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Jüdische Schulzeitung · 1936-06-01 · 6 (1.6.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
12 (1936)
Issue
6 (1.6.1936)
Date
1936-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung Nummer 6 festiert, ließe sich durch den Mechanismus einer Zwangsmaßnahme plötzlich beseitigen. Niemand, der in dieser eigentümlich gefärbten Klahgwelt lebt, wird auch nur wünschen können, daß es möglich sei und geschehen solle. Trifft aber diese Meinung zu, dann ergibt sich von selbst die Auffassung, daß etwas Zweckwidriges geschehe, wenn Tenach und Ssidur zu irgendeiner Zeit während des Unterrichts in einer dem Ge-. halt dieser Bücher nicht gemäßen Aussprache gelesen werden. Religiöse Impulse gehen in unserer Gemeinschaft vom Bibel- und Gebetbuchtext nicht aus, wenn er in Sfardith an unser Ohr herantritt. Das wird jeder bestätigt finden, der einmal versucht, etwa das Tischgebet zuerst in der einen und dann in der andern Aussprache zu verrichten. Es ist deshalb untunlich, im Bereich des Religiösen überhaupt eine andre Aussprache zu verwenden als die aschknasische. Man beginne also hier ausschließlich mit ihr und führe sie ununterbrochen durch bis zu Ende der Schulzeit. Die gleiche Forderung müßte erhoben werden für das Sfardith, wenn der hebräische Sprachunterricht als Unterweisung' in dem Gebrauch einer zu sprechendn und zu schreibenden Sprache bereits im ersten Schuljahr einsetzte. Das geschieht aber wohl nirgends, und deshalb werde sie modifiziert: Der hebräische Sprachunterricht ist durchgehends in sfardischer Aussprache zu erteilen. Eine Vermengung beider Unterrichtsziele in der Weise, gleiche Texte einmal Sfardith und ein ander Mal Aschknasith lesen zu lassen, unterbleibe. Handelte es sich nur um die wenigen Schwierigkeiten beim Lesen — also im wesentlichen um das o-a, äu-o und ei-e —, so bedürfte es kaum großer Debatten über die Frage der Aussprache. Hier liegt wirklich kein Problem vor, das irgendwie von Belang wäre. Allein es handelt sich um etwas ganz andres, um etwas, was häufig übersehen wird: um den Unterschied in der Syntax und um den innerhalb der Vokabelquainta, die bewältigt werden sollen, sowohl in Tenach-Ssidur als auch in der modernen Lektüre. Bibel und Gebetbuchtexte enthalten vielfach andre Vokabeln als die moderne Umgangssprache. Und wenn auch eine gediegene Kenntnis der religiösen Bücher das Erlernen der Umgangssprache erleichtert, so bedarf deren Studium dennoch der Berücksichtigung eines ganz andern Vorstellungskreises als es der der alten Quellenschriften ist. Es bedarf auch einer andern Satzkonstruktion. Das erkennt jeder, der bedenkt, daß beispielsweise das Wawhahippuch in der modernen Phraseologie durchweg fehlt, und daß die Suffixe nicht selten durch selbständige Wörter ersetzt werden. Nehmen wir alle Momente zusammen, die hier berücksichtigt werden müssen: das jeder Ausspracheweise eigentümliche Klanggefüge, die Satzbildung, den Wortschatz, so ergibt sich ein ganz andrer Unterschied als der, der durch den Wechsel von o und a und durch andre Geringfügigkeiten hervorgerufen wird. Und wir werden ganz von selbst dahinneigem, zwischen dem Aschknasith der religiösen und dem Sfardith der weltlichen Sphäre reinlich zu scheiden und jeder ihr unverkürztes Recht im Unterricht aller Stufen zu belassen. Bei dieser Gelegenheit sei auch ein Wort gesagt zu der Haltung, die gegenüber den Anregungen der Reichsvertretung und ihrer Organe eingenommen werden sollte. Die Empfänger gehen nicht selten mit Worten harter Kritik über sie zur Tagesordnung über. Das ist der Sache, um die es geht, durchaus nicht förderlich. Die breite jüdische Oeffentlichkeit sollte alles tun, um das Ansehen und die Autorität einer Instanz zu heben, die unsere in harter Notzeit lebende Gemeinschaft vertritt. Es müßte heute für alle die Feststellung unerheblich sein, wie diese Repräsentanz zustandegekommen und zusammengesetzt worden ist Ausschlaggebend ist - allein, daß sie da ist und arbeitet. Freilich kann eine so gerichtete Beziehung, mit dem Charakter der freiwilligen Unterordnung