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Jüdische Schulzeitung · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
6 (1.6.1936)
Date
1936-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nummer 6 Jüdische Schulzeitung Seite 3 im Deutschen Reich" von Joselmann aus Rosheim. Aber nicht einmal andeutungsweise wird - das Zusammentreffen Molchos mit Joselmann vor diesem Reichstage erwähnt. Auf Seite 151/52 sind in § 5 „Sabbatai Zwi, die Kabbatianer und Frankisten" 4 Unterabschnitte Sabbatai Zwi gewidmet. Hieran schließt sich § 6 „Die Juden in Polen. Die Verfolgung Ghmelnickis." (S. 156/57.) Keine Andeutung davon, daß die Bewegung Sabbatais erst durch die Verfolgung Chmelnickis ausgelöst wurde. (Auch Baal Schern und der Chassidismus werden bereits vorher erledigt. (S. 150.) Wir werden weiter unten auf diese Beispiele nochmals eingehend zu sprechen kommen. Zunächst sollen sie uns nur das völlige Fehlen eines innerlich ordnenden Prinzips bei der Zusammenstellung des genannten Lehrbuches zeigen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die sonstigen etwa gebräuchlichen Lehrbücher der jüdischen Geschichte. Es. braucht nicht betont zu werden, wie bedenklich es ist, ein derartiges Buch etwa einem Lehrer in die Hand zu geben, der den Geschichtsunterricht nur als Nebenbei seiner sonstigen Tätigkeit betreibt und infolge anderweitiger Ueberlastung weder Zeit noch Möglichkeit findet, sich eingehender mit der jüdischen Geschichte zu befassen. Einen allzu breiten Raum nahmen in der bisherigen Darstellung literaturhistorische Daten ein. Ohne Zweifel ist die jüdische Geschichte zum großen Teil Literaturgeschichte, doch muß man. sich besonders im Unterricht hier vor Uebertreibungen hüten. Es hat doch wohl nur bedingten Wert, die Verfasser und die Namen von Büchern zu wissen, wenn man nicht wenigstens im Auszuge auch die Bücher selbst kennt. Daher wäre ein geregelter jüdischer Literaturgeschichtsunterricht notwendig, der den Geschichtsunterricht zu ergänzen hätte. In den eigentlichen Geschichtsunterricht sollten literaturgeschichtliche Angaben nur insoweit gehören, als das besprochene Buch jeweils geschichtliche Vorgänge ausgelöst hat. Hierzu wieder ein Beispiel. Gewiß wird niemand den Einfluß der Kabbala auf das Zustandekommen messianischer Bewegungen bestreiten. . Doch geht es viel zu weit, in dem Ueberhandnehmen kabbalistischer Studien die einzige Ursache zu sehen. Auf Seite 151 des Kayseriing lesen wir: „Die nachteiligen Wirkungen der kabbalistischen Studien zeigten sich am deutlichsten in der Bewegung, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Sabbatai Zwi unter den Juden hervorgerufen wurde." Kein Wort verliert der Verfasser an die Chmelnickiverfolgung, kein Wort an den damals auch in der christlichen Welt verbreiteten Glauben, das messianische Zeitalter würde in der Mitte des 17. Jahrhunderts anbrechen, kein Wort schließlich an die sonstigen Umstände, die die Bewegung des Sabbatai Zwi erst einen derartigen Umfang annehmen ließen. Nun sind die besprochenen Mängel keineswegs zufälliger Natur. Vielmehr ist die kritisierte Handhabung des jüdischen Geschichtsunterrichtes bedingt durch die bisher unter den Lehrern vorherrschende Anschauung, unsere Gemeinschaft sei nur durch religiöse und nicht durch nationale Bande geeint. Um diese assimilatorische Haltung aus dem Verlauf der jüdischen Geschichte zu rechtfertigen, wurde der gesamte Stoff in ein Prokrustesbett gezwängt, aus der Geschichte des jüdischen Volkes eine Martyriologie und Bibliographie gemacht, alle die Strömungen, die Ausfluß eines trotz allen Druckes und aller Zersplitterung ungebrochenen Willens zu völkischem Eigenleben waren, zur Mystik neigenden Abenteurern zur Last gelegt oder wie der Chassidismus und überhaupt das Phänomen der ostjüdischen Kultur an die äußerste Peripherie der Betrachtung gerückt. Hinzu kam ein weiterer sich verhängnisvoll auswirkender Umstand. Hätte man das jüdische Gesetz bejaht, so hätte die starke Betonung des literarischen Momentes angesichts der zeitweise leidenschaftlichen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit seinen Büchern ihre natürliche Berechtigung gehabt. Da jedoch weite Kreise unserer Lehrer dem Gesetz ablehnend