Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (1.2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 J ü d i s c h e S c h u 1 z e i t u n g** ' Nummer? 27) Kabisch, Wie lehren wir Religion? 6. Aufli S. 104. 28) Kirschstein, Wiss. Abhandlungen, Vorträge und Ansprachen S. 51. 29) Ausführlich darüber Kabisch Wie lehren wir Religion? S. 110. Aehnlich auch Romberg Lebens- und Charakterbilder des A. T. S. 64. Engert, Psycho!, und Päd. der rel. Begriffe S. 49. Dagegen H. Stern, Psychologie d. RU. S. 29. 80) Hingegen behandeln die Reden des fiiobbuches das Problem: „Wie verträgt sich das Leiden eines gerechten Menschen mit dem Walten eines gerechten Gottes?" 31) Jul. Gutmann, Die Philosophie des Judentums S. 25. Aehnlich sieht auch Kautzsch die Lösung des Rätsels, die diese Reden geben: „Der Gott, der von der Urzeit an mit unendlicher Erhabenheit und Weisheit in seiner Schöpfung gewaltet, alles weislich geordnet, für alles Begehren der unvernünftigen Natur liebevoll gesorgt hat; er kann auch den Menschen gegenüber nur gedankenvoll Weisheit und Liebe hegen, mögen auch seine Wege für Menschengedanken oft unbegreiflich sein." Kautzsch, Abriß der Geschichte des alttestamentlichen Schrifttums S. 216. 32) „Nur mit dem Entsagen beginnt eigentlich das Leben:" (Goethe.) 3:}) Es wird das geschlossen aus der Stelle Gen. 26, 5: .„... zum Lohne dafür, daß Abraham auf meine Stimme gehört hat und wahrte meine Verwahrung, meine Gebote, meine Satzungen, meine Weisungen." Vgl. Beer Leben Abrahams nach Auffassung der jüdischen Sage S. 90 f und Anm. 268 und 973. Zur Einführung in den unterrichtlichen Gebrauch der „Vergleichenden Zeittafeln" Von Dr. Jul. Höxter, Frankfurt am Main „Wir stehen an einem Wendepunkt der jüdischen Geschichte." Ob diese Behauptung, die kürzlich aufgestellt wurde, zutrifft, wird die Geschichte erst erweisen. Aber unzweifelhaft fest steht die Tatsache, daß wir gegenwärtig jüdische Geschichte und jüdisches Schicksal in ungeheurem Ausmaß erleben. Wer die Gegenwart verstehen und meistern und die Zukunft aufbauen lernen will, der muß seinen Blick rückwärts wenden und die Vergangenheit befragen. Um das wahre Bild der jüdischen Geschichte plastisch vor Augen zu führen, bedarf es einer synchronistischen Darstellung in der Form von vergleichenden Zeittafeln. Diese erst lassen in aller Deutlichkeit die 'Zusammenhänge mit der Weltgeschichte erkennen, des weiteren die Einzigartigkeit der jüdischen Geschichte in bezug auf Umfang und Inhalt, das eigenartige gleichzeitige Nebeneinander der Juden in den Ländern der Diaspora und die soziale sowie kulturelle Sonderentw.cklung in jedem einzelnen Land. Es ist von großer Bedeutung, daß unsere Jugend weiß um die beispiellose Vergangenheit ihrer Ahnen, um die „Gle'chartigkeit geschichtlicher Schicksale, um tausendjährige Leiden für den Glauben, um Kampf und1 Opfer für die Ewigkeitsaufgabe, um die dornenvolle Wanderlaufbahn, um den ununterbrochenen Strom geistigen Lebens". Je mehr das heranwachsende Geschlecht diese gemeinsame geschichtliche Verbundenheit erkennt, desto stärker entfaltet sich in ihm das geschichtliche Bewußtsein, das sich als eines der wirksamsten und nachhaltigsten Bindemittel bewährt und dem über alle trennenden Momente der Richtung, Weltanschauung, Staatsangehörigkeit hinweg eine einende Kraft innewohnt. Wie nun soll unsere Jugend die grundlegenden geschichtlichen Tatsachen lernen und sie als unverlierbares geistiges Besitztum erwerben? Den geschichtlichen Verlauf und den Geist der Zeit aus der Quelle, die gesicherten Ergebnisse und Zusammenhänge aus den ..Vergleichenden Zeittafeln". Unter sachkundiger Führung tritt die Schülerschaft an Hand der Zeittafeln den Gang durch die Jahrhunderte an und macht sich die wesentlichen Tatsachen, die schon im Druck stärker hervorgehoben sind, zu eigen. Vor Beginn der -Wan'-. derüng oder nach ihrem Abschluß lenken w,r den Blick der Schüler darauf, daß die Geschichte der Juden einen Zeitraum v