Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer: 9 J ü d i s ch e: Sc h u I z e i t u n g Seite 5 len Klima, Bodenbeschaffenheit und Beschäftigung der Bewohner, eine ausschlaggebende Rolle. Im Ablauf der Betrachtungen stellt sich wie von selbst die die jüdischen Kinder angehende Frage ein, wie es denn mit den SiedeJungsmöglichkeiten für Juden bestellt sei. Da muß der Lehrer das Material zur Hand haben, das den gewünschten Aufschluß gibt: Zeitungsberichte, die laufenden Veröffentlichungen des fiilfsvereins, die Alijah-Hefte, sowie die einschlägige Literatur, von der hier genannt sei das Buch „Die Juden in der Welt" von Ma k Wischnitzer, weil es von allen in betracht. kommenden Ländern handelt. Dabei darf indes nicht versäumt werden, auf den raschen Wechsel der Verhältnisse hinzuweisen. Vielfach gilt morgen schon nicht mehr was gestern galt. Diese Unterrichtsskizze erhebt nicht den Anspruch daraus alle Möglichkeiten der Sachverhalte und der Unterrichtstechniken umfaßt zu haben. Die graphischen Ausdrucksmittel sind im Zeitalter eindringlicher Werbungsmethoden sehr gut entwickelt, und so mag jeder Lehrer diejenigen verwenden, die seiner Art gemäß sind. Er mag auch andre didaktische Prinzipien nach Belieben verfolgen. Siegmed Braun. Grundsätzliches zum neueren Gesangunterricht ■ Von Eugen Jacobi-Köln Die neue Zeit hat auf dem gesamten Gebiet des allgemeinen Unterrichts-und Erziehungswesens eine tiefgreifende Umwandlung hervorgerufen. In der Wertung der einzelnen Disziplinen, in der Zielsetzung, wie auch in der Methode, hat sich eine Aenderung vollzogen, welche wohl die bedeutsamste ist, die das Schulwesen im Laufe seiner Entwicklung durchgemacht hat. Daß auch die jüdische Schule hiervon nicht unberührt bleiben konnte, daß auch in ihr neue Impulse wirken und formen, ist natürlich. In diesen Blättern ist schon des öfteren darauf hingewiesen worden. Auch die jüdische Schule strebt erweiterten Zielen zu, und durch die gehütete Ordnung, mit der den einzelnen Fächern nach ihrer Bedeutung der Platz zugewiesen war, weht ein neuer starker Windzug, und manches Lehrfach, vielfach gewohnt, als Stiefkind behandelt zu werden, sieht sich plötzlich im belebenden Schein eines neuen Interesses und neuer Wertung. Das gilt vom Gesangunterricht. Was die methodischen Bücher über Zweck und Bedeutung des Gesangunterrichtes sagen, braucht an dieser Stelle vor Fachleuten nicht wiederholt zu werden. Das Bedeutsamste in der Zielsetzung kann aber nicht genügsam hervorgehoben werden: Die Freude am Singen! Freude am Lied, und das Lied wiederum als Führerin zur Lebensfreude, in dieser Wechselwirkung finden Wunsch und Recht auch der jüdischen Kinder ihre Erfüllung, und die Schule kann nicht genug tun, um der Jugend das frohe Lied mit auf den Weg zu geben, das ihr immer ein guter Freund sein wird. An der Spitze steht das deutsche Lied. Nicht nur, weil es der Heimaterde entsprang, nicht nur, weil es in der Heimatsprache klingt, sondern auch, weil das deutsche Lied: einen Reichtum an musikalischer, inhaltlicher und sprachlicher Schönheit aufweist, wie kaum ein zweites, weil es so unmittelbar auf uns wirkt, und deshalb auch unmittelbar empfunden wird. Aber die Aufgabe des Gesangunterrichts in der jüdischen Schule liegt heute weiter. Unbeschadet der Liebe zur Heimat ist ein neues und starkes jüdisches Bewußtsein im Werden. Alles Ursprüngliche drängt zum Lied. Ueberall, wo neue, lebenskräftige Impulse lebendig werden, besteht der Drang zur poetischen und musikalischen Formulierung. So ist das hebräische Lied entstanden, das vielleicht einmal zum Lied mit charakteristisch jüdischer Eigennote wird. Die jüdische Schule kann bei