Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 2 Jüdische Schulzeitung Seite 9 nien. Sp. 2. Unter den arianischen Westgoten Gleichberechtigung. Nach Bekehrung der ariar.ischen Westgoten zum Katholizismus-beginnt seit 589, dem 3. Konzil in Toledo, Verfolgung und Bedrückung, die sich im 7. Jahrhundert zur Zwangstaufe und Ausweisung der Juden steigert. Verfolgung der. Judaisierenden. 481—511 Chlodwig begründet das Frankenreich (Sp. 1). Nach Einführung des katholischen Christentums im fränkischen Meroyingerreich 496 Konzilienbeschlüsse gegen die Juden im 6. und 7. Jahrhundert: Verfolgungen,. Zwangstaufen. Ausschluß von öffentlichen Aemtern. (Sp. 3.) Diese beiden Beispiele aus Tafel VI und .VIII mögen genügen, um die Verflechtung der jüdischen Geschichte mit der Weltgeschichte darzutun. Im folgenden möchte ich ein Beispiel geben, wie die Spalten der jüdischen Geschichte selbst in horizontaler Richtung in Beziehung zueinandergesetzt, d. h. wie die Zusammenhänge zwischen äußerer und innerer, politischer und Kulturgeschichte der, Juden in jedem Lahde hergestellt werden können, ferner wie die verschiedenen Länder in ibezug auf Schicksal und Geisteskultur der Juden gegenüber zu stellen und miteinander zu vergleichen sind. Tafel VIII, 1 und VIII, 2, Aus der Geschichte der Juden in den europäischen- Ländern während des frühen Mittelalters (_ 1200). Voraussetzung für diese Betrachtung ist, daß die Durchnahme des tatsächlichen Stoffes vorausgegangen ist. Dieser Wissensstoff, das Pensum für jede . Stunde und für größere Gebiete und Zeiträume wird in den einzelnen Spalten von oben nach unten dargeboten. Es ist dem Lehrer überlassen, je nach individueller Einstellung, nach Reife und Stand der Klasse eine Auswahl aus dem gegebenen Stoff zu treffen. Aber er darf nie aus dem Auge lassen, daß in den Zeittafeln die Ergebnisse des Unterrichts in möglichst kurzer Form für die häusliche Wiederholung festgehalten sind. Der jüdische Geschichtsunterricht dagegen verlangt eine ausführliche und gründliche Behandlung des jeweiligen Themas, sei es nach der arbeitsunterrichtlichen Methode von dem Quellenstück ausgehend, sei es nach der vortragenden Methode, wobei vom geschlossenen Vortrag des Lehrers auszugehen und die Quelle zum Schluß zur Veranschaulichung und Verlebendigung zu "bringen ist. In unserem Fall wird man mit der Geschichte der Juden in Spanien beginnen, und zwar im mohammedanischen Spanien. Da. den Schülern aus der vorherigen Stunde bekannt ist, wie die Juden im spanischen Westgotenreich gelitten haben, verstehen sie, daß für sie die Stunde der Erlösung schlägt, als die Araber unter Tarek 711 das westgotische Reich erobern. Begründung des Kalifats in Cordova (755—1031) durch die Omajiaden, unter deren Herrschaft sich die Juden einer günstigen Lage, der Religionsfreiheit und eignen Gerichtsbarkeit erfreuen. An der wirtschaftlichen, zivilisatorischen und kulturellen Blüte des Landes, die unter Abdurrahman III. (912—961) einen hohen Grad erreicht, haben Juden hervorragenden Anteil. Große Anziehungskraft für die wertvollsten Kräfte der orientalischen Judenheii. Starke Zunahme der jüdischen Bevölkerung, allmähliche Entfaltung der eignen'jüdischen Geisteskultur. Große Forderung des Talmudstudiums und der hebräischen Sprachwissenschaft durch Chasdai i hn S c h a p r u t. Seine diplomatische Stellung und sein .politischer Einfluß am Hofe des Kal'fen: Empfang der Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Konstantin VIII., der ehi Bündnis mit dem Kalifen anstrebt. Uebersetzung des medizinischen Werkes, des Huldigungsgeschenks an den Kalifen, durch Chasdai ibn Schaprut aus dem Latein:schen ins Arabische. Kluge Vermittelung in dem Streite zwischen dem deutschen Kaiser Otto 1. und dem Kalifen. Wie Moses ben Chanoch, einer der vier