Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 6 (1.6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 6 Jüdische Schulzeitung Seite 5 den. von, den Pädagogischen Akademien ausgebildeten Prinzipien und sie habe die besondere Aufgabe, diese Prinzipien auf die Ausbildung in den jüdischen Fächern und auf die Verbindung des Jüdischen mit dem Allgemeinen anzuwenden. Das große Problem aller Lehrerbildung die richtige gegenseitige Aufeinanderabstimmung von Theorie und Praxis, sei auch ihr gestellt. Unter diesem Gesichtspunkt behandelte Dr. Bamberger ausführlich den hebräischen Unterricht, die Fibel- und Lesebuchfrage, die Abschluß- und Aufbauklassen, die über die Schule hinausweisende sozialpädagogische Aufgabe des Lehrers und andere wichtige Fragen und legte dar, wie sie und in welchem Umfange sie in der ausbildenden Arbeit der Lehrerbildungsanstalt zu erscheinen hätten. Die Jüdische Lehrerbildungsanstalt umfaßt zur Zeit — entsprechend der dreijährigen Ausbildung — drei Lehrgänge. Aus der Tagung des Großen Rates Am 19. April tagte der Große Rat des Preußischen Landesverbandes. Den Beratungen lag der gedruckte Tätigkeitsbericht zu Grunde, aus dem die Jüdische Schulzeitung im vergangenen Monat den Abschnitt veröffentlicht hat, der sich mit Schul- und Lehrerfragen beschäftigt. Der Dezernent für das Schulwesen, Rabbiner Dr. Galliner, verbreitete sich eingehend über Bezirksrabbinate, Bezirkslehrerstellen, über den Religionsunterricht und über Religionslehrerkurse. In der Aussprache nahm u. a. der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Mittelschulrektor Dr. H. Stern _ das Wort zu einer sachlich fundierten Kritik: der Arbeit des Landesverbandes auf dem Gebiet des Unterrichts- und Erziehungswesens. Er bemängelte die schlechte Bezahlung der Fortbildungsstunden, die im Auftrag des Landesverbandes erteilt werden, sowie die Art der Rechnungslegung. Es müsse aus den Berichten klar hervorgehen, welche Beträge als Sach-, welche als Personalaüsgaben verwendet worden seien. Ueber neuartige Aufgaben, die-an die für das Unterrichtswesen verantwortlichen Instanzen herangetreten sind, sprach Rabbiner Dr. Baeck. Er wies auf die Notwendigkeit eines neunten, vielleicht auch zehnten Schuljahres hin, die der Vorlehre, insbesondre auf dem Gebiet der Technik zu dienen hätten. Es müsse eine Verbindung unseres Schulwesens hergestellt werden mit den Handwerkerschulen in Palästina und in Uebersee. Während früher der Horizont der jüdischen Schule nur der der Provinz, im besten Falle der des Landes gewesen sei, reiche er heute über alle Erdteile hin. * Welcher Art die neuen Einrichtungen sind, von denen Dr. Baeck sprach, darüber informiert der Bericht der R.V., den unsere Leser an andrer Stelle d. Bl. finden Aehnliche „Vorlehre-Schulen"sind bereits in andern Städten eingerichtet worden, u. a. in Frankfurt a. M. und Köln. Es handelt sich hier um bedeutsame Vorgänge im Bereich des Unterrichtswesens, um Neuerungen, die, aus der Not der Zeit geboren, doch auch wieder Ausdruck sind eines ungebrochenen Lebenswillens. Es ist gewiß löblich, wenn für die kulturellen Bedürfnisse der Kleingemeinden gesorgt wird. Freilich ist es dieser Hilfe, nach menschlichem Ermessen versagt, teilzuhaben an der „konstruktiven" Leistung, die in die Zukunft weist. Sie erfolgt in den wenigen Zentren jüdischen Lebens, in den Großgemeinden und — im Bezirk der Jugendlichen — in den „Hachscharoth" aller Richtungen).. Diese Tatsache läßt den Sinn und die Bedeutung der Vorlehre ermessen. sionierte