Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung Nummer cMier kleinen Wohnung. Dann aber geschah etwas für die Oeffcntlichkeit Unerwartetes: König Ferdinand ließ eines Tages den Fremdling ins Schloß rufen. Fr erschien, schilderte dem König sein Geschick und ließ ihn einen Einblick tun in die Vielfalt seiner Arbeit, die er im Dienst des portugiesischen Hofes geleistet hatte. Ferdinand erkannte die Größe des Mannes, der da vor ihm stand und ernannte ihn bald zum Finanzverwalter seines Landes; zugleich aber wurde Don Isaak von der Königin Isabella zum Berater in Geldangelegenheiten erkoren. So begann Don Isaak zum zweiten Male den Aufbau einer Fxisteuz, und wieder glückte es ihm, zu Glanz, Ehre und Reichtum zu gelangen. Er beschaffte nicht nur Geld für die Staatskasse, er war auch dem Königspaare behilflich, wenn es galt, die Privatkasse zu füllen. Es ging in jenen Jahren wild zu auf spanischem Boden. Der Kampf gegen die Mauren flammte noch einmalheftig auf, als Ferdinand seine Heerscharen gegen das letzte Bollwerk der islamischen Macht, gegen die Festung Granada anrennen ließ. Just in dem Jahre, das uns .Miden unvergeßbar im Gedächtnis haftet, weil sich in ihm das Schicksal der stolzen spanischen Judenheit erfüllte, in dem Jahre auch, in dem die Weltgeschichte durch des Kolumbus Entdeckungsreisen ein anderes Gesicht erhielt, fiel Granada in die Hände des Königs Ferdinand, und ward der Weg frei zu einer völligen Rückgewinnung Spaniens für die Christenheit, ward aber auch in den strengfrommen Majestäten das Verlangen rege, jede Möglichkeit einer Schwächung des katholischen Glaubens zu beseitigen, d. h. auch sich der Juden zu entledigen. Während der jüdische Finanzminister Kapital auf Kapital herbeischaffe, auf daß der Sieg errungen werden könnte, mühte sich sein großer, unheimlicher Gegenspieler Thomas de Tor- (niemada der Großinquisitor Spaniens, das Königspaar dem Plane geneigt zu machen, die Juden' aus Spanien auszutreiben. Don Isaak kannte die Absichten Torquemadas: er kannte a»ch dessen Zähigkeit und wilden Judenhaß. So sah er das Unheil immer näher herankommen. Er bot alle Kraft auf und alle staatsmännische Geschicklichkeit, es abzuwenden. Er stellte dem König und seinen Ministern dar, welch verhängnisvolle Folgen für das Wohlergehen des Landes es haben werde, wenn man die fleißigen, unternehmungsmntigen Juden in die Fremde jage: er gewann Fürsprecher unter den Großen des Reiches; ja. er bot dem König riesige Summen Geldes an wenn er von dem Plane Abstand nehme. Ferdinand verschloß s»ch nicht den Gründen seines treuen Beraters und Helfers in Notzeiten; er zeierte sich geneigt, seinem Vorschlag zu folgen, und Don Isaak hätte wohl den Sieg über Torouemada davongetragen, wäre dessen Einfluß auf die Königin nicht allzumächtig gewesen. Sie bedrängte ihren Gemahl heftig, und am Ende des zäh und leidenschaftlich geführten Kamnfes stand der Ausweisungsbefehl vom 31. März des-Jahres 149.?. Don Isaak war unterlegen. »wd er mußte sich eingestehen, daß er ungewollt selber die Waffen habe schmieden helfen, die gegen seine indische Gemeinschaft geschwungen wurden. Das ist d'e Tragik in seinem arbeits- und erfolgreichen Leben in Spanien. Siegfried Braun. (Schluß folgt.) Art unsere Leser! Wir machen darauf aufmerksam, daB zwischen dem 16. und 24. März 1937 der Postbote d'e A^nnneroentsaebfltirefi fflr da« 2. Quartal 1937 (Aorff-Junf) In Höhe von »1 Pfg. tfnUl. Restellgeld} kassieren w'rd. Sorten Sfe a1«o dafür, da« der obltre Refrne prnmnt bezahlt wird, damit die Zustellungder Jfldhrhen Scbulzeltung keine Unterbrechung erleidet. Wenn Sie abwesend sein werden, dann beauftrncrpn S'e bMte eine ceel^nete Person mit der 7»hlun« an den Postboten. Nur so sichern Sie sich eine ununterbrochene Zustellung