umfaßt, wie ihn keine. Geschichte irgendeines Kulturvolkes aufweist. Die ersten Tafeln lassen erkennen, daß die Juden Zeitgenossen der-ältesten Kulturvölker, der Aegypter und Chaldäer, waren, daß sie mit den beiden Völkern des klassischen Altertums, den Griechen und Römern, das Dreigestirn bildeten, von dem die Erleuchtung der Kultürmenschheit ausging; die letzten Tafeln zeigen, wie s"e neben und mit den modernsten europäischen und außereuropäischen Völkern ein geschichtliches Leben führen. Auch das eigene Gesicht, den besonderen Charakter der jüdischen Geschichtelassen die „Vergleichenden Zeittafeln" klar erkennen: nicht politische, sondern vorwiegend innere geistigreligiöse Geschichte und Martyrium, „Lernen und Leiden, Denken und Dulden" bilden den Kern. Besonders aufschlußreich sind die Vergleichenden Zeittafeln für die Beziehungen der jüdischen Geschichte zur allgemeinen Weltgeschichte. Die Daten und Tatsachen der Weltgeschichte, die stets in Spalte 1 vorangestellt sind, bieten die Möglichkeit, die Beziehung der jüdischen Geschichte zum allgemeinen Weltgeschehen aufzuweisen. Ohne Kenntnis dieser Beziehungen ist jüdische Geschichte gar nicht zu verstehen. Die Vergleichenden Zeittafeln veranschaulichen, wie die Geschichte der Juden auf der ganzen Linie mit der Geschichte der Menschheit verwachsen ist und wie die Geschicke dieses über die bewohnte Erde zerstreuten Wandervolkes mit den Schicksalen der Staaten, in deren Mitte es lebt, organisch verflochten sind. Wirtschaftlicher, sozialer und geistiger Aufstieg der jüdischen Gemeinschaft sind meist beeinflußt und bedingt durch die politischen und kulturellen Verhältnisse der Umwelt. Unter unduldsamer weltlicher oder, kirchlicher Herrschaft erleiden die Juden Verfolgung, Ausschließung und Glaubenszwang; unter duldsamer Regierung leben sie in günstigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen und in guten Beziehungen zur nichtjüdischen Mitwelt, vielfach auch unter deren kulturellem und geistigem Einfluß. Aber auch umgekehrt hat sich häufig eine religiös-geistige Einwirkung des Judentums auf die Umgebung vollzogen; es hat also eine wechselseitige Beeinflussung, e'n fortwährendes Geben und Nehmen stattgefunden. — Zunächst wollen wir an einigen Beispielen in den Zeittafeln die Abhäng:gkeit der jüdischen Geschichte von dem weltgeschichtlichen Geschehen zeigen: Schlagen wir z. B. Tafel VI auf, Sp. 1, 312—337 Konstantin der Große. Sp. 2: Anfangs duldsam: Toleranzedikt von Mailand' (313), das allen Bürgern des römischen Reichs Gewissensfreiheit zusichert. Seit Erhebung des Christentums zur Staatsreligion beginnt die Regierung auf Drängen der Kirche den Kampf gegen das Judentum, 315 Verbot des Glaubensübertritts zum Judentum. Tafel VIII. Sp. 3: 321 Verordnung an die Juden in Köln hebt die frühere Befreiung vom Dienst in der Kurie auf. (VI, 4): 325 Konzil von Nicaea löst jede Gemeinschaft mit der Mutterreligion; Verlegung der Passahfeier auf den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Um 340 Die Synode von Laodicea veitbietet die gemeinschaftrche Sabbatfeier. (VI, 2):Jerusalem wird christlich. Konstantes trifft härtere Bestimmungen gegen die Juden. Ahndung der Bekehrung von Sklaven zum Judentum mit Freilassung .des Sklaven und mit Androhung der Verbannung oder Todesstrafe für den Herrn. Verbot der Ehen zwischen Juden und Christinnen-. Erhebung der Juden in Galiläa (352) wird von den Römern unterdrückt; Schließung der Lehrhäuser; Auswanderung der Lehrer nach Bäbylonien. (VI, 4): In ursächlichem Zusammenhang damit: "359 Veröffentlichung der Regeln der jüdischen Kalenderberechnung durch .Hille! II. Tafel VIII, Sp. 1, 375 Einbruch der Hunnen in Europa. 395 Teilung des Römischen Reiches, 395—476 Weströmisches Reich (— Untergang), 395—1453 Oströmisches oder Byzantinisches Reich (bis Eroberung Konstantinopels durch die Türken). Lage der Juden in germanischen Reichen auf früherem röm;- schem Boden: 412—711 Westgotisch.es Reich in Spa-