Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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.Seite -6 Jüdische ,Sc1iulzeitühg Nümmet^9 1 Fortbildungskurs des Jüdischen Lehrerverems für Bayern AVeit über 100 Kollegen und Kolleginnen waren es, die, aus jBayern, aber, auch aus" allen anderen -Teilen Deutschlands kommend, sich vom 20. bis 23. Juli in der Israel. Lehrerbildungsanstalt in Würzburg vereinten, um an dem dort stattfindenden Fortbildungskurs teilzunehmen. Eine Fülle, von Themen war es, die in Referaten und Aussprachen behandelt .wurden'; un f manches Problem unserer Schule könnte seiner Lösung tfm. ein Bedeutendes nähergeführt werden. Die Referenten, die teils von der Reichsvertretung entsandt waren, -teils aber auch an der Lehrerausbildung in Würzburg tätige oder im praktischen Volksschuldienst stehende ..Männer waren, vermochten es, durchweg neue und ernstzunehmende Gesichtspunkte theoretischer und praktischer Arbeit aufzuzeigen; die Aussprachen wiederum gaben ein Bild der ins Einzelne gehenden schwierigen Kleinarbeit in Stadt und Land. Die Junglehrergeneration, die so zahlreich wie nie bisher vertreten wä£, gab der Tagung eine besondre Note. Aus der Menge der Vorschläge und Themen konnte der aufgeschlossene und zur" Arbeit entschlossene Zuhörer viele Anregungen, aber auch manche gültige Antwort auf für ihn bis dahin brennende Fragen mit in seine Schule nehmen. Es ist "nicht möglich, alles Dargebotene in kurzer Zeit zu verarbeiten; und nur ein Teil des Inhalts der Referate und Diskussionen kann hier skizziert werden." Das Problem des Bildungszieles und der Bildungsgüter unserer Volksschule wurde von Direktor St oll- Würzburg In schlichten Worten und großer Klarheit dargestellt. Als Bildungsziel stellte er auf die fünf Erziehungstendenzen der Bibel, nämlich: 1. Gläubigen Gehorsam, 2. Ehrfurcht, 3. Gemeinschaftsgefühl, 4. Einsichtige Erkenntnis, 5. Kraft. Er verstand es, die Entwicklung aller Kräfte der Seele — nämlich Wollen tl. und 2), Fühlen (2. und 3.), Verstand (4.) und physische. Fälligkeiten (5) — schon als Erziehungsziel der Bibel nachzuweisen; daneben entdeckte er manche psychologische Erkenntnis der neueren Forschung in Thorastellen verborgen. D\e Frage der Bildüngsgüter wurde von ihm dadurch beantwortet, daß er an methodisch gut durchdachten Beispielen aus allen Gebieten und Fächern die Behandlung der Stoffe im jüdischen Sinne aufzeigte. Wesentlich für ihn war in all seinen Ausführungen, daß sich Wissenschaft und jüdische Religion nicht widersprechen. Im Anschluß daran schilderte Hauptlehrer Krame r -München, wie auf Grund seiner und änderer praktischer Erfahrung der Einbau des jüdischen Bildungsgutes in den allgemeinen Lehrplan ohne große Einbuße auf . jeder Seite möglich sei. - Die Frage des Ausbaus der jüdischen Schule — akut für das 9. Schuljahr, für Vorlehre und jüdische. Fortbildungsschule Bestellschein Unfrankiert; In den Post- kästen werfen! ■En das Postamt (Zeitungsstelle) — wurde von Studienrai H im heim er-Würzburg in der Weise gelöst, daß er die Möglichkeiten der horizontalen Erweiterung (z. B. Fremdsprachenunterricht) "und der vertikalen Ausgestaltung'(z.B. 9. Schuljahr) befriedigend aufzeigte und praktische Vorschläge mächte. Daneben wußte er den Blick zu richten auf die Psyche unserer 14jährigen und betonte im zweiten Teil seiner Ausführungen— überschrieben „Das jüdische Bildungsproblem" — die Vorherrschaft der jüdischen Werte in der-Erziehung und stellte allen