Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (2.1.1937)
- Date
- 1937-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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konnte naturgemäß nicht eingegangen werden. Es sei-nur bemerkt; daß das Prinzip — z. B. in dem Unterrichtsergebnis: „Spanien, ein Land jüdischer Vergangenheit" — auch in die Geschichte spielt. Es sei für später vorbehalten, hier die Zusammenhänge aufzudecken, die schwierigen Beziehungen zwischen jüdischer und profaner Geschichte (auch hier „Galuthkunde") und die Einzelsteine des Baues, das Gesamtsystem zu betrachten. v Wilhelm Stern, Berlin. Schwierigkeiten in unserer Arbeit Von Dr. Martin D eutschkrön, Berlin Wir geben hier einem Kollegen das Wort, der von der Höheren Schule herkommt. Seine Darlegungen umfassen die Schwierigkeifen, vor die sich die akademisch vorgebildeten Lehrer vielfach hingestellt sehen, wenn sie in den Volkschuldienst übertreten. Sie rühren aber auch an die Frage einer Reform der Lehrervorbildung überhaupt. Wir werden demnächst eingehend auf sie zurückkommen. Die Schriftleitung. Die jüdischen Schulen haben in den letzten Jahren eine Entwicklung durchgemacht, die den meisten. von ihnen ein neues Gesicht gegeben hat Aus kleinen, kaum lebensfähigen privaten Schulen sind große Anstalten, geworden, Schulen, die sich in ihren Forderungen und Ansprüchen demgemäß wandeln mußten. Der jüdische Lehrer hat diese Wandlung mit veranlaßt. In die jüdischen Volksschulen sind akademische Lehrkräfte gekommen, die niemals daran gedacht haben, Volksschulfächer unterrichten zu müssen. Selbstverständlich muß sich das irgendwie auswirken. Dieser jüdische Volksschullehrer hat zu einer eigentlichen Vertiefung nie die rechte Zeit; denn er braucht zur Vorbereitung der Unterrichtsfächer, für die er nicht vorgebildet ist, jede freie Minute. Der Sprachler stöhnt unter der Last der Vorbereitung für Geschichte und; Erdkunde, der Germanist kann sich in der Prozent- und Wurzelrechnung nicht zurechtfinden. Und trotz seiner guten Vorbereitung wird er oftmals entmutigt und mißvergnügt seine Klasse verlassen, und dabei ist es doch die Freude, die in den Schulstuben bitter notwendig wäre und die manchen trocknen Stoff erst erträglich macht. Hinzu kommen für den jüdischen Lehrer die speziell jüdischen Fächer wie jüdische Geschichte, Palästinakuride und Hebräisch. Für jedes Fach wäre ein besonderes Studium notwendig. Da dies nicht möglich ist, sollten die dafür in Betracht kommenden Instanzen einen gangbaren Weg suchen; denn in der Schulzeit ist eine entsprechende Ausbildung unmöglich. Ob man Kurse von längerer Dauer unter Herabsetzung der Stundenzahl, aber bei voller Bezahlung, einrichtet, ob man einen Lehreraustausch mit Palästina in d;ie Wege .leitet, ob man be^ sondere Hilfsmittel und Quellen für die Lehrer herausgibt*), das sind alles Fragen, die heute hier nur angeschnitten werden sollen. Die zuständigen Stellen sollten sie aber ernst nehmen und ihre Bearbeitung nicht länger hinausschieben. Die Reichsvertretung sollte nicht zögern, Geldmittel für diese Aus- und Weiterbildung der Lehrer zur Verfügung zu stellen. Das Stoffgebiet, das die jüdische Schute heute bewältigen muß, ist viel zu groß. Alle pädagogischen Tagungen, die bis jetzt in unserem Kreise abgehalten wurden, verfolgten das Ziel, dem Lehrer den Weg zu zeigen, auf dem er jüdische Stoffe in den von den Behörden vorgeschriebenen Lehrstoff hineinbeziehen kann. Jedes Mal habe ich solche Tagungen mit Unbehagen verlassen, weil ich mir klar darüber war, daß ein solcher Weg nicht zu dem Ziel führen kann, das uns und. der heutigen jüdischen Jugend vorschwebt. Die Lehrerorganisätionen sollten mit der Reichsvertretung den Lehrstoff sichten und Platz schaffen für unsere jüdischen Belange. Ohne diese Umarbeitung der bestehenden Lehrpläne ist eine fruchtbringende Arbeit nicht gewährleistet. Selbstverständlich bedarf es *) Siehe die Arbeitspläne für Fest- .und Fasttage, heraus-" gegeben von der Schulabteilung der Reichsvertretung; "Die Schriftleitung.' ■■■■■" ■■ " ' der behördlichen Genehmigung, die von der Reichsvertretung: nachgesucht werden sollte. - ■■ ■ >■■ ■• . Eine" weitere Schwierigkeit scheint mir-auf ■psychologischem Gebiet zu liegen. Ist die Struktur des jüdischen Kindes-: anders als die des nichtjüdischen :Kindes? Welchen Einfluß hat die heutige soziale Lage der Juden auf das Seelenleben eines, jüdischen Kindes? Diese und ähnliche Fragen sollten einmal mit Verständnis, und auf Grund tiefgehendster, Beobachtungs¬ und Sammelarbeit erforscht werden. Je "bewußter und. klarerem Pädagoge solche Faktoren mit in Rechnung zieht, um sofruchtbarer wird seine didaktische und allgemeine pädagogische Arbeit sein. - „Lernzeiten" für Schüler (Aus einem Jahresbericht) Kollege Hugo Rosenthal, der Leiter des Ländschulheims Herrlingen, übersandte uns einen Bericht über die Arbeit während des Schuljahres J935/36. Er stellt eine gründliche pädagogische Abhandlung dar, die ihren besonderen Wert erhält durch die kritische Haltung, die der Verfasser seiner eigenen Bemühungen gegenüber einnimmt. Wir veröffentlichen unter Weglassung einiger kurzerStellen den Teil des Berichtes, der sich mit der .Lernzeit* befaßt. Rosenthal lenkt die Aufmerksamkeit der Leser auf die Frage hin, ob nicht die Allgemeinen Lehrpläne zugunsten des Unterrichts im Jüdischen gekürzt werden sollten. Diese Frage wird in anderem Zusammenhang in einem Aufsatz behandelt werden, der sich mit dem Thema befaßt: »Die jüdische Schule, " eine Schule zwischen den Zeiten«, und den wir in der Februar-: ausgäbe unseres Blattes veröffentlichen werden. Die Schriftleitung. Bereits im Schuljahr 1934/35 war es nötig, während des Feiertagsmonats Tischri täglich etwa zwei Stunden zur Vorbereitung auf die verschiedenen Feste zu verwenden. Sie diente der Uebersetzung wichtiger Gebete, der Sinndeutung der Feiertage und der Einübung gottesdienstlicher Gesänge.. Kurz vor Weihnachten — während der Chanukkawoche — wurden die Nachmittagsstunden dazu benutzt, um die Schüler in die Geschichte des MakkabäeTaufstandes einzuführen. Anläßlich des 800. Geburtstages des großen spanisch-jüdischen Philosophen Mose ben Maimon fand am Schlüsse des Winterhalbjahres die erste jüdische „Lernzeit" im Landschulheim statt. Während einer Woche wurde ausschließlich jüdischer Unterricht erteilt. Täglich zwei Stunden Hebräisch, zwei Stunden jüdische Geschichte und eine Stunde jüdisches Brauchtum bzw. Palästinakunde. Der Zweck dieser Lernzeit war,, durch eine Konzentrierung des gesamten Unterrichts auf . die genannten Fächer der jüdischen Bildung. der Kinder einen. Auf-; schwung zugeben. . - Gegenstand des Unterrichts in dieser Lernzeit war die Geschichte der Juden in Spanien sowie Leben und Werk des Maimonides. Für den hebräischen Unterricht war infolge der noch nicht ausreichenden "Kenntnisse der Kinder nur eine lose Verbindung mit diesem Stoff möglich. Für das Schuljahr 1935/36 nahmen wir uns vor,~dieseLernzeiten jeweils zu den Feiertagen zu einer ständigen Einrichtung zu machen: die Tischri-Lernzeit während des ganzen "Feiertagsmonats unmittelbar nach den Sommerferien bis zum 1. Oktober, die Chanukka-Lernzeit in der letzten Woche vor den WeihnachtsfeTien, die Pessach-Lernzeit in der letzten Woche vor den Osterferien. Um den Schülern, die Ostern 1936 das Landschulheim nach zweijährigem Aufenthalt verließen, - noch eine Möglichkeit zur Auffüllung ihrer großen Lücken in den jüdischen Unterrichtsfächern zu geben, entschlossenwir uns, für die Klassen U II und 0 II den - allgemeinen Unterricht bereits Ende Februar abzuschließen und - im- Monat März; gleichfallseine, jüdische Lernzeit zu machen: : - - In allen. Lernzeiten sind die Unterrichtsfächer Hebräisch, jüdische Geschichte und allgemeine Judentumskunde . (Brauchtum, jüdische- Gegenwartskunde, Palästinakunde u.-a.). Mit der Einführung der jüdischen Lernzeiten haben wir den ersten- Schritt zu einer dem Bedürfnis einer jüdischen höheren. Schule entsprechenden Umgestaltung des Lehrplans getan, die . auch der Vorbereitung auf die Auswanderung zu. dienen-hat;und auf.