Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 6 (1.6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2825247-2825368-2825374--1091-2826756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Wenn wir nicht wenigstens von rund 1 000 Personen den Jahresbeitrag von je 5 RM baldigst erhalten, so ist die Schließung unseres Heims nicht zu vermeiden. Die Folgen, ganz besonders die Vertreibung von 15—20 Insassen, die auf ein ruhiges, sorgenloses Lebensende in unserm Heim hofften; die Schwierigkeit, anderswo einen friedlichen Ferien- und Erholungsaufenthalt zu finden — diese Konsequenzen würde die Beamtenschaft verschuldet haben; - die Lehrer, Rabbiner, Kantoren, Gemeinde- und Sozialbeamten. Wir erheben bittere Klage und warnen zum letzten Male! J. B. Levy. Unser Postscheckkonto: Erholungs- und Altersheim für jüd. Lehrer und Kantoren e. V., Frankfurt a. M. 5680. Berichtigung Unter den Dozenten der Lehrerfortbildung Frankfurt a. M., die mit den entsprechenden, von ihnen bearbeiteten Themen in dem Bericht des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden über Schulwesen, Lehrerfortbildung, Lehrerbildung (Jüdische Schulzeitung Nr. 5, Seite 3) aufgeführt werden, befindet sich auch mein Name. Ich stelle hiermit fest, daß die von mir angekündigte Vorlesung über das „Judentum in Frankreich'1 nicht gehalten wurde, da sie abgesetzt worden war. Dr. Salomon, Frankfurt a. M. Literarisches W. Neier-Dan und Gad: Hebräische Fibel. Verlag Siegfried Scholem, Berlin 1936. M. Abraham und J. B. Levy: Thora W-chajim. Eine methodische Einführung ins Hebräische. Verlag M. Lehrberger, Frankfurt a. M. 1936. Dr. Abr. Rand: Neuhebräische Gespräche mit hebr.- deutschem Wörterverzeichnis. Verlag Kedem, Berlin-Charlottenburg 1936. Wenn die letzten Jahre das jüd. Schulwesen sehr stark beeinflußt haben, so isi der Sinn für den hebr. Unterricht von allen Fächern am stärksten beeindruckt worden. Er ist das erste und wichtigste Fach der jüdischen Schule geworden, die innere Einstellung der Lehrer und Schüler ist für dieses Fach viel günstiger, man kann sagen liebevoll, und das Ziel des Unterrichts ist nicht mehr, nur eine verständnisvolle Teilnahme am Gottesdienst zu erreichen, sondern soweit wie möglich- Beherrschung des Hebräischen als lebende Umgangssprache. Daß diesen veränderten Verhältnissen auch die Lehrbücher zu entsprechen haben, ist eine selbstverständliche Forderung. Lehrbücher können nicht „aus der Erde gestampft" werden. Wenn sie aus der Praxis werden sollen, so brauchen sie Zeit der Reife und Erprobung. Nun sind gerade noch rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahres oben angeführte Lehr- und Lernbücher erschienen, die für die ersten beiden Jahre des hebräischen Unterrichts bestimmt sind. W. Neier begnügt sich nicht, die Kinder zu befähigen, mechanisch lesen zu können; das was gelesen wird, sollen die Kinder auch verstehen, und wenn das Kind die Fibel beendet hat, so ist ihm die Kenntnis von etwa 200 Vokabeln übermittelt, 200 Vokabeln, die nicht mechanisch gelernt worden sind (das Buch hat weder ein Vokabel Verzeichnis, noch soll „übersetzt" werden) die Eigentum der Kinder wurden durch Sprechen. Das bedeutet wiederum, daß hier nicht zusammenhanglose Vokabeln dargeboten werden, sondern daß das Kind gewisse Eigentümlichkeiten der hebräischen Sprache gefühls-" mäßig erfaßt. Dieser Teil des Fibelunterrichts, r Sprechen in Verbindung mit bestimmten Handlungen, erfordert die eigentliche Arbeit des Lehrers, es soll einsetzen, bevor dem Kinde, die Fibel in die Hand gegeben ist, sie kann deshalb bereits im ersten Schuljahr erfolgen, und sie geht jeder Lektion der Fibel voran, so daß die Kinder, wenn sie lesen, mit den Vokabeln bereits vertraut sind. Die Erarbeitung des Wortschatzes der Fibel geschieht durch einfache Handlungen, die durch Nummer 6 den Lehrer oder durch Schüler der Klasse vorgemacht werden, wobei der Lehrer den hebräischen Satz ausspricht, den die Kinder dann öfters wiederholen. Der Verfasser gibt in seiner Anleitung sehr instruktive