Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 7 (1.7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 wie entbehrlich es ist und wie sein Fehlen den Sinn kaum verändert. Selbst beim Verdoppelungs-Dagesch. (Der Deutlichkeit halber müßten die Bedienungsbuchstaben t&aa dennoch das Sch'wa — sofern sie nicht mit einem Vokal erscheinen — behalten.) Beim Buchstaben v könnte 2ur Vereinfachung der Punkt an der rechten Seite weggelassen werden. Wenn bei einzelnen Wörtern wie üsiff, *jsitf, *niw, löicr in Betreff des Cholem- Punktes Komplikationen wegen der daraus entstehenden Aehnlichkeit mit dem Ssin (Punkt links) zu erwarten wären, so ist zu erwidern, daß dieser Cholem-Punkt in Wirklichkeit gar nicht über das Schin selbst gehört, sondern auf den links folgenden Buchstaben. Ein Blick in Pentateuch oder Gebetbuch wird diese Wahrnehmung bestätigen. Demnach wäre in diesem Falle eine Verwechselung mit dem Ssin bereits ausgeschlossen. Eigenartig und ohne Grund, daß die Druckereien diesen Cholem-Punkt vor oder nach dem v kurzerhand weggelassen haben. Sie haben dadurch Hunderte von Lesefehlern auf dem Gewissen. Ebenso der Korrektor. Bei Wörtern wie atf', wo der Cholem-Punkt rechts bei dem Schin stehen müßte, wäre die Aehnlichkeit mit dem Ssin nicht vorhanden und der Punkt, da er für das Schin entfällt, nur als 1 Cholem zu lesen. Bezüglich des Ssin (Punkt links) könnte in den wenigen Wörtern, in denen ein Cholem auf das Ssin folgt, entweder der Punkt des Ch. neb en den Punkt des Ssin gesetzt werden (njnifo/ sraifr/ Kalt?, «pifo) oder es' wird das i eingefügt.*) In Wörtern wie xttt, wo das Cholem vor dem Ssin steht, besteht keine Schwierigkeit, da der linksstehende Punkt eindeutig auf das Ssin hinweist. Uebrigens wird man im Verkehr in diesen Fällen stets das i einfügen und so den Zweifel beseitigen. Dies ist meist auch im T'nach der Fall. Wären etwa fragliche Wörter aus dem T'nach zu schreiben, so möge man ohne Gewissensbisse zur Erleichterung des Lesens trotz des oben Gesagten getrost das i einfügen, da wir in der heiligen Schrift oft ein und dasselbe Wort bald mit, bald ohne i geschrieben finden (niao/ m^in, oniK/ Tiaa, rmk, rvfrip/ Tis?/ m'atf, rnlao, nfra, "HSTia, sowie die Mehrzahl- Endung ni.) — Das gilt natürlich nicht für den D"ri"0 isio, der sich genau an die Massora zu halten hat. Nun zum Dagesch. Da allgemein die s'phardische Aussprache erlernt wird, die in vielen Ländern von jeher im Gebrauch ist — der große Sprachgelehrte und Kommentator David Kimchi schreibt in seinem Sprachwerke Machlul Anhang 195b: „Die meisten großen Sprachkenner loben in ihren Schriften die sephardiscbe. Aussprache als die richtige, allerdings ohne zwingenden Beweis" — so muß angenommen werden, daß sie die aschkenasische Aussprache mehr und mehr verdrängen wird, wenn die begonnene Entwickelung weiterschreitet. Demnach wird zunächst das Dagesch im n entfallen können, da dieses auch ohne den Punkt wie das deutsche t gesprochen wird. Sodann wird der Verkehr das Dagesch Kai in den Buchstaben i und n beseitigen, welche wohl in früheren Zeiten durch dieses Dagesch eine verstärkte Aussprache erfuhren, heute aber und in unseren Ländern durch das Dagesch keine Veränderung in der Aussprache erleiden. Dagegen werden die Buchstaben B'3'a am Anfang einer Silbe bzw. eines Wortes das Dagesch beibehalten. *) wie es hier geschehen ist. Nummer -7 Das Geschlechtswort n, sowie die Präfixa a, b und a (letzteres als