Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (2.5.1936)
- Date
- 1936-05-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nummer 5 hers.. Wenn er mit den Schülern Naturwissenschaft betrieb, so weniger mit dem rechnenden Verstände, der die lebendige Natur in Begriffe und Zahlen einspannt, als mit der Versenkung in das Leben der Natur, .um durch hingebende Betrachtung ihr Geheimnis abzulauschen. Und im Deutschunterricht führte er die Schüler über die intellektualistische Stoffvermittlung hinaus zu den schöpferischen Gestaltern, die dem, was in Tiefen von Welt und Seele schlummert, symbolhaften Ausdruck verleihen. Von diesen Geistesgrößen und dieser Innenschau ist dann nur noch ein Schritt zur Religion. Der Religionsunterricht war Falkenbergs eigenste Domäne. Frei von Sentimentalität und erbaulich wirkenwollender Tendenz wußte er durch den Stoff der heiligen Geschichte, durch das zündende Wort der Propheten, durch den hohen Sinn der Gebote, und Lehren, sowie durch die Innerlichkeit der Gebete und die weihevollen Klänge der heiligen hebräischen Sprache die Jugend für das Große und Verpflichtende unserer Geschichte zu gewinnen und ihr das stolze Gefühl ihres Judeseins einzupflanzen. Hermann Falkenberg hat das Glück gehabt, sein Bestes rein und ganz geben zu können. Verständnisvolle Schulleiter haben ihn auf den Platz gestellt, der seinen Fähigkeiten entsprach. Von dem Waisenhause in Pankow führte, ihn sein Weg an die Mädchenmittelschule der jüdischen Gemeinde, dann an die Knabenmittelschule, hierauf an das Seminar und nach dessen Auflösung wieder an die Mittelschule. Den Gemeindebehörden, die seine organisatorischen Fähigkeiten auch für Leitung einer Religionsschnle verwerteten, gebührt Dank, daß sie einer ausgeprägt liberalen Persönlichkeit mit heißem Temperament uneingeschränkte Lehrfreiheit gewährten, die diesem bei aller Bescheidenheit selbstbewußten Manne Lebensbedürfnis war und von der er taktvoll den weisesten Gebrauch machte. Dieser Lehrer der Jugend hat viele Erwachsene wieder beten gelehrt. Eine Reihe von liberalen Synagogen ander Berliner Peripherie hat er begründet und unermüdlich die alten Formen mit neuem lebendigem Inhalt zu erfüllen gesucht. Viele junge Theologen gingen willig auf seine Intentionenein und wurden ihm wertvolle Helfer und Wegbereiter. Zahlreiche jüdische Menschen, zum Teil solche, die Tange dem Judentum fern gestanden haben, finden in diesen Gottesdiensten die ihrem religiösen Bedürfnis angemessenste Andacht und Erbauung. * Die Ehrungen, die unserm Heimgegangenen zuteil wurden, beweisen,, daß unsere Gemeinschaftwahres Verdienst zu würdigen weiß. Die jüdische Lehrerschaft im besondern bewahrt Hermann Falkenberg in treuem Andenken und hütet sein geistiges Erbe mit dem stolzen und dankbaren Bewußtsein: „Er war unser". Dr. L. Verschiedenes Der Erlaß des Reichsministers Dr. Rust. wonach vom Schuljahr 1936 ab Lernanfänger in privaten Vorschulen und Vorschuiklassen nicht mehr aufgenommen werden dürfen, findet auf-private jüdische Vorschulen und Vorschulklassen keine Anwendung, Auf einer Tagung der Nürnberger Ratsherren teilte der Schulreferent mit, daß die Nürnberger Volksschulen mit Beginn des Schuljahres frei von jüdischen Kindern sein würden. Den jüdischen Eltern sei freigestellt worden, ihre Kinder in besonderen, rein jüdischen städtischen Klassen weiter unterrichten zu lassen. Sie hätten es jedoch vorgezogen, ihre Kinder in privaten jüdischen Schulen unterzubringen. Entsprechende Maßnahmen seien für das kommende Schuljahr auch bei den städtischen Mittelschulen beabsichtigt. Kollege Wallach aus Aachen hat seinerzeit eine „Kinderbibel".bearbeitet, die für die Hand der Schüler der ersten Seite 7 drei Schuljahre bestimmt ist. Das Büchlein hat durchweg günstige Aufnahme bei Eltern, Lehrern und Kindern gefunden. Kollege Wallach verfügt als Selbstverleger noch über eine größere Anzahl des Werkchens und ist bereit, es zu billigem Preis abzugeben. (Anschrift: Roonstraße 21). Literarisches Jugendbücherei des Keren Kajemeth Lejisrael: Wenn ihr ins Land kommt . . . Dieses hübsch ausgestattete Büchlein wirbt in unaufdringlicher Weise für das Aufbauwerk in Erez Jisrael. Das Thema — der 15. Tag im Schwat — wird in reizvoller Abwechslung behandelt. Sehilderungen der Feier in Vers und Prosa, in Hebräisch und Deutsch, auch im Lied machen das Büchlein zu einer wertvollen Lektüre, die namentlich bei der Jugend Anklang findet. Die sachlichen Darstellungen am Schluß bilden einen anschaulichen Beitrag zur Palästinakunde. Fremdwörter wie Investierungen, intensiv, Rentabilität u, a. m. hätten vermieden werden müssen. Unsere Kinder werden die Briefe junger Freunde im Lande mit besondrer Aufmerksamkeit lesen. Ein Programmentwurf zur Feier des 15. Schwat mag dazu anregen, diesen Tag auch bei uns so auszugestalten, wie es seinem Sinn angemessen ist. S. B. Philo-Lexikon, Philo Verlag, Berlin; 3. Auflage 22. bis 26. Tausend, 4.80 RM. Dieses Werk hat einen einzigartigen verlegerischen Erfolg zu verzeichnen; ein für sich sprechendes Faktum, das mehr wiegt als das lobende Wort des Kritikers. Die Bearbeiter haben in einer kurzen Zeitspanne eine Unsumme von Neuarbeit geleistet; das merkt jeder, der die erste mit dieser dritten Auflage vergleicht. Alle Angaben sind überprüft und berichtigt worden. Eine Fülle von Neuem ist hinzugekommen. Was die raschlebige Zeit an neuen Tatsachen gebiert, und es ist wahrhaftig nicht wenig, das hat seinen Ort im Philo-Lexikon gefunden. Die ungezählten Anregungen, die an den Verlag herangetragen wurden, sind nach Möglichkeit berücksichtigt worden. Und so dürfen wir uns freuen, einen so zuverlässigen Führer durch die Welt des Judentums zu besitzen, ein Nachschlagebuch, das uns Lehrern auch im Unterricht ausgezeichnete Dienste leisten kann. S. B. Kalender der Isr. Taubstummenanstalt für Deutschland, Berlin-Weißensee, 2,65 RM. Ein im Aeußern und Innern vornehmer gediegener Kalender mit guten Bildern und Merksätzen. 27 Köpfe jüdischer Menschen zeigen dem Beschauer, daß unsere vielgeschmähte Gemeinschaft in hinreichendem Maße wohlgestaltete edelgeformte Köpfe aufzuweisen hat. Möchte der Kalender den „Jedide IImim" viele Freunde werben! S. B. Walter Blumenfeld, Jugend als Konfliktsituation. Jugendpsychologie mit Berücksichtigung des jüdischen Kindes. Philo Verlag, Berlin. Jugend erziehen setzt sowohl eine genaue Kenntnis der kindlichen Seeienstruktur, als auch das Wissen über die Faktoren voraus, die maßgeblichen Einfluß auf Wachstum und Entwicklung des Seelenlebens ausüben. Nicht gleichmäßig verlaufen Wachstum und Entwicklung von Seele und Geist. Es gibt •Krisenperioden und Konfliktsituationen, die ganz besondere Rücksichtnahme des Erziehers auf den zu Erziehenden und eine Einfühlung in seinen Seelenzustand verlangen, wenn er die Erziehungsschwierigkeiten in diesen Perioden meistern will. Sich Klarheit darüber zu verschaffen, ist Pflicht und Aufgabe eines jeden Lehrers, er erspart sich viel Aerger und Verdruß und hilft dem Jugendlichen, diese auch für ihn schwierige Zeit leichter zu überwinden. Das vorliegende Buch, mit vielen schematischen Zeichnungen und Tabellen, führt in leichtverständlicher und instruktiver Weise in die hier in Frage kommenden Probleme Jüdische Schulzeitung