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Jüdische Schulzeitung · 1936-11-01 · 11 (1.11.1936) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
11 (1.11.1936)
Date
1936-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 J ü dische Schulzeit ung Nummer. 11 Erst allmählich wird der Unterrichtsfilm auch in den Unterricht unserer jüdischen Schulen einzubauen versucht. Im folgenden will ich einen kurzen Ueberblick über das geben, was im Verlaufe eines Jahres an Schulfilmarbeit an Berliner jüdischen Schulen von mir . erstmalig erprobt wurde. Zugleich sei an dieser Stelle allen denen gedankt, die mir die Möglichkeit gaben, mit der praktischen Schulfilmarbeit zu beginnen: der Schulverwaltung der Jüd. Gemeinde zu Berlin, den. Schulleitern und Kollegen, vor allen Herrn Reschke, der sich in besonderer Weise an seiner Schule und im Rahmen der Ortsgruppe Berlin unseres Lehrerverbandes (Film- und Bildarbeitsgemeinschaft) für den Schulfilm einsetzte. Während des vergangenen Jahres wurden an den verschiedenen jüdischen Schulen Berlins 67 Schmalfilme gezeigt. Es handelte sich vorwiegend um Lehrfilme auch sog. Kulturfilme aus den Gebieten der Naturlehre, Erd- und Völkerkunde (unter besonderer Berücksichtigung der Palästinakunde), aus Gebieten des Handwerks, der Industrie—der Hygiene und nicht zuletzt auch des Sports. Von den Schulfilmdarbietungen wurden etwa 4 000 Schulkinder erfaßt. Die Veranstaltungen fanden in einem Turnus von 3 bis 4 Wochen statt. Die Vorbedingungen für die einzelnen Schulen waren die denkbar einfachsten: sie haben, lediglich für einen verdunkelten Raum zu sorgen. Alles andere (Beschaffung der gewünschten Filme, Stellung und Bedienung des Vorführgerätes, wenn nötig auch Stellung der dazugehörigen Leinwand) war meine Aufgabe. Je nach Größe der Schule mußte von den Kindern ein Unkostenbeitrag von 5 bis 10 Pfennig erhoben werden. Die Laufzeit der zur Vorführung gelangten Filme betrug 45 bis 60 Minuten. Unsere Filmarbeit steht noch im Versuchsstadium. Die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Lehrerkollegien mit ihren vielseitigen und berechtigten Wünschen und mir. dem technischen Leiter, ist zwar mit gutem Willen angestrebt — aber noch nicht restlos erfüllt. Die Abstimmung des Programms auf den jeweiligen Lehrstoff wird immer wieder Schwierigkeiten bieten, wenn wir nicht endlich dazu kommen, auf lange Sicht zu arbeiten. Mein Plan geht dahin, eine Zentralstelle zu bilden, von der aus möglichst alle jüdischen Schulen bespielt werden können. Es muß möglich sein, die Schmalfilmtechnik in den Dienst des Unterrichts und der Erziehung zu stellen. Noch fehlt eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür: die Lehrerschaft, die mit dem Blick für das Technische ausgerüstet ist, sich willig dieser neuen Aufgabe unterzieht und dabei erkennen lernt, daß dieses neue Hilfsmittel des Unterrichts ihnen ungeahnte neue methodische Möglichkeiten eröffnet. Ich bitte die Kollegen, mich bei der Durchführung meines Planes zu unterstützen. Jeder Anfrage und Anregung will ich bereitwilligst nachgehen, für Mitteilungen über bereits vorliegende Erfahrungen wäre ich dankbar. L. Asz. bei Apfelbaum Berlin-Charlottenburg, Schlüterstraße 16. Im Anschluß an das Technische und Organisatorische, das oben dargelegt wurde, soll hier kurz die pädagogische Wertung vorgenommen werden. Zu unserer grundsätzlichen Einstellung nur dies: Die Zielstrebigkeit, mit der der Schulfilm amtlich gefordert und gefördert wird (u. a. vierteljährlicher Lehrmittelbeitrag von 0.20 RM pro Kind) erhellt klar genug die Bedeutung, die man ihm im Rahmen eines neuzeitlichen Unterrichts zugesteht. Unsere Pflicht ist es, darauf zu achten, daß wir in unseren Schulen methodisch nicht nachhinken! Die Mehrzahl unserer jüdischen Schulen wird klein sein, oft nur ein- und zweiklassig. (Die Vorzüge einer solchen Gestaltung aufzuzeigen ist in diesem Zusammenhang nicht der Ort.) Ein Nachteil aber liegt auf der Hand: Die Ausstattung mit Anschauungs- und Bildmaterial, die Einrichtung von Naturalienkabinetten, Laboratorien u. a. m. wird, nicht so vielgestaltig und reichhaltig sein können wie bei vollausgebauten Schulsystemen. Hier vermag der Film sicherlich manche Lücke auszufüllen. Der Film im Unterricht bedeutet aber weit mehr! Neben" Zeitung