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Jüdische Schulzeitung · 1936-09-01 · 9 (1.9.1936) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
9 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Judische Schulzeitun g Nummer 9 handlungveines Erdteils das Gesamtbild im Großen zu sehen, wobei es auf wissenschaftliche Genauigkeit nicht anzukommen braucht: ein paar Tausend Kilometer oder Quadratkilometer, ein paar Millionen Einwohner mehr oder weniger " spielen also einmal keine Rolle. Vor 4er Klasse hängt die Erdkarte, auf dem Pult steht der Globus; die Kinder haben Atlas, Heft und Zeichenstift sowie ein einfaches Maß zur Hand Der Lehrer hält den Meterstab und einen längern Bindfaden bereit. Es soll die Rede sein von sechs Ländern, in die hinein jüdische. Menschen heute wandern; Deutschland als Ausgangsland und als der Raum, mit dessen Größenverhältnissen die Kinder am vertrautesten sind, bilde die Mitte, von der wir ausgehen; von ihr ziehen wir die .Fäden nach Palästina, Australien, Südafrika, Argentinien, Japan und Nordamerika. Natürlichkönnen beliebige. Länder gewählt werden, wie es die Situation in der "einzelnen Schule jeweils ergib! Wir suchen je eine bedeutende Stadt in diesen Ländern zu erreichen und wählen als Ausgangspunkt unserer Reise Berlin. Die Schüler markieren in der Mitte ihres Blattes durch einen fetten Punkt Berlin. Wir möchten wissen, wie weit eigentlich die Städte, die wir auf der Karte (auf dem Globus oder Atlas) aufgesucht haben, von uns entfernt liegen. Naturgemäß begnügen wir uns zuerst damit, die Entfernung in der Luftlinie kennen zu lernen.' Im' Ablauf der Arbeit bietet sich Gelegenheit, wiederholend1 und verdeutlichend auf das Wesen des Maßstabes einzugehen. Die Schüler finden unten am Rande der Karte entsprechende Angaben. Sie prägen sich erneut ein, daß ein Zentimeter auf der Karte einer bestimmten Entfernung in Wirklichkeit entspricht: in der hier gemeinten mit einem Maßstab von 1 zu 192 Millionen beispielsweise 1920 km. Die Entfernungen werden ausgemessen und. die erforderlichen Eintragungen ins Heft gemacht, so daß nunmehr auf der Skizze 6 Punkte stehen, die mit dem für Berlin gesetzten durch Gerade verbunden sind. In gemeinsamer Berechnung wird folgendes festgestellt: die kleinste Strecke Berlin-Jerusalem mißt 3 000 km, die größte Berlin-Melbourne 15 000 km; nach New York dauert die Luftreise doppelt so lang wie nach Jerusalem, es sind 6 000 km zurückzulegen; nach Kapstadt dreimal so lang (9 000 km), nach Buenos Aires viermal so lang (12 000 km), während wir Tokio nach Zurücklegung von 10 000 km erreichen.. Besonders "eindringlich ist der optische Eindruck der verschiedenen Entfernungen, wenn der Bindfaden als Radius um den Punkt, der Berlin bezeichnet, schwingt, jeweils eine bestimmte Strecke umfassend. Die Schüler sollen sich nicht mit der Anfertigung der hier entwickelten Skizze begnügen, es gibt noch andere graphische Möglichkeiten zur Veranschaulichung und Einprägung der Größenverhältnisse, zum Beispiel eine neben die Skizze zu stellende Uebersicht in schöner Ordnung und Klarheit. Weiterhin die Festlegung eines andersgearteten Linienwerkes auf der Skizze. Legen wir etwa durch den Punkt, der Berlin bezeichnet, eine Wagerechte, so trifft jhr Westflügel ungefähr auf New York, ihr Ostflügel in nicht ganz doppelter Spanne auf Tokio. In beinahe senkrechter Richtung nach Süden verläuft die Linie Berlin-Kapstadt. Der rechte Winkel New York-Berlin-Kapstadt wird etwa halbiert durch die Strecke Berlin-Buenos" Aires, während dem" rechten Winke) Tokio-Berlin-Kapstadt das Gleiche widerfährt durch die Strecke Berlin-Jerusalem und durch deren Fortsetzung Berlin-Melbourne. Aus Freude am Spiel der Linien ziehen die Kinder wohl auch die Linien New-York-Buenos Aires auf der einen und Tokio-Melbourne auf der andern Seite, sodann die Verbindung Buenos Aires-Kapstadt-Melbourne. Es bietet sich so als geometrische Figur dar ein Rechteck mit zwei Horizontalen, drei Vertikalen und zwei Diagonalen. All diese Uebungen zeitigen als Nebenprodukt eine Auffrischung der Kenntnisse aus dem Bereich der Geometrie und des Rechenunterrichts, die natürlich noch verstärkt wird, wenn die Schüler angehalten werden, nun einmal zu eruieren, wie lange das Luftschiff, das Flugzeug, die Eisenbahn, der Kraftwagen, der gehende Mensch gebrauchen, um die einzelnen Strecken , zu durcheilen. Da kommt Leben in die Klasse. Aufs emsigste bewegen sich die Rechenstifte, und in vielfältiger Zwiesprache, die der Lehrer gerne duldet, wird die Selbstarbeit bis zuni guten Ende gefördert. \ ... " .