Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitung Seite 5 schein-, Simchat-Tora-, Chamikah-, Chamisehah-assar-bet sehwat-. palästinensische Lieder u. a.) VII. Verpflichtung und Aufgabe des Musikunterrichts. Me'ne Ausführungen wollen und. können nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es ist hier der Versuch gemacht, das hebräische Lied in bezug auf die Erfordernisse und Zwecke der Schule zu behandeln. Neben der rein stofflichen Darbietung wurde die musikalische GrundUage aufgezeigt. Je mehr man in das große Stoffgebiet des hebräischen Liedes eindringt, desto mehr wird man die Verpflichtung fühlen, für se:ne Pflege und Verbreitung zu arbeiten. Diese Verpflichtung ist besonders dringend für den Musikunterricht in den jüdischen Schulen. Hier hat der Musikunterricht eine hohe jüdische Aufgabe zu erfüllen. Das hebräische Lied stellt die lebendige Beziehung zum jüdischen Familienleben, zum Gotteshaus und zum Aufbau von Erez Israel her. In Erez Israel ist das hebräische Lied im Wachsen und Werden. Juden aus aller Welt finden sich in zäher Aufbauarbeit zusammen. Was unterstützt sie in ihrem schweren Werk? Das hebräische Lied. In ihren Feierstunden ist das hebräische Lied Spender der Freude und des Frohsinnns. Und weviel Freude kann das Lied spendenk In der wunderschönen Weise .,Von der edlen Musik" aus Rathgebers „Augsburger Tafelkonfekt" 1733 heißt es: „Der hat vergeben das ewig Leben, der. nicht die Musik liebt und sich beständig übt in diesem Spiel. Wer hier, auf Erden wll selig werden, der kann erreichen hie' durch Musik ohne Müh' sein letztes Ziel. Es gibt der höchste Gotte den Engeln dies Gebot . es singen Cherubim, es singen Seraphim, der Englein viel." Das Lied schließt: „Lieblicher Töne Klang jagt weg das Leid." Wenn Juden sich zum gemeinsamen Gesang zusammenfinden, und mögen sie aus den verschiedensten Ländern der' Welt kommen und in religiöser Hinsicht aus entgegengesetzten Lagern stammen, im gememsam gesungenen hebräischen Lied werden sie einander näher rücken. : So trägt das hebräische Lied zur Bildung und Stärkung des Gemeinschafts- und des Zusammengehörigkeitsgefühls bei. Don Isaak Rbravanel Eine Unterrichtseinheit Als im Jahre 1391 die jüdische Gemeinde in Sevilla vernichtet wurde,, gelang es einer Reihe von Familien, dem Tode durch rasche Flucht zu entgehen. Unter ihnen waren auch die Eltern des Don Isaak Abravanel, von dessen bewegtem Leben hier aus Anlaß des 500sten Wiederkehr seines Geburtsjahres berichtet sei. x Sein Vater war ein reicher und angesehener Tuchhändler und Bankherr. In jenen Zeiten war eine Vereinigung dieser beiden ß rufe nichts Ungewöhnliches. Die Versorgung eines Landes r t Webwaren aller Art oblag wenigen Großkaufleuten, die ü'". .- gute Verbindungen mit den Märkten der Welt verfügten Sie brachten es oft zu großen Vermögen und zu bedeutendem Einfluß auf die Geschicke der Völker, in deren Mitte sie lebten. Man denke nur an die Fugger und Welser in ridiusuiiiand. Da häufig nur ein kleiner Teil der verdienten Kapitalien im Geschäft gebraucht wurde, konnten hohe Summen Regen Zinsen ausgeliehen oder zu andern, meist politischen ZVccktii verwendet werden. Die Abravanels hatten aber noch inj einer andern Weise mit dem Geldhandel zu tun. Sie pachteten vom Staat das Recht, die Steuern einzuziehen und die Zölle z« erheben. In allen Teilen des Landes saßen ihre Angestellten »>id führten die Einnahmen an ihre Bank ab: von dort aus erhielt der König den größeren Teil, während der Obersteuer- und -Zollpächter einen kleinern genau bestimmten Anteil behalten durfte. Waren mit dem Amt auch manch unangenehme Dinge verbunden, so gab es doch tatkräftigen und umsichtigen Bankherren die Möglichkeit, große Einnahmen für sich zu erzielen, zugleich aber auch hohes Ansehen in der vornehmen Welt der Gesellschaft zu gewinnen. Der