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Jüdische Schulzeitung · 1936-12-01 · 12 (1.12.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
12 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Schillzeitung" Nummer 12 Sinn, da ein Teil der Kinder dadurch abgelenkt wird und viele das Charakteristische nicht klar genug erkennen. Ein /Epidiaskop wird nicht in jeder jüdischen Schule vorhanden sein, zumal nicht in den neueren Volksschulen. So empfehlen wir, daß Schüler Bilder aus Zeitungen unter einem Thema sammeln, herausschneiden und dann allein oder unter Anleitung des Zeichen- oder Werklehrers auf einen großen Pappbogen als Bildreportage aufkleben und in der Klasse für einige Wochen aufhängen. Solche Bogen ließ ich z. B. vom italienisch-abbess:nischen Krieg machen, bald fertigten Schüler solche Arbeiten unaufgefordert über andere Gebiete an. Besondere Hilfe bietet die Zeitung bei der Besprechung von politischen Verhältnissen, die rechtmäßig zum Erdkunde- Unterricht, gehören. Eine Besprechung Spaniens, die an den Bürgerkrieg anknüpft und die neuesten Meldungen fortlaufend verwertet, wird eifrigere Schüler finden als eine pure Landeskunde. Nur wenn diese mit der Besprechung der Geschichte des Landes und se'nem gegenwärtigen Zustand gemeinsam behandelt wird, verliert der Schüler das Gefühl für die Isoliertheit der Tatsachen, das oft.der Grund mangelnden Interesses und Verständnisses und des raschen Vergessens ist. Der Lehrer nimmt, um ein anderes Beispiel anzuführen, den Unterrichtsstoffen Bolivien und Paraguay ihre Sprödheit, der Zeitungsnachrichten vom Gran-Chaco-Krieg bringt. Eine Notiz über Henleins Politik wirft ein Schlaglicht auf das Problem des Sudetendeutschtums. Auch rein wirtschaftliche Tatsachen — sorgfältig ausgewählt — lassen sich von der Zeitung aus besprechen. Ein Bericht des Instituts für Konjunkturforschung (Frankfurter Zeitung vom 11. 10. 36) über die Warenhausumsätze im Olympiamonat kann beispielsweise den Zusammenhang von festlichen Ereignissen, Reisebetrieb und Wirtschaftslage besser verdeutlichen als das übliche Schlagwort „Fremdenindustrie" oder das von den Ausländern, die „Geld reinbringen". . Schließlich sei an der Notiz über den Bau von Moscheen in Japan gezeigt, wie eine aufstrebende Weltmacht sich des Mittels der Religion bedient, um seinen Einfluß, zumal seilen wirtschaftlichen, auszudehnen. (Die so sich anbahnende Verbindung zwischen Japan und der islamischen Welt dürfte sich, nebenbei bemerkt, in absehbarer Zeit auch in Palästina noch stärker auswirken.) b) Geschichts-Unterricht. Ueber Ziel und Stoffverteilung des Geschichtsunterrichtes an jüdischen Schulen ist Klarheit und" Uebereinstimmung noch nicht gewonnen. Einig ist man sich darüber, daß jüdische Geschichte in breitestem Maße getrieben werden muß, und auch die Einsicht setzt sich mehr und mehr durch, daß jüdische Geschichte im Zusammenhang mit allgemeiner Geschichte und nicht als Religionsfach gegeben werden soll. Wie die dazu erforderliche Zeit gewonnen werden kann, ist oft noch ein ungelöstes Problem. Ich glaube, daß wir große Kürzungen im Stoffbestand der deutschen Geschichte vornehmen müßten und die so gewonnene Zeit im Hinblick auf die Zukunft unserer Kinder der allgemeinen Weltgeschichte und der jüdischen Geschichte zugute kommen sollte. Unsere Kinder sollten unbedingt mehr über die Geschichte der Vereinigten Staaten, Englands, Palästinas,- über die neuere Geschichte Italiens, Südamerikas, Südafrakis und des vorderen Orients hören als bisher. Politik ist geschehende Geschichte. Ernste 'Beschäftigung mit ihr führt immer wieder zurück ins eigentliche Gebiet der geschehenen Geschichte. Hier liegt wieder der Ansatzpunkt für den politischen Zeitungsbericht in der Schule, Betrachtet man die oben geforderte Ausdehnung unseres Geschichtsstoffes zur Weltgeschichte, so wird man auch die Bedeutung der Behandlung von Weltpolitik mit dem Hilfsmittel der Tageszeitung einsehen. Die Zeitung bietet hier so viel und soviel subjektiv Gefärbtes, daß in besonderem Maße — wenigstens für die Oberklassen der Volksschule — sich die Behandlung auf das Tatsächliche zu beschränken hat, auf das Objektive, soweit es überhaupt zu gewinnen ist. Erst in der Oberstufe einer höheren Schule wird