Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1936-09-01 · 9 (1.9.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
9 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2825247-2825368-2825377--1115-2826783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

iNummer, 9 gerade heute das denkbar Beste fürunsere- Schulen verlangen, mclit aber Dinge der. äußer eil Formi-vernachlässigen./ Zum Inhalt: Von den elf Bänden der Schockenreihe sind drei vorzugsweise für die Lehrer-. und Erwachsenenbildung bestimmt, aber auch aus. diesen Bänden: aus der hervorragenden' Schrift von Jenny Radt: „Die Juden in Polen", die soziologisch ein kompliziertes Problem mustergültig darstellt, wie auch. -aus Leschnitzers. Mittelalter und Dienemänns Darstellung des liberalen Judentums läßt sich vieles auf den Oberstufen unserer Schulen bringen. Die Reihe umfaßt alle für'die jüdische Schule wichtigen Stoffgebiete: Dichtung und Ueber.lief erung: Die drei Hefte: Aus Midrasch und Agadaj den Sammlungen Bin Gorions entnommen, Berthold Auerbach, das jüdische Jahr eine Sammlung von Betrachtungen, Schilderungen und Erzählungen aus dem Gallith und aus Palästina, von Gertie und Julius Stern ausgewählt; der zuletzt genannte Band leitet zum Fachgebiet Religion über. Hier ist bisher: der Freiheitskampf der Makkabäer (Ueber- . tragunk: des Bibeltextes durch Felix' Grajew) zu nennen. Zum Gebiet der Geschichte gehört der Band das Leben des Rabbi Mösche beri Maimon (von Eibogen herausgegeben) sowie Leschnitzers Judentum im Weltbild des Mittelalters, ein erster Band einer größeren Reihe. Der Gegenwartskunde des Judentums gehören Dienemanns „Liberales Judentum" und Radts „Juden in Polen" an. Schließlich ist auch noch ein englisches Bändchen: Zangwill: -Pictures of Jewish Life (von Philipp Aronstein herausgegeben), zu erwähnen, das besonders für den neusprachlichen Unterricht von Bedeutung ist und dort bisher als jüdischer Stoff einzig dasteht. Generell läßt sich sagen, daß alle Bände dieser Reihe fachlich sauber und exakt durchgearbeitet sind, einige sogar vorzüglich ,Stern, Leschnitzer, Radt, Grajew, Dienemann). Die Sammlung: Aus Midrasch und Agada überlastet den jugendlichen Leser ein wen'g durch ihre Vielfalt, hier bedarf es besonders der auswählenden Hand des Lehrers, cler im einzelnen vielleicht lieber nacherzählen wird, per Äuerbachband von E. Gut hinterläßt einen etwas zwiespältigen Eindruck, neben einigen sehr guten Stücken religiöser Erinnerung, eine Reihe von verstaubten und sentimentalen Kalendergeschichten, die man unserer Jugend heute lieber ersparen sollte. Es ist vielleicht kein Zufall, daß die ersten Bände der Reihe noch die schwächeren sind, während die neueren immer besser werden; ein Band wie Sterns: „Jüdisches Jahr", das lebensnah und schöpferisch die Tradition der Feste mit dem Leben im'heutigen Palästina verknüpft, sollte jedem Jugendlichen zugänglich werden. Die Goldsteinsche Reihe, die zum Teil etwas andere Ziele verfolgt, befriedigt nicht im gleichen Maße. Von den bisher erschienenen fünf Bänden überschneidet sich zunächst der Äuerbachband in den meisten Stücken mit dem der Schockenreihe, es gilt das dort Gesagte in ..verstärktem Maße. Inhaltlich gut dagegen ist das Bändchen Perez: „Wundergeschichten", das bis auf das fehlende Inhaltsverzeichnis und die Nennung des Üebersetzers der erfreulichste Band der Reihe ist. Unklar ist Sinn und Zweck des Neudrucks der Engeischen und Herderschen Sammlungen aus jüdischer Dichtung unter dem Titel „Rabbinische Weisheit und jüdische Parabeln". Hier kann man heute viel ursprünglicher auf jüdische Ueberlieferung aus dem Urtext und dem Jiddischen zurückgreifen in neuen Uebersetzungen als auf jene in die Literaturgeschichte eingegangenen Sammlungen aus dem 18. Jahrhundert, die in Sprache und Stil unsern Kindern wenig gemäß sind. Schließlich sind noch zwei kleine lyrische Sammelheftchen zu nennen. Mötivgeschichtlich: Juden im Gedicht, ein Heft, das von Lord Byron und Chamisso bis zu Münchhausen und Adolph •Donath, Juden als die Gestalten und Probleme der lyrischen vGedichte -bringt. Hier wäre zunächst eine zeitliche und konfessionelle Ordnung notwendig gewesen, statt einer