Disziplinen das Gebiet der Religion voran. Besonders klar in Aufbau und Darstellung war das Referat über die ungeteilte Schule, das ein Marin der praktischen Kleinarbeit - Brückheime r- Marktbreit - hielt. Drei Probleme sind es, die die Schwierigkeit, aber auch in mancher Beziehung die Vorzüge der ungeteilten Schule ausmachen: das Einlehrerproblem, das Zeit- und das Raumproblem. Der Referent zeigte die Möglichkeiten, diesem Sorgenkind unserer kleinen Gemeinden zum ganzen Erfolg zu verhelfen durch manche Systeme: z. B. das System der Helfer und das System des indirekten Unterrichtes. " " Die Aussprache, die sich an dieses Thema anschloß, trug dazu bei, kleine und große Nöte der Lehrer in solchen ungeteilten Schulen aufzuzeigen und hie und da zu beheben. Von den einzelnen Unterrichtsgebieten, die zur Behandlung standen — Palästinakunde, Singen, - Leibesübungen, Deutsch und Geschichte'— seien nur die beiden letzten kurz gestreift. - ' In einer zweistündigen Lehrprobe und in theoretischen Ausführungen zeigte Kollege Rob erg- Würzburg, wie man als Jude die ewigen Werke , der Literatur behandeln könne. Für ihn besteht kein Zwiespalt zwischen Judentum und Kunst, sondern Aufgabe des Unterrichtes ist es, beides zu vereinen. Nach welchem Prinzip undmit wessen Vorherrschaft, das hat er in Eindringlichkeit in der Lehrprobe dargetan. Sie stand auf hohem Niveau und gab den Kollegen Vieles mit auf den Weg. Auch durch, die folgende Aussprache, wo* die Meinungen sehr auseinandergingen, klang doch einmütig die Anerkennung; der Leistung. Die Jugend unter den Lehrern:—Jugendnach Jahren oder Anschauungen---fühlte, daß etwas geboten würde, an dessen weiterer Gestaltung sie arbeiten muß. . : Aehnliche Gedanken klangen durch die Aussprache zum Referat über den Geschichtsunterricht hindurch, das Studienassessor Rosenberg-Berlin mit frischer Beredsamkeit hielt. In formal ausgezeichneter Darstellung kennzeichnete er die Einstellung, der Lernenden und der Lehrenden zur Geschichte und zu Problemen des Geschehens und gab viele Winke fürmethodische Unterrichtsarbeit. Aber es gelang ihm nicht ganz, das Nebeneinander von jüdischer- und allgemeiner Geschichte prinzipiell zu. regeln; und die Hörer, die eine Befreiung aus dem Dilemma, das die heue Geschichtsauffassung uns Juden bereitet,' erwarteten, waren enttäuscht. Die Einstellung unserer Kinder zur allgemeinen Geschichte ist doch so. unsicher, daß hier zuerst neue Arbeit geleistet werden muß. Die ungeheure Schwierigkeit eines solchen Unterfangens soll dabei nicht verkannt,werden; vielleicht bedarf es zur Lösung dieser Frage noch vieler Jahre. Aber in der Aussprache war wieder der Geist zu spüren, der unter Betonung des Jüdischen einen Geschichtsunterricht für unsere Kinder bereiten will, und der für die Zukunft seine Aufgabe darin erblickt, die nur angedeuteten Gedanken zu einem Prinzip zu gestalten. ' Ein kurzer Abriß des Geleisteten nur konnte gegeben werden. Mögen die Teilnehmer aus dem Vollen schöpfen, wenn .sie nach den Ferien wieder ihre Schularbeit beginnen. ... ' W. Stern-München.' Drücksachen'Lfd'binfg Buchdruckerei Gebr. Neubauer, Ludwigshafen-Rh., * Schulsfraße 14. Telefon 62318-19. In- und Ausland. 1606 Ehe-Arrangements Frau Else Hess, Karlsruhei Kalserstr. 183 1 Sprechst. v. 10-12 u. 15-17 Uhr Hier - Der vorliegenden Ausgabe dieses Blattes liegen 2 Werbeprospekte des »Israelitischen Qemeindeblattes , Berlin,: sowie des Verlags .ÄtidS, Berlin, S. O. 36, Köpenickerstraße 56; bei." " '