Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1936-07-01 · 7 (1.7.1936) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2825247-2825368-2825375--1100-2826766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Jüdische Schulzeitung Nummer 7 samtunterrichts beschränken. Wir möchten diesen Unterricht als eine Vorbereitung für den eigentlichen Sprachunterricht aufgefaßt wissen. Die Kinder sollen hier in täglichen Lieblingen, die sich auf ein Mindestmaß zu beschränken haben, die hebräischen Laute aufnehmen und nachsprechen lernen. Es soll ein phonetischer Kursus sein. Dieses Fundament eines jeglichen Sprachunterrichts (auch für die Erlernung der deutschen Sprache brauchen wir ihn in der Grundschule seit langein) kann nicht fest und tief genug gelegt werden. Daneben lernen die Kinder gleichzeitig Immer nur in ganz geringen Dosen die Zeichen der Laute, so daß im zweiten Schuljahre der Sprachunterricht in angemessener Form nun einsetzen kann. Wir sind uns klar darüber, daß diese Forderung eine Mehrbelastung für den Lehrplan und für die Schüler bedeutet. Im Grundschullehrplan zunächst braucht eine Mehrbelastung stundenmäßig nicht einzutreten. Im Rahmen des Gesamtunterrichts lassen sich diese phonetischen Uebungen sehr gut einbauen. Für diesen phonetischen Kursus soll und muß viel Zeit verwandt werden. Es ist damit für die Spracherlernung außerordentlich viel gewonnen. Der junge Schüler bekommt das Klangbild so fest ins Ohr, daß man damit alle Klippen der Erlernung des rein Lautlichen .für späterhin völlig überwunden hat. Das ist für eine gesprochene Sprache überaus wichtig. Bemerkenswert ist, daß der junge Schüler für das rein Lautliche viel empfänglicher, aufnahmebereiter und lernfreudiger ist (schon aus dem bei ihm sehr stark vorhandenen Nachahmungstrieb), als der Schüler der Mittel- oder gar Oberstufe. Der Schüler dieser Stufen nimmt die lautlichen Dinge viel zu gleichgültig, sie sind ihm uninteressant, er lernt sie mit großem Widerwillen. Neben diesen phonetischen Uebungen können im zweiten und dritten Schuljahre leicht Sprechübungen hinzutreten, um das Ohr für den hebräischen Klang zu trainieren und die Zunge geschmeidig zu machen für die Laute, die dem Kinde von der Muttersprache her unbekannt sind. Um die Schwierigkeiten im Anfangsunterricht nicht zu^ häufen, möchten wir vorschlagen, das Lesenlernen des Hebräischen mit hebräischen Lettern einer späteren Stufe — vielleicht dem vierten Schuljahre — zuzuweisen, und hier, da die Schüler gerade die deutschen und lateinischen Lettern sich mit Mühe angeeignet haben, mit diesen eine Transkription des Hebräischen vorzunehmen. Es wird damit unendlich viel Zeit gespart. Wir vergessen meistens, daß wir den Kindern im ersten und zweiten Schuljahre vier Alphabete zumuten. Das ist ein ungeheures Pensum, das mühsam geistiges Eigentum des Schülers wird. Ueben wir eine neue Sprache in dieser Transkription, so ist das vom Visuellen her keine Mehrbelastung, und das rein Lautliche macht den Kindern erfahrungsgemäß weit weniger Schwierigkeit. So dürften die Schüler, wenn sie nun in die Mittelstufe resp. in die Unterstufe einer Mittel- oder höheren Schule eintreten, das mitbringen, was wir das Werk- BeStellSCheill \ Unfrankiert | i in den Posti! kästen werfen! j An das Postamt (Zeitungsstelle) -zeug einer Sprache nennen. Es ist' das Beherrschen der Laute, es ist die Lesefertigkeit, der Zeichen dieser Laute, also das: Beherrschen des Alphabets und einiger leichter kindlicher Redewendungen. Nun kann hier ein systematischer Sprachunterricht mit grammatikalischer Fundierung einsetzen. Es ist das Älter, in dem unsere Kinder sich sonst mit allem Eifer auf das Lateinische gestürzt haben. W.e hat der Vater sich auf diese Zeit gefreut, um seine