Lehrkräfte erteilen zu lassen, die nur ein zusätzliches Gehalt beanspruchen. Dieses Bestreben darf jedoch nicht dazu führen, daß. ältere einkommenslose Lehrkräfte, die verheiratet ,sind und Kinder haben, auf Einstellung an Schulen nicht rechnen können. Auch aus pädagogischen Gründen ist es durchaus wünschenswert, daß an allen Schulen auch verheiratete ältere Lehrkräfte tätig sind. Im Laufe des letzten Jahres haben wir so häufig Klagen in dieser Richtung gehört, daß wir es für unsere Pflicht halten, ausdrücklich auf diesen Gesichtspunkt hinzuweisen. Um das Los der Ältlehrer Die Schulabteilung der Reichsvertretung wendet sich mit folgender Mahnung an die Landesverbände, Gemeinden, Schulträger und Schulen: - -Aus der schwierigen wirtschaftlichen Situation heraus sind viele Gemeinden dazu übergegangen, bei Einstellung von Lehrkräften entweder ganz junge, insbesondere unverheiratete Lehrer zu bevorzugen oder aber den Unterricht durch pen- Aus dem Lehrer-Verband Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg konnte im verflossenen Monat auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Seinem rührigen Vorsitzenden, Koll. Guttmann-Potsdam, sind aus diesem Anlaß viele Glückwünsche, u. a. auch vom Verbandsvorstand, zugegangen. Persönliches Am 21. Juni vollendet Kollege David Dublon in Dülmen sein 70. Lebensjahr. Lange Jahre hindurch hat er als Vorbeter, Prediger und Lehrer in dieser weitab vom Lärm der großen Welt gelegenen Gemeinde gewirkt. Dublon war seinen Schutzbefohlenen immer ein zuverlässiger Führer, und auch heute noch bildet er und seine feingeistige Gattin den Mittelpunkt der Gemeinde. Die Kunst ist beiden holde Begleiterin durchs Leben gewesen, und was an musikalischer Kultur in dem kleinen westfälischen Städtchen, reifte, war zu einem guten Teil das Werk des Kollegen Dublon. Ad mea weesrim schana! Bittere Klage ..Ich habe vor, im Juli d. J. mit meiner Frau meinen Urlaub im Erholungsheim Ems zu verbringen. In Anbetracht der weiten Entfernung und dadurch erhöhten Fahrtspesen bitte ich um eine Ermäßigung des Verpflegungssatzes. Zur Nachzahlung der. rückständigen Beiträge erkläre ich mich bereit." y So lautet eines der immer wieder an den Unterzeichneten gelangenden Bewerbungsschreiben um Aufnahme in unser Heim. Wenn dieser Brief eine Ausnahmeerscheinung in meiner Emser Korrespondenz darstellte, hätte ich geschwiegen. Es muß jedoch einmal klar und ohne Rückhalt in aller Oeffentlichkeit gesagt werderu: Wenn die Kollegen- und Beamtenschaft weiterhin so wenig Solidarität zeigt, ein so mangelhaftes Interesse an dem Fortbestand unseres Heims, dann werden wir es in allernächster Zeit schließen müssen! Wir haben Mitte 1935 eine große Propaganda für Mitgliederwerbung unternommen: auf 1 200 Prospekte und Aufforderungen zur Erwerbung der Mitgliedschaft sind 2 — in Worten: zwei!! — Neuanmeldungen erfolgt. Unser Schatzmeister hat an unsere „Mitglieder" im Anfang des Jahres 650 Aufforderungen um Beitragszahlung gerichtet. Knapp 60 haben diesem Wunsche Folge geleistet. Ich brauche diesen Zahlen nichts hinzuzufügen, sie sprechen deutlich und rauh. Demgegenüber eine kleine Aufstellung unserer jährlichen Ausgaben aus der Hauptkasse (nicht etwa unserer Ausgaben .für Verpflegung und Heim-Unterhalt). Hypothek-Amortisation 1 200 RM Abzahlung auf Altbau 1 12Q RM Grundsteuern 1 400 RM Hypothekenzinsen 2 600 RM Verwaltungsspesen _960 RM_ 7 280 RM Wir fragen die Kollegenschaft: wie denkt sie sich eigentlich den Fortbestand unseres Heims? ,1 X V ,