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Jüdische Schulzeitung · 1936-12-01 · 12 (1.12.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
12 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 12 J üdischeSchulzeitnng Seite 3 Ier stark; dies Interesse benützen wir für eine eingehende Behandlung der in Betracht kommenden Länder. „Auswanderungskunde" bringt so das Leben in die Schule, mußjedoch sich der Grenzen der Fassungskraft und der Erfahrung der Jugendlichen bewußt bleiben, um Bildungsarbeit zu leisten. „Auswanderungskunde" soll das Unterrichtsprinzip des Erdkundeunterrichts der Oberstufe sein, sowohl hinsichtlich der Auswahl der zu behandelnden überseeischen Länder, als auch hinsichtlich der Gestaltung der einzelnen Unterrichtseinheit. Die Zeitung in der jüdischen Arbeitsschule Von Kurt B'er gel, Düsseidorf Wie es zu machen, daß man einen rechten Nutzen aus Zeitungen habe? ....... Jungen Leuten wäre ein Lehrmeister nicht schädlich.* (Aus: Zeitungs-Lust und Nutz, Hamburg 1695) A. Jugend und Zeitung. Die Zeitung darf als wichtigster Lesestoff des Erwachsenen angesehen werden. Ihre soziologische Bedeutung für die Entstehung dessen, was öffentliche Meinung genannt wird, und ihre volksbildnerische Bedeutung für die Generation der Erwachsenen ist gewiß größer als ihr Einfluß auf die Jugend. Wollte man aber mit dieser Feststellung das Problem Jugend Und Presse aus dem Kreis oder auch nur an die Peripherie der pädagogischen Besinnung des Lehrers stellen, so hieße dies, ein vorhandenes Bildungs- und nicht selten Verbildungsmittel gedankenlos übersehen oder zumindest unterschätzen. Ein Lehrer, der so den Kreis seiner Besinnung und Tätigkeit verengerte, müßte als wenig verantwortungsbewußt bezeichnet werden. Die Zeitung fällt dem Kinde in jedem Hause in die Hand; die anpreisenden und aufreizenden Rufe des Zeitungsverkäufers locken es wie den Erwachsenen, und wie er verfällt es der Werbekraft der Schlagzeile und der ausgehängten Probeseiten am Zeitungskiosk. Unkritisch nimmt es die Zeitung als Stoffquelle für spannende Sensationen, lüstern sucht es seinen Anschauungskreis auf dem Gebiete des „Verbotenen" zu erweitern: Gerichtsbericht, Unfallschronik, Heiratsanzeige,. Zeitungsroman und Kriminalistik werden seine ständige Lektüre; pädagogisch gesehen erfüllt solche Zeitungslektüre die gleiche Funktion wie die „Schmöker'-Literatur. Wenn die Lektüre des hierin ungeleiteten Kindes sich auf die Gebiete des Sports und der Politik erweitert, so muß das schon als verhältnismäßig günstig beurteilt werden. Eltern und Erzieher, die glauben, durch Lektüreverbot jenen Gefahren wirksam begegnen zu können, irren, denn ein solches Verbot erreicht meist gerade das Gegenteil. Ausschaltung der Zeitungslektüre dort, wo sie schon zur Gelegenheit wurde, ist fast immer unmöglich. — Die Gefahren der unkontrollierten, zufälligen Zeitungslektüre bannt daher nur eine kontrollierte, bewußte Erziehung zur rechten Lektüre wertvoller Zeitungen. So ergibt sich die. Aufgabe der Zeitungslektüre in der Schule, auch schon in den oberen Klassen der Volksschule. B. Die Zeitung in der jüdischen Schule. I. Grundsätzliches. : Doch bejahen wir die Zeitungslektüre in der Schule nicht nur, um aus der Not eines gefährlichen Schmökers eine bildnerische Tugend zu machen. Wir benutzen sie vielmehr, weil mit ihrer Hilfe der Unterrichtsstoff immer wieder in unmittelbaren Kontakt mit der Gegenwart gebracht wird. Dieser Kontakt wird nicht um irgendwelcher „Aktualität" willen gefordert—dies wäre kein pädagogisches Motiv —, sondern weil nur so reale Anschauung im Schüler lebendig wird, was die hier später folgenden Beispiele erweisen sollen. Angesichts der sich immer mehr verkürzenden Schulzeit bei unseren jüdischen Kindern und der Notwendigkeit, sich frühzeitig zu einem Beruf und zur Auswanderung, zu entscheiden, erwächst der jüdischen Erziehung, immer stärker die Aufgabe, das Kind zur