Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 12 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 J ü d i s c h e S c h u 1 z e i t u n g Nummer \Z Bibel von einem Nachkommen Moses aus den guten Traditionen seiner Familie niedergeschrieben worden ist. Im vorliegenden Bande kommt er immer wieder darauf zu sprechen und zeigt, wie im Gegensatz dazu einerseits die Ergänzung dieser ältesten Geschichtsquelle durch den „Elohisten" in ganz anderer Weise vollzogen worden ist, und wie andererseits aus priesterlichen Kreisen der „Priesterkodex" entstanden ist. Dazu kam dann die Ueberarbeitung des Ganzen auf der Grundlage der deuteronomistischen Anschauung, und so entstand die Bibel in der Form, wie sie uns jetzt vorliegt. Der Verfasser ist der Meinung, daß der größte Teil des Psalmenbuches in der Zeit nach dem Exil entstanden ist. Aber die Begeisterung, mit .der er von den Psalmen spricht, und mit der er voll religiöser Scheu die Urheberschaft Davids für einzelne Psalmen nicht in Abrede stellt, gehört mit zum Besten des Buches. Es ist aber überhaupt sehr schwer zu sagen, was gut oder was besser ist an diesem ganz vortrefflichen Werke. Wie Auerbach die Propheten behandelt, wie er zeigt, wo die Wurzeln der Prophetie lagen, wie er die Größe und Bedeutung der großen Propheten immer wieder hervorhebt, mit welch liebevoller Bescheidenheit er seine oft von der herrschenden Meinung abweichenden Ansichten, besonders über Jeremia, vorträgt, und sehr vieles andere noch machen das Buch zu einem wertvollen Bestandteil unserer Literatur, insbesöndere für den suchenden und forschenden Lehrer. Auf ein Lieblingsthema von Auerbach möchte ich mit einigen Worten noch eingehen, d'.e Chronologie. Das ist ja bekanntlich vor jeher ein Schmerzenskind, und man hat sich zu vielen Zeiten von vielen Seiten große Mühe darum gegeben. Auerbach kennt natürlich alle diese Bemühungen, wie er überhaupt die Literatur, die sich mit der Bibel beschäftigt, ganz besonders genau kennt. Darum ist es mir besonders erstaunlich, daß er bei der Chronologie das Werk von Mahler gar nicht erwähnt. Auerbach benutzt also alle Quellen, um die Chronologie der israelitischen' und judäischen Könige in Ordnung zu bringen. Dabei gelingt es ihm, auch die krassesten Unebenheiten auszugleichen, aber ob seine Anschauungen über Amazja und Asarja und die daraus gezogenen Folgerungen wirklich ganz zutreffend sind, und ob dadurch wirklich alle Schwierigkeiten behoben sind, erscheint mir doch etwas zweifelhaft Aber wenn man seinen Voraussetzungen folgt, wenn man gewisse Textänderungen vornimmt, dann stimmt es. Mir will allerdings scheinen, als ob diese Dinge gar nicht von so ausschlaggebender Bedeutung wären, sondern daß es vielmehr auf den Inhalt, auf die Ereignisse selbst ankommt. Wenn der Verfasser bei seinen chronologischen Auseinandersetzungen ganz nebenher darauf aufmerksam macht, daß die Könige von Juda zum größten Teil in sehr jugendlichem Alter Kinder bekommen haben und ebenso verhältnismäßig jung gestorben sind, so ist das jedenfalls recht interessant. Besonders lesenswert und aufschlußreich sind die Anschauungen Auerbachs über den Verbleib der Bewohner des Nordreiches, über die verhältnismäßig geringfügige Zahl der nach Babel fortgeführten Judäer und über die seiner Meinung nach erst spät erfolgte Abspaltung der Samarier (so will er für Samaritaner sagen). Ueberhaupt muß man seinen Scharfblick bewundern, mit dem er in diesem zweiten Band'e noch mehr als im ersten Bande das Zahlenmaterial der Bibel benutzt. Er kömmt dabei zu Schlüssen, die meist in ganz überraschender Weise Licht in bisher für dunkel gehaltene Partien der israelitischen Geschichte bringen. So kann man zusammenfassend dasselbe vom zweiten Bande sagen, was allgemein anerkannt für den ersten Band galt: Es ist ein Werk, das dem Laien viel Neues gibt, das aber auch dem Kundigen viel Anregungen zum Nachdenken gibt, und das