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Jüdische Schulzeitung · 1936-07-01 · 7 (1.7.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 7 Jüdiische Schulzeitung Seite 5 ben aber im Grundsätzlichen im Alten stecken. Laßt uns den ganzen Betrieb des Hebräischen von Grund auf umstellen auf einen Sprachunterricht, der aufgebaut ist auf den methodischen Grundsätzen des neusprachlichen Unterrichts. Das kann nur in Sefardith geschehen, auch aus den Gründen, die Kollege Reinhardt angeführt hat. ' Es ist nicht zu verkennen, daß Schwierigkeiten entstehen, wenn Hebräisch als Mittel zur religiösen Unterweisung auftritt. In Haus und Synagoge ist die aschkenasische Aussprache dominierend. Trotzdem kann ich mich nicht der Meinung des Moreh Jehudi anschließen, der behauptet, daß Sefardith für Tenach und Siddur keine gemäße Aussprache sei, daß religiöse Impulse vom Bibel- und Gebetbuchtext nicht ausgehen, wenn er in Sefardith an unser Ohr herantritt. Das ist m. E. Sache der Gewohnheit. Gewiß, wenn man einmal versucht, das Tischgebet in Sefardith zu verrichten, wird das religiöse Gefühl noch nicht angesprochen, weil der Sprechende noch zu sehr am Aeußerlichen, an der Aussprache, haftet. Beherrscht aber das 'Kind die sefardische Aussprache, in der es das Hebräische erlernt hat, dann sehe ich nicht ein, warum durch Sefardith keine religiösen Impulse erwachsen sollten. Der Uebersetzungsunterricht in Bibel und Gebetbuch beginnt erst dann, wenn die Kinder durch den hebräischen Sprachunterricht soweit gefördert sind, daß sie ohne große Mühe die sprachlichen und inhaltlichen Schwierigkeiten überwinden können. Das wird vor dem 5. Schuljahre nicht möglich sein. Es ist nicht so wesentlich, wenn das .Grundschulkind, das auch in den Gebrauch des Gebetbuches eingeführt werden muß, das hebräisch gesprochene Gebet noch nicht versteht. Es weiß, daß es betet, undl es fühlt seine Verbundenheit mit Gott. Das genügt auf dieser Stufe. Es ist sehr oft mit dein deutsch gesprochenen Gebet nicht viel anders. Eine Erleichterung wäre es für Lehrer und Schüler, wenn Sprachunterricht und Gebet- und Bibel Unterricht in Sefardith erteilt würden. Wer sich aber — wie Moreh Jehudi schreibt — „der aschkenasischen Aussprache als einem der jüdischen Gemeinschaft wesenhaft zugehörigen Kulturgut verpflichtet fühlt", kann m. E. beide Aussprachen nebeneinander betreiben. Die Praxis wird und muß es zeigen, daß das möglich ist. Jede Uebergangszeit hat Schwierigkeiten im Gefolge. So geht auch in der Frage „Sefardith oder Aschkenasith?1' die Rechnung nicht ganz auf. Wir müssen aber den Weg suchen und finden, der, ohne auf allzuviele Schwierigkeiten zu stoßen, am leichtesten zu gehen ist und am schnellsten zum Ziele führt. Buchheim-Dortmund. Zum Problem des mehrsprachigen Unterrichts an jüdischen Schulen von Mittelschullehrer Kurt Crohn, Berlin Die Schultypen und Bildungsziele, die das „Zeitalter der Naturwissenschaften" im Ablauf des 19. Jahrhunderts festgelegt hat, sind im großen ganzen bis in unsere Tage hinein erhalten geblieben. Unsere jüdischen Schulen — bis zum Jahre 1933 hatten wir nur ganz wenige — hatten sich naturgemäß diesen Schultypen angepaßt. Der Unterschied zwischen den jüdischen Schulen und den anderen bestand nur darin, daß einige Stunden Hebräisch in den Lehrplan aufgenommen wurden. Welches Ziel setzte sich dieser hebräische Unterricht? „Der hebräische Unterricht unserer Schule will unsere Schüler von Stufe zu Stufe immer umfassender befähigen, am Gottesdienst, auch am ausschließlich in hebräischer Sprache abgehaltenen, mit Verständnis teilzunehmen, ferner will er sie in die Hauptquellen unserer religiös-sittlichen Gedanken und Vorschriften, in die' Thora und die Propheten, einführen. In rein sprachlicher Hinsicht sucht er die Schüler so weit zu bringenv