Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer 3 2. Adaunoj-Moloch-Steiger (Abkürzung: Ä. M. S.) (auch Rausch-haschonoh-Steiger genannt, da er am Rauschhaschonoh bei den Neginoth der Thoravorlesung angewandt wird) Tonfolge, beginnend mit c c—d—e—f—g—a—b—c (manchmal erweitert d—es). Halbtöne zwischen 3 nach 4 und 6 nach 7. Der A. M. S. stimmt mit der mixolydischen Tonart überein. 3. Ah a wo-.Ria bbo-S teige r (Abkürzung: A. R. S.) (auch Jischtabach-Steiger genannt) Tonfolge, beginnend mit e e— f—?gis—a—h—Cr—d—e Halbtöne zwischen 1 nach 2, 3 nach 4, 5 nach 6, zwischen 2 nach 3 eine übermäßige Sekunde. Der A. R. S. ist der phrygischen Kirchentonart ähnlich, hat jedoch eine erhöhte Terz. Zu 1. M. O. S. Die Wiederholung des Wajechullu im Fre:- tagabendgebet wird in einem ganz bestimmten Gesangsstil rezitiert, eben im M. 0. S. Auch der Halbkaddisch und vorher oft Wschomru vor der Amida stehen im M. 0. S. Es ist ein alter Brauch, daß.die Gemeinde Wajechullu laut vorträgt. Zu 2. A. M. S. Den Abschluß von Kabbalath Schabbath bildet der Psalm 93 Adaunoj moloch. Die Tonreihe, nach der er vorgetragen wird, die auch diesem Steiger den Namen gab, ist allgemein verbreitet. Im A. M. S. werden die Psalmen des Sabbatse'ngangs und der erste Teil des Sabbatmorgengebetes rezitiert. Zu 3. A. R. S. Von „Ahawoh rabbo" an im Sabbatmorgengebet trägt der Vorbeter in dieser Tonreihe vor. Da der ARS. den osteuropäischen Synagogengesang in großem Ausmaße beherrscht, so ist es auch erklärlich, daß er einer großen . Anzahl jiddischen und viel gesungenen hebräischen Liedern zur Grundlage wurde. Nachstehend ist eine Reihe von Beispielen im A. R. S. aus H. N. und Sch. E. J. angeführt. Als besonders typisches Bei- -\'l kann Hawa nagila, H. N. Seite 59 beze:chnet werden. (Der Rahmen dieses Aufsatzes läßt es nicht zu, auch auf?;ra£--:■> einzugehen, inwieweit auch M. O. S. und A. M. S. : vs iK-lvüische Lied beeinflußt haben. A. Z. 1. sagt, daß z. B. . >e Me';)d:k der „Hatikwah" der Mogenowauswejse ähnlich ist. Im IX. Band des H. 0. M. bringt er in Nr. 29a ,.Kol mekad- Jesch schewii" ein Beispiel einer Melodie im A. M. S.) Beispiele im Ah a wo -R a bbo - Ste>i ge'r: aus . Hawa Naschira!" Seite 19 Hine ma tow Nr. 2. 22 Kruim anu (auch Sch. E. J., Seite 66) nur 1. Teil. 59 Hawa nagila. 157 Wtaher libenu. 159 Uwjom haschabbat (vergl. Sch. E. J., Seite 134). 162 Schir hamaaloth. - 173 Jissmchu adirim. „ 784 Awinu malkenu (auch Sch. E. J.. Seite 142). - 189 Jaale kolenu (auch Sch. E. J., Seite 118). Aus „Schire Erez Jissrael": Seite 10 Am jissrael chaj.?1 Mataj jawo hammaschiach. 109 Bou nsapper. ' \ 137 (oben) AI naharoth bawel. \ .; Das Studium d:eser Beispiele läßt-leicht ihre Grundlage, . den A. R. S., erkennen. Wie kann der Schüler praktisch zur Kenntnis und zum Verständnis dieser Tonreihe geführt werden? Anstrawsounkt sind die Kirchentonarten. (Siehe H. N.. .^eite Nachdem der phryglsche K'rchenton (e—f—-g—a— l«._c_d e) durchgenommen wurde und zur Unterscheidung von Dur und Moll festgestellt ist. daß hier die Halbtöne zwischen 1 nach 2 und 5 nach 6 Heeen. wird als typisches Merk- ' mal des A. R. S. die erhöhte Terz, das eis. eingeführt. D:e Tonreihe als solche mit dem lV-> Tonschritt ist den Kindern durch viele ihnen bekannte Lieder geläufig. (Vergleiche das Vorkommen des A. R. S.;n den Horoth und Nigunim in H. N., Seite 66 ff.,' ebenso Sch. E. J., Seite 185 ff. Bekanntlich wer den diese Nigunim auf bestimmten Silben gesungen.) Die Richtlinien für den Musikunterricht vom 26. März 1927 fordern1 u. a. die Anregung der kindlichen Phantasie zu eigenem musikalischer Erfinden und Gestalten durch