junge Isaak wuchs mit seinen Geschwistern sorglos und wohlumhegt von Eltern und Erziehern in Lissabon auf. Obgleich der begabte und wissensdurstige Knabe viel hinter den Büchern saß, blieb ihm doch hinreichend Zeit übrig, sich mit Gespielen im Garten seines väterlichen Palastes zu tummeln, oder sich in einem der Landparks zu vergnügen, die sein Vater erworben hatte. Rasch verging so die Jugendzeit; es kamen die Lehrjahre in den Kontoren des Vaters, und es kam der Augenblick, da er selber Nachfolger des Vaters wurde und ebenso wie dieser in Dienste des Königs trat. Den höchsten Ministern gleich ging Don Isaak am königlichen Hofe ein und aus. Der König brauchte viel Geld, nicht nur für sich und seine kostspielige Hofhaltung, sondern auch zur Führung von Kriegen. Fast täglich mußte Don Isaak im Schloß erscheinen und sicli mit dem König beraten. Dort traf er hohe Beamte und vornehme Adelige, und man unterhielt sich gern mit dem klugen gewandten Manne,, und ganz von selbst knüpften sich die Bande der Freundschaft und entwickelte sich ein reges gesellschaftliches Zusammenleben, das die Jahre rasch dahinfließen ließ. In den Kontoren des Abravanelschen Handels- und Bankhauses saßen wohlgeschulte, erfahrene Angestellte, und ihr Herr brauchte sich um die Einzelheiten der Geschäftsführung wohl kaum zu kümmern. So blieb ihm trotz der vielen Pflichten, die ihm Beruf und Stellung auferlegten, doch noch Zeit genug übrig, ein zweites Leben zu führen, das ihn in die Stille seiner Studierstube bannte: das Leben eines jüdischen Gelehrten. Ausgezeichnete Männer hatten ihm die Grundlage zu einem gediegenen Wissen gegeben. Kraft der eigenen Geistesgaben und einer großen Liebe zum jüdischen und -nichtjüdiscbcn Schrifttum ward Isaak Abravanel bald heimisch in der Welt der Bibel und ihrer Erklärer. So saß denn der vornehme, stolze Staatsmann und Kaufherr stundenlang in der Abgeschiedenheit seiner Bibliothek, umgeben von hunderten kostbarer Folianten und Handschriften, eifrig lesend und schreibend und die Welt um sich her vergessend, bis ein Diener ihn zu wichtigen geschäftlichen Entscheidungen oder in die Häuslichkeit der Familie zurückrief. Manch köstliches Jahr verging, und es schien, als steigere sich Glück und Wohlstand ins Ungernessene. Da fuhr wie ein Blitz aus heiterm Himmel das Unheil auf Don Isaak Abravanel hernieder. Ein neuer König hatte den Thron bestiegen der dem Adel seines Reiches nicht wohl gesinnt war. Nicht lange nach seinem Regierungsantritt verbreitete sich das Gerücht, der mächtigste Fürst Portugals, der Herzog von Braganza. habe eine Verschwörung gegen das königliche Haus angezettelt, und sein Freund Don Isaak sei im Bunde mit ihm. Rasch griff der König zu. ließ den Herzog verhaften und vors Gericht stellen: er -ward zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das gleiche Schicksal wäre sicher auch dem jüdischen Freunde widerfahren, hätte er nicht unmittelbar vor dem Versuch, ihn zu verhaften, von Freunden gewarnt, nächtlich die Flucht ergriffen. Seine Familie, se'n Amt und sein Vennö- Ven im Stich lassend, eilte er der Grenze zu und betrat bald Soaniens Boden einem armen Monne gleich, der nichts weiter -besaß als. seine Kenntnisse und FähVkeiten und einen klangvollen Namen, den man überall in rW Welt kannte. Der Flücbt- ,ffn* erreichte Tolptto Mm« dnp fftinMichen ^«sldenzstadtc und ließ sich dort nieder^ Fr wnch*e wohl im StiKcn gehofft haben. :pian.werde ihm da er.yu Unrecht verdächtet worden war, •sein 'Vermögen herausgeben: aber es kam anders: die Paläste .Geschäftshäuser. Landgüter und Warenbestände, die baren .Gelder und ebpnso d*» anstehenden wurden beschlnenabmt :und nur Fra-i und Rinder ließ man noch Toledo abziehen In den ersten Monnten seines Aufenthaltes in Spanien lebte ■ Don Isaak zurückgezogen und bescheiden als Privatmann in