Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 2 Jüdische S c h u 1 z e i t u.n g Seite 3 stet er einen wertvollen Beitrag für den lebendigen hebräischen Gesang. a) 3. Dazu gehört auch.das Singen der Gebettexte. Die Versuche zur Einführung eines geordneten einstimmigen Gcnieindegesangs reichen bis in die erste Hälfte des 19. Jahr- Inmderts zurück. (Goldberg, Gesänge für Synagogen, Braunschweig 1843; Liebling und Jacobsohn. Israelitisches Schulimd Gemeinde-Gesangbuch, Altona 18S0.) Erst kürzlich hat Hermann Zivi wieder zur Aktivierung der Gemeinde im Gottesdienst durch Pflege des einstimmigen fiemcmdegesangs aufgerufen. Die Durchführung dieser mir sehr bedeutsam erscheinenden Aufgabe ist ein wichtiges Arbeirsgeb'et im Musikunterricht. TL N. und Sch. E. J. bieten Material. Auch Teil I der „Jüdischen Klänge" (Der öffentliche Gottesdienst) ist hier heranzuziehen. Der süddeutsche Synagogengesang weist eine Reihe wertvoller, schl'chter Gesänge auf, die auch heute noch lebendig sind und 'durch ihre Innigkeit wirken. Eine populäre und weit über Deutschland hinaus verbreitete Melodie ist der 1843 in den ..Braunschweiger Gesängen" veröffentlichte „En kelauhemr von Julius Freudenthal. Die neueren jüdischen Liederbücher lassen, abgesehen von den Semiroth, Beispiele guten süddeutschen Chasanuth. die sich für den Gemeindegesang eignen, fast durchweg fehlen. Es ist liier unmöglich, auf die große Zahl süddeutscher und ostjüdiseber Gebetsweisen, die A. Z. I. u. a. im 7. und 8. Band des rf. O. M. gesammelt hat und die auch für den Gesangunterricht in Frage kommen, einzugehen. Erst das gesungene Gebet vermag unserm tiefsten Empfinden Ausdruck zu geben. Der Musikunterricht hat hier eine hohle, eine heilige Aufgabe.. b) D i e w e 111 i c h e n L i e d e r. Bei der Gruppierung dieser Lieder kann man sich an den in der Regel bei jedem Volkslied angewandten Grundsatz, Gliederung nach dem Inhalt, wie historische Lieder, Kindcrlicder. Arbeitslieder, Naturlieder usw. halten. A. Z. I. hat den Volksgesang der osteuropäischen Juden im 0. Band des FI. 0. M. abweichend von diesem Prinzip nach musikalischen Gesichtspunkten klassifiziert. (Darauf wird im nächsten Abschnitt zurückzukommen sein.) Der zu Band 9 angezeigte seoarate Textband, der noch nicht erschienen ist, wurde nach dem Inhalt geordnet. Vor dieser schwierigen Aufgabe stand auch Dr. Jacob Schönherg bei der Herausgabe seines Liederbuches ..Schire Erez Jissrael". Dem Buch ist nur ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis beigegeben. Dr. Schönberg hat die Liedersammlung in sieben Gruppen eingefeilt. Da dieses Gruppen-Inhaltsverzeichnis fehlt, seien hier die Ueberschriften in deutscher Uebersetzung wiedergegeben. 1. Teil Lieder der Begeisterung. 2. , .. Arbeits- und Anfbaulieder. 3. .. Lieder der Landschaft und Heimat. 4. ., Freuden- und Festlieder. 5.. „ Lyrische Lieder. 6". „ . Kinder- und Wiegenlieder. 7. .. ATelodien und Tänze. Dr. Schönberg ist der Gefahr aus dem Wege gegangen, ui seinem der jüdischen Jugend gewidmeten Buch chie zu umfawrreiche Klassifizierung vorzunehmen, die eher einer wissp.n^chaftlichon L:edersammhmt* /»käme. . Im 7. Ab.sch.nHt sind/ Melodien ohne Worte oder nur mit Silben, zum großen Teil chassidische Gesänge und Tanzweisen, wiedergegeben. Auch H N bringt davon eine gute Auswahl. D>c Verfasser von H N. haben m:t Geschick der ganzen Anlage ihres 8chulh'ederbucbcs in Anlehnung an Franz Rosenzweig die IVeiteihmg ..Mensch. Natur. Gott" -zugrunde gelegt. Dadurch l'fibcn. s!e eine für em Schuh;ederbnch vielleicht trockene ^ninnierung vermieden. Im Musikunterricht der jüdischen ^chule mfi««en bei der Aufstellung der Stoff verteil »ng wichtige '"Hunnen des hebräischen weltlichen Liedes zu ihrem Recht kommen. V. Vom musikalischen Aufbau des hebräischen Liedes. Die Richtlinien für den Musikunterricht in den allgemeinen Volksschulen (Min.