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Jüdische Schulzeitung · 1936-07-01 · 7 (1.7.1936) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 7. J üdische Schulzeitung Seite 7 reits eine Fremdsprache erlernt haben, sehr viel leichter nun d e zweite Fremdsprache aufnehmen. Das Hebräische mit der Fülle der Formen, mit dem Reichtum der Konjugationen u. dem logischen Bau der Lautgesetze ist ganz besonders geeignet, den Sinn fün eine-Sprache zu schärfen. Kinder, die in diese Sprache eingedrungen sind, nehmen das Englische nunmehr ohne die geringste Schwierigkeit auf. Für die Volksschulen ständen zur Erlernung des Englischen noch drei Jahre, für die Mittelschule-sechs- Jahre zur Verfügung. Das ist reichlich Zeit, um die Kinder wenigstens an der Mittelschule so weit zu fördern, daß sie das Englische in Wort und Schrift einigermaßen beherrschen. Wenn unsere Kinder für das Leben in Palästina gründlich vorbereitet werden sollen, dürfen wir an einem Problem nicht vorbeisehen. Das ist die arabische Frage. Palästina bleibt das Land der Araber, wie es das Land der Juden werden wird. Unsere Schüler der Oberstufe sollen für dieses Problem Verständnis bekommen. Daß das zutiefst von der geschichtl'chen Seite her zu geschehen hat, ist selbstverständlich und soll hier n;cht des Näheren dargelegt werden. Wir sehen das Problem hier nur von der rein sprachlichen Seite an. Wir "wissen, daß man ein Volk am besten verstehen lernt, wenn man sich mit ihm verständigen kann, d. h. se:ne Sprache spricht. Der Wunsch Arabisch zu lernen wird aus begreiflichen Gründen immer stärker. Wir bringen dieser Strömung nicht nur Verständnis entgegen, sondern begrüßen sie. Man sollte den Schülern der Oberstufe, die in den beiden verbindlichen Sprachen (Hebräisch und Englisch) Gutes leisten, Gelegenheit geben, in fakultativen Kursen die Elemente des Arabischen zu erlernen. Jeder von uns weiß, welch ein Faktor das Arabische im Leben Palästinas bedeutet. Jedes Schild trägt neben dem Hebräischen und Englischen die arabische Bezeichnung. Wenn wir in Jaffa oder Haifa an Land gehen, flutet zunächst rein arabisches Leben um uns herum. Auf Schritt und Tritt kommen wir im Wirtschaftsleben mit Arabern in Berührung. Daher halte ich die Forderung nach fakultativen Kursen im Arabischen durchaus für berechtigt.- Wir sind uns bewußt, daß sich eine Reihe von Einwänden gegen diese Vorschläge erheben werden. Wie kann ein Mensch, der aus der Praxis kommt, solche unglaublichen Forderungen stellen? Kennt er den Lehrplan nicht, weiß er denn nicht, daß wir an Bestimmungen gebunden sind? Solche und andere Vorwürfe werden sich erheben. Ich nehme sie hin. Immer da, wo wir ganz Neues wollen, wo wir ganz neue Wege zu gehen beabsichtigen, müssen , wir Altes, vielleicht IJebgewordenes über Bord werfen. Wenn wir wenigstens etwas Neues erreichen wollen, müssen wir Maximalforderungen stellen. Wir müssen den angestrengtesten Versuch unternehmen, den hier aufgestellten Idealforderungen möglichst nahe zu kommen. Dazu heißt es zunächst mit aller Energie: los vom Alten. Reißen wir uns heraus aus unserem geistigen Beharrungsvermögen! Der Umbruchder Zeit muß über die Schulmauer hinweg in die Schule hineingelangen, das neue Gesicht der Zeit —■ vom Jüdischen her gesehen — muß in die Schule hineinkommen. Wir müssen durch Verhandlungen zu erreichen versuchen, daß die allgemeinen Lehrplanbestimmungeu für iins gelockert werden und wir einen dem Jüdischen adäquaten Lehrplan aufstellen dürfen. Das wäre eine neue dankenswerte Aufgabe der maßgeblichen Instanzen. Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, dürfen nach einem Erlaß des Reichserziehungsministers Anträgen auf zeitweilige Befreiung, von Kindern vom Schulunterricht Zeugnisse jüdischer Aerzte (außer bei jüdischen Schülern) nicht beigefügt werden, da sie keine geeignete Unterlage für Befreiung vom Schulunterricht oder einzelnen Fächern oder für die Entschuldigung von SchuiverSäumnissen bilden könnten. Persönliches Am 30. Juni beging Herr Hermann Zimmern, Oberlehrer i. R. in Mannheim, in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburstag. Kollege Meyer in Hannover, ehemaliger Inspektor der Davidschen Freischule konnte am 1. Juni auf eine 50jährige Lehrtätigkeit zurückblicken. Isaak Heinemann 60 Jahre alt. In diesen Tagen ist Prof. Isaak Heinemann 60 Jahre alt geworden. Der Breslauer Gelehrte erfreut sich in den Kreisen der Lehrerschaft besonderer Wertschätzung. Stellt er doch seit vielen Jahren sein reiches Wissen und sein pädagogisches Können in den Dienst der jüdischen Schule. Wir wünschen Prof. He:nemann noch viele Jahre rüstigen Schaffens. Drucksachen'SÄg Buchdruckerei Gebr. Neubauer, Ludwigshafen-Rh., SchulstraBe 14. Telefon 62318-19. - In- und Ausland. 1606 Ehe-Arrangements Frau Else Hess, Karlsruhe |j. Kaiserstr. '1831 Sprechst. v. 10-12 u. 15-17 Uhr. Literarisches Das Buch der Pressungen. Verdeutscht von Martin B u b e r. Schocken Verlag, Berlin, Gleichzeitig mit diesem 14. Band der Buber-Roserizvveigschen Bibelübersetzung ist eine Sammlung aller prinzipiellen w'.e gelegentlichen Aeußerungen der beiden Uebersetzer zu ihrer Unternehmung, unter dem Titel „Die Schrift und ihre Verdeutschung", erschienen; dem Psalmen-Bande liegt zudem noch eine besondere Einführung — „Zur Verdeutschung der Preisungen" — bei. Zu einem unbefangenen Urteil wird man aber vielleicht eher gelangen, wenn man die Uebertragutig als solche vornimmt und, vom praktischen Beispiel ausgehend, die beiden notwendig sich ergebenden Fragen stellt: wie verhält sich dieser Text zur Ursprache und wie zur deutschen? Zunächst fällt der Unterschied zu mancher aus früheren Uebersetzungen uns vertraut gewordenen Wendung auf: „An den Stromarmen Babylons, dort saßen wir, und wir weinten . . . An die P a p p e 1 n m i 11 e n d a r i n hingen wir unsre Leiern." (137, 1—2); „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes . . ., Sprache sprudelt Tag dem Tag zu" (19, 2—3); „die Tage unsrer Jahre sind f ü r sich siebzig Jahre" (90, 10). Wir sehen, daß der Wille besteht, vor allem exakt zu sein, und sei es unter Verzicht auf poetische Wirkung. Das geläufige, gemeinhin unübersetzt gelassene „Halleluja" (wörtlich: preiset Gott!) wird, darüber hinaus, silben- und rhythmusgleich mit „preiset oh ihn!" wiedergegeben (der Versuch erinnert etwas an Th. Etzels Verdeutschung des Poe'schen „raven", wo das Refrainwort „nevermore" nicht durch das. naheliegende „nimmermehr", sondern, weil für Poe die Reimsilbe „or" Ausgangspunkt des Gedichts gewesen, mit „Nie du .Tor" umschrieben ist. Ueberhaupt ist die Herübernahme hebräischer Termini, auch der unübersetzbar scheinenden (sela „empor!"), bis auf die gezählten Eigennamen, streng vermieden; der Leviathan ist als „Lindwurm" verdeutscht, mag es s;ch auch um ein Fabelwesen aus einer andern Mythologie handeln; auch das Ueberschriftswort „Tehillim", mit dem männlichen Plural ein hapax legomenon, ist dem stammgleichen „Tehillot" gleichgesetzt (vgl. B. zu Ex 15, 11: „Furchtbarer der Preisungen") und daher mit ,Preisungen" (seil. Lobpreisungen) übersetzt. Zwei im Hebräischen durch den Status construetus verbundene Hauptwörter werden fast durchweg durch ein zusammengesetztes Hauptwort ersetzt („Frevlerrat", „Sünderweg", „Dreistensitz" im ersten Satze des ersten Psalms), und notfalls werden auch doppelt zusammengesetzte gebraucht (Ps. 105, 11—12: „Weltzeitbund" Brit Olam [Olam, um dem zwiefachen Gebrauch als „Welt" und ,-Ewigkeit" entgegenzukommen, heißt „Weltzeit"] und „Meßschnurbereich" Chewel Nachla). Allerdings wird von einer starren Befolgung dieses Prinzips abgesehen; am Ende des 1. Psalms heißt es wieder „Gemeinde Bewährter" (zaddik — „der Bewährte"), „Weg Bewährter", „Weg von Frevlern". Die Wendung „Dreistensitz" (für die berühmte- „Bank der Spötter" Moschaw Le-zim) überrascht übrigens

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