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Jüdische Schulzeitung · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
6 (1.6.1936)
Date
1936-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 J ü dis che Sc hu 1 zeit ung Nummeprö daß sie gewisse innere Zusammenhänge verstehen können. Im Sinne von Forderung 2 und 4 wären im ersten Teil „Geschichte des jüdischen Volkes in Palästina" folgende Themen hervorzuheben, die bisher in der Schule kaum ernsthaft erwähnt wurden: GeopolitikPalästinas. (Der physikalische Aufbau des Landes wirkt gemeinschaftshemmend. Die wirtschaftliche Verschiedenheit der einzelnen Landesteile bedingt eine ungleichmäßige Entwicklung der einzelnen Volksteile. Der Einfluß fremder Kulturen ist in Nordpalästina, größer als im Süden.) Einfluß der U mwelt auf die Politik und Geschichte Palästinas. (Palästinas Rolle als Pufferstaat zwischen Aegypten und dem jeweiligen Nordreich. Die Bündnispolitik der israelitischen und judäischen Könige. Die Rolle des zweiten Reiches als Vasallenstaat.) I n - nereBewegungen. (Bedeutung der Thora als Mittel zur Gemeinschaftsbildung und Ueberwindung der trennenden Momente. Die Entwicklung des "Königstums. Königtum und Theokratie. Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht: Saul und Samuel, Jeremia und die Generäle, Pharisäer und Sadduzäer, Zeloten und Ffiedenspartei. Kulturkämpfe in Palästina. Vergleich zwischen dem Aufbau des zweiten Reiches unter Josua und Serubabel resp. Esra und Nehemia mit dem gegenwärtigen Wiederaufbau Palästinas.) Wie schon oben erwähnt, ergibt sich für die „Geschichte des jüdischen Volkes in der Diaspora" eine grundsätzliche Schwierigkeit daraus, daß die Einheit des Ortes im jüdischhistorischen Drama fehlt. Ich würde daher vorschlagen, auch hier nach dem Prinzip konzentrischer Kreise zu verfahren, um bei den Schülern das Bewußtsein von der Einheit des Judentums und Judenschicksals zu erwecken. Zu diesem Zwecke wären wohl folgende Themen zu empfehlen: 1. Jüdische Siedlungen und Wanderungen; Zentrenverschiebungen. 2. Judenfrage, Judenverfolgungen und Judenemanzipationen. 3. Schtadlanim und messianische Bewegungen. 4. - Amalgamierungs- (jüdisch-hellenistische, jüdisch-spanische und jüdisch-deutsche Epoche) und Isolationsprozesse (Judentum in Rußland). 5. Entwicklung der religiösen Literatur. Historische Bedeutung des Gesetzes für das Galuthjudentum. 6. Das Judentum der Gegenwart. Es kann nicht der Zweck dieser Arbeit sein, über das Grundsätzliche der angeschnittenen Fragen, noch weiter hinauszugehen. Die hier gemachten Vorschläge lassen sich, wie schon oben angedeutet, nur durch Schaffung eines geeigneten Lehrbuches verwirklichen. Es ist daher wichtig, daß man sich über die Frage des „Wie," hinreichend klar ist, ehe man seitens der zentralen Stellen an die Veröffentlichung neuer Lehrbücher herangeht. In diesem Sinne will dieser Aufsatz ein Beitrag zur Verjüdischung der jüdischen Schule sein. Tagesschule für Beruf svorlehre der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Die neu errichtete Schule mochte diejenigen Jungen erfassen, die nach 8- oder 9jährigem Schulbesuch ihre theoretische Bildung abrunden und gleichzeitig in die handwerkliche und Gartenarbeit eingeführt werden wollen. Daher ergeben sich drei grundsätzliche Forderungen: 1. Die der Tagesschule anvertrauten Jungen werden noch weiter lernen. Vor allem sollen sie ihre Sprachkenntnisse ergänzen, um in Palästina oder in anderen Ländern weiterzukommen;. - 2. ist es nötig, daß gerade die jüdischen jungen Menschen in allmählicher, aber durchaus handwerkgerechter Art zur manuellen Arbeit zurückgeführt werden; 3. wollen wir, daß die junge Generation, wo auch immer sie liinkommt, ein lebendiges