insbesondere dem Lehrer Veranlassung geben sollte, sich immer wieder mit dem Urquell des Judentums zu beschäftigen, mit der Bibel. Robert Hirschfeld-BeTÜn. Park ff Cafe * Konditorei Kreuzlingen ii45 das gediegene &amiHen~'€afe Hilfskassen in dieser Zeit KolL. Silberberg, der Geschäftsführer der Lehrer-fiiifskasse, schreibt uns: „Es liegt sowohl im Interesse unserer Hilfskasse als auch, der Mitglieder des Lehrerhortes, die ja über ganz Deutschland verteilt sind, wenn Sie veranlassen würden, daß. in unseren Blättern aus dem Protokoll der letzten General-Versammlung des „Lehrerhort" folgende Stellen veröffentlicht werden: 1. : auf die Rechtsfähigkeit des Vereins wird verzichtet, und ein entsprechender Antrag beim Registergericht eingereicht. 2. : Der nach Verzicht auf die Rechtsfähigkeit entstandene nicht rechtsfähige Verein soll seinen Anschluß an deit Jüdischen Lehrerverband in Preußen e. V. vollziehen, mit der Maßgabe, daß das vom rechtsfähigen Verein auf ihn übergehende Vermögen möglichst in Form einer Doris- und Michael-Holzman-Stiftung von einem Kuratorium verwaltet wird,, das aus wenigstens zwei ehemaligen Zöglingen der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt bestehen muß, d:e zugleich Mitglieder des Verbandes der Jüdischen Lehrervereine in Preußen sind. Zu diesen Mitgliedern des Kuratoriums treten mit Sitz und. Stimme der jeweilige Vorsitzende und der Geschäftsführer des- Jüdischen Lehrerverbandes in Preußen e. V. Das Kuratorium ist ermächtigt und verpflichtet, sich "eine Geschäftsordnung zu gebeai, in der auch über die Verteilungsmodalitäten. Bestimmungen zu treffen sind. 3. : Zum alleinigen Liquidator wird Herr Lehrer Salomon Silberberg zu Berlin-Nicolassee ernannt. — Die Beschlüsse haben mittlerweile die gerichtliche Bestätigung erhalten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf aufmerksam machen, daß1 auch ein zweiter Verein, nämlich der Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen demnächst aufgelöst wird und das Vermögen unserer Hilfskasse anheimfällt. Berliner Vereine, die bisher ein Sonderdasein fristeten, haben damit ein Beispiel gegeben, wie man in heutiger Zeit dem großen Ganzen dienen soll. Sie waren durch eine gewisse Personalunion schon längere Zeit miteinander verbunden und haben eigentlich nur die Konsequenz gezogen, die nach Maßgabe der Dinge gezogen werden mußte; es hat sich nämlich bei der Zusammenarbeit der beiden Vereine mit unserer Hilfskasse gezeigt, daß. auf diese Weise verhütet werden konnte» daß Kollegen, die die Vereine gut kannten, doppelt bekommen, während andere in Unkenntnis der Dinge leer ausgingen. Nurder Zusammenarbeit dieser drei Vereine ist es auch zu danken, daß unsere Hilfskasse, — fast möchte man sagen — allen Anforderungen gerecht werden konnte, die an sie herantraten. Wieviel Leerlauf, Porti und Zeit dabei erspart worden ist, möchte ich nur nebenbei erwähnen. Vielleicht finden sich noch andere Unterstützungskassen innerhalb unserer Provinzialverbände, die dem Berliner Beispiel-folgen könnten). Allein sind diese Kassen, die wohl kaum über große Mittel verfügen können, in heutiger Zeit zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, während sie, unserer Hilfskasse angeschlossen, wertvolle Dienste leisten können." Wir glauben, daß die vorstehenden Darlegungen ein ernstes Problem anrühren, zu dem sich die Kollegen äußern müßen. denen die Hetreuune umer»1* manni»fachen H Ifska^sen ohlag und noch obliegt. Sie werden um Stellungnahme gebeten. Die Schriftleitung. Jüdische Lehrerfortbildung Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden plant, gemeinsam mit der Reichsvertretung und den Lehrerorgan isationen im Wintersemester 1936/37 die Durchf ührung von vier pädagogischen Arbeitstagungen. Die erste Tagung soll -bereits in der zweiten Hälfte November in S t e 11 i n für die Lehrer aus Pommern und den angrenzenden Gebieten stattfinden. Ende November soll