ausgestattet, nur Dauer haben, wenn die Ueberzeugung besteht, es erfolge keine Anweisung von oben, die nicht aufs umsichtigste durchdacht sei. In Schul- und Unterrichtsfragen vollends bedarf; es des Rates erfahrener Pädagogen und Methodiker, wenn es darum geht, eine allerdings nur in beschränktem Umfang mögliche und tunliche. Vereinheitlichung im ganzen Reich herbeizuführen. Es darf auch nicht verabsäumt werden, durch Umfragen: „in der Provinz" eine hinreichend fundierte Gesamtschau zu gewinnen, aus der heraus das rechte Wort zur rechten Stunde hinausgesprochen werden kann. In dieser Hinsicht gewinnen die verschiedenen Aussprachen ihr Gewicht, die die Schulabteilung der Reichs Vertretung mit dem Vorstand unseres Lehrerverbandes zusammengeführt haben. Möchten sich die Früchte gemeinsamen Ratens und Tatens bald zeigen. Moreh Jehudi. Vorschläge zur Stoffauswahl und Stoffverteilung im jüdischen Geschichtsunterricht von Felix David, Beuthen Eine der wichtigsten didaktischen Forderungen, auf die wir Schritt für Schritt stoßen, verlangt die Verlebendigung des jüdischen Geschichtsunterrichtes, d. h. eine Stoffauswahl und Darstellung, die einmal den Ansprüchen der modernen Geschichtsmethodik genügt und zweitens die erzieherischen Möglichkeiten gerade des Geschichtsunterrichtes in weit größerem Maße als bisher ausschöpft. Es soll daher in diesen Zeilen zunächst eine Analyse des bisherigen Stoffplanes gegeben werden, woran sich dann Vorschläge für einen neuen Stoffverteilungsplan anschließen werden. Bisher bewältigte man den gesamten Geschichtsstoif von der Erschaffung der Welt bis in unsere Zeit in zwei großen Abteilungen, der biblischen und der nachbiblischen oder jüdischen Geschichte. Diese Unterteilung war jedoch keineswegs, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag, eine rein äußerliche. Mail pflegte mit der biblischen Geschichte bereits im ersten Schuljahr, wenn auch noch nicht immer systematisch, zu beginnen und endete bei Esra meist im 6. Schuljahr der Volksschule bzw. in höheren Schulen in Quinta oder Quarta. In diesen Jahrgängen war der Geschichtsunterricht zum guten Teil religiöser Gesinnungsunterricht, die Darstellungsweise, bedingt durch das Auffassungsvermögen der Kinder, war verhältnismäßig naiv, und das religiös Beispielhafte wurde stark in den Vordergrund geschoben. Es bestanden wohl hier und da Unterschiedlichkeiten, die auf die religiöse Einstellung des Lehrers zurückzuführen waren, der eine betonte mehr die Wunder der Bibel, der andere die sittlichen Forderungen, doch bestand bei allen Einigkeit darin, daß die Heilige Schrift gerade wegen ihres beispielhaften Charakters aus erzieherischen Gründen in die unteren Jahrgänge gehöre und eine anderweitige Auswertung der historischen Bücher der Bibel in der Schule nicht am Platze sei. Demgegenüber spielte der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte eine durchaus untergeordnete Rolle. Er umfaßte, die Oberstufe der Volksschule (7. und 8. Schuljahr) und begann in höheren Schulen in Quarta oder Tertia. Man beschränkte sich auf die Darbietung von Tatsachenmaterial, wobei man bei der Stoffanordnung auf die größten Schwierigkeiten stieß, so daß Ereignisse, die sich in verschiedenen Ländern nacheinander, womöglich in kausaler Abhängigkeit voneinnander, abspielten, mitunter in verkehrter Reihenfolge besprochen wurden. Denn die Darstellung in den Büchern erfolgte meist in territorialen Längsschnitten. Ich will dies an zwei Beispielen, die ich dem 6. Abschnitt „Von der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal bis zur Zeit ' Moses Mendelssohns" des weitverbreiteten Lehrbuches der jüdischen Geschichte und Literatur von Kayserling-Rosenthal, 10. Auflage 1922, Leipzig, entnehme, aufzeigen. Auf Seite 149, § 4 „David Reubeni und Salomon Molcho" wird im Rahmen der Geschichte der Juden in der Türkei die Bewegung Reubenis und Molchos behandelt und natürlich das Erscheinen der beiden auf dem Reichstag zu Regensburg (1532) berichtet. Auf Seite 168 hören wir in § 12 „Die Juden

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