voller Erfüllung ihrer Aufgaben innerhalb des deutschen Kulturkreises nicht an diesem Wollen und Werden vorübergehen. Sie will es auch nicht, aber sie wird Unter dem Material, das fast, täglich neu entsteht, sorg- 13arf=£afe=$onöttom ^reuglmgm ' t>a$ geMegene gamtlien-Safe lus iiiiiiiiiiiiii fältig prüfen und nur das Wertvolle wählen. Das gute hebräische Lied muß auch in der Schule eine Pflegestätte finden. Hiervon unberührt bleibt die Pflege der synagogalen Gesänge, die ja wohl stets entsprechend den lokalen Notwendigkeiten in den einzelnen Schulen geübt worden sind. Leider gibt es in den Synagogen Deutschlands keine einheitliche Gesangsliturgie, sodaß zu dieser Frage Prinzipielles weiter nicht gesagt werden kann. Freude am Gesang bedingt aber ein gewisses Maß an musikalischer Sicherheit. Je mehr dem Kinde die Geheimnisse des Notensystems vertraut werden, umso mehr Freude hat es an der selbständigen Arbeit. Die Schule hat sich frei zu machen von der alleinigen Methode des Vorspielens und Nachsingens. Die Schule soll nicht etwa zum Blattsänger heranbilden, aber die Noten müssen den Kindern zu guten Bekannten werden, die ihnen beim Einstudieren eine starke Erleichterung bedeuten. Es muß eine Grundlage geschaffen werden; die für eine , spätere Weiterarbeit interessiert und befähigt. Aber auch im Mittelpunkt dieser theoretischen Uebungen steht das Lied. Jeder Lehrer kennt die Forderung der täglichen Turnstunde. Ich verlange das Lied für jede Unterrichtsstunde. Es sollte keine Stunde vorübergehen, ohne daß in ihrem Verlauf oder zum Schluß ein Lied gesungen würde. Die Wahl sollte man den Kindern überlassen. Soll im Sinne dieser Ausführungen zielsicher gearbeitet werden, so bedarf es einer Auswahl aus dem vorhandenen Material und seiner Zusammenfassung, sowie seines Aufbaues durch die Schuljahre hindurch nach methodischen Grundsätzen. Mancher Lehrer mag wohl auf Grund seiner musikalischen Vorbildung und seines gesanglich-pädagogischen Geschicks in der Lage sein, dem Unterricht von sich aus entsprechend der Forderung der Zeit den rechten Inhalt zu geben, aber im allgemeinen kann doch gesagt werden, daß den Lehrern, die den Gesangunterricht erteilen müssen, eine stoffliche und methodische Hilfe fehlt. Es wird notwendig sein, durch Schaffung eines entsprechenden Unterrichtswerkes diesen Mangel zu beseitigen; denn die vorhandenen und neu geschaffenen Gesangbücher, soweit sie das jüdische Lied pflegen wollen,, entsprechen nicht den unterrichtlichen Aufgaben einer Schule. Diese Ausführungen sollen nichts weiter als eine grundsätzliche Darlegung sein, frei von allen Einzelheiten, insbesondere methodischer Art. Auch die jüdische Schule baut um. Baut die Freude hinein! Ausfüllen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert In den Brief Kasten werfen POStbeStellSCheitl für Neuabonnenten Hndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich'1 mal erscheinende Jüdische SchulzeUung zum Preise von RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Posizustell- .gebühren. Genaue Ädresse des Äbsenders: Yor-u.Zuname:............................................................................................................... Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort: .„........................................................................................................................................ Straße:..........................................................................Nr..................Stock.............. *) Dieser Bestellschein darf nur am Wohnoit des Bestellers in den Postbrielkasten geworfen oder dem Brie träger abgegeben werden. Nicht an den Verlag senden 1