Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 7 (1.7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung . Nummer 7 Auge verlor. Heute aber ertönt der Ruf: Zurück zu dem „Quell lebendigen Wassers"2), zurück zum hebräischen Schrifttum im jüdischen Religionsunterricht, der unsere Jugend stark machen soll für unsere fl31öX. Es ist dabei belanglos die Frage, ob nicht auch in jeder anderen Sprache, nicht nur in der hebräischen „die Kenntnis der Bibel, die Aneignung ihrer ethischen und religiösen Weltanschauung, die entsprechende Vorstellung von der Bedeutung der israelitischen Propheten und Dichter"3) möglich ist. Denn die Erziehung zu treuen Juden erfordert auch die Erziehung zur Treue gegen das höchste, geistige Gut, das eine Gemeinschaft besitzt, gegen die Sprache. Deshalb ist schon aus der Zielsetzung heraus der Unterricht im Hebräischen als das wichtigste Unterrichtsfach des Religionsunterrichtes zu fördern. Das jüdische "Kind soll früh in der hebräischen Sprache beten lernen und soll von der frühesten Jugend an, d. h. mit dem Eintritt in das schulpflichtige Alter am öffentlichen Gottesdienst teilnehmen und mit zunehmendem Alter immer akt'ver teilnehmen durch Mitbeten und Mitsingen mit der Gemeinde. Ja. es gibt gar kein vortrefflicheres Mittel, das jüdische K'nd zur zur Treue, besonders zur Treue gegen die jüdische Gemeinschaft zu erziehen, als seine frühe Einordnung in die betende Gemeinde, und es zeugt von großer psychologischer Weisheit unserer alten Religionslehrer, daß s:e schon den Knaben mit 13 Jahren zum vollzähligen Mitglied der jüdischen Gemeinde gemacht haben, und darum muß rüt der Uebersetzung der hebräischen Gebete und der hebräischen Bibel früh begonnen werden. Aber der hebräische Religionsunterricht darf sich nicht auf die eigentlichen hebräischen Unterrichtsstunden beschränken, sondern auch der Unterricht in Geschichte und in der dazu gehörigen Palästinakunde muß überall, wo dieses nur möglich ist und fruchtbar erscheint, auf das Hebräische zurückgreifen, hebräische Namen und kurze hebräische Kernsprüche lernen lassen. Namentlich aber erfordert die Zentralstellung des Hebräischen im gesamten Religionsunterricht die Anlehnung der sogenannten Religionslehre an den Unterricht im Hebräischen, weil der gesamte Religionsunterricht im Grunde genommen Religionslehre sein muß, oder wie Stoll das in seinem Lehrplanentwurf von 1928 auf dem Würzburger Fortbildungskurs ausgedrückt hat, weil „der Religionsunterricht... tunlichst als " Gesamtunterricht betrieben werden soll". Bei der Behandlung der Bibel und des Gebetbuchs im hebräischen Unterricht bietet sich auf Schritt und Tritt Gelegenheit zu religiösen und. ethischen Belehrungen. Und diese Gelegenheit muß voll ausgenützt werden. Denn mit dem bloßen Uebersetzen und der sprachlichen Behandlung -hat man noch nicht dem Wesen des Religionsunterrichts Genüge getan, weil das Uebersetzen und die sprachliche Erfassung des hebräischen Schrifttums nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck der Erfassung des religiösen Ideengehalts des Judentums sind. Namentlich ist das Gebetbuch eine Fundgrube für Religion und Ethik, und zwar nicht nur die Pirke Aboth und die Psalmen, die unser Gebetbuch enthält, sondern die eigentlichen Gebete selber von Anfang bis zum Ende, und ich zähle es zu den Hauptunterlassungssünden unseres seitherigen Religionsunterrichts, diese Quelle t;efster persönlicher und universaler Religiosität nicht genügend ausgeschöpft zu haben. Die lebensvolle und lebensbezogene Gestaltung des Religionsunterrichtes bezwecken auch zwei andere Forderungen, nämlich der Pflege der Liturgie und zwar sowohl der Gebets¬ und Vorlesungs-Liturgie als auch des liturgischen Gesanges und ferner der Verwendung, nicht nur der Behandlung des'jüdischen Kalenders im Religionsunterricht. Während sich der Unterrcht in der Religionslehre und in der Liturgie ganz na- 2) J. B. Levy a.a.O. . 