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Jüdische Schulzeitung · 1936-08-01 · 8 (1.8.1936) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
8 (1.8.1936)
Date
1936-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer 8 w© ybv^vn «rron Unter diesem Titel gibt die. Zionistische Organisation für Deutschland neuerdings zweimonatlich hebräische pädagogische Blätter heraus. Die Redaktion führt Dr. Kaleko-Berlin, der Leiter des na» «pia. der hebräischen Beilage, der Jüdischen Rundschau. Bis jetzt sind zwei Nummern erschienen. Zum größten. Teile geben sie bereits in Zeitungen oder Büchern veröffentlichte Arbeiten namhafter Verfasser wieder. Die mitgeteilten Aufsätze haben zwar nicht deutsche Verhältnisse und Schulen im Auge, dennoch dürfen sie das Interesse aller Hebräisch-Lehrer auch in Deutschland beanspruchen. Allerdings stellen sie wegen ihres Sprachgewandes ziemliche Anforderungen an den Einarbeitswillen der Leser. Einen Originalbeitrag hat der Leiter dfcr Blätter, Dr. Kaie k o, mit seinem einführenden Artikel „Mängel, die abgestellt werden müssen" geliefert. Für die Tatsache, die er nicht verschleiert, daß so viele Lernende nach anfänglicher Begeisterung und trotz unverkennbarem guten Willen das Weiterstudium des Hebräischen aufgeben, macht er hauptsächlich die von ihm gekennzeichnete noch vielfach herrschende Methode und die unrichtige Auswahl des Unterrichtsstoffes verantwortlich und gibt Hinweise zur Besserung. Von Zwi Scharfstein lesen wir eine Darlegung der „Aufgabe der hebräischen Erziehung in der Gola", von C h a i m Kaplan eine Studie über „Das palästinensische Kind", die. ein wahrer Hymnus ist. Kaiman Weitmann erörtert „Fragen des Pentateuch-Unterrichts in der Schule"; er stellt sechs Stufen des methodischen Vorgehens auf und gibt einige Beispiele. Aus Nr. 2 heben wir hervor: eine eingehende, wissenschaftlich fundierte Untersuchung von Jakob Neu mann zur Frage „Aschkenasische oder sephardische Aussprache" und Zwi Scharf steins Prüfung des Problems „Vollständiges oder gekürztes Tnach?" Er begründet einleuchtend seine Entscheidung für gekürzte Ausgaben zum Gebrauch in den ersten Unte.rrichtsjahren. Von Penina Heilprin sind Verse für zwei Spiele mit den Spielregeln abgedruckt. Sonst enthalten die Blätter noch einschlägige Mitteilungen z. B. über in Frage kommende literarische Neuerscheinungen. Sie sind gegen Einsendung von 25 Pfennig pro Nummer und dem Porto bei der Zionistischen Organisation Berlin, Meineckestraße 10, erhältlich. M. Abraham. * Ein kuzer, warmer Nachruf auf Julius Brodnitz leitet das Juliheft des „Morgen" ein. Die Frage der Disziplin unter den Juden Deutschlands wird in einer Art Zwiegespräch zwischen Hans Keilson und Hans Bach diskutiert. Max Dienemann untersucht die Chancen eines „Religiösen Liberalismus in Palästina", indem er ganz grundsätzlich nach den Formen fragt, in denen sich die Religion dort der neuen Lebensphase jüdischer Menschen anpassen kann. Erich Löwenthal veröffentlicht unbekannte Studien zu Heines „Rabbi von Bacherach", die die Entstehung dieses Werkes in neuem Lichte zeigen; Martin Friedland beleuchtet die erstaunliche Fülle von Kompositionen zu Heines Gedichten und ihren Stil. * Leo Hirsch: Das Lichterhaus im Walde. Eine Erzäh -!ung für die jüdische Jugend. Kedem Verlag, Berlin. Diese Erzählung brachte der Verlag „Kedem", Berlin für den Chanukka - Gabentisch heraus. Zwei Großstadtkinder, die zwar wissen, daß sie jüdisch sind, denen aber jüdische Begriffe wie Schabbat „ganz nebelhaft" sind, kommen an einem Freitag nachmittag als Gäste in das Waldhaus des Fellaufkäufers Rüben und erleben im Kreise dieser streng orthodoxen Familie die Feier des Sabbats und des Chanukkafestes. Der Zweck dieser Erzählung