Erkenntnis und Bewältigung dieser Gegenwart geistig und charakterlich auszurüsten. Drückt man diese pädagogische Aufgabe schulisch aus, so heißt es, daß in weit größerem Maße als bisher die Gegenwartskunde wenn nicht selbständiges Unterrichtsfach, so doch stofflich und geistig bestimmend für den Unterricht, zumal in den „Gesinnungsfächern" Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Religion werden muß. Fragen wie Auswanderung, Berufsumschichtung, Minderheitenrecht, Soziologie der Juden in Deutschland und anderen Ländern werden nicht heute zum erstenmal als Unterrichtsmittel gefordert. Von der Zeitung aber als Hilfsmittel in den derart gegenwartskundlich bestimmten Gebieten wird noch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Welche Teile der Zeitung sollen im Unterricht vor allem gelesen werden? Ich glaube, daß die redaktionell am wenigsten umgearbeiteten und kommentierten Berichte, die reinen Nachrichten, den Kindern die größte Möglichkeit zur 'Eigenarbeit bieten. Eine Tatsache wird gegeben, ihr Sinn und Zusammenhang, ihre Bedeutung für die Welt und für uns wird •im Klassengespräch erarbeitet. Ueber die Form der Darbietung muß Lehrern nicht viel gesagt werden. Man läßt die Kinder Zeitungen mitbringen, wenn mindestens der Hälfte der Schüler die gleiche Zeitung zugänglich ist, oder vervielfältigt die Zeitungsnotiz auf der Schreibmaschine oder dem Opalographen oder liest ihnen die Teile vor, die man besprechen will. Da der Zeitungsstoff ja immer mit dem jeweiligen Unterrichtsgebiet oder einem die Klasse gerade beschäftigenden Gegenstand irn Zusammenhang stehen sollte, werden die Kinder von sich aus mehr als genug zur Besprechung des Artikels beitragen. Doch allein schon die Tatsache, daß man Zeitung liest, regt sie ja an. Im Folgenden bringen wir Beispiele für die Verwertung von Zeitungsnachrichten im Unterricht, ohne daß irgendwie Vollständigkeit auch nur der Stoffgebiete angestrebt wäre. Die Beispiele sollen nur zur Beschäftigung mit dem Gegenstand anregen. II. Die deutsche Zeitung im Unterricht. a) Erdkunde-Unterricht. Zeitungsnachrichten auf topographisch-verkehrstechnischem, politischem, wirtschaftspolitischem und religionspolitischem Gebiet können den Erdkundeunterricht ergänzen. Hätte man z. B. versucht, das Gebiet „Himalaja" an Hand von Wort- und Bildberichten von der letzten deutschen Himalaja- Expedition durchzunehmen, indem man auch auf frühere Expeditionen hinweisen konnte, so wäre das Interesse der Kinder eher geweckt worden, als wenn man „reine" Erdkunde getrieben hätte. Verfolgt man Expeditionen irgendwelcher Art, auch militärische, so wird eine von Schülern gezeichnete Wandkarte, auf der bei jeder neuen Zeitungsmeldting der neue Standort eingetragen wird, dem Schüler die Gegenwärtigkeit des Geschehens noch eindrucksvoller machen. Oder: die eben veröffentlichte Nachricht, daß die amerikanische Fluggesellschaft Pan-American-Airways einen regelmäßigen Passagier- Flugdienst über den Stillen Ozean auf der Strecke von San Francisco nach Manila eingerichtet hat und daß damit der Ring des Passagier-Flugverkehrs um die Erde geschlossen ist, gibt Stoff für viele Unterrichtsstunden, bei welcher Gelegenheit man die Bedeutung des Flugzeugs (vgl. die Tempos der verschiedenen Verkehrsmittel: „wie lange fährt man von X nach Y mit den verschiedenen Verkehrsmitteln?" usw.) besprechen und an Hand einer Weltverkehrskarte eine kurze Generalwiederholung der Erdkunde veranstalten kann. Dabei besorgen sich einige Kinder auf den Reisebüros Prospekte, andere suchen nach ähnlichen Zeitungsmeldungen, wieder andere technisch Interessierte behandeln in Kurzreferaten die in Frage kommenden Flugzeuge und Luftschiff typen etc. Besonders gut sind auch die erdkundlich belangvollen Bilder der Illustrierten Zeitungen zu verwenden. Das Herumzeigen von Bildern, die von Bank zu Bank gehen, hat wenig

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