bzw. indifferent gegenüberstanden, wurde ein derartiger Unterricht von selbst in assimilatorische Bahnen gelenkt. Auch die oben besprochene einseitige Auswertung der, biblischen Geschichte wurzelte in der Ablehnung einer jüdisch-nationalen Kultur. Es sei noch auf eine äußere Schwierigkeit verwiesen, von der allerdings die gesamte jüdische Bildungs- und Erziehungsarbeit betroffen wird. Während bisher ein großer Teil unserer Jugend höhere Schulen bis zur Reifeprüfung absolvierte und danach häufig geistige Berufe ergriff, gewinnt zur Zeit die Volksschule immer mehr an Bedeutung, und soweit jüdische Schüler noch auf höheren Schulen anzutreffen sind, verlassen sie diese meist spätestens nach Absolvierung der U II, um sich einem praktischen Beruf zuzuwenden. Hieraus ergibt sich für die Schule die Notwendigkeit, gewisse Themen, auch weltanschaulicher Art, die bisher zum Stoffgebiet der Oberstufe höherer Schulen gehörten, bereits auf der Mittelstufe zu behandeln, um dem Schüler eine in gewissem Grade abgerundete Bildung ins Leben mitzugeben. Nachdem wir nunmehr die wesentlichsten Mängel des bisherigen Verfahrens sowie die Schwierigkeiten, mit denen der jüdische Geschichtsunterricht zu kämpfen hat, kennen, wollen wir das Gebiet der «Kritik verlassen und in großen Zügen einen Plan für die Umgestaltung der Dinge entwickeln. Zunächst einige grundsätzliche Forderungen, die eigentlich Selbstverständliches enthalten: 1. Der behandelte Stoff muß in jeder Stufe dem durch das Alter der Schüler bedingten Fassungsvermögen entsprechen. 2. Der Tatsache, daß Palästina nicht nur der Lebensraum unseres Volkes in der Aera seiner Vergangenheit war, sondern der Mittelpunkt des jüdischen Volkes in der Gegenwart ist und in der Zukunft hoffentlich bleiben wird, ist weitgehend Rechnung zu tragen. 3. Es ist nach Möglichkeit die innere Gesetzlichkeit äußerlich verschiedener Ereignisse und Bewegungen aufzuzeigen. 4. Die Bibel darf nicht nur zur religiösen Unterweisung herangezogen werden. Vielmehr müssen die historischen Zusammenhänge der biblischen Epoche, insbesondere soweit sie in der Natur Palästinas begründet liegen, und somit auch für die Gegenwart Palästinas bestehen, im „Geschichtsunterricht" zur Geltung kommen. Das gesamte Stoffgebiet soll eingeteilt werden in Geschichte des jüdischen Volkes in Palästina und Diasporageschichte des jüdischen Volkes. Die erste Epoche reicht von Josua bis zum Bar Kochba-Aufstand. Die zweite beginnt mit der Geschichte der beiden Galuthzentren in Aegypten und Babylon und führt bis zur Jetztzeit. Im Einzelnen ist die Ausführung folgendermaßen gedacht. Der gesamte Stoff ist in drei konzentrischen Kreisen zu behandeln. In der Unterstufe (bis 4. Schuljahr), wo ein Verständnis für das temporale Nacheinander und erst recht für den kausalen Zusammenhang in keiner Weise besteht, soll im Rahmen des Lesestoffes für den Deutschunterricht in anekdotischer Form Material aus der biblischen und nachbiblischen Zeit nur im Hinblick auf den beispielhaft-erzieherischen Wert des Gebotenen gebracht werden. Hierbei braucht zwischen Legende und Wirklichkeit kein Unterschied gemacht zu werden. In der Mittelstufe (5. und 6. Schuljahr der Volksschule, VI—IV höherer Schulen) ist in biographischer Form das Leben der großen jüdischen Persönlichkeiten von Abraham bis in die Jetztzeit in möglichst lebendiger Form zu besprechen. Hierher gehören nicht nur religiöse und nationale Führer, sondern eben die „großen" Juden. Um das an einigen Beispielen aus der Neuzeit zu verdeutlichen, neben Männer wie Baal Schern, Mendelssohn und Herzl etwa auch Ballin, Trumpeldor, Lord Reading. Auch diese Biographien sollen episoden- und beispielhaft gehalten sein, alles Geistesgeschichtliche ist auszuschalten. Vielleicht ist in diesem zweiten Kreise ebenfalls kein besonderer Geschichtsunterricht neben dem Deutschunterricht notwendig, vorausgesetzt, daß ein entsprecherfdes Lesewerk geschaffen wird. Im dritten Kreis (7. und 8. Schuljahr der Volkschule, U III bis U II der höheren Schule) hätte dann der eigentliche Geschichtsunterricht seinen Platz. In diesem Alter dürfte die Fassungs- und Urteilskraft der Schüler so weit entwickelt sein,

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