ist, den noch abseitsstehenden Kindern unsre Feste mit ihren Bräuchen, nahezubringen! Ganz dazu angetan ist die wahrhaft poetische Schilderung der Sabbatstimmung, packend die Wiedergabe der Ghanukkage-. schichte, die in den echt dargestellten Träumen der Kinder noch nachwirkt. Die sehr ausführliche Erzählung von den Makkabäerkämpfen legt der Verfasser dem Hausherrn in den Mund. Wir wollen diesen dichterischen Kunstgriff in Kauf nehmen, wenn sonst nur nicht diese Fülle von Unwahrscheinlichem und Unmöglichem wäre! - Schon die „Rahmenhandlung" ist nicht durchgeführt; sie wird bereits im 2. Kapitel verlassen, denn hier wird der Berieht der Kinder an die Mutter abgebrochen, und der Verfasser erzählt selbst weiter. Wenn dann ganz am Schlüsse des Buches unvermutet die Mutter wieder auftaucht, so wirkt das verwirrend. Jugendliche Leser sind oft kritischer als erwachsene. Es wäre vielleicht gar nicht verfehlt, wenn ein Jugendschriftsteller bei der Abfassung eines Werkes hin und wieder einmal Kinder, Jungen und Mädchen, zur Kritik heranzöge. Aus der Zusammenarbeit mit Kindern kann man unendlich viel lernen. Ich habe die Anfangskapitel Kindern vorgelesen. Einem durchschnittlich begabten 12jährigen Jungen schien „das alles ein bißchen kindisch". Er wollte aber vor allem wissen, .in welcher Beziehung die beiden Kinder Fritz und Rosel zur Familie Rüben ständen. Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn sie bleibt bis zum Schluß ungeklärt. Dreizehnjährige Mädchen — wohlgemerktfaus konservativen Häusern! — fragten: „Gibt es denn so fromme Juden, die ein am Freitagabend eintreffendes Telegramm uneröffnet 24 Stunden liegen lassen? Und' wenn nun in dem Telegramm stehen würde, daß Vater oder Mutter öder ein Kind schwer erkrankt seien?" Wie unverständlich muß diese als Beweis besonderer Frömmigkeit erzählte Telegramm-Episode erst denjenigen Kindern erscheinen, für die das Buch doch in erster Linie gedacht ist, nämlich denen, die bisher ganz unjüdisch aufgewachsen sind! Höchst unwahrscheinlich ist auch die Milieuschilderung! Abseits vom Dorfe am Waldrand steht das Haus der Familie Rüben, das „Lichterhaus im Walde", dick beschneit, wie mit Zuckerguß bestreut. Kuh und Kälbchen, Ziegen, Hahn und Hühr ner, Hund und Katze und das „Heimchen am Herd" vervollständigen das Idyll. Und die Kerzen des Lichterb . . . ach, nein, des Chanukkaleuchters strahlen traulich in die Winternacht hinaus. Liegt nicht die Frage der Kinder sehr nahe: „Wo gibt es so etwas eigentlich?" Die sieben Kinder haben bis auf eines gutjüdische Namen: Ruth, Esther, Hannchen, Simon, Josef, Jakob. Dieser Jakob stottert. Aber, wie der Verfasser besonders humorvoll bemerkt; nur in der Woche, nicht am Schabbat. Darüber sollen die jugendlichen Leser lachen. Es ist nicht gerade zartfühlend, über das Gebrechen eines Mitmenschen zu lachen, und in •einem Kinderbuch sollte keineswegs die Anregung dazu gegeben werden. Den Kern einer Kritik über dieses Buch scheint mir jene Dreizehnjährige getroffen zu haben, die erklärte: „Vor drei Jahren hätte dieses Buch vielleicht noch vielen Kindern etwas geben können, heute glaube ich es nicht mehr." Wo ist der. jüdische Jugendschriftsteller, der jüdisches Leben und jüdische Geschichte darzustellen weiß, daß es auch dem Großteil unserer Kinder etwas bedeutet, nämlich denen, die von Schabbat. und Chanukka schon etwas mehr als „nebelhafte" Vorstellungen haben?' E. Fr., Berlin.- Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Hauptschriftleiter, Köln-Sülz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. 2. Vj. 863 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh» Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.

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