Ertindungsübungen. Liegt es da nicht nahe, das Kind, nachdem es mit dem A. R. S. vertraut ist, zu veranlassen, einmal selbst einen eigenen Nigun zu erfinden und zuerst vor sich herzusummenV (Siehe Sch. E. J., Seite 145, Anmerkung zu „Bjom kajiz".) Unter Führung musikalischer Kinder kann dann die Klasse mitarbeiten, um einen eigenen Nigun zu schaffen. (Vergleiche Jode, Musik und Erziehung, Seite 90 ff.) Ich glaube nunmehr gezeigt zu haben, daß die Beschüt- : tigung mit dem A. R. S. im Musikunterricht kein Theorem ist, sondern hineinführt in d:e lebensvolle Gestaltung der Arbeit am hebräischen Lied. Die' Gesichtspunkte, nach denen man im allgemeinen die musikalischen Grundlagen eines Volksliedes untersucht, lassen s'ch auch auf das hebräisc.he Lied übertragen. Es ist in melodischer und rhythmischer Beziehung mannigfaltig. In bezug auf das Verhältnis der Tongeschlechter ist die Tatsache bemerkenswert, daß die weitaus größte Zahl der Melodien in Moll steht. „Die Auffassung von Dur als heiter und Moll als düster ist nur den germanischen Stämmen eigen, eine Auffassung, die die Semiten, Lateiner und Slaven nicht teilen." (A. Z. I.) Der periodische Aufbau des hebräischen Liedes hat gewisse ihm eigentümliche Formen, unter die z. B. be<m chassidischen Gesang ein einen Takt dauernder Ton fällt. (Siehe H. N., Seite 82 Jissmach mosche, 9. Takt, ferner H. N., Seite 158 Jissmchu bmalehutcha, 10. Takt.) Der. chassidische Gesang ist reich an Synkopen. (Siehe H. N., Seite 59.) Der Begriff „Jüdisches Volkslied'* wurde bisher bewußt vermieden. (Darüber siehe Dr. Peter Gradenvvitz „Musik des Qhetto", 80. Jahrgang, Heft 6, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Seite 462.) Denn die Mannigfaltigkeit der Melodik des hebrä\schen Liedes kann nicht immer ursprünglich als „jüdisch" bezeichnet werden.; Die Assimilationsfähigkeit der Juden;st auch in musikalischer Hinsicht sehr stark. Die. Juden haben im Laufe ihrer > fast 2000jährigen Wanderung durch viele Länder Elemente der r verschiedensten Musikkulturen in sich aufgenommen und, al- * lerdings wach eigener Weise, verarbeitet. Hier sei über den Einfluß fremder Nationalmusik grundsätzlich wiedergegeben. : was A. Z. I. zu einer Reihe im 9. Band des H. 0. M. notier- : ten und als „palästinensisch" bezeichneten Weisen sagt:) ..Manche sind russische Melodien, zu welchen hebräische j Texte gesetzt sind. Andere sind arabische Melodien1, wieder andere polnischen oder ukrainischen Ursprungs. Der Rest ist eine Verschmelzung von arabischen, slawischen, jemenitischen und jiddischen Tonelementen." Der Einfluß des deutschen Volksliedes auf die süddeutschen Semiroth ist schon gekennzeichnet worden. VI. Methodische Hinwelse. Eine wesentliche Voraussetzung jedes schönen Singens ist die sorgfältige Aussprache. Das hebräische Lied verlangt eine besondere Beachtung dieser Forderung. Der hebräische Text eines Liedes muß rein sprachlich und inhaltlich beherrscht werden: Hier müssen insbesondere an den ausgebauten Schnl- .svstemen. der Musiklehrer und der Lehrer für Hebräisch Hand in Hand arbe'ren. Nur bei wirklicher Einfühlung in den Text kann das Lied ausdrucksvoll gestaltet werden. Die schon behandelten Erfindungsübtingen seien nn dieser Stelle noch einmal erwähnt, ebenso wird auf die Einführung in die musikalischen Elemente nochmals hingewiesen. Die Aufstellung des Stoffplanes für den Gesangunterricht richtet sich u. a.'neben der Schwierigkeit der Lieder nach dem jüdischen Festjahr und damit zusammenhängend nach dem jahreszeitlichen Ablauf. Die Stoffauswahl muß in lebendiger Beziehung zum Erleben des jüdischen Kindes stehen. (Schabbat-, Pessach-, (k-