de«- Jfldlschen Sfhufzeltunc. Her Verla?. Ißarf* £afe=$ontttom ^reugttngen ' bat gebiegem föamxUen'&afe Wöchentlich eine Zeitungsstunde Wir entnehmen dem Organ des Reichsverbandes der deutschen Presse „Deutsche Presse" (Nr. 7 vom 13. Februar 1937) folgende Zeilen: Wöchentlich eine Zeitungsstunde Eine Broschüre der Pressekammer für die Lehrer Die Bestrebungen, die Zeitung in den Schulunterricht einzube'ziehen, haben jetzt eine konkrete Form erhalten. Im Einvernehmen mit dem Reichserziehungsminister und dem Reichswalter des NSLB. hat die Reichspressekammer den Lehrern eine Broschüre „Zeitung und Schule" überreicht, die sich mit der heutigen Bedeutung der Zeitung, mit ihrem Entstehen und ihrer Verwendbarkeit im modernen Unterricht beschäftigt. In einem Geleitwort erklärt der Reichserziehungsminister: „Will die Schule zeitnahe sein, will sie sich nicht vom wirklichen, überall drängenden Leben abkapseln, so kann sie nicht länger auf eins der modernsten und unentbehrlichsten Hilfsmittel für den Unterricht verzichten — nämlich auf die Zeitung! Denn die Zeitung ist das lebendige Tagebuch des deutschen Volkes, das jeden Tag um eine Seite reicher wird." Der Minister ermahnt jeden Erzieher, dazu beizutragen, daß die Zeitung, die größte Mittlerin zwischen Führer und Gefolgschaft, schon dem jungen Deutschen zum Freund wird. Reichswalter Wächtler erklärt, es erscheine ihm undenkbar, daß irgendein deutscher Mensch nicht täglich durch eine Zeitung teilhaben möchte an dem Großen, das rings um ihn im deutschen Vaterland geschieht. Die Broschüre gibt dem Lehrer alle Aufklärung, die nötig ist, um die Zeitung im Unterricht nutzbringend verwenden zu können. Nach einer kurzen Einleitung über die Bedeutung der Zeitung wird ihre Entstehung ausführlich und mit Anschauungsmaterial beschrieben. Die praktischen Anregungen für den Schulunterricht gehen davon aus, daß die neue deutsche Zeitung mit größtem Nutzen in der Schule verwendet werden könne. Wenn es der Lehrplan zuläßt, so könnte etwa wöchentlich eine „Zeitungsstunde" eingeführt werden, entweder im Deutsch- oder im Geschichtsunterricht: aber auch sonst lasve sie sich beinahe in allen Unterrichtsfächern verwenden. Wir hätten zwar in Deutschland vorzügliche Lehrbücher mit neuem Geist und dem Wunsch nach Zeitnähe. Aber bis ins Gestern. Heute und Morgen reichten sie nicht. Hier habe die Zeitum: den Faden aufzunehmen und bis in die letzte Gegenwart fortzuführen. Nicht zuletzt lasse die Zeitung die Kmder auch m't erleben wie die engere Heimat sich wandelt. * In der Jüdischen Schulzeitung ist schon des öfteren auf die Bedeutung der Zeitung gerade in unserer Zeit hingewiesen worden; am eingehendsten in dem Aufsatz „Die Zeitung in der jüdischen Arbeitsschule" von Kurt Bergel, Düssetdorf (Nr. 12 Dezember 1936). Der Büchermarkt hat uns zwar eine Menge von Lehrbüchern gebracht, die sich bemühen, auch Vorgänge aus der neuesten Zeit, soweit sie uns Juden angehen, schülergerecht darzustellen. Man denke nur an die umfangreiche Palästina- und Wanderungsliteratur, oder an Müllers Weg in die :- jüdische Neuzeit. Sie vermögen indes nicht das Organ zu ersetzen das am unmittelbarsten den Herzschlag der Zeit spüren läßt: d'e Zeitung. Deshalb darf erwartet werden, daß die jüdische Zeitschrift und die jüdische Zeitung regelmäßig in jeder Woche zum Gegenstand der Erörterungen gemacht wird. Erleichtert wird d'Vse Arbeit durch die weitgehende Uebereinstimnumg des Wortlauts wichtiger Meldungen in allen Zeituntr^n sowin rlt-rcb dio Tntsuchc, daß fast in jedem Haust* irgendeine j^n^h^ ZeHnne gehalten wird. Nicht unwichtig Ist es. auch, dir» B«'der oder BihWbeilagcn zu beachten, die mehr noch nls das gedruckte Wort zu den Sinnen der Kinder sprechen.- Die jüdische Winterhilfe rechnet auf Dich!