primitiven alphabetischen. Einiges hier Zusammengestellte ist sehr schön, aber im ganzen ist auch diese Auswahl kritiklos-bis hart an ller-fo (Donath, Mosenthal). Noch unglei7 eher ist die zweite Sammlung: Jüdische Lyriker, von Heine bis Werfel. Wieder fehlt jedes. Einteilungsprinzip. Das Gebiet Seite-- 3 ist so umspannend, daß bequem zwei oder drei der kleinen Heftchen in zeitlicher Ordnung zu füllen wären. Wesentliche Gestalter wie Stefan Zweig, die Lasker-Schüler, Wolffenstein u. a. sind übergangen. Die Meineauswahl verzichtet fast ganz auf jüdische Motive und bringt statt cler notwendigen Prinzessin Sabbath die Lorelei. Unglaublicher Kitsch wie die Gedichte von Livius Fürst und Ludwig Fulda sprechen dieser Zusammenstellung bereits ihr eigenes Urteil. Der Herausgeber scheint wenig Geschick für seine Aufgabe zu haben. Soviel zur Kennzeichnung der beiden Reihen, die ja heute noch in den Anfängen stehen, und für die noch mancherlei Probleme: Drama, Fest-, Chanukkah- bzw. Purimspiel, Motivgeschichtliche Zusammenstehungen aus der Epik, etwa Gestalt des Juden in der Dichtung des Realismus in ausgewählten Kapiteln aus Reuter, Raabe, Freytag u. a. zu ergänzen wären. Wichtig erscheint uns als kritischer Gesichtspunkt die Forderung, daß für unsere Kinder nur das Beste grade gut genug ist. Dies verbietet uns, Kitsch irgendwelcher Art in die jüdischen Schulen zu tragen. Schon Auerbachs Kalendergeschichten erscheinen bedenklich, Mosenthal und Livius Fürst heranzuziehen aber lächerlich. Das Gebiet der jüdischen Lesebogen verdient größte Beachtung, man soll möglichst viele Fachkenner und Spezialarbeiter heranziehen, die uns Garanten für cfie Aufstellung einer wirklich wertvollen und charakterbildenden Jugendliteratur sind. Dr. Walter Perl, Berlin. Zu fernen Ländern (Eine Stunde Erdkunde) Die rasche Entwicklung des Verkehrs- und Nachrichtenwesens innerhalb der letzten Jahre, aber auch das ständige Ansteigen des Interesses an sportlichen Ereignissen, die immer mehr die Schranken zwischen den Völkern überbrücken, haben den Blick der Menschen, und namentlich der jungen Menschen, außerordentlich geweitet. Erdräume, die in früheren Zeiten kaum dem Namen nach bekannt waren, sind durch Kino und Radio in das Blickfeld .auch des letzten Dorfbewohners hineingerückt worden, und man darf schon sagen, der Erdball sei zusehends kleiner geworden. Für den jüdischen Menschen gewinnen die Beziehungen zur Ferne eine besondre Tiefe, weil Verwandte und Freunde fortgezogen sind, um sich irgendwo in der Welt eine neue Lebensgrundlage zu erkämpfen. Es gilt insbesondre von der Jugend, was Leo Baeck vor einigen Monaten gesagt hat, als er von der Horizontweitung gesprochen,- die der jüdische Mensch erfahren habe. Unsere Kinder, so führte er aus, leben mit ihren Gedanken nicht mehr im engen Bereich der Heimat allein, sondern in der Weite, des Erdballs schlechthin. So vertraut nun auch die Namen fremder Länder klingen mögen, so vage, ja irrig sind häufig Vorstellungen von der Größe, der Lage, der Entfernung und der Siedelungsdichte dieser Länder, und man erlebt nicht nur bei Jugendlichen die seltsamsten Dinge, wenn man entsprechende Fragen stellt. Da ist es denn Pflicht der Lehrenden, darüber nachzudenken ob nicht der Lehrplan für Erdkunde efner Korrektur bedürfe, die die Verschiebung des Interesses zu berücksichtigen hätte, vielmehr aber noch die Anforderungen, die das Leben heute und morgen an die jüdische Jugend stellt. Da es sich weit fort von Deutschland erfüllen wird, in Palästina und in Uebersee, so versteht es sich von selbst, daß die Schule hinfort ein besondres Gewicht auf die Kenntnisse der geographischen Sachverhalte dieser Länder wird legen müssen. Es sei hier an einem Beispiel aufgewiesen, wie etwa der Erdkundeunterricht heute beschaffen sein müßte. Unter Ber rücksichtigung einer möglichst fruchtbaren Eigenarbeit der v Kinder sei versucht, Klarheit über ein .paar Beziehungen zu gewinnen, mit denen sich alle die oft beschäftigen, die irgendwo in der Welt einen nahestehenden Menschen wohnen haben. Es handelt sich darum, etwa nach Abschluß der Be- J-.ü.d,is;a.he ,SchuIzeitung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.