unser Verband einmal mit Eifer und Beharrlichkeit mitgeholfen, der jüdischen Schule und der Lehrerschaft den Weg zum Aufstieg zu ebnen. JVlan braucht nur den Namen Steinhardt auszusprechen, und die Erinnerung an die kämpfereichen Jahre steigt in uns lebendig auf. Die Zeiten haben sich gewandelt; mit » ihnen die Möglichkeiten, die Entwicklung der Dinge zu beeinflussen. Wir haben an dieser Stelle schon des öfteren darauf hingewiesen, wie sehr es weithin als dem Zusammenhalt und der Schlagkraft des Verbandes abträglich empfunden wird, daß weder der Verband noch seine Unterglieder regel- , mäßig zu Tagungen zusammentreten können. Wir haben aber zugleich auch erklärt, es sei notwendig, sich damit abzufinden, soweit der Verband in Frage steht; es liege aber zuweilen ausschließlich an den Vereinsleitungen, wenn Tagungen un-; terblieben. Aber ganz abgesehen von diesen Sachverhalten j| darf doch darauf hingewiesen werden, daß andre Zeiten andre W Arbeitsmethoden verlangen. Unser Verband steht auch heute m noch als wichtiger Organismus mitten drin in der Bewegung. die um die jüdische Schule kreist. Seine Leitung kann zwar; nur noch in wenigen besonders gelagerten Fällen dort eingreifen, wo materielle Anliegen seiner. Mitglieder zu ordnen i sind,.wenngleich auch da manches geschieht, was aus leicht erklärlichen Gründen. diskret behandelt werden muß. Um so •< stärker nimmt er Anteil an der Bearbeitung vom Fragen, die t die Schule und die Lehrerschaft in ihrer pädagogischen För- |? derung angehen. Ein Ausschuß, unseres Verbandes berät in ■M regelmäßig erfolgenden Sitzungen mit der Schulabteilung der m;i Reichsvertretung Pläne auf ihre Zweckmäßigkeit und Durch- |1 führbarkeit hin. Der Verband und seine Vereine veranstalten in Gemeinschaft mit andern Spitzenorganisationen Lern- und Arbeitstagungen in Berlin und in der Provinz. Verbandskommissionen bearbeiten Lernmittel, die den neuartigen Aufgaben der jüdischen Schule gemäß sind, wie die Lesebogen, auf deren Erscheinen an anderer Stelle dieses Blattes hingewiesen w'rd, und wie die Fibel, die im vergangenen Jahre als erstes Lernmittel für den Deutschunterricht an jüdischen Schulen erschienen ist. Insbesondre aber versucht der Verband durch jierausgabe der Jüdischen Schulzeitung in enger Fühlung mit der Gesamtkollegenschaft im Reich zu bleiben, ihr Anregungen für den Unterricht und die Erziehung zu geben und von ihr zu empfangen. Es bleibe dahin gestellt, zu entscheiden, in welchem Ausmaß dem Verband seine Absichten Wirklichkeit werden und wie weit ihm empfohlen werden könnte, andre Wege zu beschreiten. Das aber darf doch einsmal gesagt werden, daß Arbeit geleistet wird, und daß es in einem nicht geringen Maße dem Einzelnen anheim gegeben ist, an ihren Erfolgen teilzuhaben. Das verpflichtet aber auch. Der Verband muß von den Kollegen, die sich als Mitglieder in den Listen führen lassen, verlangen, daß sie diesen Verpflichtungen so weit nachkommen, wie es nur immer möglich ist. Die jüdische Lehrerschaft verfügt nicht über eine Organisation, der jeder Lehrende angehören muß. Sie schließt sich aus freier Entscheidung zusammen und es gibt — abgesehen vom Ausschluß — nur moralisch wirkende Mittel, jeden Kollegen zur Pflichterfüllung anzuhalten. Um so mehr sollte sich jeder gehalten fühlen, seinen Beitrag zu zahlen. Geradezu sträflich verhalten sich die Kollegen, die zu zahlen in der Lage sind und die es über sich bringen, im Rückstand zu bleiben. Nur ungern berühren wir hier und heute derlei peinliche Dinge, Aber sie müssen einmal ausgesprochen werden,, weil es notwendig ist, und wir möchten wünschen, es dürfe bei diesem zum erstenmal seit langer Zeit erfolgenden Monitum bleiben. Aber auch denjenigen unter uns, denen nur noch ein bescheidenes Einkommen verblieben ist, sei die Frage vorgelegt, ob sie nicht wenigstens einen Teil des Betrages zahlen könnten, den der Verband von ihnen verlangt. Diese Frage wird in vollem Bewußtsein des Ernstes gestellt, der ihr anhaftet; aber auch mit einem Seitenblick auf andre Organisationen und andre Menschenkreise, denen geldliche Verpflichtungen nicht minderer Art auferlegt sind. — Das andre Dokument bringt eine Aufstellung der in den Jahren 1931 bis 1936 gezahlten Unterstützungen und Darlehen. Mögen die Zahlen, die wir aus verständlichen Gründen hier nicht veröffentliche« möchten, auch absolut genommen klein erscheinen, so steckt dennoch hinter ihnen eine Leistung, deren Wert niemand gering anschlagen wird, der nur von ferne ahnt, was häufig bescheidene Beihilfen bedeuten. Die Unterstützungskasse erhält bekanntlich den weitaus größten Teil der ihr zur Verfügung stehenden Beträge vom Verband, der sie den eingehenden Beiträgen entnimmt. Um so mehr müssen die Mitglieder sich verpflichtet fühlen, ihre Beiträge pünktlich zu zahlen. Wir müssen damit rechnen, daß die Ansprüche an die Hilfskasse nicht geringer werden. Und es wäre gar traurig, wollten nicht alle, die noch dazu in der Lage sind, helfen, diese Institution zu erhalten und zu stärken. Zu stärken nicht nur