Gesetzeslehrer aus Sura. Rabbiner in Cordova wird, wie die Hochschule von Sura in, Cordova weder ersteht und wie Cordova durch Chasdai ibn -Schaprut zum Mittelpunkt der jüdischen Bildung wird, -erfahren wir aus der Quelle Abraham ibn Daud, Sefer Hakabbala, „Die vier gefangenen Gelehrten" (Quellenb. II S. 9 f). Ueber das große Verdienst Chasdai ibn Schapruts um die Entdeckung des jüdischen Chazarenreichs am Kaspischen Meer verschafft uais sein Briefwechsel mit dem Chagan Joseph genaue Kunde. (Quellenb. II S. 1 ff.) Diese quellenmäßig gewonnene Kenntnis der dreifachen Bedeutung Chasdai ibn Schapruts wird in den Vergl. Zeittafeln (VIII 1, Spalte 2) folgendermaßen zusammengefaßt: 910—970, Chasdai ibn Schaprut, Finanzminister und Führer der Gesandtschaften am Hofe Abdurrahmans III. von Cordova, Nagid der jüdischen Gemeinden, fördert die hebräische Sprachwissenschaft und das Talmudstudium (R. Moses ben Chanoch), entdeckt das jüdische Chazarenreich (Briefwechsel mit dem Chagan Joseph). Dann (VIII, 1. Sp. 7): Im 10. Jahrhundert begründen Menachem ben Saruk und Dunasch ben Labrat, von Chasdai ibn Schaprut begünstigt, die hebräische Sprachwissenschaft, die Jona ibn Djannach später weiter ausbaut. Hierauf (Tafel VIII, Sp. 6): 723 Die durch den oströmischen Kaiser Leo III., dem Isaurier, verfolgten Juden flüchten zu den Chazaren, einem tartarischen Stamm in Südrußland. Um 740, Chazaren nehmen unter dem König Bulan das Judentum an. Es folgt (Tafel VIII, l Sp. 6): Um 950, Antwortschreiben des Chagans Joseph an Chasdai ibn Schaprut über die Bekehrung der Chazaren. In ähnlicher Weise wird auf Grund des Quellenberichts (Quellenb. II, S. 14f) Samuel ibn Nagdela als Staatsmann im Königreich Granada, als Nagid der Juden, als Dichter und Talmudgelehrter und als Beschützer der Dichter und Gelehrten behandelt. Nachdem wir auf solche Art die äußere und innere Geschichte der Juden in den einzelnen europäischen Ländern quellenmäßig (nach Quellenb. H und III) uns erarbeitet haben, sind wir in der Lage, an der Hand der Vergleichenden Zeittafeln VIII 1 und VIII 2 vergleichsweise festzustellen: Während die Juden im arabischen Spanien auf festem sicherem Boden stehen, in Ruhe und Freiheit leben- und mit den Arabern auf allen Gebieten des Lebens und Geistes friedlich wetteifern, leben die Juden in den christlichen Ländern Europas in einer dauernden Gefahrenzone, sind fortwährend von Verfolgungen bedroht und führen räumlich und geistig ein Sonderdase'n. In der klassischen Epoche der arabisch-jüdischen Renaissance, der Wiedergeburt der Wissenschaften und Philosophie, bringt die Verschmelzung der jüdischen mit der arabischen Kultur auf spanischem Boden besonders im IL und 12. Jahrhundert einen mächtigen Strom geistigen Lebens hervor. Im öffentlichen Staatsieben spielen Chasdai ibn Schaprut und Samuel Hanagid eine bedeutende Rolle, ihnen zur Seite ragen Jona ibn Djannach, der Grammatiker, Salomo ibn Gabirol, der Dichter und Philosoph mit seinen meisterhaften religiösen und weltlichen Dichtungen, sowie der Talmudgelehrte Isaak Alfassi hervor. Dichtung und Wissenschaft gelangen zur höchsten Blüte unter Moses ibn Esra, Jehuda Halevi und Abra- Ausfüllen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert In den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten Hndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende zum Preise von RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Voru. Zuname: ..........„.................................................................................................. Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort:............................................................................................................................................ 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