3) Adolf Löwenberg, Berlin, in seinen Bemerkungen zu . J. B. Levis Aufsatz. Nr. 10 des elften Jahrgangs der „Jüdischen Schulzeitung". turgemäß an den Unterricht im Hebräischen eng anlehnen oder sich sogar mit ihm verbinden läßt, ist eine solche enge Anlehnung an den hebräischen Unterricht nicht konsequent durchführbar bei demjenigen Teilfach des. jüdischen Religionsunterrichts, das wir als Geschichte bezeichnen. Gilt dies schon von dem Unterricht in biblischer Geschichte, so erst recht von dem in der nachbiblischen Geschichte. Ist aber auch eine völlige und konsequente Verbindung des hebräischen Unterrichts mit biblischer Geschichte nicht durchführbar, so braucht und darf" auch dieses Teilfach des Religionsunterrichts nicht gänzlich vom Hebräischen losgelöst zu se'n. Schon in den jüngeren Jahrgängen kann eine,' wenn auch lose Anlehnung an den hebräischen Unterricht hergestellt werden durch die Bezeichnung der biblschen Namen auf Hebäisch und-durch Einprägung kleiner hebräischer Sätzchen, sei es aus dem zu der betreffenden Erzählung gehörenden hebräischen Text oder aus einer anderen Stelle des jüdischen Schrifttums. Als neue Forderung muß jedoch hinzutreten, auf der Oberstufe, d. h. im 7. und 8. Schuljahr bzw. 9. Schuljahr die Propheten in. Anlehnung an die hebräische Bibel möglichst eingehend zu behandeln. Für das begeisterungsfähige, alles Hero'sche und Ideale bewundernde 13.—15. Lebensjahr ist die Behandlung dieser religiösen Heldengestalten und ihres glühenden Eifers für Gott und die höchsten Menschheitsideäle von unschätzbarem erzieherischem Wert. Mehr als je kann deshalb in diesem Lebensalter und besser als durch andere ideale Gestalten der jüdischen Geschichte durch die prophetischen Persönlichkeiten der jüdische Mensch zur wahren ra^a zur Treue gegen Gott, seine Gemeinschaft, seine Mitmenschen und sich selbst geführt werden. Die bisherige Praxis, die nachbiblische Geschichte nach spezialwissenschaftlichen Gesichtspunkten aufzuteilen, ist abzulehnen , vielmehr muß die Forderung aufgestellt werden, den Stoff nach religiösen und kulturhistorischen Prinzipien auszuwählen und dadurch den inneren Zusammenhang der geschichtlichen Ereignisse, Persönlichkeiten und ihrer Werke aufzuzeigen. Die Auswahl nach gegenständlichen Unterrichtseinheiten hat nicht nur den Vorzug, die inneren Zusammenhänge der geschichtlichen Abläufe und die geschichtlichen Voraussetzungen für das Auftreten-der einzelnen Persönl:chkeiten klarer zum Bewußtsein zu br"ngen, sondern auch den Vorteil, daß die wichtigsten und vorbildlichen historischen Persönlichkeiten in mehreren Einheiten wieder hervortreten, so daß sie sich dadurch dem Gedächtn;s der Kinder viel besser einprägen; vor allem aber auch den Vorteil, daß die Betrachtung der Gegenwart nicht zu weit hinausgeschoben werden muß, wie dieses der Fall ist bei einer Stoffauswahl, die sich nur nach der Zeitfolge richtet. Als einen weiteren Unterrichtsgegenstand, .aber nicht als besonderes Unterrichtsfach, sondern in Verbindung mit der biblischen Geschichte fordert unsere Zeit Palästinakunde. Wir können im Religionsunterricht nicht auf eine Behandlung Palästinas verzichten, weil wir durch sie eine sowohl rein sachliche als auch gefühlsmäßige Grundlage für das bessere Verstehen und Erfassen, der in der Bibel geschilderten Verhältnisse, Ereignisse und Persönlichkeiten schaffen können. Andererseits muß aber diese Palästinakunde abgegrenzt werden gegenüber der im profanen Geographieunterricht, die sich mehr mit den geologischen, geophysischen und wirtschaftlichen Fragen sowohl, als auch mit der zionistischen Kolonisationsarbeit in Palästina befassen kann. Was natürlich nicht ausschließt, daß wir auch in der Palästinakunde des Religionsunterrichtes die eine oder andere der dem Pröfanunterricht zugewiesenen Fragen aus religiösem Interesse, berühren oder gar behandeln. So erfordert z. B. das Verständnis unserer Tal- und Geschem-Gebete eine Behandlung der klimatischen und BewässerungsVerhältnisse in Palästina. Wie überhaupt die Abgrenzung des religiösen Unter rieh tsstoffes gegenüber dem des Prof anunter richte s nicht eine starre Abschließung der beiden Gebiete gegeneinander befürworten