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Jüdische Schulzeitung · 1936-07-01 · 7 (1.7.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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12s Jahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer, 7 üdische Schulzeitung Monatssdirjft für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik - Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. Juli 1936 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr.SiegfriedBraun K ö l n-S ü l z , Unkelerstraße 17 Barmizwah- Geschenke des Preußischen Landesverbandes Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden bittet uns um Veröffentlichung folgender Notiz: „Um seiner Verbundenheit mit der heranwachsenden jüdischen Jugend besonderen Ausdruck zu geben, hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden beschlossen, künftig jedem Barmizwahknaben in den ihm angeschlossenen Mittel- und Kleingemeinden ein Buchgeschenk zu überreichen. Neben der „Schul- und Hjausbibel" von Auerbach gelangen die Bücher von Leo Hirsch „Praktische Judentumskunde" und Emil Bernh. Cohn „Das jüdische A B C" zur Verteilung. Das künstlerisch ausgestattete Widmungsblatt wird den Empfängern eine wertvolle Erinnerung bleiben und die Beziehung zwischen dem Preußenverband und den Mitgliedern seiner Gemeinden weiter vertiefen und stärken." * Es ist gegen die an sich lobenswerte Neueinrichtung des Preußischen Landesverbandes gewiß nichts einzuwenden. Dagegen sei ein Wort zur Auswahl der Bücher gesagt. Wenn der heranwachsenden Jugend ein Werk überreicht werden soll, das sie auf dem Gebiet der Judentumskunde bereichert, so muß es nach Form und Inhalt gediegen sein. Alle Schriften, die unter dem Motto „schnell gelernt" entstanden sind — und es gibt deren heute mehr denn je — halte man wenigstens von Amts wegen fern von den Knaben. Es wohnt ihnen in keinem Betracht eine erzieherische Kraft inne. Dagegen verleitet ihre Lektüre zur Oberflächlichkeit und zu Auffassungen, die. mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. In diesen Blättern — und nicht in. ihnen allein — wurde seinerzeit namentlich an dem jüdischen ABC Cohns eine scharfe Kritik geübt. Wir wiesen auf eine Reihe von Unrichtigkeiten in dem Buch hin und lehnten es aufs entschiedenste ab. Mittlerweile ist eine zweite Auflage erschienen, der der Herausgeber — so ergibt es sich aus dem Buchreferat, das die Leser unseres Blattes unter der Rubrik „Literarisches" weiter unten finden — eine gediegenere Fassung gegeben hat. Wir wissen nicht, ob der Landesverband etwa Restbestände der ersten Auflage zu verteilen gedenkt. Immerhin besteht die Möglichkeit, und wir möchten, deshalb nicht unterlassen, größte Sorgfalt zu empfehlen, wenn es sich darum handelt, der Jugend jüdisches Schrifttum in die Hand zu geben. Unsere Zeit und der Religionsunterricht Auszug aus einem Referat, gehalten in Stuttgart am 17. November 1935 auf der Versammlung der jüdischen Lehrer Württembergs von Oberlehrer Dr. J. Woch enmark, Gmünd Die Frage, ob Religion lehrbar sei, ist für uns Juden, die wir schon seit Jahrtausenden Religion lernen und lehren, schon längst entschieden. Sie konnte nur in einer Zeit aufgeworfen werden, in welcher der nicht jüdische Begriff der Religion als bloßes „Gefühl" auch von uns Juden mit übernommen wurde, der dann die jüdische Stellungnahme zum Religionsunterricht beeinflußt hat. Machen wir uns aber von der nichtjüdischen Begriffsbestimmung der Religion frei, das ist vielleicht die erste Forderung der Zeit, und suchen wir in unserem eigenen jüdischen Geistesbereich die Wesensbestimmung der Religion, und wir werden die Problematik des jüdischen Religionsunterrichtes, die für uns nicht in der Frage der Lehrbarkeit der Religion besteht, sondern in der Frage seines Verhältnisses zum profan-jüdischen Unterricht und in der Frage des Verhältnisses der Teilfächer innerhalb des Religionsunterrichtes zueinander besteht, wir werden diese Fragen aus dem jüdischen Geiste heraus besser zu beantworten wissen. Von den verschiedenen Bezeichnungen für „Religion" in unserer hebräischen Sprache trifft die Bezeichnung nnax den Wesenskern der jüdischen Religion: Treue. Treue gegen das göttliche Gesetz, Treue gegen die große jüdische Gesamtheit, wie gegen die kleinen Sondergemeinschaften bis zur kleinsten, gegen die Familie, Treue gegen den Mitmenschen und gegen sich selbst, das gehört zum Wesen unserer jüdischen Religion, und der jüdische Volksmund sowohl wie der erste jüdische Religionsphilosoph Saadia Gaon bezeichnen deshalb mit Recht die jüdische Religion als die nnas Aus dieser jüdischen Kennzeichnung der Religion als Treue ergibt sich als Ziel des jüdischen Religionsunterrichts die Erziehung zu treuen Juden, und aus dieser Zielsetzung heraus hinwiederum die Abgrenzung des Religionsunterrichtes gegenüber den profanen Fächern sowohl als auch die Bewertung und Einordnung der einzelnen Teilfächer innerhalb des Religionsunterrichtes. An erster Stelle muß für den Religionsunterricht gefordert werden die Pflege unseres hebräischen religiösen Schrifttums, das seit Jahrtausenden unser religiöses Leben fundiert als eine unversiegbare religiöse Kraftquelle. Gar oft wurde unser hebräisches religiöses Schrifttum in der Diaspora in bester Absicht vielleicht, aber doch zum Schaden der wahren religiösen Bildung, der Erziehung zu echter rmax verhüllt und dem Volksempfinden entfremdet durch bloße „Surrogate und schwache Üebersetzungen"1), die man im Religionsunterricht in bequemer Weise darzubieten versuchte, und dabei das hebräische Original als das eigentliche Konstante fast aus dem *) J. B. Levy in der „Jüdischen Schulzeitung", 10. Jahr-, gang Nr. 8.

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