Lateinkenntnisse aufzufrischen und seine unterrichtlichen Fähigkeiten zu erweisen. Wir wollen' damit sagen, daß zur Erlernung dieser auch nicht leichten Sprache das Interesse des Elternhauses dahinterstand und viel Zeit — und mitunter Geld für Nachhilfestunden geopfert wurden, um die Klippen zu überwinden. Die Situation hat sich gründlich geändert. Man komme nun nicht mit dem Einwand, man könne doch von. unseren kleinen Kindern die schwere hebräische Sprache nicht verlangen. Unsere Kinder sollen frühzeitig erfahren, daß sie um des Jüdischen willen ein Doppeltes zu leisten haben, daß sie als Kinder schon des Jüdischen wegen Opfer zu bringen haben. Darum betonen wir, daß dieser hebräische Sprachunterricht obligatorisch zu sein hat, daß er mit zu den Hauptfächern des Unterrichts zu rechnen ist, daß die Versetzungsreife vom Erfolg des hebräischen Sprachunterrichts abhängt. In dieser neuen jüdischen Schule soll das Jüdische schlechthin der tragende und leitende Gedanke im Unterricht sein. Wie das in anderen Fächern — namentlich im Geschichtsunterricht — zu geschehen hat, kann in diesem Zusammenhange nicht erörtert werden. Wir wollen, was das Jüdische anlangt, ein Höchstmaß an Forderungen stellen; es soll unter keinen Umständen zu Gunsten dessen zurücktreten oder vernachlässigt werden, was wir bisher im Unterricht erstrebt und gewollt habeii. Es ist nicht unsere Aufgabe, darzulegen, in welcher Weise der hebräische Sprachunterricht auf der Mittel- und Oberstufe vor sich zu gehen hat. Eine Bemerkung sei nur hinzugefügt. Er muß mit derselben Intensität erfolgen, mit der der sonstige Sprachunterricht erteilt wurde. Es muß dem Hebräischen mindestens täglich eine Stunde zugebilligt werden. Wir wollen auch alle Mittel ausschöpfen, die in den modernen Sprachunterricht erst Leben und Freude hineinbringen. Das hebräische Lied muß hier — im Gesangunterricht ist es selbstverständlich — oft ertönen. Wir regen einen Briefwechsel mit den Schülern an den hebräischen Schulen Palästinas an, auf der Oberstufe soll eine hebräische Tageszeitung herangezogen werden, um nur einige Beispiele anzuführen. Wenn der hebräische Sprachunterricht so eingebaut wird in den Lehrplan — auf der Unterstufe sorgfältigst fundamentiert und vorbereitet, auf der Mittel-" und Oberstufe allmählich ausgebaut und vertieft — dürfte sich das erreichen lassen, was uns für unsere jüdische Jugend vorschwebt. Jetzt erst ersehest es uns möglich, die Kinder, zu befähigen, am Gottesdienst mit Verständnis teilzunehmen. Damit hat der Schüler das geistige Rüstzeug bekommen, das er braucht, wenn er den Weg nach Erez Israel antreten will oder muß. Nun hat er es bedeutend leichter, sich drüben einzuleben und einzuordnen. Dieses Einleben und Einordnen soll den Schülern in jeder denkbaren Weise ermöglicht und erleichtert werden. Darum halten wir es für unerläßlich, neben dem Hebräischen auch die englische Sprache erlernen zu lassen. Ueber den praktischen Wert der Erlernung des Englischen braucht hier nicht gehandelt zu werden. Es ist selbstverständlich, daß die Bewohner eines mehrsprachigen Landes auch diese Sprachen sprechen. Unsere Schüler durften sich bisher auch nicht mit einer Fremdsprache begnügen. Auf den humanistischen Gymnasien lernten sie neben Latein und Griechisch Französisch und sogar noch fakultativ Englisch. Wenn wir uns nun auf das Hebräische und Englische beschränken, so ist das das Mindestmaß dessen, was wir von unseren Schülern verlangen müssen. Nachdem die Kinder in das Hebräische mit seinem Formenreichtum eingeführt worden sind, dürfte das Englische vom sechsten Schuljahre ab keine allzu große Belastung mehr bedeuten. Die Erfahrüng spricht dafür, daß Schüler, die be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.