Judentum in sich trägt und gewillt ist, es zu erhalten und zu pflegen: Unter diesen drei Gesichtspunkten soll unsere Schule eine Bildungsstätte; eine wirkliche Werk-Stätte und dabei eine Stätte jüdischen Geistes sein; Dadurch, daß die Schüler den ganzen Tag ohne Unterbrechung in der Schule sind, ist die Vorbedingung für eine Stetige Arbeit und die Schaffung einer wirklich erzieherischen Atmosphäre gegeben. Die eine Hälfte des Tages gehört der Formung von Leib und Geist durch Sport, Hebräisch und Englisch in regelmäßiger Wiederkehr: dazu kommen, über die Woche verteilt. Kulturkunde, Judentumskunde, Naturwissenschaften, Rechnen, Zeichnen und Musik. Die andere Tageshälfte ist von der Arbeit am Schraubstock, an der Hobelbank oder im Garten ausgefüllt. Ein ganz nahegelegener großer Sportplatz gibt Luft, Licht und vor allem viel Spielraum zur Uebung der Kräfte und zu gesunder Abhärtung. Aerztliche Ueberwachung sorgt dafür, daß in allem ein richtiges Maß eingehalten wird. Wir hoffen, daß die freie Zusammenarbeit ari die Stelle eines re;n schulmäßigen Betriebes treten kann; denn unseren Schülern wird bewußt sein, daß sie hier wichtiges Rüstzeug für ihr künftiges Leben bekommen: für den schweren Existenzkampf des Juden, für die Teilnahme am Aufbau Palästinas, für das Sichdurchsetzen in der weiten Welt. Wir wollen in enger Verbindung mit allen Instanzen bleibten, die für das Schicksal unserer Jugend nach dem Verlassen der Schule wichtig sind (Berufsberatung, Jüdische Jugendhilfe, Auswanderungsschule, Werkdorf Wieringen usw.). Das Wohnheim steht unter pädagogischer Leitung und soll die Grundsätze der Tagesschule sinngemäß auf das Zusammenleben der Jungen übertragen. Die Kosten für die theoretische und manuelle Ausbildung einschließlich der Verpflegung (Frühstücksmilch, Mittag, Vesper) betragen 50 RM. monatlich, für das Wohnheim wird ein weiterer Zuschlag von 20 RM. erhoben. Bei Bedürftigkeit kann Antrag auf Ermäßigung gestellt werden. Der Anmeldung ist beizufügen: ein Lichtbild, ein ausführlicher Lebenslauf (besondere Interessen, Berufswunsch, etwaige Bundeszugehörigkeit, jüdische Kenntnisse) und eine Abschrift des letzten Zeugnisses. Alle. Anfragen sind zu richten an die- Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Schulabteilung) Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, III. Eröffnung des neuen Studienjahrs in. der Lehrerbildungsanstalt Berlin Am Montag, den 27. April 1936, wurde das neue Studienjahr der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin in der Lützowstraße 16 in Gegenwart des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdisch. Gemeinden, Kammergerichtsrat i. R, Wolff eröffnet. Zunächst begrüßte der Dezernent des Landesverbandes, Rabbiner Dr. Galliner, die Studierenden, insbesondere die neuaufgenommenen Hörer und wies darauf hin, daß vor kurzem ein für die weitere Entwicklung der Anstalt höchst bedeutsames neues Faktum eingetreten sei: Der Herr Minister habe die Abnahme der Ersten Lehrerprüfung für die erste Stufe der Anstalt genehmigt und einen Staatskommissar zur Durchführung der Prüfung bestellt. Der Redner betonte die große Verantwortung, die auf den künftigen Lehrern und Lehrerinnen ruhe und sprach die Hoffnung, aus, daß sie dazu heranreifen mögen, die junge Generation in ein neues Leben zu führen, das zwar hart und schwer sein würde, aber voll innerer Würde und Befriedigung. Anschließend gab der Leiter der Anstalt, Dr. Fritz Bamberger, in einem längeren Referat den Hörern einen Ueberblick über die zur Zeit besonders dringlichen Probleme der jüdischen Schulpraxis, an deren Lösung auch die Lehrerbildungsanstalt mitzuhelfen habe. Die Anstalt arbeite nach

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