und Rundfunk hat sich der Film zu einem ganz vorzüglichen Instrument der Massenbildung und Massenführung entwickelt. Der moderne Lehrer kann und will auch nicht eines der obengenannten drei Bildungsmittel in der Schule missen. Die Stummfilme, die wir an der Schule Kaiserstraße mit Kindern, der Ober-, Mittel- und Unterstufe gesehen haben, rechtfertigen fast ausnahmslos die unvermeidlichen Storungen,- die so e:n Filmvormittag mit sich bringt. Die Voraussetzungen, mit denen man .an die Schulfilinarbeit geht, müssen bei Lehrern und Schülern geklärt sein. Die Kinder müssen wissen, daß der Sinn der Schulfilmarbeit in anderem liegt als der einer Kinovorstellung am Sonntagnachmittag. Ist doch auch ein Lehrspaziergang oder eine Schulwanderung etwas anderes als die Fahrt mit dem Bund! Die Klassen gewöhnen sich nur langsam daran, wirklich genau zu beobachten und das Unwesentliche eines Vorganges vom Wesentlichen zu scheiden. Darum erscheint es angebracht, mit kleinen Programmen zu beginnen, deren Auswirkung unverzüglich vorgenommen werden kann. Nach der Besprechung kann der Film noch einmal laufen, damit die Kinder staunend einsehen, wie v'el sie vorher falsch oder unklar aufgefaßt haben. Für die Erziehung unserer stark auf praktische Arbeit ausgerichteten Jugend ist es von Wichtigkeit, daß sie stärker als bisher Augenmenschen werden. Dem Film fällt im Rahmen einer Erziehung zum richtigen Sehen, zum logischen Erfassen eines Arbeitsvorganges eine nicht wegzuleugnende Aufgabe zu. Es hat sich gezeigt, daß fast jede schulische Disziplin im Film ein bedeutsames Hilfsmittel begrüßen kann. Unersetzlich ist er heute schon für den Erdkundeunterricht, sowie insbesondere zur Klärung heimatkundlicher Grundbegriffe (Aufnahmen aus der Vogelperspektive mit zunehmender Verjüngung bei größerer Entfernung; Reisebilder, Ausbruch e'nes Vulkans). Manche naturkundliche Belehrung erfährt erst im Film ihre reizvolle Belebung (Vogelflug, Nestbau, Häuten der Schlange). Zeichen- und Trickfilme leuchten hinter die Geheimnisse von physikalischen Gesetzen (Entstehung der Winde; Segelflug). Am Sportfilm kann man mit Hilfe der Zeitlupe durch nichts anderes zu ersetzende Studien machen. Wir gewinnen durch den Film Einblicke in Berufe und Betriebe, die uns sonst versagt wären (Muster-Hühnerfarm, Fabrikation von Papier, Herstellung von Zucker). So wichtig die angedeuteten Themen für unsere Großen waren, so. wertvoll waren einzelne Märchenfilme für unsere Kleinen. Die mimische Gestaltungskraft ist zweifellos angeregt worden. Hervorheben möchte ich die wundervollen Scherenschnitt-Filme der Lotte Reiniger (z. B. Dr. Dolittle und seine Tiere), die von einer anerkennenswerten Formschönheit und Einprägsamkeit sind und so die ästhetische Erziehung unserer oft phantasiearmen Zöglinge, befruchtete. Jüdische Kinder hören heute früher und öfter als je von fernen Ländern und fremden Lebensbedingungen, von Mühen und Glück mutiger Siedler auf andern Kontinenten, Worte vermögen manches zu veranschaulichen; der Film jedoch spricht beredter als das beste Buch und der formvollendetste Vortrag des Lehrers. Wir bekamen einen Film von der Entstehung einer deutschen Kolonie in Brasilien zu sehen und erlebten mit tieferem Verständnis einige größere Palästinafilme (zum Teil Amateur-Arbeiten von Touristen). Die fortgeschrittene Schmalfilmtechnik sollte die Durchführung des Planes ermöglichen, den sich Asz gesetzt hat: Die Schaffung eines jüdischen Schmalfilm-Archivs. Die allerersten, allerdings noch sehr schüchternen Versuche dazu sind bereits gemacht und geglückt: Das Sportfest der jüdischen Schulen Berlins, Herbst 1935, wurde in einem kleinen Filnn streifen festgehalten (7 Min.). Doppelt so lang wurde schon der Filmbericht von dem Leben und Treiben einer Tagesferienkolonie in Gatow bei Berlin (Sommer 36). Einige bekannte Berliner Privatschulen ließen eine Filmschau aus ihrer Arbeit zusammenstellen. Der Reichsbiund jüdischer Frontsoldaten gab einen Sportfilm von seinen diesjährigen großen Wettkämpfen und Tennismeisterschaften in Auftrag. Geplant ist die Herstellung eines Filmes „Das jüdische 'Kind", der, psychologisch fundiert, unser jüdisches Kind; bei der Arbeit, im Spiel, in lustvollen Situationen und auch bei

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