-Eri. v. 26. März 1027) die noch heute maßgebend sind, erheben in bezug auf die Mus'ker/.iehuug die Forderung, die Kinder dadurch ztmi Mnsikvcrscänduis zu führen, daß sie mit den musikalischen Elementen genügend vertraut gemacht werden. Hierzu gehören Einführung in d'e Tongeschlechter, Tonreihen. Intervalle, Rhythmen. Dynam'k usw. In unseren Schulen wird man sicher bestrebt gewesen sein, diesen hohen Anforderungen nachzukommen. H. N. bringt im Anhang ..Musikkunde" in den ersten 5 Abschnitten das notwendige Material-, dessen systematische Durcharbe:tung während der einzelnen Schuljahre, beginnend mit dem zweiten, erst die Grundlage für musikalische Bildung und. für Musikverständnis ergibt. Die Kenntnis dieser musikalischen Grundclemente führt jedoch;n erster Linie zum Verständnis des deutschen Volksliedes, zur Einführung in die Welt der klassischen deutschen Musik.. Wie aber bahnen wir den Weg zum Verständnis des musikalischen Auibaus einer großen Anzahl von hebräischen und auch jiddischen Liedern, die nicht auf der uns im allgemeinen geläufigen Dur- und Mollgrundlage basieren, an? Hier erhebt sich, vor allem für denjenigen, der mit der Materie einigermaßen vertraut ist und der gleichzeitig in der 'Praxis des Musikunferichtcs steht, eine zweite Frage. Können wir in unseren Schulen überhaupt auf diese Probleme eingehen? Nach meiner Auffassung kann und muß über diese Fragen im Musikunterricht gesprochen werden. Rein musiktheoretische Erörterungen haben selbstverständlich m der Schule keinen Platz. Da das hebräische Lied den Kindern jedoch geläufig ist. besteht wohl die Möglichkeit, an praktischen Beispielen :n seinen musikalischen Aufbau einzuführen. In erster Linie denke ich hier an die Behandlung der traditionellen Tonreihen, au'die sogenannten ..Steiger". Voraussetzung dieser Arbeit ist aber, daß s:ch der Ldi-. rende erst einmal grundlegend mit dieser Materie befaßt. Bei gutem Willen dürfte ihm das Eindringen in dieses Geh/et nicht schwer fallen. Ich glaube im Gegenteil, daß dieses Studium viel Anregung und Freude bieten wird. Nachstehend will ich versuchen, dieses Stoffgebiet für den Unterrichtenden.- nicht für den Schüler, in gedrängter Form zu skizzieren. Der traditionelle Synagogengesang, auch ein großer Tel! unserer hebrä:schen Gesänge und des jiddischen Liedes, ist auf überlieferten Singweisen aufgebaut. Der Name dieser Tonreihen. Steiger, hat bisher eine wissenschaftlich haltbare Erklärung noch nicht gefunden. Oberkantor Josef Singer. Wien, hat in emer Broschüre 1836 dargelegt, daß der traditionelle Svnagogengesang auf bestimmten, eigentümlichen Tonremen beruht. Einen sehr instruktiven Aufsatz zu dieser Frage .Der Ritnalgesan.g der Synagoge" schreb Moritz Deutsch. Breslau .1890. in einem Nachwort zu seiner ..Vorbcierschufe". Auf die Broschüre von Singer stützt sich Aron Friedmann in einer Studie ..Der synagoga'e Gesang". 2. Auflage 1008. Die von ihm hier bearbeiteten vier Steiger sind in H. N.. S. 220 im Anschluß an die Kirchentöne wiedergegeben. (Zum Verständnis des' hebräischen Liedes gehört auch d>c Kenntnis der Kirchentonarten.) Tm folgenden soll nur von drei Sie:gern. jedoch mit anderen Bezeichnungen, wie sie bei Friedmann gebraucht werden, die Rede sein. I. M o g on-0 w a u s - S t e i g e r. f A bk ü r z u n g: M. O. SO (auch Wajeehullu-Sreiger genannt) Tonfolge, beginnend mit c c—d -cs--f --gas -bc Halbtöue zwischen 2 nach 3 und 5 nach 6 ..Der M. 0. S. hat eine Molltonleitcr mit kleiner Septime." . CA. Z. L)