Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (2.1.1937)
- Date
- 1937-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer .1. J ü d i s c he Sch u ize i t ung Seite 7 -deren Notwendigkeit bereitsim vorigen Bericht hingewiesen worden war. Zunächst betrifft diese Umgestaltung mehr die Verlagerung des Schwergewichts in den Unterrichtsfächern. Da. außer Palästina bei den meisten Schülern Länder des englischen Sprachgebiets für die Auswanderung in Betracht kommen, mußte der Unterricht im Französischen eine Einschränkung erfahren. Die stärkere Betonung des Unterrichts in der jüdischen Geschichte machte eine Kürzungdes Stoffes der allgemeinen Geschichte notwendig. Obwohl durch die Einführung der Lernzeiten sechs Unter- Tichtswochen dem allgemeinen Unterricht entzogen wurden, konnte bis auf die oben genannten Einschränkungen in den meisten Klassen das Unterrichtsziel erreicht werden. Die Lernzeiten des vergangenen Jahres stellen einen ersten Versuch ■dar, der weder in jeder Hinsicht befriedigen konnte, noch auch schon die künftige Linie, der Arbeit ganz deutlich macht. Es ist noch nicht ersichtlich, ob es nach einiger Erfahrung möglich .sein wird, die Lernzeiten ohne Einschränkung des allgemeinen Stoffes durchzuführen, da ja in den verhältnismäßig noch immer kleinen Klassen eine intensivere Arbeitsweise möglich ist als in den Schulen mit größeren Klassen. Es erhebt sich aber auch schon für uns die Frage, ob das strenge Festhalten an den staatlichen Lehrplänen überhaupt noch einen rechten Sinn für uns hat, da die Aufgabe einer höheren jüdischen Schule sich nicht mehr mit der einer deutschen höheren Schule deckt. Pädagogische Ärbeitstagung in Stettin Am 25. und 26. November fand in Stettin im Rahmen der -vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und •der Reichsvertretung der Juden in Deutschland organisierten Lehrerfortbildung eine pädagogische Arbeitstagung statt, die von fast allen Lehrern Pommerns und der angrenzenden Gebiete besucht war. - Die Tagung, die von. Dr. Fritz B a m be r g e r - Berlin geleitet wurde, wurde mit einem Referat von Lehrer N e i e r - Berlin „Der hebräische Fibelunterricht und seine Vorbereitung" eröffnet. Herr Neier zeigte im Aufriß die Möglichkeiten, moderne Sprachmethodik auf den hebräischen Unterricht zu übertragen, und gab ausgearbeitete Lektionen für einen ersten Sprachunterricht und Anweisungen, den Gebrauch der Fibel auf ihn zu beziehen. Rektor Dr. Stern-Berlin sprach über „Allgemeine Grundsätze der Methodik" und erörterte mit den Teilnehmern an Hand ausgewählter und von den teilnehmenden Lehrern vorgeschlagener Beispiele leicht in Vergessenheit geratende Grundsätze der älteren Pädagogik und Prinzipien neuerer methodischer Theorien. Am Abend sprach Frau Professor Dr. B a r s c h a k - Berlin vor einem größeren Kreise über „Fragen der Koedukation". Der Vortrag vereinigte psychologische Grundlegung — in dieser Hinsicht gab er wichtige Hinweise zu einer Psychologie des jüdischen Kindes — und praktische Schulerfahrung, und kam von bteidem her zu wichtigen Ratschlägen. Dr. Fritz Bamberg er sprach am zweiten Tage über „Die Behandlung von Stoffen zur jüdischen Kulturgeschichte." Er gab ausgewählte Beispiele aus der jüdischen. Geschichte, besprach mit den Teilnehmern ihre schulgemäße Behandlung und wies im besonderen immer darauf hin, daß hier die Möglichkeit vorhanden ist, vom Stoff selbst auszugehen und mit wenig umfangreichen Stoffen ausgedehnte und tiefgehende Kenntnisse zu erarbeiten. ' : Lehrer Johannes Wolff-Berlin zeigte in seinem Lehr- ."bericht „Das jüdische,Element im heimatkundlichen Gesamtunterricht" die Möglichkeiten der intensiven Durchdringung