Beispiele, die zeigen, wie die Kenntnis des Wortschatzes zu übermitteln ist. Der 1 n - halt der Fibel, eine sich allmählich entwickelnde Eingeschichte, ist dem Kinde und dem geistigen Gehalt des Faches geschickt angepaßt. Die Ausstattung des. Buches ist sehr schön, die Bilder, von H. Wallenburg und P. Hannemann, treffen das, was das Kind erfassen soll. Alles in allem, es ist eine sehr erfreuliche Neuerscheinung. Der Stufe des hebräischen Unterrichts, der dem Unterricht in der Fibel folgt, soll das zweite der oben angeführten Bücher dienen. Was ist die Aufgabe einer „Einführung in das Hebräische"? Durch die Einführung soll das Kind befähigt werden, Stamm- und Bildungssilbe zu unterscheiden, es soll die Bedeutung der häufigsten Bildungssilben kennen lernen, es soll ein gewisses Gefühl für die hebräische Satzkonstruktion erhalten und endlich soll ihm ein gewisser Vokabelschatz als geistiges Eigentum übermittelt werden. Thora w'chaim, das die Verfasser selbst eine „Vollständige Neubearbeitung der Schaare Zedek" nennen, meistert diesen Stoff nicht durch theoretischen Grammatikunterricht, nicht durch mechanisches Auswendiglernen von Reihen, sondern durch lebendiges Sprechen, wodurch eine gewisse Geläufigkeit erworben wird, das Gelernte praktisch anzuwenden. Das. „übende" Sprechen, das auch in der besprochenen Fibel Voraussetzung für jeden Erfolg darstellt, ist hier zum beherrschenden Prinzip erhoben. Jedes Sprachstück, auch das einfachste, mit Ausnahme der leichten Stücke aus dem Gebetbuche, wird in eine Anzahl von hebräischen Fragen aufgelöst, und diese Fragen sind von dem Kinde hebräisch zu beantworten. Und diese Fragen werden durchweg nicht in der Quadratschrift gegeben, sondern nur in der hebräischen Kursivschrift. Die Verfasser setzen also voraus, daß diese Fragen auch schriftlich beantwortet werden. Zum ersten Male ist meines Wissens der schriftlichen Bearbeitung in einem hebräischen Lehrbuch so viel Raum gewidmet. In der Tat, durch kein anderes Mittel kann das Kind mit dem Wissensstoff so vertraut werden wie durch die schriftliche Bearbeitung, und die Wichtigkeit dieser unterrichtlichen Tätigkeit kann gar nicht überschätzt werden. Der Unterschied der verschiedenen Formen, Ein- und Mehrzahl, männlich und weiblich, bei den verschiedenen Wortarten, so recht zum geistigen Eigentum des Kindes, wird er erst in der schriftlichen Darstellung. Diese schriftliche Uebung ist auch anzuwenden bei den Uebersetzungen vom Deutschen ins Hebräische, für die das Buch reichen Stoff bietet. Der erste Teil der Thora w'chajim bringt das Hauptwort in allen Formen, die es gibt, das Zählwort bis 10, Grund- und Ordnungszahlwort, das Zeitwort in Gegenwart und Vergangenheit. Die Zukunftsformen scheinen dem 2. Teil vorbehalten zu sein. Wir bedauern das. Nach unserer Meinung soll der „Einführung ins Hebräische" nicht mehr als ein Schuljahr gewidmet werden. Das 3. Schuljahr, und ein „2. Teil" würde sich dann erübrigen. Die Kinder könnten nach einem modernen Fibelunterricht, nach Absolvierung der Thora w'chajim „eintreten in den Palast", d. h. im 4. Schuljahr könnte man mit Gebetbuch und Pentateuch beginnen* alles andere könnte dem praktischen Sprachunterricht vorbehalten bleiben. Aber das ist eine Frage der Praxis, und wir hoffen, daß der 2. Teil diesem praktischen Sprachunterricht' in Mittel- und Oberstufe in erster Reihe gewidmet ist. Thora w'chajim bedeutet einen großen und sehr erfreulichen F o r tschritt aiuf dem Gebiete des hebräischen Unterrichts. Der Aufgabe des hebräischen Sprechens im Unterricht dient und nur diesem Zweig, das 3. Büchlein von Dr. Rand. Es sind 17 Gespräche, deren Themen den verschiedensten Lebensgebieten angehören. Wir empfehlen den Gebrauch dieses Büchleins sehr, es ermöglicht auch dem noch nicht hebräisch sprechenden Lehrer, eine hebräische Unterhaltung mit der Klasse zu führen, und die Kinder lernen eine große Anzahl von Wörtern, die häufig-im praktischen Leben nötig sind, und die es sonst nicht kennen lernt. Abr. Reinhardt, Köln. J üdi sch e S ch u 1 ze i t u n g