- . .; V,.' ■'■ Wir verlassen das Gebiet der Längenmaße und begeben uns auf das weniger beliebte der Flächenmaße. Wir wollen versuchen, uns eine einigermaßen klare Vorstellung .von der Größe der hier zu betrachtenden Länder zu verschaffen. Der Größenunterschied läßt sich aus der Karte und aus dem Globus nur in roher Schätzung angeben. Eine genauere Untersuchung an Hand dieser Hilfsmittel ist für Schüler zu'kompliziert; der Lehrer gibt ihnen deshalb zweckmäßig die entsprechenden Zahlengrößen an. Da ihnen indes nichts anhaftet, was Vorstellungen erzeugen könnte, stellt er die Handskizze Wieder in den Dienst der Veranschaulichung. Die Schüler zeichnen ein Quadrat von 9 cm Kantenlänge. Es bedeute den Flächenraum Nordamerikas mit seinen 7 800 000 qkm. (Die Vorstellung eines qkm muß stets gegenwärtig sein; siewi dzw.eckmäßig geknüpft an einen Raum, der der Schule naheliegt.) Wir bringen weiterhin sechs Quadrate innerhalb des großen an, daß sämtliche Ecken, die linksunteh liegen, sich decken. Damit wird ein Vergleich der übrigen Länder mit Nordamerika möglich. Es erhält Australien eine Kantenlänge von 8,5 cm, Argentinien von 5 cm, Südafrika von 3,5 cm, Deutschland von 2,25 cm, Japan von 2 cm und schließlich Palästina von nur 0,5 cm. Der Versuch, die einzelnen Quadrate aufeinander abzutragen, ergibt folgendes Bild: Palästina ließe sich mit seinen 25 000 qkm auf Japan 15mal, auf Deutschland 20mal, auf Südafrika 50mal, auf Argentinien 112mal, auf Australien 3Ö0mal und auf Nordamerika gar 312mal abtragen. Und Deutschland könnte in Südafrika 2,5ma^ in Argentinien 5,5mal, in Nordamerika und in Australien etwa 16mal nebeneinandergelegt werden. Es umspannen nämlich Palästina 25 000 (wie Belgien und die Schweiz), Japan 380 000, Deutschland 500 000, Süd-' afrika 1225 000, Argentinien 2 800 000, Australien (las die Kinder und die Erwachsenen häufig als „kleinsten" Erdteil in Erinnerung haben!) 7 700 000 und Nordamerika (ein Stück des großen Erdteils) 7 800 000 qkm. Eine ähnliche Skizze, natürlich mit andern Relationen, fertigen die Kinder während der Betrachtung der Bevölkerungsdichte in den zu besprechenden Ländern an. Ein Quadrat von 1 cm Länge stelle Palästina als das am wenigsten Einwohner beherbergende Land dar. Esfolgehdann 6 größere Quadrate für Australien (2,5 cm), für Südafrika (3 cm), für Argentinien (3,5 cm), für Japan (8 cm), für Deutschland (8 cm), für" Nordamerika (11 cm). Auf die tatsächlichen Einwohnerzahlen übertragen besagen diese Größen für Palästina 1 Million Einwohner, für Australien 7 Millionen, für Südafrika .8 Millionen, -für Argentinien 12 Millionen, für Japan 64 Millionen, für Japan 64 Millionen, für Deutschland ebensoviel und für Nordamerika 122 Millionen. Aufschlußreich ist eine vergleichende Betrachtung, der beiden Skizzen. Ausblicke mannigfacher Art ergeben sich, wenn man den Gründen der auffälligen Diskrepanz zwischen . Größe und Besiedelung mancher Länder nachspürt. Hier spie-- An unsere Leser! Wir machen darauf aufmerksam, da8 zwischen dem 16. und 24. September 1936 der Postbote die Abonnementsgebühren für das 4. Quartal 1936 (Okt.-Dez.) in Höhe von 81 Pfg. (inkl. Bestellgeld) kassieren wird. Sorgen Sie also dafür, daß der obige Betrag prompt bezahlt wird, damit die Zustellung der Jüd. Schulzeitung keine Unterbrechung erleidet. Wenn Sie abwesend sein werden, dann beauftragen Sie bitte eine geeignete Person mit der Zahlung an den Postboten. Nur so sichern Sie sich eine ununterbrochene Zustellung der Jüd. Schulzeitung. Der Verlag.

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