des Gesamtunterrichts vom Jüdischen aus. Zum Abschluß behandelte ein Referat des Rabbiners Richter- Stettin „Die Erweckung der Religiosität im Religionsunterricht". ' ' y Die Tagung nahm einen äußerst angeregten Verlauf. An alle Vorträge schloß sich eine eingehende Diskussion an. Von allen Teilnehmern wurde immer wieder betont, wie wichtig es sei, die Lehrer, die weit entfernt von einander in ihren Gemeinden tätig sind, durch solche Tagungen auf dem Laufenden über das in der jüdischen Schularbeit Erreichte und Angestrebte zu halten. Aus dem Lehrerverband In Oppeln (Oberschlesien) ist vom Schlesischen Lehrerverein eine Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer im Bezirk Oppeln begründet worden. An ihrer ersten Sitzung nahmen teil Herr Wiener als Vertreter des Oberschlesischen Landesverbandes sowie die Herren Rabbiner Dr. Keller, Dr. Hirschberg und Kökotek, die sich zu ehrenamtlicher Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben. Ihnen sprach Koll. Jospe-Oppeln den Dank der Arbeitsgemeinschaft aus. Unter der Leitung des Vorsitzenden i. V. Koll. Falkenstein-Landeshut bereitete die Arbeitsgemeinschaft auf ihrer ersten Sitzung die Arbeitspläne vor. Sie umfassen Dinim, Iwrit, Tenach und Homiletik, Schulpraxis und Kantorale Fortbildung. Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg Auf unserer Tagung am 17. November sprach Herr Rabbiner i. R. Dr. Samuel (Berlin) über das Thema: „Neues Licht über jüdische Sekten" (Samaritaner, Karäer und Chassidim). Die lehrreichen Darlegungen, die die meisten jüdischen, wie allgemeinen Forschungen auf diesem Gebiete berührten und Anschauungsmaterial darboten, vergaßen im Lehrerkreise auch die unterrichtliche Verwertung des Stoffes nicht. Leider sollte es unsere letzte Tagung sein. Zeit-, Gemeinde- und Beamtenverhältnisse, wie Todesfälle haben unsere Mitgliederzahl erheblich vermindert; und eine Neuergänzung ist infolge der berechtigten Forderungen von Stand und Beruf nicht möglich. Wir beschlossen daher einstimmig, nach gerade 40jährigem Bestehen unsern Verein mit Jahreswende aufzulösen und uns gemeinsam der Berliner Ortsgruppe des Lehrerverbandes anzuschließen. Aus dem verbleibenden Kassenbestancie sollen die Verbandshilfskasse und das Emser Heim bedacht werden. Guttmann, Potsdam. Der Etat der Reichsvertretung Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Präsidialausschuß und Rat der Reichsvertretung haben am 7. und 8. Dezember den1 Etat der Reichsvertretung für 1937 verabschiedet. Der Etat sieht Gesamtausgaben im Betrage von rund 4,35 Millionen vor. Er betrifft überwiegend die Arbeitsgebiete, die die Reichsvertretung seit 1933 ununterbrochen zentral betreut. So sind in dem Etat vorgesehen in runden Zahlen 1,4 Millionen Mark für Wanderung (Palästina- und sonstige Wanderung), 860 000 RM für Berufsausbildung und Berufsumschichtung, 200 000 RM für Kredithilfe, 500 000 RM für Wohlfahrtszwecke, 565 000 RM für Schulwesen. In zunehmendem Maße richtet sich die Fürsorge der Reichsvertretung auch auf das kulturelle Leben. Für kulturelle Zwecke — mit Ausnahme des Schulwesens — sind im nächstjährigen Etat eingesetzt im ganzen etwa 230 000 RM. Darunter befindet sich zum ersten Male eine besondere Etatposition für die Kulturbünde und zwar in Höhe von 75 000 RM. Die Reichsvertretung hat auch schon bisher wiederholt den Bestand einzelner Kulturbünde sichergestellt, indem sie in dringenden Fällen finanziell einsprang. Sie wird nunmehr auch auf diesem Gebiete beginnen können, eine systematische finanzielle Arbeit einzuleiten. . Vermehrt wird die Reichsvertretung in Zukunft auch für Jugend und Sport eintreten können. Die Mittel dafür sind mehr