ein Schüler reif genug sein, das komplizierte Ineinander von Objektivität und Subjektivität in der politischen Berichterstatung scheiden zu lernen. : Beispiele zur Behandlung politischer Tagesneuigkeiten: brauchen hier nicht mehr gegeben zu werden, da sie sich schon im Abschnitt über Erdkunde-Unterricht befinden. Für die -Auswahl aber aus der Fülle politischer Fragen darf es nur jüdische Gesichtspunkte geben. Daß Deutschland uns hier in erster Linie interessiert, ergibt sich von selbst. Danach aber wird der Politik der Länder mit jüdischer Massenansiedlung (Polen, Rußland, USA, Rumänien) besondere Bedeutung zukommen, ebenso wie der Politik jener Länder, die für die Auswanderung besonders wichtig sind: Palästina (englische Kolonial-, und Mandatspolitik),' Südamerika, Südafrika (englische Dp-, min'onpolitik). Außerdem muß die politische Behandlung der Einwandererfrage durch die Länder und die den Völkerbund betreffenden jüdisch belangvollen Fragen (Minderheitenschutz, Mandatskommission, Emigrationskommissariat, Vertretung der Jewish Agency usw.) verfolgt werden. III. Die jüdische Zeitung im Unterricht. Sie wird vor allem Stoff quelle ersten Ranges für den Unterricht in jüdischer Gegenwartskunde sein. Für dieses Fach oder diesen Gegenstand sind gültige Formen erst im Entstehen; jedenfalls ist auch die Diskussion über das Stoffminimum des übergeordneten Gegenstandes der Judentumskunde noch nicht abgeschlossen. Das Leben der Juden in Deutschland und Palästina wird im Mittelpunkt der Behandlung zu stehen haben. Die jüdische Zeitung muß dazu beitragen, daß der Schüler sein eigenes Schicksal nicht m seiner Privatheit und Teilhaftigkeit beobachtet und zu gestalten sucht, sondern daß er es im Zusammenhang mit der Behandlung der Juden und der Auffassung der Judenfrage in Deutschland und damit die Gliedhaftigkeit seiner Existenz in einem Ganzen begreifen lernt. Aber diese Einsicht muß in einer Bejahung unserer Gebundenheit an jüdisches Schicksal — also im Bereich jüdisch-charakterlicher Erziehung — sein pädagogisches Ziel finden. Es müssen daher die wichtigsten politisch-wirtschaftlichen Maßnahmen der deutschen Regierung in bezug auf die Juden in Deutschland an Hand ihres in der Presse veröffentlichten Wortlautes — dem Alter und der Reife der Schüler angemessen — besprochen werden. Geschichtliche Vertiefung nach der deutschen Seite (Deutschland nach dem Krieg, Geschichte des Nationalsozialismus, Judenfrage im Programm der NSDAP.) und nach der jüdischen hin (Geschichte des Antisemitismus, die Judenfrage bei den z'onistischen 'Klassikern, wie Pinsker, Herzl, Achad Haam, Buber) wird , das Einzelereignis in größere Beziehung setzen. Aber auch die jüdischen Versuche, zu kultureller Eigenständigkeit, wirtschaftlich-sozialer Selbsthilfe und zu einer konstruktiven Auswanderungspolitik zu kommen, sind wichtig: die Arbeit der sozialen Vereinigungen, Kulturbünde, hebräischer Sprachschulen, des Hechaluz, der Auswandererschule in Groß-Breesen usw. finden ihren Niederschlag in der jüdischen Zeitung. Die Sozialbeamten am Ort, die gelegentlich einen Vortrag oder eine Besprechung mit den Kindern.und den Lehrern halten sollten, der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen des Kulturbundes — vorbereitet durch Besprechung des Deutsch-, Zeichen- oder Musiklehrers —, gemeinsame Lektüre von Auswandererbriefen und vieles mehr können diese Besprechung erweitern. Mit noch lebendigerer Teilnahme werden die Kinder bei einer ausgewählten Lektüre der Palästina-Beilage sein. Von der Reisebeschreibung über die Behandlung der verschiedenen Lebensformen im Lande bis zu kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Problemen findei d;e P a 1 ä s t i n a k u n d e Stoff in der Zeitung.. Schlagen wir nur eine jüdische Zeitung auf, so finden wir übergenug Stoff. Wenn z. B. eine Klasse d'e Arbeit der Peelkommission Woche . um Woche etwa durch Kurzreferate geeigneter Schüler verfolgt, so kann man dabei zurückgreifen auf die zionistische- und palästinensische Geschichte (frühere Kommissionen, Palästinamandat), kann das Verhältnis der .Araber- und Juden und die englische Palästinapolitik höchst konkret darstellen — das wird man schon heute,

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