daß sie mit Hilfe eines Wörterbuches selbständig ein neues Kapitel von angemessener Schwierigkeit bewältigen körinen." - Unsere Zeit zwingt uns, die Dinge von einer neuen Warte aus zu betrachten. Es ist für unser Ziel hier völlig unnötig, alle die vielen Probleme des Näheren zu beleuchten. Wir haben uns hier nur zu fragen, was wir für unsere jüdische Jugend in der völlig umgestalteten Umwelt zu tun haben. Wir sind uns wohl in allen Lagern klar darüber geworden^ daß der größere Teil der jüdischen Jugend keinen Lebensraum mehr in Deutschland hat, daß unsere Jugend auswandern muß — und daß sie zum größten Teil nach. Palästina auswandern wird. Damit stehen wir vor einer völlig neuen Aufgabe in der Schule und in der Erziehung unserer Jugend überhaupt. Wir stehen vor einem völlig neuen Erziehungs- und Unterrichtsziel. Dieses Erziehungsziel stecken wir uns bewußt für unsere gesamte jüdische Jugend. Es ist die Erziehung für Palästina. Man komme nicht mit dem Einwand, daß dieses Ziel nur für den Teil der Jugend zu gelten habe, der auszuwandern gedenkt. Da unser Leben sich heute kaum nach unserem Wollen und unseren Wünschen gestaltet, ist die Auswanderung für jeden ein Problem. Aus idealen Gründen aber soll jedes jüdische Kind zu dem Lande in innige Beziehung treten, das vielen Menschen nun schon zur Keimstätte geworden und zur zweiten Heimat wird. In einer so völlig neuen Situation kann naturgemäß unsere bisherige Schule nicht mehr genügen. Wir sprechen hier für alle Schulgattungen, berühren aber nur eine Seite unserer Unterrichts- und Erziehungsaufgabe. Es ist das Problem des . mehrsprachigen Unterrichts an jüdischen Schulen. Wer für ein Land erzieht, in dem mehrere Sprachen gleichwertig nebeneinander bestehen, der kann und darf unter keinen Umständen an dieser Tatsache vorbeigehen. Ja, es ist unseres Erachtens der Brennpunkt alles Geschehens in dieser neuen jüdischen Erziehung. Sprechen wir zunächst vom hebräischen Sprachunterricht. Das vor einem knappen Jahrzehnt gesteckte Ziel für ,den hebräischen Unterricht, das wir oben anführten, ist für uns heute unbrauchbar. Wir müssen heute den hebräischen Sprachunterricht an allen Schulen einführen. Wir sind uns der Tragweite dieser Forderung völlig bewußt; wir gehen in dieser Forderung noch weiter und wünschen, daß die Hebraisierung unserer Jugend im frühest möglichen Alter einzusetzen hat. Es ist allzu bekannt, wie stark die Jugendeindrücke „sitzen", wie das vorschulpflichtige Kind spielend Redewendungen aufnimmt und behält und sie gern bei jeder Gelegenheit anwendet. Die behält es für sein Leben. Im jüdischen Kindergarten sollen die Kleinen neben deutschen Versen und Reimen auch hebräische kennenlernen, hebräische Liedchen sollen die Kinder singen. In unseren Schulen möge nun der hebräische Sprachunterricht systematisch einsetzen — und schon im ersten Schuljahr. Er mag sich hier auf ein Mindestmaß im Rahmen des Ge- Ausfüllen und Ihrem Brielträger mitgeben oder unfrankiert In den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten flndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende zum Preise Yon RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u.Zuname: ....................._..........................................................................................-• Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort:........................................................................................................................................... Straße:___________..........._______,................................................Nr..................Stock.............. *) Dieser Bestellschein darf nur am Wohnort des Bestellers in den Postbriefkasten geworfen oder dem Briefträger abgegeben werden. 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