Abkürzung von ja) könnten auf das ihnen im folgenden Buchstaben (mit Ausnahme der Kehllaute) zukommende Dagesch verzichten, wie das bereits im Buchstaben •> (mit wenigen Ausnahmen wie ö'Hrt'rt/ö'W?, ü'lffj) und in einigen anderen Fällen geschieht. Die Zeitwörter (besser Tätigkeitswörter) im Niphal, Piel, Pual, Hiphil, Hophal . und Hithpael werden ihr Dagesch behalten, da dieses zum innersten Wesen ihrer Formen' gehört und darum unabkömmlich ist. Das in einigen Wörtern nach einer kurzen Silbe folgende Dagesch wäre im profanen Schriftverkehr dagegen zu entbehren z.B. MB»/ nt?a, pan, nnvb, tra», "|t>öa, rwa usw. Selbstverständlich der in einigen Wörtern in der Mitte nach Alef, Ajin, Chet stehende (wenn nicht in Begadkephat, dann unerklärliche!) Punkt würde weichen z.B. öVsto; noKb, iarr>, ifcwa, außer im Beth, Kaph und Peh. Entfallen würde das als Ersatz für einen ausfallenden Buchstaben nach einem langen Vokal eingesetzte Dagesch, wie in rm^Vn, ttm, "feta, töhn, V?ö, auch in.nta, nan/ nan. 1— T V T " T " Auch die Chatufim dürften sich als abkömmlich erweisen, wie endlich auch D'chik und Othemerochik mit ihren Punkten, z. B. maa, n*w rron, •]£ rrawK/nVo 71TP und im Anfang der Wörter nach na. Es bleibt natürlich jedem einzelnen unbenommen, zur Vermeidung von Irrtümern, zur Erleichterung des Verständnisses nach seiner persönlichen Auffassung ein Sch'wa oder ein Dagesch anzubringen. J. P. „Sefardith oder Aschkenasith?" Mit welcher Aussprache sollen wir beginnen? Diese, in der letzten Nummer der Jüdischen Schulzeitung gestellte Frage ist, wenn es sich n u r um die Aussprache handeln würde, kein Problem von Belang, wie Moreh Jehudi richtig bemerkt. Es handelt sich um mehr: es ist ein© methodische Frage! Soll Hebräisch nach den modernen methodischen Prinzipien des neusprachlichen Unterrichts betrieben werden, dann kommt nur Sefardith in Frage. Es kommt weniger aur.systematische Grammatik als auf früh einsetzendes Sprechen und Erzählen in Iwrith an; das kann nur in Sefardith geschehen, weil Satzkonstruktion und Wortschatz vom Aschkenasith abweichen. Die Aussprache bietet beim Lernanfänger keine nennenswert größeren Schwierigkeiten als Aschkenasith. Daß die Erwachsenen (wie Kollege Reinhardt schreibt) sehr oft noch Kamaz und Pathach verwechseln, ist richtig, aber diese kannten bisher nur die ihnen geläufige aschkenasische Aussprache. Der hebräische Unterricht war bisher unser Sorgenkind. Die Ergebnisse waren oft niederschmetternd. Sie entsprachen bei weitem nicht den Aufwendungen an Zeit und Kraft, die man auf den Betrieb des Hebräischen verwandte. Bei diesem Aufwand an Zeit und Kraft war man füglich berechtigt, andere — bessere — Ergebnisse zu erwarten (7 Schuljahre und mehr, bei 2—3stündigem wöchentlichen Unterricht). Interesselosigkeit des Elternhauses, große Klassen etc. konnten als entschuldigende Gründe angeführt werden. Ob aber die tiefere. Ursache nicht in der Methode lag? Durch all die Verbesserungsvorschläge, die man in den letzten Jahren und Jahrzehnten machte, wurde das Uebel nicht an der Wurzel angepackt Gewiß, das mechanische Uebersetzen ersetzte man durch eine mehr arbeitsschulmäßige Methode. In einem Wörterverzeichnis z. B. suchten sich die Kinder selbst die Vokabeln und was dergleichen mehr war. Im Grunde genommen aber war dies auch nicht viel mehr als eine mechanische Uebung. Tefillah Kezarah, Schaareh Zedek etc. brachten Verbesserungen, blie- Jüdische Schulzeitung